Banshee 2x08

Banshee 2x08

Die Episode Evil For Evil an sich ist kaum spektakulär geraten, ebnet aber den Weg gen Staffelfinale. In Banshee erringt Sheriff Hood dabei einen überhasteten Etappensieg über seinen Gegner Proctor, während auf Emmett Yawners eine schwere Prüfung wartet.

Die Serie „Banshee“ dürfte Job (Hoon Lee) und Sugar Bates (Frankie Faison) gerne noch öfter zum Zuge kommen lassen. / (c) Cinemax
Die Serie „Banshee“ dürfte Job (Hoon Lee) und Sugar Bates (Frankie Faison) gerne noch öfter zum Zuge kommen lassen. / (c) Cinemax

Die zweite Staffel von Banshee geht bereits wieder ihrem Ende entgegen und die Charaktere werden für den nächsten großen Showdown in Stellung gebracht. Wie bereits in der Vorgängerepisode Ways To Bury A Man (2x08) ist Loni Peristere auch jetzt wieder für die Regie verantwortlich. In Evil For Evil begleitet er Lucas Hood (Antony Starr) dabei, wie der mit aller Macht Kai Proctor (Ulrich Thomsen) gegen sich aufbringt. Allerdings ist es ein anderer Gesetzeshüter, dem seine Unbeherrschtheit gerade am offenkundigsten zum Verhängnis wird.

Neue Abgründe

Der Handlungsstrang, in dem sich die Neonazis aus der vorangegangenen Episode an Emmett Yawners (Demetrius Grosse) rächen, weist bedauerlicherweise gleich mehrere Defizite auf. Das traurige Schicksal von Emmetts Frau Meg (Stephanie Northrup) ist so vollkommen vorhersehbar, dass man sich das Anschauen des schrecklichen Übergriffes von Matt Sharp (Joseph Sikora) und seiner rassistischen Entourage auf die Schwangere eigentlich hätte sparen können.

Obwohl die Rezensentin sich bereits nach dem ersten Blick auf Megs Bauch sicher darüber war, dass die werdende Mutter ihr Kind verlieren würde, konnte sie sich doch nicht vor der Wucht des Übergriffs an sich wappnen. Mit dem Tritt in den Bauch einer Schwangeren kann sich Banshee in puncto Brutalität wohl selbst übertreffen. Was ist das nur für eine gnadenlose Welt, in der Sheriff Hood und die anderen ihr Dasein fristen müssen? Immerhin stimmt es versöhnlich, dass selbst Neonazis aus einem psychopathischen Paralleluniversum den Anschlag auf ein ungeborenes Leben nicht mit einem Handschlag zelebrieren.

Das Fass läuft über

Neben ihrer Vorhersehbarkeit krankt Emmetts Geschichte vor allem daran, dass sie so abgegriffen erscheint. Demetrius Grosse müht sich zwar darum, seine Zeilen mit Authentizität anzureichern, und auch die Diskriminierung von Schwarzen oder anderen Minderheiten ist sicherlich auch heute noch ein großes Problem, doch die Thematisierung das Ganzen in Banshee ist reichlich platt geraten.

Selbst Grosse gelingt es nicht, das über alle Maßen abgehalfterte Bibelzitat von der „anderen Wange“ - die er nach langen Jahren nun nicht mehr hinhalten will - wirkungsvoll zu recyceln. Zudem reiht sich Yawners durch seine brutale Rache an den festgesetzten Neonazis in die lange Reihe der Figuren aus der Serie ein, die offenbar zu allem fähig sind. Obwohl gerade Emmett allen Grund zur Wut hat und von der Trauer um seinen Sohn geblendet wird, hätte eine Prise Beherrschung - oder auch nur eine etwas durchdachtere Revenge - der Serie gut zu Gesicht gestanden.

Der Kampf um die Macht

Proctor hätte sich den Mord an Jason Hood besser verkneifen sollen. Denn damit hat er nicht nur den Sheriff gegen sich aufgebracht, der ihn in dieser Episode gar ins Gefängnis bringen kann. Auch bei Kais Nichte Rebecca (Lili Simmons) manifestieren sich die Konsequenzen seines rücksichtslosen Verhaltens.

Rebecca hat ihre Phase der Verzweiflung und der suizidalen Gedanken überwunden und scheint nun kalkulierter und geradezu machthungrig vorzugehen. Dabei legt sie ein großes Talent für die Manipulation an den Tag: Eiskalt liefert sie die Stripperin Juliet (Maya Dunbar) der Vergeltung durch Kai aus. Ob sie dies wohl auch aus Eifersucht gegenüber der präferierten Geliebten von Kai in die Wege leitet? Die unangenehme sexuelle Spannung zwischen Onkel und Nichte wird schließlich auch in Evil For Evil wieder unmissverständlich zur Geltung gebracht. Begehrt sie ihn auch so sehr, wie er sie - ganz offenkundig und trotz aller Selbstdisziplin - begehrt?

