The Big Bang Theory 10x18

© aj (Kunal Nayyar) muss seine Koffer packen. / (c) CBS
In der The Big Bang Theory-Episode The Escape Hatch Identification kommt, was kommen musste und was viele Zuschauer in Anbetracht des kreativen Vakuums, das seit einigen Staffeln vorherrscht, schon vor Wochen vorhergesehen haben: Raj (Kunal Nayyar) zieht bei Leonard (Johnny Galecki) und Penny (Kaley Cuoco) ein und ersetzt damit den inzwischen mit Amy (Mayim Bialik) zusammenlebenden Sheldon (Jim Parsons). Doch ist die Storyline, nur, weil sie abzusehen war, automatisch schlecht oder ist sie eine willkommene Erfrischung für die betagte Sitcom?
Go to India
Raj zieht die Abnabelung von seinen Eltern radikal durch, selbst wenn er dafür diverse Privilegien aufgeben muss. Dass eines davon auch seine Wohnung ist, will mir zwar noch nicht so recht in den Kopf - schließlich ist er ein promovierter Astrophysiker und nicht arbeitslos -, aber, wenn dadurch Bewegung in die stagnierende Handlung kommt, bin ich bereit, ein Auge zuzudrücken. Bedauernswert ist nur, dass Raj, der eigentlich unabhängiger werden wollte, nun wieder auf die Hilfe von anderen angewiesen ist, in diesem Fall auf seine Freunde.
Immerhin muss er sie nicht anbetteln und damit auch den letzten Rest seiner Würde über Bord werfen, denn trotz einiger fieser Sprüche scheinen sich die Wolowitz' und die Hofstadters um den Hausgast regelrecht zu reißen. So hat Raj am Ende die freie Wahl, ob er lieber in der Garage im Haus von Howard (Simon Helberg) und Bernadette (Melissa Rauch), die ja schon ihren Freund Stuart (Kevin Sussman) aufgenommen haben, oder in Sheldons ehemaligem Zimmer in der Wohnung von Leonard und Penny wohnen will. Schamlos wie er ist, tritt er - inszeniert durch eine unterhaltsame Montagesequenz - sogar in Verhandlungen, wer ihm zum Beispiel die bessere Badezimmersituation bieten kann.
Doch Raj bleibt nicht lang in seiner neuen Unterkunft. Als sein Vormieter Sheldon Unruhe stiftet und einen Streit zwischen Leonard und Penny anzettelt, verschwindet er, um seinen Gastgebern nicht weiter zur Last zu fallen. Stattdessen bricht er mitten in der Nacht bei Howard und Bernadette ein, um auf das Angebot mit der Garage zurückzugreifen. Sein unerwartetes Auftreten sorgt zunächst für großen Schrecken, sodass Stuart mit einer Negankeule ins Zimmer eilt, um den Eindringling zu erledigen. Als sich herausstellt, dass es sich nur um Raj handelt, stellt man ihm das Sofa zur Verfügung.

Im Vieraugengespräch fragt Raj seinen Leidensgenossen Stuart, wie er es mit seinem Gewissen aushandeln könne, auf Kosten seiner Freunde zu leben. Stuart erklärt ihm, dass das Leben ihn so oft betrogen habe, dass er sich dieses kleine Glück verdienen würde. Ein ernüchterndes Statement und eine klare Absage an eine mögliche Junggesellen-WG von Raj und Stuart. Im Vergleich zum tatsächlichen Ende, wo Raj wieder bei Leonard und Penny einzieht, wäre dies sicherlich die interessantere und für die geschundenen Figuren würdevollere Alternative gewesen. Doch auch so darf man zumindest gespannt sein, wie sich Raj als Sheldon-Ersatz schlagen wird.
Do not adjust the dosage
Nun also zu Sheldon, der von Rajs Umzug auch betroffen ist. Gegenüber Leonard und Penny deutet er an, kein Problem damit zu haben, sein altes Zimmer endgültig aufzugeben. Amy gesteht er jedoch, dass das Gegenteil zutrifft. Da er sich seine irrationalen negativen Gefühle nicht erklären kann, kontaktiert er Leonards Mutter, die Psychologin Beverly, die wie immer grandios von Christine Baranski dargestellt wird, die trotz ihrer eigenen Serie, The Good Fight, scheinbar Zeit gefunden hat, The Big Bang Theory zu bereichern.
Beverly bringt gleich mehrere Probleme zu Tage: Sheldon unterstellt sie etwa Bindungsängste mit Amy. Sein altes Zimmer sei für ihn der letzte Rückzugsort gewesen, den zu verlieren er noch nicht bereit wäre. Auf der anderen Seite kritisiert sie Leonard und Penny, weil sie noch immer nicht alleine leben könnten und sich deshalb einen Buffer wie Raj ins Haus holen würden. Damit trifft sie voll ins Schwarze und liefert so eine plausible Erklärung, wieso Leonard und Penny Raj überhaupt so offenherzig aufnehmen. Und das ist wichtig, denn gäbe es keine glaubhafte Begründung, wäre die Storyline bereits gescheitert, bevor sie angefangen hat.
„Bäumchen, wechsle dich!“-Spielchen bezüglich der Wohnsituation sind eine alte Sitcomtrope, die man aus Serien wie How I Met Your Mother oder Friends bereits zur Genüge kennt. Dass nun auch The Big Bang Theory in seiner immerhin schon zehnten Staffel darauf zurückgreift, ist keine große Überraschung. Aber weil in der aktuellen Episode nur die Umstände behandelt werden, wie es zu Rajs Einzug kommt und noch nicht, wie das Zusammenleben mit Leonard und Penny funktioniert, muss das Urteil in diesem Fall vorerst verschoben werden.
Sonstige Gedanken:
- Immer wieder interessant, wenn sich die Serie auf das Thema Psychologie einlässt und dann doch keine Fakten bezüglich Sheldons Psyche schafft (siehe dazu auch Serienjunkies-Therapie 1x02: Mit Asperger zum Publikumsliebling?).
- The Big Bang Theory kommt mir deutlich lustiger vor, seitdem ich ständig das Gelächter von Ricky Gervais vor meinem inneren Ohr höre. Wer nicht weiß, wovon ich rede, sollte sich folgendes Video ansehen.
The Big Bang Theory 10x18 Trailer
(The Big Bang Theory 10x18)
Schauspieler in der Episode The Big Bang Theory 10x18
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?