Blindspot 1x16

FĂŒr die NBC-Actionserie hat sich seit Beginn der ersten Staffel ein verlĂ€ssliches Muster herausgebildet: Widmen sich die Episoden vornehmlich den staffelĂŒbergreifenden Handlungsbögen, gelingen sie besser, als wenn sie sich einzelnen Episodengeschichten zuwenden. Ob das nicht sowieso eine Faustregel fĂŒr sĂ€mtliche Procedurals ist, kann ich nicht sagen, weil ich zuwenige davon schaue. Bei The Blacklist beispielsweise war diese Dichotomie nicht so deutlich zu erkennen. Dort waren die FĂ€lle der Woche prĂ€senter und die gröĂeren Geschichten wurden - mit einigen Ausnahmen - stets nur angedeutet.
You should be happy
Vielleicht ist es ja eine simple Wahrheit des FernsehgeschĂ€fts, dass es unvermeidlich ist, mehrere FĂŒllerepisoden produzieren zu mĂŒssen, will man jedes Jahr 20 oder mehr Folgen hervorbringen. Eine ebensolche ist jedenfalls Any Wounded Thief. Am Geburtstag von Jane Doe alias Taylor Shaw (Jaimie Alexander) wird das FBI-Team dank eines ihrer Tattoos auf die Spur eines kriminellen Netzwerks gefĂŒhrt, das chemische Kampfstoffe nach SĂŒdkorea exportiert.
Die Köpfe dahinter sind ein abtrĂŒnniger US-General, der seine wirren Theorien zum internationalen RĂŒstungswettlauf preisgeben darf, und die Unternehmerin Vanessa Chang (Sandrine Holt), die hauptsĂ€chlich nach dem Prinzip der persönlichen Bereicherung handelt. Sie war es auch, die Saringas an nordkoreanische UnterhĂ€ndler verkauft hat. Nun jedoch droht diese Unternehmung, den erwartbar katastrophalen Ausgang zu zeitigen. Die Nordkoreaner wollen das Giftgas nĂ€mlich nutzen, um einen verheerenden Anschlag auf die New Yorker Börse auszufĂŒhren.
Dass ebenjener in letzter Sekunde verhindert wird, ist der spektakulĂ€ren Rettungsaktion von Jane zu verdanken, die sich ohne RĂŒcksicht auf die eigene Unversehrtheit durch ein Fenster stĂŒrzt, um einen der AttentĂ€ter auszuschalten. Es ist der einsame Höhepunkt einer Episode, die sich allzu ausschweifend dem absehbaren Ausgang ihres Falls der Woche widmet. Der kleine Rest ist da schon interessanter, erhellt das Mysterium um Jane Doe aber auch nicht weiter, sondern beleuchtet das Privatleben unserer Protagonisten.
Positiv sticht dabei einmal mehr die gute Patterson heraus, die von Ashley Johnson verlĂ€sslich wunderbar gespielt wird, indem sie ihre Figur zwischen ehrlicher Verletzlichkeit und bodenstĂ€ndiger ZĂ€higkeit oszillieren lĂ€sst. Am Jahrestag ihrer Beziehung zum ermordeten David lĂ€sst sie sich von Dr. Borden (Ukweli Roach) den Rat geben, die Dinnerreservierung, die er vor seinem Tod gemacht hatte, wahrzunehmen. Dort driftet die Serie in magischen Realismus ab, was nur funktioniert, weil Johnson es so ĂŒberzeugend spielt.
You were really happy
Patterson bekommt von ihrem Geisterbesuch den Tipp, sein letztes KreuzwortrĂ€tsel fĂŒr die New York Times (das die echte Zeitung am Montag ĂŒbrigens wirklich druckte) zu lösen. Sie macht sich sofort daran und findet einen möglichen Hinweis auf neue FĂ€lle. Ăberhaupt scheint sie derzeit die Einzige zu sein, die sich Gedanken ĂŒber den gröĂeren Zusammenhang von Janes plötzlichem Auftauchen macht. Um dem weiter nachzugehen, fordert sie von Mayfair (Marianne Jean-Baptiste) zusĂ€tzliche Ressourcen ein, was ihr aber zunĂ€chst verweigert wird. Mich wĂŒrde nicht wundern, hĂ€tte Mayfair noch mehr zu verbergen, als das, was bereits bekannt ist.
Das Liebesdreieck Jane - Kurt (Sullivan Stapleton) - Ali (Trieste Kelly Dunn) kommt derweil wieder in Bewegung, als die TĂ€towierte vom FBI-Agent eine Halskette ihrer Mutter geschenkt bekommt. FĂŒr Geburtstagsdrinks hat er dann aber keine Zeit, weil er bereits ein Date mit seiner anderen Flamme ausgemacht hat. Alison scheint einzig und allein zu existieren, um diese Dreierdynamik aufrechterhalten zu können - und nicht, weil sie zur echten Figur werden soll. Das ist ein bisschen schade, hat Dunn doch in Banshee bereits gezeigt, dass sie auch einer gröĂeren Rolle mehr als gerecht werden kann. Vielleicht wird ihr ja bald mehr zu tun gegeben.
Bleiben Reade (Rob Brown) und Zapata (Audrey Esparza). Erstgenannter darf sich gegenĂŒber Weller fĂŒr den Auszug von dessen Schwester Sarah (Jordana Spiro) rechtfertigen, wobei Kurt offenbart, dass er gar nicht so genau weiĂ, was er hinsichtlich der beiden eigentlich will. Und weil Zapata schon lĂ€nger keinen eigenen Handlungsbogen mehr hatte, muss sie zurĂŒckkehren in die chinesische (koreanische?) Spielerhöhle. Warum das so ist, wird nicht ersichtlich. Es passiert einfach, damit neue Probleme entstehen. Blindspot kommt mit Any Wounded Thief sehr nahe an die Definition einer FĂŒllerepisode heran.
Auf der nÀchsten Seite findet Ihr den Trailer zur nÀchsten Episode und die Auflösung des Anagramms im Episodentitel.
Trailer zu Episode 1x17: 'Mans Telepathic Loyal Lookouts'
Bedeutung des Anagramms im Episodentitel
Any Wounded Thief = Find what you need
Daraus ergibt sich also ingesamt: Who Is Jane Doe? Taylor Shaw, the missing girl - or maybe not. Will the past cloud our eyes? Trust no one, suspect everyone, lift the curtain and unveil the mastermind. In case of emergency follow the instructions. Stay where you are. Find a secure line to contact your handler. Find what you need.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 8. April 2016(Blindspot 1x16)
Schauspieler in der Episode Blindspot 1x16
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?