Battle Creek 1x01

Battle Creek 1x01

Das neue CBS-Crime Procedural Battle Creek von Vince Gilligan und David Shore erfindet das Rad nicht neu, doch die Pilotfolge sorgt für sehr solide Fernsehunterhaltung, die vor allem durch die gute Chemie der beiden Hauptdarsteller besticht.

Ungleiches Duo: Dean Winter und Josh Duhamel als Ermittler Russ Agnew und Milton Chamberlain in „Battle Creek“. / (c) CBS
Ungleiches Duo: Dean Winter und Josh Duhamel als Ermittler Russ Agnew und Milton Chamberlain in „Battle Creek“. / (c) CBS
© (c) CBS

Zehn Jahre soll es nun ungefähr her sein, dass Breaking Bad-Mastermind Vince Gilligan eine fixe Serienidee hatte, um dem im amerikanischen Fernsehen durchaus beliebten Genre des Crime Procedural einen etwas anderen Ansatz zu verpassen. Nachdem das Skript zu Battle Creek dann jedoch für lange Zeit in der Schublade von Gilligan versauerte, gab CBS (gemeinsam mit Produktionsstudio Sony Pictures Television) 2013 die Bestellung des angestaubten Serienprojekts Gilligans in Auftrag. Der schloss sich kurzerhand mit House-Schöpfer David Shore zusammen, um die neue Serie zu betreuen und in die richtigen kreativen Bahnen zu lenken.

Das Ergebnis kann sich nun durchaus sehen lassen, denn die Auftaktepisode von „Battle Creek“ weiß gleich in mehrerer Hinsicht zu unterhalten sowie zu überzeugen - wenngleich in der Gesamtwertung sicherlich einige Abstriche gemacht werden müssen. Sieht man die neue CBS-Serie jedoch schlicht als das unkomplizierte Unterhaltungsformat samt illustrem Cast, das es sein möchte, kann man hier doch eine Menge Spaß haben.

Getting help

Zwei derartig bekannte Namen aus dem Fernsehgeschäft wie Vince Gilligan und David Shore, deren Reputation unbestritten ist, haben natürlich ein etwas einfacheres Spiel, eine eher veraltete Serienidee wie die von „Battle Creek“ an den Mann zu bringen. Denn hier sollte man sich keinerlei Illusionen machen: Die Prämisse des neuen Crime-Dramas könnte einfacher und geläufiger nicht sein, sodass auch wahrlich keine Zweifel aufkommen, dass die Idee zu diesem Format bereits seit gut einer Dekade existiert.

Zu der Zeit, als Gilligan ein Skript zu „Battle Creek“ entwarf, konnte man in der amerikanischen Fernsehlandschaft klassische Crime Procedurals wie Law & Order oder die ersten Ableger (CSI: Crime Scene Investigation respektive NCIS) der in den Folgejahren stetig anwachsenden „CSI“- sowie „NCIS“-Franchises finden. Mit einem etwas frischeren Ansatz wollte Gilligan dieses sehr beliebte Fernsehgenre wohl ein wenig auf den Kopf stellen, um der Zuschauerschaft etwas Neues anbieten zu können.

Frustriert von der schlechten Ausrüstung: Kal Penn und Dean Winters in %26bdquo;Battle Creek%26ldquo;. © CBS
Frustriert von der schlechten Ausrüstung: Kal Penn und Dean Winters in %26bdquo;Battle Creek%26ldquo;. © CBS

Good at everything

Aus diesem Grund kann man sich in der Pilotepisode von „Battle Creek“ wohl auch nur selten des Eindrucks verwehren, dass sich die Serie recht geläufig anfühlt. Sie ist mitnichten so besonders, wie es vielleicht vor zehn Jahren noch der Fall gewesen wäre. Zwei ungleiche Gesetzteshüter, von denen zumindest einer widerwillig mit seinem neuen Kollegen zusammenarbeiten muss, um in einer heruntergekommenen Kleinstadt im mittleren Westen der USA für Recht und Ordnung zu sorgen? Eine originelle Ausgangssituation hört sich anders an. Im Umkehrschluss bedeutet das aber nicht gleich, dass das Endprodukt nichts taugt.

