Blindspot 1x08

Wenn eine auf leichte Unterhaltung angelegte Serie wie Blindspot versucht, aktuelle gesellschaftsrelevante Themen in ihren Geschichten unterzubringen, dann ist das zunächst lobenswert. Wenn jedoch ein Fall der Woche mit gleich drei unterschiedlichen Themenkomplexen vollgepackt wird, wie in Persecute Envoys geschehen, dann wirkt das nicht nur übermotiviert, sondern entzieht den einzelnen Themen auch den Raum, um halbwegs umfassend beleuchtet werden zu können.
We don't want another Ferguson or Baltimore
Die Episode greift in ihrer Geschichte um erpresste Berühmtheiten nicht nur Polizeigewalt gegen schwarze Jugendliche auf (worüber ich hier und hier bereits geschrieben habe), sondern auch Gewalt im professionellen Sport und die horrende Diskriminierung gegen homosexuelle Profisportler. Nun sind das Themen, für deren Aufarbeitung manch andere Serie wie The Wire, Show Me a Hero oder Transparent gleich mehrere Staffeln veranschlagt.
In einem Procedural wie „Blindspot“ ist es also nahezu unmöglich, solche überaus diskussionswürdigen Sachverhalte mit der Sorgfalt zu behandeln, die sie verdient hätten. Das wiederum wirft die Frage auf, wieso sich das Autorenteam um Showrunner Martin Gero überhaupt auf solch ein dramaturgisches Glatteis wagt. Eine Vielzahl anderer Serien schafft es schließlich auch, ohne diese tagesaktuellen Referenzen auszukommen. Wenn ich spekulieren müsste, würde ich darauf tippen, dass sich aus dem täglichen Medienbrimborium besonders einfach neue Episodengeschichten abschöpfen lassen.
Genau das ist es aber, was mich vor langer Zeit gelehrt hat, Procedurals aus meiner Seriendiät zu streichen. Falls ich Kontemplationen über gesellschaftlich-politisch relevante Themen sehen wollte, würde ich anderswo sicherlich besser bedient. In Blindspot gibt es glücklicherweise genügend positive Elemente, die den laxen Umgang mit sensiblem Material auffangen. Dabei wären zunächst die Figurenkonstellationen zu nennen, die jetzt schon so viele Verstrickungen aufweisen, dass sich daraus ein faszinierendes dramatisches Netz spinnen lassen sollte. Außerdem überzeugt das Format weiterhin mit einer Darstellerriege, die begeistert ihrem Job nachgeht, und es mittlerweile sogar schafft, ihr schwächstes Glied - Sullivan Stapleton - besser einzusetzen.

Stapletons Figur Kurt Weller gerät über den Verlauf der Episode mehrmals mit seiner Chefin und Mentorin Bethany Mayfair (Marianne Jean-Baptiste) aneinander. Streitthema ist ihre Verwicklung im strenggeheimen Spionageprogramm Daylight, über das sie ihren Schützling mit ungewohnter Offenheit aufklärt, was auch eine Erläuterung zu Saul Guerrero aka Fuzzy Dunlop beinhaltet. Rückblenden in die Zeit vor fünf Jahren klären uns Zuschauer wiederum über die dritte Person auf, die daran teilgenommen hatte. Sofia Varma (Sarita Choudhury aus Homeland) war Deputy White House Political Director, als sie und der stellvertretende CIA-Chef Carter (Michael Gaston) Mayfair zur Teilnahme an der Operation überredeten.
You're mine now
Aus dieser geschäftlichen Beziehung wurde eine persönliche, die durch Sofias Selbstmord zu einem abrupten Ende fand. Nach der Auflösung des Programms war ihre Angst vor Entdeckung so groß, dass sie damit nicht mehr leben wollte. Mayfair verarbeitet ihre Schuld seitdem mit dem Ansinnen, fortan stets das Richtige zu tun, während Carter in wahrer Macho-Manier keinen Deut dazugelernt hat und weiterhin auf seine konspirativen Methoden vertraut. Für Tasha Zapata (Audrey Esparza) sind das keine guten Nachrichten - sie befindet sich nun in der Hand des unnachgiebigen Schlapphuts.
Wenigstens hat sie jetzt eine Mädels-Crew, auf die sie sich im Notfall verlassen kann. Ich hatte es in früheren Reviews bereits erwähnt, wie positiv es heraussticht, dass hier weibliche Figuren nicht nur in Relation zu ihren männlichen Counterparts dargestellt werden, sondern mit eigenen Leben, Problemen, Gedanken und Träumen. Jane Doe (Jaimie Alexander) tut die gemeinsame Zeit so gut, dass sie glaubt, bald ein normales Leben führen zu können, was angesichts ihrer wöchentlich in Augenschein genommenen Enigma-Tattoos unwahrscheinlich erscheint. Trotzdem tragen diese kurzen Ausflüge dazu bei, den Figuren mehr Charaktertiefe zu verleihen, und uns Zuschauern emotionale Fallhöhe.
So können die überwiegend vergessenswerten Episodengeschichten übertüncht werden. Wenn diese aber so viel Raum einnnehmen wie in Persecute Envoys und gleichzeitig so folgenlos über Gesellschaftskomplexe hinwegfegen, bekommt das durch wenige Szenen gemalte positive Bild schnell Risse. In Sachen Charakterarbeit befindet sich Blindspot jedoch weierhin auf einem guten Weg.
Auf der nächsten Seite findet ihr den Trailer zur nächsten Episode sowie die Erklärung des Anagramms im Episodentitel.

Trailer zu Episode 1x09: 'Authentic Flirt'
Bedeutung des Anagramms im Episodentitel
Persecute Envoys = Suspect Everyone
Daraus ergibt sich also ingesamt: Who Is Jane Doe? Taylor Shaw, the missing girl - or maybe not. Will the past cloud our eyes? Trust no one, suspect everyone.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 11. November 2015Blindspot 1x08 Trailer
(Blindspot 1x08)
Schauspieler in der Episode Blindspot 1x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?