Bodyguard Staffel 1
Bodyguard Staffel 1 Episodenguide
News zur 1. Staffel Bodyguard
Noch mehr News zur Serie BodyguardReview zu Bodyguard Staffel 1
Superlative sind super. Nichts verkauft sich besser als reißerische Überschriften, egal, in welchem Ressort man sich bewegt. Im Seriengeschäft ist es mittlerweile ebenfalls gang und gäbe geworden, mit voller Inbrunst auf die neuesten Entwicklungen innerhalb der Industrie hinzuweisen. So zum Beispiel auch im Fall von Bodyguard, eine Serienproduktion aus dem Hause der BBC, die Ende August ihre Premiere auf BBC One feierte. „Das ist Europas größter Serienhit seit mehr als zehn Jahren! Aufregender Quotenschlager aus Großbritannien landet bei Netflix!“ Und so weiter und so fort.
Unrecht hat man mit derartigen Schlagzeilen nicht. „Bodyguard“, von Line of Duty-Serienschöpfer Jed Mercurio erdacht (ein Name wie ein Bond-Bösewicht, der mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem Meeresgrund ein geheimes Superlabor betreibt), hat in Großbritannien tatsächlich sehr beeindruckende Einschaltquoten einfahren können. Allein der Auftakt kam insgesamt auf 10,4 Millionen Zuschauer, inklusive Abrufe über SVoD-Services und dem BBC iPlayer, was einen Marktanteil von knapp 41 % zufolge hatte. Zwischenzeitlich ging die Zuschauerzahl auf nach wie vor beachtliche 6,6 Millionen zurück, bei der Finalepisode schalteten dann gut elf Millionen Menschen ein, was einem Marktanteil von unglaublichen 47,9 % entsprochen hat. Und mittlerweile, gut ein Monat nach dem Staffelfinale, haben etwas mehr als 17 Millionen Menschen die finale Folge von „Bodyguard“ gesehen.
Review zur Pilotepisode von „Bodyguard"
Solche Zahlen sind im Bereich der fiktiven Produktionen zuletzt 2006 Downton Abbey und einem Weihnachtsspecial von Doctor Who im Jahre 2008 gelungen. 2018 konnte in Großbritannien gerade mal die Fußballweltmeisterschaft in Russland mehr Leute vor die Bildschirme locken. Und diese eine kleine königliche Hochzeit, der um die 18 Millionen Britinnen und Briten live vor der Mattscheibe beigewohnt haben. Was für britische Fernsehexperten besonders interessant ist: „Bodyguard“ funktionierte auch ausgezeichnet bei einem jüngeren Publikum, in der Zielgruppe der 16- bis 34-Jährigen, die generell nicht so einfach für öffentlich-rechtliche Inhalte zu begeistern ist.
Aber, siehe da, gut 1,2 Millionen von ihnen sahen sich die Premiere der Miniserie an, eine Hausmarke, die man beim Finale sogar noch ein wenig übertreffen konnte (1,3 Millionen Zuschauer zwischen 16 und 34 Jahren, was gleichbedeutend mit einem Marktanteil in der Zielgruppe von 42,3 % war). Eine tolle Geschichte für die BBC und die perfekte Vorlage für die Presse, „Bodyguard“ mit Pauken und Trompeten durch den Nachrichtenkreislauf zu chauffieren. Doch nur, weil viele Menschen sich etwas ansehen, heißt das im Umkehrschluss nicht, dass dieses Etwas auch wirklich gut ist...
Hinsichtlich „Bodyguard“ kann man jedoch nicht von einem sonderbaren Massenphänomen und gänzlich unerwarteten Straßenfeger sprechen. Nein, die Serie verfügt in der Tat über große Qualitäten und versteht es, die Zuschauer über sechs Episoden mit nervenaufreibenden Wendungen, intensiven Darbietungen und einer aufregenden Auseinandersetzung mit aktuellen Streitthemen bei der Stange zu halten. Genau so schafft man sich ein gigantisches Publikum heran, das Woche für Woche zurückkehrt und sich von den vielen schockierenden Entwicklungen der Serie mitreißen lässt. Doch, wenn ich etwas höre wie „Europas größter Serienhit seit mehr als zehn Jahren!“, dann fühle ich mich fast schon ein wenig dazu verpflichtet, auf die Bremse zu drücken. Die Einschaltquoten sind überragend gewesen. Und die Serie per se ist ebenfalls sehenswert. Aber zu einem wahren Hit auf allen Ebenen fehlt dann doch noch ein ordentliches Stück...

And I will always love you...
Die Idee von Bodyguard ist schnell umrissen: Ein fähiger Personenschützer und Kriegsveteran namens David Budd („The Original King in the North“ Richard Madden) wird nach einer heldenhaften Aktion, bei der er beispielhaft einen Bombenanschlag verhindert hat, als Bodyguard der umstrittenen britischen Innenministerin Julia Montague (Keeley Hawes) eingesetzt. Diese hegt wiederum deutliche Ambitionen, früher oder später den Posten als Premierministerin von Großbritannien zu bekleiden. Die resolute Politikerin hat sich zuletzt aber einige Feinde gemacht, unter anderem aufgrund eines neuen Gesetzesentwurfes für die nationale Sicherheit, der die Bürger und Bürgerinnen noch gläserner macht, als sie es bereits sind, und sich verdächtig nach einer Maßnahme pro modernem Überwachungsstaat anhört.