Zwar leidet die Spannung an einigen Stellen der Auftaktfolge darunter, dass wir oft genau wissen, wohin die Reise gehen wird - schließlich kennen wir als Film- und Serieninteressierte die gängigen Mechanismen dieses speziellen Cop Buddy-Genres. Doch Gilligan und Shore gelingt es dennoch, die besonderen Charakeristika ihres Formats zu bewerben. Es scheint beinahe so, als wüssten die beiden erfahrenen Fernsehmacher ganz genau, dass sie mit „Battle Creek“ das Fernsehen nicht revolutionieren werden. So stützen sie ihre neue Serie vielmehr auf die Darsteller und deren Charaktere sowie auf ein knackiges Erzähltempo hinsichtlich der Handlung und des klassischen Falles der Woche.

Just a small town cop

Der größte Reiz in Battle Creek geht von der Dynamik zwischen den beiden Hauptdarstellern Dean Winters (Oz, Rescue Me) und Josh Duhamel (Las Vegas) aus. Beide verkörpern bekannte Stereotypen, die wir so oder so ähnlich schon mehrfach im fiktiven Unterhaltungsbereich zu sehen bekommen haben. Es ist jedoch die starke Chemie zwischen den beiden, welche sie ein wenig aus dem Einheitsbrei heraushebt.

Während Deans Det. Russ Agnew ein harter Ermittler ist, der seine Kleinstadt kennt und der oft auf seine Instinkte und Erfahrungen als geborener Pessimist beziehungsweise Realist vertraut, stellt Duhamels FBI-Agent Milton 'Milt' Chamberlain das komplette Gegenteil dar. Wo sein neuer Partner zu eher rabiateren Mitteln greift, baut Milt auf sein natürliches Charisma und diplomatisches Geschick in Befragungen. Die Vorteile, die sich ihm als Angestellter des FBI bieten - forensische Untersuchungen, Hightech-Equipment -, lassen ihn sehr analytisch vorgehen, ohne dass er dabei jemals den Glauben an das Gute im Menschen verliert.

Diese beiden extremen Gegenpole geraten natürlich sofort miteinander in Konflikt. Insbesondere Russ Agnew hat so seine Probleme mit dem neuen Kollegen, dessen Leichtigkeit und bisweilen regelrechte Naivität in Sachen Kriminalitätsbekämpfung ihm den letzten Nerv rauben. Für ihn ist Milt der klassische Gewinnertyp, der einfache Menschen wie ihn schlecht dastehen lässt, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Durch ein paar Andeutungen wird aber auch klar, dass Milt nicht gänzlich der Strahlemann ist, für den man ihn hält, und so wird es sicher nicht lange dauern, bis die eher nicht so perfekten Seiten seines Charakters offenbart werden.

Milt (Josh Duhamel) und Agnew (Dean Wilters) in Aktion. © CBS
Milt (Josh Duhamel) und Agnew (Dean Wilters) in Aktion. © CBS

The old-fashioned way

Die Serienmacher arbeiten anhand ihrer Hauptfiguren also ein paar allseits bekannte Klischees und Tropen ab. Jedoch entwerfen sie mit dem Örtchen Battle Creek auch eine passende Kulisse für ihre eigenwillige Kreuzung aus Komik und visuell eher düsteren Crime-Drama. Dabei sollte man sich jedoch nicht täuschen lassen: Der komödiantische Aspekt steht hier definitiv im Vordergrund, auch wenn es Regisseur Bryan Singer („X-Men“) mehr als einmal gelingt, durch ein paar optische Spielereien - sei es durch das Verhältnis von Licht und Schatten oder durch einen gelegentlichen Sepia-Stich in der Farbgebung - eine stimmungsvolle Atmosphäre zu erzeugen, die an leichte gritty crime drama-Kost erinnert.

Dennoch, der Humor kommt hier zweifelsohne am meisten zur Geltung, und das ungleiche Duo Duhamel und Winters hat großen Anteil daran. Beide spielen sich gekonnt die Bälle zu. Mit cleveren und launigen Dialogen unter den Beteiligten entwickelt „Battle Creek“ einen durchaus charakteristischen Charme, zu dem auch einige gut platzierte Gags und komödiantische Einlagen beitragen. Alleine die Anfangsszene vor dem sehr schwungvollen Intro zur Serie hält so einige Lacher für uns bereit und verdeutlicht unmissverständlich, wie gering die Ressourcen des Morddezernats von Battle Creek wirklich sind.

