The Big Bang Theory 12x10

© zenenbild von „The Big Bang Theory“: Sheldon (Jim Parsons) hat sein Selbstvertrauen verloren. (c) CBS
Dass und vor allem wie es zum Crossover von The Big Bang Theory und dem Spin-off Young Sheldon kommen soll, stand bereits fest. Überraschend ist nun nur, wie emotional und effektiv die Gastauftritte von Iain Armitage, Montana Jordan und besonders von Lance Barber in der neuen Episode The VCR Illumination (12x10) wirklich ausfallen. In Form einer alten Videokassette wenden sich der junge Sheldon, sein großer Bruder und sein Vater an den erwachsenen Sheldon (Jim Parsons), der nach der vermeintlichen Widerlegung seiner großen Asymmetrie-Weltformel noch immer Trübsal bläst.
Der kleine Sheldon
Nie zuvor steckte Sheldon in einer solchen Lebenskrise wie nach dem Scheitern seines Kindheitstraumes vom Nobelpreis. Nicht einmal Amy (Mayim Bialik), die als Mitautorin der Studie ja ebenfalls betroffen ist, vermag ihn wieder aufzumuntern. Leonard (Johnny Galecki) hat schließlich die zündende Idee, ein altes VHS-Band aus dem Safe zu holen, das Sheldon als kleiner Junge für sich selbst aufgenommen hatte, falls er jemals in eine derartige Situation kommen würde.
Und so sehen wir schließlich den kleinen Racker, wie er damals Ende der Achtziger einen Pep-Talk für sein eigenes Ich hält. Doch gerade, als es spannend wird, endet die Aufnahme, da Sheldons Vater die Kassette offenbar mit einem seiner Footballspiele überschrieben hatte. Eine weitere Enttäuschung für Sheldon, dessen Trauer nun gar kein Halten mehr kennt. Der nette Einfall einer kleinen Wikingerbestattung für die Studie als Zeichen des Abschieds funktioniert ebenfalls nicht.
Als Zuschauer hat man echte Probleme, Empathie mit Sheldon zu empfinden. Erstens schwingt in seinem Leiden wieder eine Überportion Narzissmus mit und zweitens fehlt ganz klar die Anerkennung und Rücksicht für und auf Amy. Davon abgesehen kann es nicht gesund sein, so viel Wert auf eine schnöde Auszeichnung zu legen. Ist Sheldons Leben eine einzige Enttäuschung, nur, weil der Anruf aus Stockholm ausbleibt? Eigentlich wäre es daher besser, wenn man der Figur kurz vor dem Serienfinale den großen Wunsch verwehrt, doch höchstwahrscheinlich wird es anders kommen...

Aus purer Resignation schauen Sheldon und Amy das Footballvideo bis zum Ende an und stolpern dabei über eine unerwartete Rede von Sheldons Vater. Dieser widmet sich in der Halbzeitpause als Trainer an sein Team und erklärt ihnen, dass man aus Niederlagen genauso viel oder sogar mehr ziehen könne als aus Siegen. An sich keine große Erkenntnis, aber den Machern gelingt es trotzdem, dem Moment eine verblüffende Gravitas zu verleihen. Wer nicht aufpasst, verdrückt vielleicht ein Tränchen, spätestens, als Sheldon still und leise „Thanks, Dad!“ sagt.
Doch damit belässt man es natürlich nicht: Amy hat nun nämlich einen eigenen Geistesblitz, der die Theorie der Superasymmetrie plötzlich wieder möglich macht - und somit auch den Nobelpreis. Nur, weil die russische Studie das Konzept verwarf, müsse es ja nicht bedeuten, dass es aus einer anderen Perspektive nicht passe. Merkwürdig eigentlich, dass die beiden erst jetzt hinterfragen, ob eventuell nicht sie Unrecht haben, sondern die anderen. Obwohl in dem Fall nun ja beide Recht haben könnten. So oder so wird der Handlungsstrang um die Arbeit des Ehepaares nun wohl wieder fortgesetzt. Und das ist im Prinzip auch gar nicht schlecht, denn dies ist immerhin das Baby der beiden.
Der große Howdini
Deutlich uninteressanter ist derweil die B-Storyline dieser Folge, in der Howard (Simon Helberg) und Bernadette (Melissa Rauch) gemeinsam an der Zaubererkarriere des großen Howdini feilen. Auch sie stoßen durch ein altes VHS-Tape auf einen Traum aus der Vergangenheit. Ein junger Howard wollte damals unbedingt Teil der amerikanischen Magiergilde werden, verwarf das Ganze aber schnell, als er merkte, dass er einfach nicht gut genug ist. Aber Bernadette lässt diese Ausrede nun nicht länger gelten und zwingt ihren Gatten quasi dazu, sein Schicksal zu verfolgen, um den Kindern ein gutes Vorbild zu sein.
Ein paar peinliche Showeinlagen später wird das Ganze selbstverständlich wieder zu den Akten gelegt. Im Gegensatz zur Geschichte rund um Sheldon und Amy wird der große Howdini wohl in Zukunft keine Rolle mehr spielen. Ohnehin wird deutlich, dass die Autoren seit mindestens drei Staffeln nicht mehr wissen, was sie mit Howard und Bernadette anfangen sollen. Aber wenigstens versuchen sie mal wieder etwas, anstatt dem Pärchen einfach noch ein drittes Kind zu geben.
Alles in allem also keine schlechte Episode, die The Big Bang Theory seinen Zuschauern diese Woche präsentierte.
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Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 7. Dezember 2018The Big Bang Theory 12x10 Trailer
(The Big Bang Theory 12x10)
Schauspieler in der Episode The Big Bang Theory 12x10
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