Banshee 2x07

Banshee 2x07

Die Serie Banshee macht drei Episoden vor dem Ende ihrer zweiten Staffel einen ausgelaugten Eindruck. Während die Handlung der Episode Ways To Bury A Man wenig Originelles mit sich bringt, schafft sie dabei immerhin eine vielversprechende Ausgangssituation.

In „Banshee“ wird Rebecca (Lili Simmons) von ihrem Onkel Kai (Ulrich Thomsen) immer neuen Qualen ausgesetzt. / (c) Cinemax
In „Banshee“ wird Rebecca (Lili Simmons) von ihrem Onkel Kai (Ulrich Thomsen) immer neuen Qualen ausgesetzt. / (c) Cinemax

Die siebte Episode aus der zweiten Staffel von Banshee, Ways To Bury A Man, kann nicht in allen Belangen überzeugen. So mangelt es ihr an denkwürdigen Momenten, während einem eher kraftlosen Handlungsstrang zu viel Spielzeit eingestanden wird. Immerhin wird die Folge vom Regisseur Loni Peristere - der sich sonst mit visuellen Effekten für Serien wie Buffy the Vampire Slayer oder Firefly seinen Unterhalt verdingte - ästhetisch gekonnt eingeleitet: mit Mett und Diamanten.

Heute Mett, Diamanten später

Die teuren Glitzersteine, die sich in der Vorgängerepisode als Fälschungen herausgestellt haben, künden eigentlich von neuerlichen Konflikten mit Mr. Rabbit (Ben Cross). Stattdessen steht in der Episode Ways To Bury A Man Sheriff Lucas Hoods (Antony Starr) Kampf gegen seinen anderen Erzfeind Kai Proctor (Ulrich Thomsen) im Vordergrund. Der Fleischwolf, den dieser Schurke ungerührt beobachtet, ist ein bitterböses Symbol für seine dunkle Macht. Schließlich deutet vieles darauf hin, dass das Mett vor kurzem noch als Jason Hood (Harrison Thomas) umhergewandelt ist - bis den Jüngling sein Stelldichein mit der falschen Nichte sein Leben kosten sollte...

Zwischen Ohnmacht und Wut

Rebecca (Lili Simmons) wird dank ihres sadistischen Onkels Sex wohl noch für eine ganze Weile mit Hamburgern assoziieren. Später richtet das Mädchen eine Pistole abwechselnd herausfordernd auf ihr Spiegelbild und dann wieder erschöpft auf die eigene Schläfe. Auf diese Weise soll wohl ihr Hadern darüber zum Ausdruck gebracht werden, ob sie ihre - aus der Verzweiflung geborene - Wut wohl gegen sich selbst oder doch gegen ihren Peiniger, ihren Onkel Kai Proctor, lenken soll. Die Sequenz wirkt bedauerlicherweise allzu melodramatisch, um auf Seiten der Zuschauer echte Emotionen heraufzubeschwören. Besser funktioniert da schon die Szene, in der sich Rebecca ohnmächtig auf den Grund eines Pools sinken lässt. Allerdings kann dieses Bild spätestens seit Skylers famosem Tauchgang in Breaking Bad kaum mehr als Paradebeispiel für Originalität gelten.

Proctor Routine und die nächste Prüfung für die Hopewells

Die Kaltschnäuzigkeit und die fast schon gelangweilte Routine, mit der Kai einem Kritiker seines neuen Partners Alex Longshadow (Anthony Ruivivar) zu Leibe rückt, kann man in all ihrer Abartigkeit durchaus genießen. Die Geschichte um den Asthma-Anfall von Max Hopewell (Gabriel Suttle) ist hingegen reichlich ungeschickt und gleichzeitig ungemein vorhersehbar geraten. Warum sollte ein cleveres Mädchen wie Deva (Ryann Shane) nicht schneller die Nummer des Notdienstes wählen, statt wieder und wieder die Mailbox ihres Stiefvaters Gorden (Rus Blackwell) anzurufen? Deva ist zwar fast noch ein Kind und außerdem der Panik ausgeliefert - doch so wenig Geistesgegenwart wird der Figur nicht gerecht. Besonders unangenehm wirkt die ganze Begebenheit zudem, weil sie den Weg für Carries (Ivana Milicevic) Rückkehr in ihre Familie auf viel zu fantasielose Weise ebnet.

Die Geschichte um die Hopewells ist allzu langatmig geraten. Überflüssigerweise wird Gordons Niedergang den Zuschauern erneut vor Augen geführt. Die Tatsache, dass die Behandlungskosten für Max nun nicht länger von der Versicherung getragen werden, wirkt als impulsgebendes Element für weitere kriminelle Handlungen von Carrie zudem allzu abgedroschen.

