Insel der Milliardäre - wie gut ist das norwegische „Lachssession“ bei Netflix?

Insel der Milliardäre - wie gut ist das norwegische „Lachssession“ bei Netflix?

Wer hätte gedacht, dass das Lachsgeschäft so hart ist? Die norwegische Netflix-Serie „Insel der Milliardäre“ taucht ein in die Fischfehde. Hinter dem Format steht das damalige „Lilyhammer“-Gespann Anne Bjørnstad und Eilif Skodvin.

Serienposter von „Insel der Milliardäre“
Serienposter von „Insel der Milliardäre“
© Netflix

Mit Insel der Milliardäre (auch bekannt als „Billionaire Island“ oder „Milliardærøya“) präsentiert Netflix eine vielversprechende Dramaserie aus dem Hohen Norden. Dabei hat der Streamer nun auch endlich wieder mit Anne Bjørnstad und Eilif Skodvin zusammengearbeitet, die mit Lilyhammer einst eines der ersten und durchaus beliebten Netflix-Originals überhaupt auf die Beine stellten. Für ihr neues Werk haben sich die zwei Norweger spürbar vom HBO-Hit Succession inspirieren lassen. Nur, dass es hier nun um Lachs geht - man könnte also sagen: „Lachssession“.

Für viele dürfte das nach einem durchaus überzeugenden Pitch klingen, doch ehrlich gesagt hypt der eigentliche Serientitel die Erwartungen ein bisschen zu hoch. Denn „Insel der Milliardäre“ klingt eher nach einer Survival-Show, in der die Reichsten der Reichen gegeneinander antreten - wie ein umgeschichtetes Squid Game. Hinzu kommt, dass die Hauptfiguren dieses norwegischen Neustarts kaum wie Milliardäre rüberkommen. Selbst, wenn man von Kronen in Euro umrechnet, würde man im 80-Millionen-Bereich gefühlt noch zu weit oben landen.

Vielleicht ist auch dieses vergleichsweise eher bescheidene Auftreten der Fischzaren als subtiler Witz gedacht. Schon in der Pilotepisode mit dem dramatischen Titel Feindliche Übernahme wird der trockene Humor von „Insel der Milliardäre“ deutlich. Die Akteur:innen geben sich so ernst, dass es nicht ganz ernst gemeint sein kann. Wie beim Vorbild „Succession“ sollen wir auch über die ach so wichtigen Businessgenies lachen.

Szenenfoto aus der Serie „Insel der Milliardäre“
Szenenfoto aus der Serie „Insel der Milliardäre“ - © Netflix

Was erwartet Euch bei der Serie „Insel der Milliardäre“?

In der sechsteiligen Auftaktstaffel der Netflix-Serie geht es um zwei rivalisierende Familien in einer kleinen Küstengemeinde Norwegens, die in der globalen Lachsindustrie tätig sind. Im Mittelpunkt steht eine skrupellose Unternehmerin, die versucht, durch die feindliche Übernahme ihres benachbarten Konkurrenzunternehmens zur größten Lachsproduzentin der Welt aufzusteigen. Dies führt zu einem erbitterten Machtkampf zwischen den beiden Familien, in dem alte Traditionen auf moderne Geschäftsstrategien prallen.

Schauspielerisch wird „Insel der Milliardäre“ von Trine Wiggen als Julie Lange und Svein Roger Karlsen als Gjert Meyer angeführt, die beide durch ihre nuancierte Darstellung der Konflikte innerhalb ihrer Familien überzeugen. Wiggen verkörpert Julie als starke, aber auch von ihrem Ehrgeiz getriebene Frau, während Karlsen den verbitterten Gjert darstellt, dessen patriarchales Weltbild zunehmend ins Wanken gerät. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern trägt maßgeblich zum Erfolg der Serie bei.

Ebenfalls im Ensemble mit von der Partie: Kåre Conradi (Norsemen) als Torbjørn Tvedt, Axel Bøyum als Ivo, Oddgeir Thune (Occupied) als Martin, Ragne Grande (Ragnarök) als Amy Lange, Vetle Røsten Granås (Beforeigners) als JJ Lange, Tor Ivar Hagen („Dead Snow“) als Eigil Hansen, Hanne Skille Reitan („Witch Hunt“) als Trine Meyer, Leah Aastum („The Half Elf“) als Jessika, Benjamin Bakkeid (Monster) als Felix Meyer Hansen und außerdem noch Nemi Storm („Varg Veum“) als Hennie Lange.

Hier der offizielle Trailer zur Netflix-Serie „Insel der Milliardäre“:

Was macht „Insel der Milliardäre“ sehenswert?

Insel der Milliardäre“ startet bewusst langsam und erfordert von den Zuschauer:innen Geduld, um die komplexen Familienverhältnisse und die Dynamiken zwischen den beiden rivalisierenden Clans vollständig zu erfassen. Ähnlich wie bei „Succession“ ist der Einstieg nicht sofort mitreißend, sondern konzentriert sich auf die sorgfältige Einführung der Charaktere und deren Beziehungen zueinander. Diese ruhige Herangehensweise mag für einige etwas zäh wirken, doch sie zahlt sich langfristig vermutlich aus, da sie die Grundlage für die späteren emotionalen Konflikte und Machtspiele legt.

Ein weiterer Aspekt, der die Serie auszeichnet, ist wie gesagt der subtile, nordische Humor, der anfangs leicht übersehen werden kann. Die Witze sind oft so trocken und fein dosiert, dass man sie erst nach einer Weile bemerkt. Diese zurückhaltende Art der Komik verleiht „Insel der Milliardäre“ einen speziellen Charme, der an einer Stelle im Auftakt dann doch stark konterkariert wird (die Rede ist von der K-Pop-Band, die einflogen wurde).

Die Prämisse der Serie ist zweifellos einzigartig. Während der Titel „Insel der Milliardäre“ vielleicht auf ein noch größeres Spektakel hoffen ließ, bietet die Serie dennoch Sozialkritik an den Superreichen. Inmitten der Lachszucht und der familiären Machtkämpfe schwingt eine feine Satire mit. Dabei bleibt die Serie durch und durch norwegisch, was sich in ihrer speziellen, oft distanziert wirkenden Erzählweise widerspiegelt. Dazu tragen auch die hervorragenden Darsteller bei, die ihren Charakteren eine emotionale Tiefe verleihen, die die Serie weit über bloßen Reichtum und Macht hinausheben.

Wir vergeben daher dreieinhalb von fünf Lachsfilets.

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