The Big Bang Theory 9x12

Am 17. Dezember verabschiedete sich The Big Bang Theory mit der Highlight-Episode The Opening Night Excitation in die Weihnachtsferien. Darin verlor unser aller Liebling Sheldon (Jim Parsons) endlich seine Jungfräulichkeit und hob damit seine Beziehung mit Amy (Mayim Bialik) auf die nächste Stufe. Begleitet wurde dieser Moment, auf den seit etwa neun Staffeln hingearbeitet worden ist, von einer ganzen Reihe großartiger „Star Wars“-Referenzen, passend zum Kinostart des jüngsten Teiles der Weltraumsaga. Wie könnte die neue Episode The Sales Call Sublimation, die erste im Jahr 2016, dieses Spektakel überbieten?
Ganz einfach: man geht zurück zu den Anfängen. Dieses Gefühl schlich sich durch die gesamte Episode. So vieles erinnerte an die frühen Staffeln, die einst so fantastisch waren. Man nehme liebenswürdige Charaktere, spannende Verweise auf Wissenschaft und Technik, clevere Wortspiele und süße Geschichten - schon erhält man eine tolle Sitcom, mit anderen Worten: The Big Bang Theory im Jahr 2008. Außerdem beschert uns The Sales Call Sublimation einige Figurenkombinationen, die es in letzter Zeit leider viel zu selten gab.
„Are we missing him?“
Da wären zum Einem Howard (Simon Helberg) und Bernadette (Melissa Rauch), deren Probleme sich einmal mehr um das geerbte Haus von Howards verstorbener Mutter drehen. Sie wollen nun endlich die längst überfällige Renovierung vollziehen und werden darin überraschenderweise von ihrem ungeliebten Mitbewohner Stuart (Kevin Sussman) bestärkt. Dieser kommt nämlich auf die Idee, dass es vielleicht angebrächt wäre, nach über zwei Jahren allmählich mal auszuziehen und sich eine neue Bleibe zu suchen. Immerhin ist er den beiden längst keine Hilfe mehr; Howards Mutter ist schließlich tot, braucht also keine Pflege mehr.

Während die beiden den Abschied zunächst sehr kühl gestalten und dem armen Stuart sogar noch recht fiese Kommentare auf den Weg mitgeben, erkennen sie bald, dass sie ihn doch vermissen werden. Sie denken an all die schönen Momente, die ihnen der Sonderling bereitet hat. Und fühlen sich beinahe wie Eltern, die ihr erstes Kind in die Welt ziehen lassen müssen. Vielleicht ist das ja sogar für sie der Anstoß, endlich eigene Kinder zu kriegen - der Geschichte würde ein solcher Handlungsbogen nach all den Jahren jedenfalls gut tun.
„Good news, you're an astroid!“
Da sich Amy momentan außerhalb der Stadt bei einer Neurobiologie-Konferenz befindet, muss Sheldon nun zusehen, was er in der Zwischenzeit mit sich anstellt. In der Eröffnungsszene erleben wir ein wunderbares Feuerwerk der Wortspiele, in dem sich Sheldon und Amy via Skype die Zungen darüber zerbrechen, welches „Best Buy“ den „Best Buy“ anbietet. Auch das erinnert stark an die gute alte Zeit, in der „TBBT“ vor großartigen Zitaten nur so strotzte. Eines davon könnte wohl auch dieser Satz sein: „Oh, you always know just what to say after I tell you what to say.“
Nach diesem Gespräch hält Sheldon beim gemeinsamen Abendessen mit Howard, Raj (Kunal Nayyar) und Leonard (Johnny Galecki) Ausschau nach einer adäquaten Beschäftigung für die Stunden ohne Amy. Da Howards Vorschlag, bei der Renovierung zu helfen, natürlich auf wenig Interesse bei ihm stößt und Leonard sowieso nach jeder freien Minute ohne seinen anstrengenden Mitbewohner ächzt, kriegt Raj den finalen Zuschlag. Und so erhalten wir die zweite Charakterkombi dieser Episode. Sheldon darf dem Astrophysiker Raj dabei helfen, mit Hilfe eines Teleskops nach bisher unbekannten Planeten zu suchen.

