Banshee 2x04

Banshee 2x04

In der Episode Bloodlines wartet Banshee wieder einmal mit Szenen auf, die in ihrer Veranschaulichung von Gewalt auch dem Zuschauer Schmerzen zufügen. Gleichzeitig kommen an zwei verschiedenen Fronten bittere Gegner von Sheriff Hood zu Kräften.

Auch in der zweiten Staffel von „Banshee“ begeistert der exzentrische Job (Hoon Lee) durch seine scharfe Zunge. / (c) Cinemax
Auch in der zweiten Staffel von „Banshee“ begeistert der exzentrische Job (Hoon Lee) durch seine scharfe Zunge. / (c) Cinemax

Die Passagen, die einem aus der Episode Bloodlines am nachhaltigsten in Erinnerung bleiben, sind wohl auch die Verstörendsten: Als Kai Proctor (Ulrich Thomsen) sich einem Sortiment von Folterwerkzeugen zuwendet, während er dabei eloquent vor sich hin philosophiert, erweckt Banshee eine Anspannung, die kaum zu ertragen ist.

Leider gibt das Drehbuch dieser Episode auch Grund zur Kritik, und einige wichtige Entwicklungen sind wieder einmal allzu vorhersehbar geraten. Gleichzeitig verhindern dramaturgsche Lichtblicke jedoch, dass in dieser abgrundtief düsteren Vision eines Städchens in Pennsylvania Langeweile aufkommt.

Wunschträume und Isolation

Eigentlich hätte man in Anbetracht der ausufernden Harmonie gleich Verdacht schöpfen müssen: Im Vergleich zu der Autofahrt, an deren Ende Carrie (Ivana Milicevic) in der Episode The Thunder Man (2x02) im Gefängnis landet, wirkt sie nun wie ein neuer, glücklicher Mensch. Nicht nur hat Carrie die peinigende Haftstrafe allem Anschein nach unbeschadet hinter sich gebracht. Zudem scheint sie sich nach dem Zugeständnis ihres Noch-Ehemannes Gordon Hopewell (Rus Blackwell) nun vollends von ihrer Vergangenheit und Anastasia losgesagt zu haben.

In einer gekonnten Wendung entpuppt sich Carries zweite Chance jedoch als Wunschdenken, das sich in einem Traum verflüchtigt. Bedauerlicherweise beschränken sich die neuen Abenteuer aus der Gefängniswelt darauf, dass Carrie auf irgendwelche Anrufbeantworter spricht. Doch vielleicht ist es ja nötig, auf diese Weise die Hoffnungslosigkeit einer Familienzusammenführung im Hause Hopewell hervorzuheben, um dem isolierten Charakter auf schlüssige Weise eine Rückkehr in ihre Existenz als Anastasia zu ermöglichen?

Wiedersehen

Der Zeitpunkt für die Wiederkehr von Mr. Rabbit (Ben Cross) in die Handlung ist gut gewählt und hat eine ausgesprochene Intensität. Anastasias Vater mag ja durch seine schwerwiegenden Verletzungen geschwächt sein. Dennoch offenbart die letzte - im Anschluss an den Abspann nachgereichte - Szene der Episode, dass Mr. Rabbit nach wie vor über eine animalische Kraft verfügt. Statt sich fragil aus der Serienwelt zurückzuziehen, wird er sein Ziel nur noch kompromissloser verfolgen. Ob sein Weg ihn wohl bereits in der nächsten Episode, die den vielversprechenden Titel The Truth About Unicorns trägt, nach „Banshee“ führen wird?

Geheimnisse um Nola

Die Serienverantworlichen leisten im Falle des Charakters Nola Longshadow (Odette Annable) gute Arbeit dabei, Neugierde zu schüren. Wie bereits in der vorangegangenen Episode The Warrior Class (2x03) werden den Zuschauern neue Andeutungen zugespielt, die jedoch noch immer kein klares Bild ergeben. Welche grausige Wahrheit schwingt in den Worten ihres Bruders Alex (Anthony Ruivivar) - „everything that's happened, everything you went through“ - mit?