Big smile, big laugh

Duhamel und Winters stellen ohne Frage den größten Trumpf der Pilotepisode von Battle Creek dar, der von den Machern geschickt ausgespielt wird und für viele Zuschauer Grund genug sein könnte, erneut einzuschalten. Die Ermittlung der beiden in einem zweifachen Mordfall gehen eher klassisch voran und dienen dazu, die unterschiedlichen Charaktere von Agnew und Milt zu etablieren. Nach ein paar überraschenden Wendungen ist der eigentliche Mörder gefunden. Viel wichtiger ist jedoch, dass Agnew womöglich realisiert hat, dass die Zusammenarbeit mit Milt aufgrund ihrer Good cop, bad cop-Dynamik besser funktionieren könnte, als er sich anfangs vorgestellt hätte.

Die restlichen Charaktere des Formats treten im Vergleich zu den beiden wesentlich weniger in Erscheinung, was jedoch nachvollziehbar ist. Das Ermittlerteam um Agnew ist eine bunte Truppe, in der sich einige bekannte Gesichter die Klinke in die Hand geben, darunter Kal Penn (House),Damon Herriman (Justified) oder auch Aubrey Dollar (Dawson's Creek). Von diesen darf ein jeder einen kleinen Witz unterbringen. Allerdings müssen die Autoren in Zukunft aufpassen, ihre Nebenfiguren nicht zu bloßen Randerscheinungen und Gimmicks verkommen zu lassen. Komödiantisches Potenzial haben sie alle, ich persönlich möchte aber weniger klassische Karikaturen mit speziellen Running Gags, sondern ausgearbeitete Charaktere sehen, denen man ein eigenes Profil verpasst. Inwiefern dies gelingen wird, werden die nächsten Episoden von „Battle Creek“ zeigen müssen.

Liza Lapira und Grapevine als Det. Jacocks und Det. Funkhauser in %26bdquo;Battle Creek%26ldquo;. © CBS
Liza Lapira und Grapevine als Det. Jacocks und Det. Funkhauser in %26bdquo;Battle Creek%26ldquo;. © CBS

No guarantees

Am Ende der Episode wollen Gilligan und Shore, die beide für das Drehbuch zur Pilotfolge verantwortlich sind, dann noch ein wenig das dramatische Potential ausschöpfen, das ihr Format in sich tragen könnte. Die emotionale, feinfühlige Ansprache von Milt gegenüber einem überführten Straftäter ist zwar erneut sehr ordentlich geschrieben, ein wenig zu generisch mutet sie dennoch an.

Auf komödiantischer Ebene überzeugt „Battle Creek“ mehrfach. Die noble Absicht, eher tragischere und emotionalere Töne anzuschlagen, ist jedoch bekanntermaßen etwas schwieriger in die Tat umzusetzen. Ich persönlich halte „Battle Creek“ nicht für das ambitionierteste Format, in naher Zukunft werden aber mit Sicherheit einige dramatischere Handlungsbögen folgen, über die die Verantwortlichen zeigen wollen, dass sie uns mehr als einfache Unterhaltung bieten wollen. Hier bleibt es abzuwarten, wie gut man den Spagat zwischen Komik und greifbarem, authentischem Drama meistert, was sicherlich auch mit der Weiterentwicklung der Charaktere und ihrer Figurenzeichnung zusammenhängen wird.

Fazit

Vincent Gilligan und David Shore liefern mit Battle Creek ein geradliniges, schnörkelloses Genreformat ab, das nach heutigen Fernsehmaßstäben ein paar vielleicht nicht mehr allzu frische, aber charmante Ansätze in petto hat und gut zu unterhalten weiß. Insbesondere die Darsteller stechen heraus und tragen zur Kurzweiligkeit des Serienneustarts bei, der sich gelegentlich ein wenig klischeebehaftet und vorhersehbar gestaltet, aber dennoch selten langweilt.

Die Auftaktepisode kommuniziert sicherlich nicht die größten Ambitionen, doch das muss sie auch gar nicht. „Battle Creek“ macht jetzt schon den Eindruck, als könnte man hier jederzeit getrost einschalten und sich angenehm unterhalten lassen. Die Stärke des Formats liegt zweifellos bei den Charakteren und weniger bei den kriminalistischen Aufträgen, die sich diesen Woche für Woche stellen werden. Was die Macher nun im Laufe der 13-teiligen ersten Staffel aus ihren Figuren herausholen können, wird sich zeigen.

Serientrailer zu „Battle Creek“:

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 2. März 2015

Battle Creek 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Battle Creek 1x01)
Titel der Episode im Original
The Battle Creek Way
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 1. März 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 20. August 2015
Regisseur
Bryan Singer

Schauspieler in der Episode Battle Creek 1x01

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