Banshee 2x05

Die Serienverantwortlichen haben sich für die fünfte Episode der zweiten Staffel von Banshee sehr, sehr weit von dem dramaturgischen Muster entfernt, an dem sich das Format sonst so hingebungsvoll orientiert. Statt schmerzlich mit anzusehende Prügeleien zu zeigen, die gelegentlich von Sexszenen der expliziteren Art unterbrochen werden, geht es in The Truth About Unicorns überraschend beschaulich zu. Im Vordergrund stehen alleine Lucas Hood (Antony Starr), Carrie Hopewell (Ivana Milicevic) und die Unmöglichkeit ihrer gemeinsamen Zukunft. Ob dies wohl dem Geschmack des gewaltverwöhnten Publikums entsprechen wird?
Was wäre wenn?
Zum einen betrachtet Banshee die Carrie-Lucas-Konstellation wieder einmal in ihrer jetzigen, vertrackten Lage: Carrie hat sich vollkommen dem Kampf um ihre Kinder verschrieben, der keinen Platz mehr für Romanzen mit ihrem Exfreund lässt. In diese Bestandsaufnahme der Gegenwart mischen sich zudem Ausschnitte aus einer alternativen Realität. Hier wirft sich Ana ungehemmt dem falschen Sheriff in die Arme. Ob es sich hierbei insgeheim um ihr eigenes Wunschdenken - oder doch das von Lucas - handelt, bleibt offen.
Hinzu kommen zudem Rückblenden in eine Zeit, die es so nie gegeben hat. Carrie und Lucas frönen dabei in ihrem eigenen kleinen Häuschen dem Liebesglück und freuen sich darauf, der ungeborenen Deva gemeinsam den Weg ins Leben zu ebnen.
In diesen „Was wäre wenn“- beziehungsweise „Was wäre gewesen wenn“-Sequenzen, lösen sich alle Mr. Rabbit (Ben Cross)-bezogenen Schwierigkeiten gemeinsam mit den zwischenmenschlichen Altlasten der beiden Protagonisten in Luft auf. Selbst die realen Szenen, in denen Carrie und Lucas von Windspielen oder sonnendurchfluteten Feldern umgeben sind, machen einen verhältnismäßig friedlichen Eindruck und glänzen dabei als Bonus mit einer Reihe von pittoreske Einstellungen. Dabei wirkt die erste Hälfte dieser Episode jedoch samt Hoods neuerlichen, paranoiden Schüben etwas in die Länge gezogen und nicht packend genug.
Monotonie
Starr und auch Milicevic geben zwar ihr Bestes, um den Charakter-zentrierten Passagen zu Tiefgang und Intensität zu verhelfen. Doch während Hood Besserung gelobt („I just can't keep doing the things I have been doing to people“) und seinen Abschied aus Banshee in Erwägung zieht, wünscht sich die Rezensentin insgeheim doch Proctor (Ulrich Thomsen) oder Job (Hoon Lee) herbei, um die Monotonie ein wenig aufzumischen.

