Blindspot 1x02

Blindspot 1x02

Jane Doe aus der neuen NBC-Serie Blindspot weiß auch in der zweiten Episode noch nicht, wer sie eigentlich ist. Sie und ihre TĂ€towierungen sind dem FBI trotzdem weiterhin beim Lösen von FĂ€llen behilflich.

Jaimie Alexander und Marianne Jean-Baptiste in „Blindspot“ / (c) NBC
Jaimie Alexander und Marianne Jean-Baptiste in „Blindspot“ / (c) NBC

Wie mein lieber Kollege Axel schon in seinem Pilotreview schrieb, darf ĂŒber die PrĂ€misse von Blindspot nicht allzu stark nachgedacht werden und das gilt doppelt fĂŒr die zweite Episode (A Stray Howl), in welcher die Serie mit einem Ă€ußerst uninspirierten Fall ihre hĂ€ssliche Procedural-Fratze offenbart. Die mysteriösen TĂ€towierungen von Jane Doe (Jaimie Alexander) dienen nĂ€mlich nicht nur als SchlĂŒssel um das RĂ€tsel ihrer Person und roter Faden, an welchem sich die Haupthandlung entlanghangeln kann, sondern mĂŒssen auch jede Woche einen weiteren Fall ausspucken, den es zu untersuchen gilt.

It's like a Google Alert

Patterson (Ashley Johnson), die FBI-Forensikerin, hat zu diesem Zweck ein Programm entworfen, welches die Informationen auf Janes Körper mit sĂ€mtlichen den Ermittlern zur VerfĂŒgung stehenden Datenbanken abgleicht. Dabei entpuppt sich eine Adresse aus dem Pilotfall als SchlĂŒsselwort, um einen weiteren Namen zu dekodieren. Bleibt zu hoffen, dass der Serie dies nicht frĂŒher oder spĂ€ter massive Ungereimtheiten beschert, wenn eins, das auf einen alten Fall Bezug nimmt, bei dem das Programm lĂ€ngst hĂ€tte Alarm schlagen mĂŒssen.

Ehe die Jagd nach einem gewissen Major Arthur Gibson (Robert Eli) beginnt, wird abermals versucht, Janes Erinnerungen zu triggern und ein paar abgefeuerte Schusswaffen spĂ€ter stellt sich tatsĂ€chlich Erfolg ein. Die im Raum stehende Frage, ob Jane ĂŒberhaupt eine gute Person ist, wird per Flashback damit beantwortet, dass sie eine Nonne von hinten erschießt. Das ist beinahe so witzig wie die Tatsache, dass auch ihr Therapeut (Ukweli Roach) mit einem Rorschachtest Erfolg beim Erinnerungsfischen hatte. Wie wĂ€re es als NĂ€chstes mit einer hin- und herbaumelnden Hypnosetaschenuhr?

Jane Doe (Jaimie Alexander) © NBC
Jane Doe (Jaimie Alexander) © NBC

Zum Verhör von Major Gibson darf Jane die Special Agent Weller (Sullivan Stapleton) und Co erneut begleiten. Etwas, das offenbar in jeder neuen Episode Ă€ußerst fadenscheinig begrĂŒndet werden muss. Der ehemalige MilitĂ€rmann ist jedenfalls alles andere als erfreut ĂŒber den Besuch vom Bureau und sprengt kurz nach dem Zuknallen seiner TĂŒr das gesamte Haus in die Luft (ExplosionenzĂ€hler: 1). Wie sich herausstellt, handelt es sich bei Gibson um einen ehemaligen Piloten, der nach seinen EinsĂ€tzen im Irak und Afghanistan in ein geheimes Dronenprojekt, welches den Luftraum der USA betrifft, befördert wurde.

Mithilfe einer gestohlenen und mit SprengsĂ€tzen bestĂŒckten Drone entledigt er sich seiner ihm damals vorgesetzten Offizierin (ExplosionenzĂ€hler: 2), hat danach noch zwei ExtraschĂŒsse ĂŒbrig und zudem die kleine Tochter eines ehemaligen Kollegen in seiner Gewalt. Ein Ă€ußerst gesprĂ€chiger General klĂ€rt die Ermittler daraufhin im Detail ĂŒber die Ausmaße des TOP-SECRET-Projekts auf und fĂŒhrt (ohne sich selbst um einen seiner ehemaligen MĂ€nner zu kĂŒmmern) an: „All I know is that Gibson is one of the most efficient killing machines the air force has ever made.“ Tja, dann viel GlĂŒck beim weiteren Vorhaben!

