Black Mirror 3x05

Black Mirror 3x05

Ein Soldat, dessen Einheit sich auf das Aufspüren und Töten von Mutanten spezialisiert hat, muss seine Weltanschauung drastisch in Frage stellen in der Folge Men Against Fire von Black Mirror.

Malachi Kirby in der Folge „Men Against Fire“ / (c) Netflix
Malachi Kirby in der Folge „Men Against Fire“ / (c) Netflix

In dieser Vision eines zukünftigen Militärapparats, die uns Black Mirror in der Folge Men Against Fire auftischt, sind Zähne fletschende Mutanten die Feinde und wie in einem Zombie-Videospiel gibt es nur wenig Grund, Mitleid mit den Monstern zu haben, die Dörfer plündern und ihr defektes Erbgut in die nächsten Generationen weitertragen. Seriengemäß ist natürlich wieder etwas faul im Staate Dänemark und wer mit dem Buch vertraut ist, dem die Episode ihren Titel verdankt, kann sich vielleicht schon denken, worauf es hinaus läuft.

You're in the Army Now

Unser Protagonist Stripe (Malachi Kirby, der zuletzt als Kunta Kinte in der Neuauflage von Roots zu begeistern wusste), ist noch grün hinter den Ohren, was das Soldatenleben angeht, doch wie alle seine Kameraden hochmotiviert und mit dem nötigen Training sowie optischen Implantaten ausgestattet - modernste Kriegsführungstechnologie, die das Sichtfeld mit allen möglichen nützlichen Informationen füllen kann. Dem Hinweis überfallener Dorfbewohner folgend findet sich die Einheit um die Kommandantin Medina (Sarah Snook) bald im Anwesen des verschrobenen Parn Heidekker (Francis Magee) wieder, der seltsame Ideen bezüglich der „Roaches“ genannten Kreaturen haben soll und womöglich sogar Sympathisant ist.

Tatsächlich versteckt Heidekker einige der Gesuchten in einem Versteck auf seinem Dachboden, was mit voller Absicht inklusive eines vollen Sacks offensichtlicher Assoziationen daherkommt und jenseits des Titels erstmals die Frage aufkommen lässt, wer hier die Guten sind. Nicht zuletzt auch, weil die meisten Soldaten sich wie die aufgeblasenen, ballerwütigen Charaktere aus einer anderen Sci-Fi-Soldatenfilmsatire verhalten: „Starship Troopers“. Besonders die geradezu Angst einflößende Raiman (hammerhart: Madeline Brewer) verkündet mehrfach lautstark, wie scharf sie auf das Abschlachten von Roaches ist und erinnert dabei auch an Vasquez (Jenette Goldstein) aus „Aliens“, eine weitere Genrekameradin.

Die versteckten Roaches werden letztendlich aufgefunden und es kommt zum Gefecht, das vielleicht lieber Massaker genannt werden sollte. Neuling Stripe gelingt es dabei, gleich zwei Roaches umzubringen. Nicht jedoch, ehe ihn eines der humanoiden Monster mit einem selbstgebastelten Leuchtstift blendet, den man glatt für einen DIY-Sonic-Screwdriver aus Doctor Who halten könnte. In den darauffolgenden Tagen leidet Stripe unter Kopfschmerzen und er erwacht sogar aus dem immer gleichen, sinnlichen Traum von seiner attraktiven Traumfrau (Loreece Harrison). Etwas mulmig wird ihm, als dann feststellen muss, dass seine Kameraden in den Nachbarbetten die gleichen Fingerzuckungen veranstalten und womöglich ähnlich verlässlich-angenehme Träume bekommen. Laut Militärarzt (Simon Connolly) und -psychiater (Michael Kelly) sei natürlich alles in bester Ordnung.