Und siehe da, genau wie einst Bart Simpson, macht auch Sheldon auf Anhieb eine sensationelle Entdeckung. Dabei offenbart er - übrigens zum ersten Mal überhaupt -, dass er scheinbar Synästhetiker ist. So sieht er beispielsweise Primzahlen in bestimmten Farben und die ein oder andere Süßigkeit schmeckt für ihn wie Lichtgeschwindigkeit. Diese Fähigkeit ließ ihn in den Weltraumaufnahmen sofort bestimmte Muster erkennen, die letztendlich zur Entdeckung des Objektes führten. Enttäuschenderweise stellt sich dann aber heraus, dass es sich doch nicht um einen Planeten, sondern bloß um einen mittelgroßen Asteroiden handelt. Doch Sheldon hegt die leise Hoffnung, dass sein „kleines Baby“ eines Tages vielleicht ja die Erde und all ihre Bewohner auslöschen könnte.
Durch die Entdeckung des Asteroiden stehen die beiden nun aber vor einem schwierigen Problem. Sie müssen es benennen und bei Sheldons Ego ist Streit da quasi vorprogrammiert. Sein erster Vorschlag lautet: „Kooper“, eine etwas unfaire Mischung aus den beiden Nachnamen, Koothrappali und Cooper. Die beiden kommen einfach nicht auf einen Nenner und schließlich hat Leonard die geniale Idee, den Asteroiden nach Emily (Laura Spencer) und Amy, den Freundinnen der beiden, zu benennen. Und so kommt letztendlich der Name „Amy“ dabei heraus, wobei das Y von Emily stammt. Sheldon, der seiner Freundin damit eine unglaubliche Freude machen kann, musste Raj jedoch im Gegenzug versprechen, dass all die Kinder, die er und Amy vielleicht jemals haben werden, Rajesh genannt werden müssen - sogar die Mädchen.
„Being born was her achievement, not mine.“
Die letzte Storyline dreht sich um das frische Ehepaar Leonard und Penny (Kaley Cuoco). Penny ist nach wie vor dabei, in ihrem neuen Beruf als pharmazeutische Vertreterin Fuß zu fassen. Um eine große Kundin an Land zu ziehen, nämlich die Psychiaterin Dr. Gallo (Jane Kaczmarek), bittet sie Leonard darum, sich bei dieser inkognito als Patient vorzustellen. Aus Liebe zu Penny tut er ihr den Gefallen und das, obwohl Psychiaterinnen zu seinen größten Ängsten überhaupt gehören; immerhin war seine Mutter eine und die hat durch ihre kaltherzige Erziehung quasi den Grundstein für sein geringes Selbstvertrauen gelegt, unter dem er nach wie vor leidet. Da hilft es ihm auch sicher nicht, wenn seine Freunde ihm all seine psychischen Schwächen aufzeigen, um ihn zusätzlich zu motivieren, zur Ärztin zu gehen.

Doch als er Dr. Gallo besucht, erkennt er, dass nicht alle Psychiaterinnen wie seine Mutter sind. Dr. Gallo vermittelt ihm ein völlig neues Selbstbewusstsein und hilft ihm einzusehen, dass seine Sehnsüchte genauso wichtig sind wie die aller anderen. Mit diesem Gefühl tritt er später Penny gegenüber, die ja gerne mal dazu neigt, seine Wünsche zu übergehen. Als sie dann selbst mal bei Dr. Gallo vorbeischaut, muss auch sie sich gründlich durchleuchten lassen. Der geplante Verkauf eines neuen Medikaments tritt dabei gänzlich in den Hintergrund. Kommt sie nun vielleicht zu einem Umdenken und behandelt Leonard fortan mit mehr Respekt? Das wäre ihm jedenfalls sehr zu wünschen, denn neben Amy und Stuart ist er wohl derjenige, der innerlich am meisten unter den ständigen Witzen seiner Freunde leidet.
Fazit
Alles in allem fühlt sich die neue „TBBT“-Episode The Sales Call Sublimation wie ein Schritt in die richtige Richtung an, zurück. Wie bereits erwähnt, gab es einige Elemente, die ein wohlig warmes Gefühl von damals hervorriefen, jedenfalls bei mir. Wie Sheldon und Raj sich in einer großartigen Kulisse einem interessanten Thema der Wissenschaft zuwenden und dabei nerdige Witzchen machten („Sir Friedrich Wilhelm Herschel didn't do Uranus any favours“), wie Howard seine Bernie tatsächlich endlich wieder zum Lachen bringen durfte und nicht wie sonst meist nur zur Weißglut, wie Leonard endlich seine Stimme erheben konnte und wie sich Amy über Sheldons Geschenk freute, als das war fühlte sich sehr erfrischend an.
Natürlich gab es auch wieder ein paar Ausrutscher ins Peinliche - was sollte beispielsweise der Kniff mit Stuarts kranker Obsession, Howard und Bernadette im Schlaf zu beobachten? Auf dem verzerrten Maßstab einer „TBBT“-Episode ist The Sales Call Sublimation sicherlich trotzdem im oberen Bereich einzuordnen. Interessant ist außerdem, wie hier mit dem großen Ereignis der letzte Folge umgegangen wurde, nämlich gar nicht. In den kommenden Wochen sollte das auf jeden Fall zum Thema werden, ansonsten würde die Glaubwürdigkeit der Charaktere darunter leiden. Man hätte eigentlich erwarten können, dass die erste Episode nach der Entjungferung Sheldons mit einer Szene beginnt, in der seine ungläubigen Freunde sprachlos dasitzen oder einfach komplett ausflippen. Mal sehen, was da noch kommt.
Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 8. Januar 2016(The Big Bang Theory 9x12)
Schauspieler in der Episode The Big Bang Theory 9x12
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