Bodies: Dann sind sie schon begraben - Review der ersten beiden Episoden

Bodies: Dann sind sie schon begraben - Review der ersten beiden Episoden

Die britische Sci-Fi-Thriller-Miniserie „Bodies“ bei Netflix erzählt ihre Geschichte auf gleich vier Zeitebenen und sorgt durch komplexes Storytelling und außergewöhnliche Figurenkonstellationen für Hochspannung. Mehr dazu in unserem Review zu den ersten beiden Episoden.

Poster zur Serie „Bodies“
Poster zur Serie „Bodies“
© Netflix

Das passiert in der Serie „Bodies“

In der Longharvest Lane in London entdecken die Polizisten DS Shahara Hasan (Amaka Okafor), DS Karl Whiteman (Jacob Fortune-Lloyd), DI Edmond Hillinghead (Kyle Soller) und DC Iris Maplewood (Shira Haas) in Bodies die nackte Leiche eines Unbekannten.

Das Skurrile: Die vier Beamten existieren in unterschiedlichen Zeiten. Wieso taucht derselbe Körper am selben Ort in den Jahren 1890, 1942, 2023 und 2053 am selben Tag, dem 14. Juli auf? Wer ist er? Woher stammt er? Und warum erklingt immer wieder die Phrase „wisse, du wirst geliebt“, die die diversen Verdächtigen während der Ermittlungen über die Zeiten hinweg wie ein Mantra sprechen?

Mysteriös von Beginn an

Beginnen wir diese Rezension mit einem weltberühmten Zitat aus der „Apologie des Sokrates“ des großen Philosophen Platon: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Genau dieser treffende Gedanke könnte manchen Zuschauenden kommen, wenn er oder sie die erste Folge mit dem Titel You're Dead Already (Dann sind sie schon begraben ) beim Streamingdienst Netflix gesehen hat.

Denn einfach zu folgen, ist der Geschichte um vier Londoner Polizisten, die in verschiedenen Zeiten ein und dieselbe Leiche finden, zunächst einmal nicht. Und das ist gut so, denn „Bodies“ bringt mit diesem ungewöhnlichen Ansatz jede Menge Schwung in die Fantastik.

Nicht, dass Zeitreise-Storys etwas Gänzliches Neues wären, doch die achtteilige Miniserie beginnt als recht gewöhnlicher Krimi, entpuppt sich aber schnell als komplexes Geflecht, das dank einer geschickten Inszenierung von Beginn an spannend ist und sich darüber hinaus ungewöhnlich frisch anfühlt.

Vier Zeitlinien

Der Splittscreen in „Bodies“
Der Splittscreen in „Bodies“ - © Netflix

Um die Tatsache an das Publikum heranzutragen, dass wir es nicht mit Rückblenden, sondern wirklichen Zeitebenen zu tun haben, arbeiten Creator und Showrunner Paul Tomalin (No Offence) und seine beiden Regisseure Marco Kreuzpaintner (The Lazarus Project) und Haolu Wang unter anderem mit Splitscreens, die die Handlungen der vier Hauptfiguren nebeneinanderstellen und so den Eindruck vermitteln, dass sie zwar Jahrzehnte voneinander getrennt, aber doch untrennbar im Raum-Zeit-Kontinuum miteinander verknüpft sind. Diese Art Kameraführung war in früheren Jahrzehnten ein gern genutztes Stilmittel (etwa im Film „Andromeda, tödlicher Staub aus dem All“), wurde aber in den letzten Jahren eher selten eingesetzt. Umso schöner, dass es in „Bodies“ nun ein Revival erfährt.

Wer der Tote - oder im Fall der 2053 ermittelnden DC Maplewood fast Tote - genau ist, verrät uns die Debüt-Folge natürlich nicht. Die erste Stunde dient indes überwiegend der Etablierung des Mysteriums und der Einführung der Figuren. Und die sind klug geschrieben, denn jede von ihnen verfügt über das Potential, Diskriminierungen ausgesetzt zu sein.

Die Hauptfiguren

DC Hasan (2023) ist Muslima und wird während einer ultrarechten Demo eingeführt, DI Hillinghead ist im Jahr 1890 verheiratet, aber insgeheim schwul. DS Whiteman aus dem Jahr 1942 heißt eigentlich Weißmann und steht im von der Deutschen Luftwaffe bombardierten London der Judenhetze eines Kollegen gegenüber. DC Maplewood leidet wiederum 2053 unter einer seltenen Erkrankung.

Ob die Figurenzeichnung in Bodies nur erfreulich ungezwungen inklusiv ist, oder etwas mit dem Fall zu tun hat, erfahren wir in den ersten beiden Episoden nicht, zumindest beim korrupten Whiteman, der von einer mysteriösen Frau Aufträge erhält, liegt der Verdacht jedoch nahe.

Obwohl also Dann sind sie schon begraben viele Fragen aufwirft und sich hauptsächlich den Protagonisten widmet, geschieht doch genug, um den Spannungsbogen auf ein angenehmes Level zu treiben. Mit Folge zwei, Do You Know Who I Am?' (Wissen Sie, wer ich bin?) geht es dann richtig in die Vollen und die ersten Zusammenhänge werden offenbar.