Hoffnungsschimmer
Auf der anderen Seite gelingt es dem noch wenig bekannten, iranisch-schwedischen Regisseur Babak Najafi („Sebbe“) in The Truth About Unicorns tatsächlich sehr gut, in der Harmonie ein tiefes Unbehagen zu verankern. Obwohl man um den Helden einer Serie ja im Grunde genommen keine Angst haben muss, ist man doch geschockt, als Carrie Hood in einer Traumsequenz mit ihrer Waffe zu Leibe rückt. Schön wird in diesem Schock-Moment zudem symbolisch zur Geltung gebracht, dass Lucas sich nie gänzlich davon erholen wird, einst von seiner großen Liebe verraten worden zu sein. Egal, wie schillernd die Bilder auch wirken mögen, die die beiden gemeinsam zeigen - sie werden immer durch ein tiefes Misstrauen überlagert werden.
Ebenfalls gelungen ist die Rückkehr des FBI-Agenten Jim Racine (Zeljko Ivanek) in die Handlung, der von Hood auf wahrlich übermenschliche Weise am Waldesrand erspürt wird. Mit dem verbissenen Charakter hält sofort die Hoffnung in die Episode Einzug, dass es nun richtig losgehen kann. Doch leider ist dem nur teilweise so...
Ein beklagenswerter Todesfall
Der Schuss, der den Agenten wenig später ins Jenseits befördert, stellt zwar in gewisser Weise eine mehr als überraschende Wendung dar. Gleichzeitig wirft er auch ein kleines Rätsel auf: War es das primäre Ziel der shoppingbegeisterten Auftragskillerin, Racine zu töten? Oder warum hätte sie sonst nicht eher Hood oder Carrie anvisieren sollen? Der Schluss liegt nahe, dass Rabbit für die beiden noch etwas ganz besonderes geplant hat...
Doch alle Überraschungen und Spekulationen erscheinen viel zu teuer erkauft zu sein, wenn man sich das unausgeschöpfte Potential der nun ausgeschalteten Figur des Jim Racine vor Augen hält.
Action im Kornfeld
Auch der anschließende Showdown zwischen Jims Mörderin auf der einen sowie Lucas und Carrie auf der anderen Seite, weckt gemischte Gefühle. Zwar ist die vogelperspektivistische Betrachtung der Kriechenden inmitten des Getreides sehr hübsch mit anzusehen und schürt zudem auf packende Weise die Spannung. Ärgerlich ist dann aber, dass die Identität der überwältigten Scharfschützin den Zuschauern wieder einmal stümperhaft per Rückblende überdeutlich gemacht werden muss. Schließlich war der Wagen der nur scheinbar unbeteiligten Einkäuferin zuvor derartig hartnäckig fokussiert worden, dass man diese Verbindung durchaus selbst hätte schließen können.
Ebenso ungeschickt wie diese leidige Kombinationsstütze ist die Tatsache geraten, dass das „Traumhaus“ von Hood und Carrie am Ende nicht nur metaphorisch zu Staub zerfällt, sondern auch ganz reell in Flammen aufgehen muss. Immerhin lädt das etwas zu dick aufgetragene Symbol dabei zum Interpretieren ein: Ist es als Ende der Hoffnung für ein Happy End zwischen Lucas und Ana zu verstehen? Oder wird hier stattdessen die Möglichkeit dem Erdboden gleichgemacht, dass sich Hood auch außerhalb von Banshee einrichten könnte?

Zwei sind ein paar zu wenig
Während ein Großteil der Figuren in dieser Episode nicht zum Zuge kommt, tritt immerhin Sugar Bates (Frankie Faison) in Erscheinung. Dieser ist aber leider nicht in humoristischer Hochform. So gern man den großartigen Sugar auch haben mag - man ist Hood nicht unbedingt böse dafür, dass er dessen allzu melodramatischen Vortrag („There are ghosts that just won't let us be“) energisch ein Ende bereitet.
Fazit
Was ist nur mit Banshee los? Eigentlich ist es durchaus positiv zu bewerten, wenn eine Serie sich mutig von ihrer gängigen Machart entfernt und dabei ein neues Territorium erkundet. Zwar kann die Episode The Truth About Unicorns bildsprachlich zeitweise auch durchaus glänzen und weder Antony Starr noch Ivana Milicevic enttäuschen in ihrer schauspielerischen Darbietung.
Dennoch tut zu viel Ruhe der Serie nicht gut. Statt sich wieder und wieder in monotonen Rückblenden und Scheinwelten zu vertiefen, hätte man die Zuschauer vielleicht lieber mit dem beiläufigen Überfall auf den Juwelierladen bei der Stange halten können.
Zudem werden in dieser Episode allzu viele Erwartungen enttäuscht. Carries Haftstrafe geht leider ohne weitere Exkurse vorbei. Schwerer wiegt jedoch der verschwenderische Umgang mit einem derartig vielversprechenden Charakter wie Jim Racine. Es bleibt jedoch immerhin die schwache Hoffnung, dass der Agent vor seinem Ableben noch einen „Plan B“ in die Wege geleitet haben könnte. Schließlich dürfte er mit seinem Tod ja gerechnet haben. Mit etwas Glück könnte Racine seinen Feldzug gegen Mr. Rabbit also noch für eine Weile postmortem fortführen. Falls dem nicht der Fall sein sollte, stellt der Tod seines Charakters - von der hübschen Inszenierung an sich einmal abgesehen - die bislang größte Enttäuschung der Serie Banshee dar.
Da nun ausreichend etabliert worden sein dürfte, dass der Beziehungsstatus von Carrie und Hood auf facebook „es ist kompliziert“ lauten würde und feststeht, dass Rabbit seinen Lebensabend nicht friedlich in Florida verbringt, soll sich die Handlung nun bitte auch wieder mit den anderen Charakteren befassen. Dieser Exkurs in ein Banshee, das fast ohne nackte Haut und Blut auskommt, war zwar keine Katastrophe. Doch ohne das facettenreiche Umfeld von Carrie und Hood kann die Serie kaum Stürme der Begeisterung heraufbeschwören.
Verfasser: Thordes Herbst am Samstag, 8. Februar 2014(Banshee 2x05)
Schauspieler in der Episode Banshee 2x05
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