Der Braten, der schon von Weitem zu riechen war, wird endlich aufgetischt, wenn Stripe während des nächsten Einsatzes verängstigte Zivilisten ausfindig macht, die ohne Pardon von Raiman abgeknallt werden. Dank des Interferenzstrahls aus dem Kopfschmerzgerät nimmt er nämlich als Einziger die ungefilterte Realität wahr, die für alle anderen durch die Implantate augmentiert wird. Roaches existieren nicht.

© Netflix
© Netflix

Selbst nicht ganz begreifend, was vor sich geht und mit wenig Verständnis von Raiman sieht er sich gezwungen, seine Kollegin auszuknocken und flüchtet mit einer Mutter und ihrem Kind in deren unterirdisches Versteck. Hier erfährt er die Wahrheit, wird aber bald von Raiman aufgefunden, die kurzen Prozess mit den „Roaches“ macht und Stripe in Gewahrsam nimmt. Aber wartet, es wird noch deprimierender:

Der Psychiater klärt Stripe und uns darüber auf, dass Soldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg kaum gezielt auf die Feinde geschossen haben, weil kaum jemand wirklich töten möchte. Slam Marshall publizierte diese Erkenntnis in seinem im Jahre 1947 erschienenen Buch „Men Against Fire: The Problem of Battle Command“. Als das Militärtraining sich in den folgenden Jahrzehnten anpasste und im Vietnamkrieg vermehrt geschossen wurde, kamen Viele traumatisiert nach Hause zurück. Aus diesem Grund wird den Kämpfern die Wahrheit vorenthalten, damit sie zu selbstzufriedenen Killermaschinen werden. Während dieser Twist vielleicht etwas offensichtlich war, hat die Episode noch zwei weitere unangenehme Überraschungen auf Lager: 1. Als Roaches werden jene eingestuft, deren Screening ergab, dass sie nicht über ideale (krankheitsfreihe) DNS verfügen und 2. Stripe willigte in all das ein, ehe man ihm die Erinnerung daran nahm.

Nun steht er vor der Wahl: Gewahrsam oder sich noch einmal blitzdingsen lassen, um erneut in die Einheit integriert zu werden? Stripe scheint zunächst die erste Option zu bevorzugen, doch der nicht so nette Onkel Doktor hat noch eine fiese Überraschung im Ärmel. Gesehenes kann sich nämlich, wie in der Folge The Entire History of You, noch einmal abspielen lassen. Allerdings nicht auf einem Bildschirm, sondern direkt vor dem inneren Auge, ohne die Chance, sich davon abzuwenden. Ohne die augmentierte Realität muss Stripe nun mitansehen, wie er einen unschuldigen Menschen massakriert hat und möchte diese Erinnerung nur noch loswerden.

Fazit

Men Against Fire hat beinahe mehr von einer Videospiel-Episode als die Folge Playtest aus dieser Staffel von Black Mirror. Allein durch den Filter und die Inszenierung wirken weite Teile wie ein Ballerspiel und wer diese in den letzten Jahren verfolgt hat, wird sich vielleicht an das Kriegsspiel „Spec Ops: The Line“ erinnert fühlen, das mit einem ganz ähnlichen Twist die Wahrnehmung des Spielers und die Fähigkeit, das blinde Umherschießen zu hinterfragen, zum Thema machte.

Gerade bei dem starken Stoff und einer insgesamt gelungenen Episode ist es nur schade, dass die Story etwas zu sehr von der sich recht deutlich ankündigenden Wendung lebt, die erst auf sich warten lässt und danach doppelt erklärt werden muss. Normalerweise traut der Autor (Serienschöpfer Charlie Brooker in diesem Fall) seinem Publikum etwas mehr zu.

Verfasser: Mario Giglio am Montag, 24. Oktober 2016
Episode
Staffel 3, Episode 5
(Black Mirror 3x05)
Deutscher Titel der Episode
Männer aus Stahl
Titel der Episode im Original
Men Against Fire
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Freitag, 21. Oktober 2016 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 21. Oktober 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 21. Oktober 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 21. Oktober 2016
Regisseur
Jakob Verbruggen

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