Black Mirror 6x04

Black Mirror 6x04

Eine Paparazza macht Jagd auf eine untergetauchte Schauspielerin namens Mazey Day und macht dabei eine schockierende Entdeckung in dieser „Black-Mirror“-Folge. Wie haarig es für sie wird, besprechen wir in der dazugehörigen Episodenkritik.

Poster zur Episode „Mazey Day“ der Serie „Black Mirror“
Poster zur Episode „Mazey Day“ der Serie „Black Mirror“
© Netflix

Mazey Day“ ist nicht nur ein keltisches Mittsommer-Festival in Cornwall, sondern nun auch eine Black Mirror-Episode, die ein für alle Mal bestätigt, dass Serienautor Charlie Brooker in der sechsten Staffel vom vertrauten Erfolgspfad seines Anthologie-Formats abgekommen ist. Es ist zwar immer noch oft Mediensatire, doch anstatt ein dystopisches oder anderweitig interessantes Szenario bezüglich der menschlichen Beziehung zu Technik oder sozialen Medien mit all seinen Konsequenzen von mehreren Seiten zu beleuchten, wird in dieser Staffel bisher vor allem auf schockierende Twist-Endings gesetzt.

Mit Mazey Day (6x04) nimmt Brooker sich das Thema Paparazzi dermaßen bissig zur Brust, dass einen der Verdacht beschleichen könnte, er hätte selbst ein Hühnchen mit moralisch fragwürdigen Fotografen zu rupfen. Wir verfolgen die Arbeit von Paparazza Bo (Zazie Beetz), die als Einzige unter ihren skrupellosen Kollegen immerhin ein paar Bedenken zu haben scheint. Ein „Sea-of-Tranquility“-Star (da ist wieder die Referenz auf die ständig erwähnte Sci-Fi-Serie) nahm sich nämlich das Leben, weil ihre Fotos seine geheime Affäre mit einem Mann an die Öffentlichkeit gebracht hatten. Haben Stars kein Recht, sich über Reporter zu beschweren? Oder hat Bo Blut an ihren Händen? Hold that thought...

Bo hängt ihre Kamera vorerst an den Nagel, gerät allerdings in Geldnot und bekommt Wind von der untergetauchten Schauspielerin Mazey Day (Clara Rugaard), die ein Filmset in Tschechien von jetzt auf gleich verlassen hatte und seitdem nicht mehr aufgetaucht ist. Als Zuschauer:innen wissen wir, dass sie unter Einfluss von Drogen jemanden angefahren und scheinbar Fahrerflucht begangen hat, was sie offenbar in eine selbstzerstörerische Spirale katapultierte. Das erste Bild von ihr würde mindestens 30.000 Dollar einbringen... Je mehr sie wie ein Junkie aussieht, desto besser...

„Black Mirror“
„Black Mirror“ - © Netflix

Über die Handlung der von Uta Briesewitz (Altered Carbon, The Wheel of Time) gedrehten Episode gibt es bis zum Schluss nicht viel zu berichten. Wir verfolgen Bo beim Verfolgen von Mazey, wobei sie der Schauspielerin, die sich mittlerweile in Reha zu befinden scheint, immer näherkommt. Als sie ihr in einer Art Ausnüchterungshütte für Stars auf die Schliche kommt, sind auch bald viele andere Papparazzi vor Ort und Bo macht eine erschreckende Entdeckung. Warum ist Mazey ans Bett gekettet? Und was hat es mit den Ziegen im Zimmer auf sich?

Man kann es leider nicht anders sagen: Mazey Day ist Team Jacob und ein Werwolf, seit sie beim Autounfall von einem anderen Lykanthropen angegriffen wurde und versucht seitdem, mit ihrer aggressiv machenden Transformation umzugehen. Ein gefundenes Sensationsfressen für die Fotografengeier mit Blitzlicht, was schließlich damit endet, dass Bo die verwandelte Schauspielerin nicht mit einer Kamera, sondern einer Knarre (er-)schießt. Ist das noch „Black Mirror“ oder schon „Goosebumps“ und „Tales from the Crypt“?

Offensichtlich ist die Pointe allegorisch zu verstehen: Die Stars werden wie Monster mit Mistgabeln und Feuer beziehungsweise Blitzlicht gejagt und ihre Karmas sind im Grunde wie Waffen, die indirekt töten können, wie wir im Fall des nicht geouteten Schauspielers am Anfang der Folge gesehen haben. Es fühlt sich aber auch ein bisschen so an, als wollte Charlie Brooker nur ein paar Papparazzi plattgemacht und schnabuliert sehen, ähnlich wie M. Night Shyamalan einen Filmkritiker in „Lady in the Water“ einbaute, den er ebenso mit Gusto zerfleischen ließ.

Darüber, ob es so viel Sinn ergibt, dass per Allegorie die Stars die Schaden anrichtenden Monster sind und nicht die Blutspur aufnehmenden Fotografen, sollen wir uns wohl nicht zu viele Gedanken machen...

Fazit

Mazey Day ist eine weitere untypische Folge von Black Mirror, die von einem allegorischen Horrotwist lebt, der nur noch mit zugekniffenen Augen als formattypische Mediensatire bezeichnet werden kann. Immerhin wurde die dünne Handlung diesmal nicht auf Spielfilmlänge gezogen, so dass man wenigstens relativ rasch zur aberwitzigen Pointe kommt. Nach fünf Staffeln kann man Charlie Brooker wohl nicht verübeln, dass er etwas anderes ausprobieren möchte... Er könnte aber auch einfach andere Autor:innen mit frischen Ideen ins Boot holen, welche dann Folgen erschaffen, die etwas besser zur Serie passen und nicht genauso gut als Episode anders gestrickter Anthologien wie Inside No. 9 funktionieren könnten...

Zweieinhalb von fünf Silberkugeln.

Hier abschließend noch mal der Trailer zur sechsten Staffel der Serie „Black Mirror“:

Verfasser: Mario Giglio am Donnerstag, 22. Juni 2023

Black Mirror 6x04 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 4
(Black Mirror 6x04)
Deutscher Titel der Episode
Folge 4
Titel der Episode im Original
Mazey Day
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Donnerstag, 15. Juni 2023 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 15. Juni 2023
Autor
Charlie Brooker
Regisseur
Uta Briesewitz

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