Obwohl Hood (Antony Starr) endlich wieder mit Job (Hoon Lee) und Sugar (Frankie Faison) zusammen arbeitet; bleiben Höhenflüge aus. © Cinemax
Obwohl Hood (Antony Starr) endlich wieder mit Job (Hoon Lee) und Sugar (Frankie Faison) zusammen arbeitet; bleiben Höhenflüge aus. © Cinemax

Solche Gewalt und solche Gewalt

Proctors drakonische Bestrafung des Verwalters von seinem Stripclub ist unverkennbar brutal geraten und bezeugt wieder einmal die Gefühlskälte des umtriebigen Geschäftsmannes. Im Banshee-Universum, das die Zuschauer regelmäßig mit neuen Höhepunkten in puncto Grausamkeit konfrontiert, macht die Szene jedoch einen recht einfallslosen und gar überflüssigen Eindruck. Dass Proctor zuweilen cholerisch reagiert, war schließlich schon vorher deutlich geworden...

Eine bessere Rechtfertigung für das Vorhandensein von Gewalt in der Serie bietet sich auf Seiten von Sheriff Hood (Antony Starr). Bei seinem Aufeinandertreffen mit dem Vorzeigeneonazi und Proctor-Lakeien Matt Sharp (Joseph Sikora) gibt es nicht nur in Bezug auf Innovation beim Prügeln Pluspunkte zu verbuchen. Zur gleichen Zeit wird die Brutalität an dieser Stelle stimmig mit Humor verbunden. Sei es ein beiläufiges Lächeln von Lucas, das schelmisch dem Ernst der Lage trotzt, oder die fast schon kindliche Freude des Sheriffs darüber, seinen Gegenspieler in eine missliche Lage manövriert zu haben („But now I have got your arm!“). In diesem Zusammenhang gelingt es in Banshee gleichzeitig, den lange vernachlässigten Charakter Emmett Yawners (Demetrius Grosse) wieder etwas in den Fokus zu rücken.

Sugar, Job und Emmett

Sugar Bates (Frankie Faison) und Job (Hoon Lee) warten zwar auch in dieser Episode mit dem einen oder anderen cleveren Zitat auf („This isn't a fucking Road Runner cartoon!“). Leider sorgt das Agieren der beiden Figuren dieses Mal trotzdem nicht für Begeisterungsstürme auf Seiten der Zuschauer - dafür haben wir Explosionen, die nicht ganz pünktlich losgehen, wohl schon einmal zu oft im Fernsehen gesehen. Umso schöner ist es dafür, zur Abwechslung mal Emmett in Hochform zu erleben. Der Polizist begeistert durch seinen lässigen Umgang mit den Rassisten, coole Sprüche und auch seine physische Überlegenheit.

Fazit

Wenn man bedenkt, wie viele Probleme Jason seinem „falschen Vater“ hätte bereiten können, ist es doch erstaunlich, wie aggressiv Hoods Vergeltungsmaßnahmen gegen Proctor ausfallen. Ohne Angst vor den obligatorischen Konsequenzen nimmt Lucas den Kampf gegen Banshees mächtigsten Gangster auf. Auch Job entgeht der dieser Entscheidung innewohnende Irrsinn nicht: „Most people are happy with just one psychopath after them. Do you really want two?

Hoods Einsatz für den ermordeten Jason kann man als weiteren Indikator dafür werten, dass Lucas sich tatsächlich immer stärker mit der Rolle des Gesetzeshüters identifiziert. Dabei ist es im Sinne der Unterhaltsamkeit beruhigend, dass er im Zweifelsfall auch weiterhin auf Gangstermethoden zurückgreift, wenn die legalen Möglichkeiten der Polizei an ihre Grenzen stoßen. Ein durchweg „rechtschaffender“ Protagonist ließe sich mit dem Grundkonzept der Serie Banshee wohl nur schwer vereinbaren.

Es hat den Anschein, als sollten in Ways To Bury A Man möglichst viele Charaktere zum Zuge kommen. Obwohl Auftritte wie der von Platinumm (Katie Page; „My name is Platinumm. Two M's, as in „Mm, she looks good““) für Erheiterung sorgen, vergehen dabei große Teile der Episode ohne nennenswerte Höhepunkte. Selbst die Szenen um Kai Proctor - sonst Garanten für Gänsehaut - machen zeitweise einen kraftlosen Eindruck. Gleiches gilt für die tragische Geschichte der Familie Hopewell, die hier schlichtweg zu klischeehaft geraten ist. Zwar kann auch die schöne Explosion von Proctors Drogenlager den Mangel an Höhepunkten nicht wettmachen. Doch dafür bringt diese siebte Episode die Figuren auf eine Weise in Stellung, die ein äußerst verlockendes Licht auf die drei verbliebenen Folgen von Staffel zwei wirft.

Verfasser: Thordes Herbst am Samstag, 22. Februar 2014

Banshee 2x07 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 7
(Banshee 2x07)
Deutscher Titel der Episode
Kampfansage
Titel der Episode im Original
Ways To Bury A Man
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 21. Februar 2014 (Cinemax)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 29. Mai 2014
Autor
Doug Jung
Regisseur
Loni Peristere

Schauspieler in der Episode Banshee 2x07

Darsteller
Rolle
Ivana Milicevic
Ulrich Thomsen
Frankie Faison
Hoon Lee
Job
Rus Blackwell
Matt Servitto
Demetrius Grosse
Trieste Kelly Dunn
Ryann Shane
Anthony Ruivivar
Ben Cross
Matthew Rauch

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