Anders als bei den drei anderen Ermittlern, findet Maplewood nämlich keine Leiche, sondern einen schwer Verletzten. Die Hoffnung auf einen interessanten Fall zerschlagen sich aber bald darauf für die talentierte Polizistin, die von ihren Kollegen auch respektvoll „Spürhund“ genannt wird.

Die Zukunft

Die Zukunft in „Bodies“
Die Zukunft in „Bodies“ - © Netflix

Denn der Angeschossene wird von höchster Ebene aus initiiert zur Verschlusssache. An dieser Stelle nimmt die Geschichte plötzlich Fahrt auf. Denn wir erfahren, dass der 14. Juli in der Zukunft ein Gedenktag für ein schreckliches Attentat auf London 30 Jahre zuvor ist, in dessen Folge die politischen Strukturen zerfielen und die autoritär ausgerichtete „Exekutive“ um den charismatischen Commander Mannix (toll gespielt von Stephen Graham) die Macht im Land übernahm. im Jahr 2053 bildet sich eine Widerstandsorganisation rund um den Quantenphysiker Gabriel Defoe, der wiederum eben jene Leiche ist, die über die Zeiten hinweg auftaucht.

Damit dürfte auch ansatzweise klar sein, wie es zu den Zeitanomalien kommt, die möglicherweise von Defoe initiiert sind, womit durchaus vage Erinnerungen an die in Deutschland stark unterschätzte Sci-Fi-Serie beziehungsweise Thrillerserie Continuum aufkommen. Ob sich die Geschichte in eine ähnliche Richtung entwickelt und es letztlich darum geht, das Attentat im Jahr 2023 zu verhindern, bleibt indes abzuwarten. Was auch immer sich Tomalin ausgedacht hat. Die konträre Gegenüberstellung der in dystopischer Cyberpunk-Manier gestalteten Zukunft, und vornehmlich der beiden Zeitebenen 1890 und 1942, macht jede Menge Spaß und fühlt sich neu und frisch an.

Verwinkelt

Die Leichenhalle der Gegenwart in „Bodies“
Die Leichenhalle der Gegenwart in „Bodies“ - © Netflix

Hinzu kommen in Bodies herrlich verwinkelte Figurenkonstellationen, kryptische Anspielungen und Rätsel über Rätsel. Stark ist vor allem, dass jedes Mal ein neues Mysterium auftaucht, wenn man glaubt, gerade eine Auflösung präsentiert bekommen zu haben. Im Jahr 2023 stellt DS Hasan beispielsweise einen jungen Mann asiatischer Herkunft, den sie während der oben erwähnten Neonazidemo mit einer Waffe in der Hand antraf und bis in die Longharvest Lane verfolgte.

Der erschießt sich aber mit den bereits bekannten Worten „Wisse, dass du geliebt wirst“ auf den Lippen, während sie ihn trifft, um ihn zur Aufgabe zu bewegen.

Als herauskommt, dass der 15-jährige Elias (Gabriel Howell) den Jungen möglicherweise angestiftet hat und seine Stiefeltern verhaftet werden, locken diese die ermittelnden Beamten in eine tödliche Falle.

Maplewood wiederum wird vom Führer der „Exekutive“ selbst rekrutiert, um besagte Widerstandszelle auszuschalten. Sie begibt sich daraufhin an die Universität, an der Defoe lehrt. Doch der spaziert just in diesem Moment putzmunter durch die Tür, als sie sich nach ihm erkundigt.

Die hier genannten Beispiele sind nur drei der zahlreichen vom Publikum zu knackenden Nüsse, die in der interessanten und verwinkelten Welt von „Bodies“ zu finden sind und die diese Serie auszeichnen. In Kombination mit dem stark aufspielenden Cast, der vier Zeitebenen und einer ansprechenden Inszenierung könnte Netflix hier also einen Hit an der Angel haben.

Fazit

Bodies“ versteht es, das Publikum schnell in den Bann zu ziehen und eine unbändige Neugier auf die Hintergründe der Geschehnisse zu wecken. Die Geschichte ist verzwickt und intelligent geschrieben, die Figuren sind außergewöhnlich vielschichtig und lassen einen breiten Interpretationsspielraum zu.

Die Inszenierung ist stark und wird den vier Zeitebenen auf audiovisueller Ebene in jeder Hinsicht gerecht. Das Setdesign, die Kostüme, die Auswahl der Schauspielenden und die futuristischen Cyberpunkanklänge: hier passt wirklich alles wir ein großes Uhrwerk zusammen und schreit geradezu danach, erforscht zu werden. Sollte sich die Geschichte so weiterentwickeln, ist am Ende möglicherweise die Höchstpunktzahl drin. Doch ein wenig Luft nach oben darf sein, deshalb gibt es von uns viereinhalb von fünf Zeitlinien.

Hier noch ein aktueller Originaltrailer zur Netflix-Serie „Bodies“:

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