Vieles spricht jedoch dafür, dass Rebecca nicht um die Liebe von Proctor kämpft, sondern mittlerweile vielmehr an dessen Machtposition interessiert ist. So verzichtet sie darauf, ihn nach dem nächtlichen Besuch von Sheriff Hood zu warnen - und macht es sich schon einmal probeweise auf Proctors Chefsessel bequem.

Was führt Rebecca (Lili Simmons) wohl im Schilde? © Cinemax
Was führt Rebecca (Lili Simmons) wohl im Schilde? © Cinemax

Offene Provokation

Während Rebecca ihre wahre Positionierung im Kampf um die Macht in Banshee vorerst für sich behält, geht Lucas in aller Offenheit gegen Proctor vor. Sein tiefer Wunsch, die Stadt und deren Bürger von dem Ex-Amischen zu befreien, lässt den Gesetzeshüter dabei allerdings allzu unvorsichtig agieren. Der Hitzkopf kann sich noch immer nicht mit dem Regelwerk der Polizeiarbeit anfreunden und riskiert durch das Erfinden von Zeugenaussagen, dass der Prozess gegen Proctor aufgrund von Unstimmigkeiten im kriminalistischen Procedere fallen gelassen werden muss.

Während sich Hood auf der einen Seite höchst fahrlässig verhält und Siobhans (Trieste Kelly Dunn) Zorn nicht unbegründet ist, beweist er an anderer Stelle mehr Weitsicht und sichert sich in Alex Longshadow (Anthony Ruivivar) einen wichtigen Verbündeten. Der Häuptling kann es anscheinend kaum erwarten, sich wieder aus seinem Pakt mit dem Teufel zu befreien...

...und der Rest

Sugar Bates (Frankie Faison) und Job (Hoon Lee) gelingt es dank ihrer frappierenden Gegensätzlichkeit so leicht, das Publikum zu unterhalten, dass man sich fragt, warum die beiden nicht noch viel öfter zum Zuge kommen dürfen. Weit weniger interessant ist es, der Familie Hopewell beim Wiederzusammenwachsen zuzusehen. Doch immerhin leistet die Episode Evil For Evil gute Arbeit dabei, diesem Handlungsstrang nur die Spielzeit zuzugestehen, die es braucht, den Prozess der Versöhnung auf eine nachvollziehbare Weise wiederzugeben.

Fazit

Die Geschichte um Yawnes lässt zu wünschen übrig und auch die Handlung um Carries (Ivana Milicevic) Rückkehr in ihre Familie kann nicht mit Höhepunkten aufwarten. Dafür kann die Serie Banshee an anderer Stelle wieder eindrucksvoll punkten: Alle Szenen, die Kai und Rebecca betreffen, lassen einem vor Unbehagen regelrecht die Haare zu Berge stehen. Wann wird die „Beherrschung“, die Becca ihrem Onkel attestiert, wohl ein Ende haben?

Ebenfalls gelungen ist, wie hübsch die Figur Proctor durch die Angst, die Sugar ihm entgegen bringt, auch indirekt charakterisiert wird. Zudem findet Banshee in Bezug auf grobschlächtigere Elemente der Handlung ebenfalls immer wieder neue Wege, um die Zuschauer wirkungsvoll vor den Kopf zu stoßen.

Noch zwei Episoden verbleiben von der zweiten Staffel von Banshee. Dabei stimmt nicht nur die Tatsache optimistisch, dass hier der gleiche Regisseur walten wird, der schon bei der Inszenierung der ersten beiden Folgen von Staffel zwei gute Arbeit geleistet hat. Neben dem Wirken von Greg Yaitanes können sich die Zuschauer auf die Fortsetzung des „never ending cycle of shit“ freuen - denn Komplikationen sind nach der Episode Evil For Evil zumindest in Bezug auf Proctor vorprogrammiert. Wenn man bedenkt, dass der Gangster ausgerechnet seinen Handlanger Clay Burton (Matthew Rauch) auf Juliet ansetzt, wird einem schon jetzt angst und bange.

Und neben Proctor existiert ja selbstverständlich auch noch Mr. Rabbit (Ben Cross), der nun wieder auf Jobs Radar aufgetaucht ist. Zudem sollte man wohl auch den Hühnen Chayton Littlestone (Geno Segers) nicht gänzlich vergessen...

Verfasser: Thordes Herbst am Sonntag, 2. März 2014

Banshee 2x08 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 8
(Banshee 2x08)
Deutscher Titel der Episode
Vergeltung
Titel der Episode im Original
Evil For Evil
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 28. Februar 2014 (Cinemax)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 5. Juni 2014
Autor
Doug Jung
Regisseur
Loni Peristere

Schauspieler in der Episode Banshee 2x08

Darsteller
Rolle
Ivana Milicevic
Ulrich Thomsen
Frankie Faison
Hoon Lee
Job
Rus Blackwell
Matt Servitto
Demetrius Grosse
Trieste Kelly Dunn
Ryann Shane
Anthony Ruivivar
Ben Cross
Afton Williamson
Matthew Rauch

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