Nebenbei bewegt sich auch die Haupthandlung weiter. Weller glaubt zu wissen, warum sein Name prominent auf Janes RĂŒcken prangert. Vor 25 Jahren ist ein MĂ€dchen namens Taylor Shaw verschwunden, das dank ihm eine Narbe im Nacken hatte. Die gleiche Narbe, die Weller in der Pilotepisode auf Janes Körper entdeckt hat. Wetten darĂŒber, wie oft die Serie hin- und herrudern wird, ob es sich bei Jane tatsĂ€chlich um Taylor handelt oder nicht, werden ab sofort angenommen. Der Agent ist jedenfalls davon ĂŒberzeugt und auch sein Vater wĂŒrde diese Entwicklung vermutlich begrĂŒĂŸen, denn der sitzt seit jeher wegen Mordes an Taylor in Haft.

Drones are messy

Informationen aus dem oben erwĂ€hnten Safe fĂŒhren zu einem weiteren Dronenpiloten, der mit Gibson im Geheimprojekt tĂ€tig war. Nach einem Ă€ußerst unwahrscheinlich zustande gekommenen Handgemenge mit Jane wird der Mann befragt. Dabei bemerkt Jane, dass sie von dem bĂ€rtigen mystery man aus ihren Flashbacks beobachtet werden und fast im selben Moment kommt es zu einem weiteren Luftangriff (ExplosionenzĂ€hler: 3). Gibson, so offenbart sich, konnte nicht mit den zahlreichen Zivilopfern leben, die durch die Dronen verursacht wurden, wollte als Whistleblower die Öffentlichkeit in Kenntnis setzen und wurde von seinem Kollegen gemeldet. Ein finaler Angriff auf das Dronenhauptquartier soll nun das gesamte Programm lahmlegen.

Dronenschurke Gibson (Robert Eli) © NBC
Dronenschurke Gibson (Robert Eli) © NBC

Eine ausgedehnte Actonsequenz, in welcher Weller, Jane und Gibson (der ganz wie ein militĂ€risch ausgebildeter Profi ohne hinzusehen sein Maschinengewehr bedient) verwickelt werden, vereitelt den Plan schließlich und das kleine MĂ€dchen wird wieder mit seinem Vater vereint. Jane bekommt nach einem Autocrash sogar noch einen weiteren Flashback gratis oben drauf, durch den sie erfĂ€hrt, dass die von hinten erschossene Person gar keine Nonne, sondern nur ein Kerl mit einem USB-Stick war. Na dann ist ja alles paletti. Einen Moment lang dachte ich schon, sie hĂ€tte etwas Schlimmes getan.

Cliffhanger-Abschlusszene: Bartmann stattet Jane einen Besuch in ihrem Apartment ab.

Fazit

Die zweite Episode von Blindspot ist noch schlimmere Procedural-Kost von der Stange, als der Pilot es hat vermuten lassen und kredenzt uns einen hanebĂŒchenen Fall, an welchem Janes Beteiligung zunehmend fragwĂŒrdig ist. Ich erwarte gewiss keinen großen Realismus von einer Serie ĂŒber eine tĂ€towierte Superfrau mit Amnesie, aber es gibt einen Unterschied, ob die Serienmacher das willentliche Aussetzen der UnglĂ€ubigkeit oder Dummheit von ihrem Publikum erwarten.

Unterstrichen wird dies auch durch das stĂ€ndige Vorkauen der akuten Frage- beziehungsweise Problemstellung. Ungeschickt ins Drehbuch gearbeitete Fragen wie „Wer ist dieser Typ?“ oder „Wir mĂŒssen ihn aufhalten, bevor...“ reihen sich somit geschmeidig an die nicht besser geschriebenen Dialoge aus der Pilotepisode. Auch das Schauspiel der beiden Hauptdarsteller wirkt auf mich nach wie vor alles andere als ĂŒberzeugend. Vor allem, was Sullivan Stapleton angeht, der versucht, wie Christian Bales Batman zu klingen, aber hin und wieder unfreiwillig in eine Imitation von Christopher Walken abdriftet.

NBC hat diese Woche weitere Drehbücher zu „Blindspot“ in Auftrag gegeben, was die erste Staffel womöglich auf 22 Episoden bringt. Bleibt zu hoffen, dass den Autoren nicht vorher die Tattoos oder Ideen ausgehen, wenn schon die zweite Folge wirkt, als wĂ€re sie nach einem Knopfdruck auf die Crime-Procedural-O-Matic-5000 entstanden.

Trailer zur 3. Folge, „Eight Slim Grins“ (1x03), von „Blindspot“:

Verfasser: Mario Giglio am Mittwoch, 30. September 2015

Blindspot 1x02 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 2
(Blindspot 1x02)
Deutscher Titel der Episode
Die Farben im Nacken
Titel der Episode im Original
A Stray Howl
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 28. September 2015 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 26. Juli 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 1. September 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 7. September 2016
Autor
Martin Gero
Regisseur
Mark Pellington

Schauspieler in der Episode Blindspot 1x02

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?