Zusätzlich zu ihren politischen Konkurrenten, die Julias kometenhaften Aufstieg argwöhnisch beobachten, machen ältere Statements von ihr sie obendrein unbeliebt bei ehemaligen Militärangehörigen, die wegen ihr in den Auslandseinsatz mussten und dort schreckliche Erfahrungen gesammelt haben. Zu diesen gebrandmarkten Seelen zählt auch David, der sich schnell in einem beruflichen Dilemma wiederfindet: Zum einen ist er ein pflichtbewusster, gewissenhafter Bodyguard, der sein Leben für die Person geben würde, die er beschützen soll. Zum anderen beißen sich seine Überzeugungen extrem mit den Ansichten von Julia Montague, die Person, für die er verantwortlich ist. Und um die ganze Sache noch etwas komplizierter zu machen, entwickelt sich zwischen David und Julia auch noch eine pikante persönliche Beziehung, was auf lange Sicht kein Gutes Ende nehmen kann.
Chefautor Jed Mercurio (ein Name wie ein gestählter American Gladiator, der den ausgetüftelten Hindernisparcours mit Leichtigkeit hinter sich lässt) zeigt in den ersten drei Folgen von „Bodyguard“ ein feines Gespür dafür, die Zuschauer in Sicherheit zu wiegen und eine allgegenwärtige Anspannung zu generieren, die recht schnell zum Markenzeichen der Serie wird. Insbesondere das verzwickte Verhältnis zwischen David und Julia steht stark im Fokus, doch auch die politischen Grabenkämpfe zwischen unterschiedlichen Fraktionen, Sicherheitsdiensten und der Polizeibehörde werden ausführlich illustriert, was uns ein Gefühl dafür gibt, wie gereizt die momentane Lage in der parlamentarischen Monarchie des Vereinigten Königreiches doch ist.
Auf diese Weise schafft man sich eine hervorragende Grundlage für die zweite Hälfte der Staffel, in der aus dem doch eher charakterzentrierten Politdrama ein dramatischer Verschwörungsthriller wird, in dem es plötzlich Schlag auf Schlag geht. Das hat wiederum Vor- und Nachteile. Während es anfangs vergleichsweise ruhig zugeht (den ersten größeren Aufreger gibt es in der dritten Episode - Vorsicht) und man einen nachvollziehbaren Zugang zu den Charakteren erhält, sich gleichzeitig aber auch ein paar Längen in der Erzählung bemerkbar machen, bringt der Tempowechsel Mitte der Staffel reichlich Schwung mit sich, wodurch man schon mal vollends von den sich überschlagenden Ereignissen mitgerissen wird. Wuchtige, packend inszenierte Actionsequenzen durchbrechen die sterile Polittristesse ruckartig und kommen einem brutalen Weckruf gleich.
Andererseits muss man sich in der Folge den Vorwurf gefallen lassen, dass es in „Bodyguard“ fortan stellenweise etwas unrealistisch zur Sache geht (für manch einen ist das vielleicht sogar noch eine Untertreibung), so geerdet und britisch kühl das Format auch durchweg sein mag. Die Bereitschaft der Zuschauer, um der Dramaturgie und Spannung willen doch mal ein Auge zu zudrücken, wird mehrfach auf die Probe gestellt. Hinzu kommt, dass man sich in der Finalepisode in eine Art Sackgasse manövriert, aus der man nur mit einem Twist herauskommt, der sich leider etwas faul und zweckdienlich anfühlt. Ein klassisches Problem: Man fängt stark an, dreht noch einmal richtig auf, leistet sich dadurch ein paar (verkraftbare) Fehltritte und... kann das überdurchschnittliche Niveau am Ende nicht wirklich halten. Schade.

The name is Budd. David Budd.
Man macht sich selbst das Leben schwer und kann der großen Anspannung, die sich sukzessive aufgebaut hat, nur in Teilen gerecht werden. Es scheint fast so, als hätte man ein bisschen zu hoch gepokert, wodurch es am Ende eben doch nicht für Bodyguard ausreicht, der besagte Tophit auf mehreren Ebenen zu sein. Doch von diesem Vorwissen und den damit einhergehenden, moderaten Erwartungen an die Serie kann man als Zuschauer auch profitieren.
Diese können sich so nämlich ein Stück weit befreit mit dem Netflix-Neustart beschäftigen und die Vorzüge der Serie genießen, ohne sich zu sehr an etwaige Vorschusslorbeeren oder die reißerische Berichterstattung im Vorfeld zu klammern (der Streaminganbieter hatte bereits zu Produktionsbeginn die internationalen Ausstrahlungsrechte außerhalb von Großbritannien und Irland erworben und zeigt „Bodyguard“ ab heute, den 24. Oktober weltweit). Denn trotz so einiger Momente, die arg hanebüchen anmuten und dem zweifelhaften Ende der Staffel, entpuppt sich das Format als ein immer wieder fesselnder Genremix, der von seinen beiden Hauptdarstellern Richard Madden (der seinem herrlichen, teils unverständlichen schottischen Akzent freien Lauf lassen darf) und Keeley Hawes (wie gemacht für die Rolle einer Not-So-Elder Stateswoman) hervorragend getragen wird.
Vor allem für Madden, der sich seit seiner Zeit in Game of Thrones an diversen Film- und Serienproduktionen versucht hat - mal mit mehr (die Handvoll Fans des wenig beachteten, aber empfehlenswerten Goldsucherdramas Klondike werden mir hoffentlich Recht geben), mal mit weniger Erfolg (was ist eigentlich aus dem Amazon Prime Video-Piloten Oasis geworden?) -, freut es einen, dass er hier seine Talente so überzeugend zur Schau stellen kann. Seine Darbietung und sein Auftreten wirken zu Beginn noch etwas befremdlich, doch schon bald wird er zu einem emotionalen, vielschichtigen und dankenswerterweise auch alles andere als makellosen Fixpunkt, um den die verschiedenen Handlungsstränge und Charaktere ihre Bahnen ziehen. Ob er deshalb gleich als legitimer Kandidat für die Bond-Nachfolge taugen würde, so brodelt es aktuell in der Gerüchteküche, müssen andere entscheiden.
Interessant ist darüber hinaus, wie nah sich Serienschöpfer Jed Mercurio (ein Name wie ein windiger Produzent von schlüpfrigen Erwachsenenfilmen aus den 70er Jahren) am Puls der Zeit bewegt, was wiederum auch ein Grund für die extrem hohen Zuschauerzahlen gewesen sein dürfte. Das Thema Brexit wird dabei jedoch gar nicht angesprochen, vielmehr befasst man sich mit der permanenten Bedrohung der westlichen Welt durch diverse Terrororganisationen - ein Sachverhalt, der sehr präsent in der heutigen medialen Berichterstattung ist. Das nährt wiederum Massenhysterie und stellt politische Entscheidungsträger vor die Herausforderung, die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, aber zur gleichen Zeit auch dafür zu sorgen, dass grundlegende Menschenrechte nicht verletzt werden, so zum Beispiel, wenn es um die Privatsphäre eines jeden Einzelnen geht.
Damit trifft Mercurio einen wunden Punkt in der soziopolitischen Landschaft Großbritanniens (und nicht nur dort), der die Serie umso greifbarer für das ansässige Publikum gemacht hat. Doch der Serienmacher hat auch nicht zu Unrecht Kritik kassiert, da er sich bei der Darstellung von muslimischen Charakteren alles andere als geschickt angestellt hat und in der Serie gleich mehrere Stereotypen bedient werden, die es mittlerweile wirklich nicht mehr im TV braucht. Auch dieser Aspekt schmälert Bodyguard am Ende in der Gesamtwertung, was ärgerlich ist, weil man das Ganze von vornherein hätte umgehen können. Abgesehen von dieser Kontroverse qualifiziert sich das atmosphärisch dichte „Bodyguard“ jedoch leicht für ein paar spannungsgeladene Serienabende. Selbst, wenn es sich nicht um den ganz großen Tophit handelt, zu dem das Drama vielerorts gemacht wird.
Der Trailer zu „Bodyguard":
«Bodyguard» Trailer
Bodyguard Staffel 1 Episodenguide
Der von seiner Zeit im Krieg geplagte Polizei-Sergant David Budd (Richard Madden), Teil des Metropolitan Police's Royalty and Specialist Protection Branch (RaSP), hat sich durch sein mutiges... weiterlesen
Ein weiterer Terroranschlag erhöht die britische Bedrohungslage akut. Innenministerin Julia Montague (Keeley Hawes) trifft sich heimlich mit dem Generaldirektor des Sicherheitsdienstes und... weiterlesen
Die Hauptstadt verarbeitet noch immer die kürzlichen Angriffe und Specialist Protection Officer David Budd (Richard Madden) steht unter mehr Druck als je zuvor, die Sicherheit der Innenministerin... weiterlesen
Die Ereignisse des Abends zuvor holen Innenministerin Julia Montague (Keeley Hawes) und David Budd (Richard Madden) ein. weiterlesen
Während er Julias (Keeley Hawes) politisches Hakenschlagen immer mehr durchschaut, wird für David (Richard Madden) die Theorie einer Verschwörung im Herzen der Regierung immer plausibler. Aber... weiterlesen
David Budd (Richard Madden) gelingt der Durchbruch bei seinen Ermittlungen zu dem Angriff auf die Innenministerin. Jedoch hat er sich dadurch in große Gefahr gebracht. Die Zeit rennt und hat er... weiterlesen