Welches Geheimnis umgibt Nola Longshadow (Odette Annable)? © Cinemax
Welches Geheimnis umgibt Nola Longshadow (Odette Annable)? © Cinemax

Als sich die Indianerin nach ihrer routinierten Hinrichtung per Wurfaxt bereit macht, die Stadt zu verlassen, trifft sie dabei ausgerechnet auf Job (Hoon Lee). Vieles deutet darauf hin, dass die Aufmerksamkeit in dieser Szene nicht nur auf die wahrlich ausgezeichneten Outfits der beiden Figuren gelenkt werden soll. Vielmehr scheint in dem Austausch der Komplimente das gegenseitige Erkennen zum Audruck gebracht zu werden. Schließlich hatte Nola ihr ledernes Kostüm und auch das Motorrad schon bei ihrer letzten Begegnung mit Job dabei. In Anbetracht all dieser Erkenntnisse und Andeutungen ist es unwahrscheinlich, dass die Zuschauer allzu lange auf ein Wiedersehen mit der aufbrausenden Kriegerin werden warten müssen...

Zwei Subkulturen und zwei Übeltäter

Nachdem in der letzten Episode die Kinaho-Indianer in Gestalt von Chayton Littlestone (Geno Segers) den angsteinflößendsten Prügel-Gegner für Sheriff Hood (Antony Starr) zur Verfügung stellten, ist nun mit Jonah Lambrecht (Ólafur Darri Ólafsson) ein Amischer an der Reihe.

Im amisch-fokussierten Handlungsstrang gilt es nach wie vor, den Mord an Lana Cleary (Amber Midthunder) aufzuklären. Hierbei ist das so leidenschaftlich bekundete Bedürfnis des jungen Daniel Moses (Conor Donovan), doch lediglich die traditionelle Schullektüre „Lord of the Flies“ gelesen haben zu wollen, als Grund für seine Geißelungen ein wenig zu plakativ geraten. Doch statt nun zu einem Rundumschlag gegen die strikte Religion der Amischen auszuholen, wird in Banshee der fanatische und fortschrittsfeinliche Lehrer Lambrecht als verachtenswertes Ausnahmephänomen innerhalb der Subkultur dargestellt.

Auch an anderer Stelle ist die Charakterisierung einer Figur etwas holprig geraten. So lassen Aussprüche wie „You're a disgrace to your race“ den Ureinwohner Littlestone etwas albern erscheinen.

Schwachpunkte

Der Handlungsstrang um Littlestone sowie der, in dem der Kidnapper von Solomon Bowman (Gunnar Carrigan) auf drakonische Weise seiner Strafe zugeführt wird, haben einen Schwachpunkt gemein. So ist die Tatsache, dass Littlestones Überstellung in einen anderen Distrikt nicht gerade glimpflich ablaufen wird, ebenso vorhersehbar wie die Wendung, dass das von Jonah aufgesetzte Teewasser am Ende noch als Waffe Gebrauch finden muss.

Obwohl die Eskalation zwischen dem Sheriff und dem Lehrer also quasi angekündigt wird, dürfte so mancher Zuschauer von ihrer Intensität jedoch aufs Neue überwältigt werden.

Die Grenzen des Ertragbaren

Nahtlos verwandelt sich eine für Banshee-Verhältnisse alltägliche Schlägerei in eine haarsträubende Foltereinlage. Als Lukas seinen Kontrahenten gegen den heißen Ofen presst, meint man fast, sein versengtes Fleisch riechen zu können. Doch erst als Procters Expertise im punkto „Schmerz“ zum Zuge kommt, wird man vom Gezeigten und den damit einhergehenden gurgelnden Schreien Jonahs gänzlich an die Grenzen des Ertragbaren geführt. Selbst, dass sich der Fanatiker als kaltblütiger Mörder von Lana entpuppt, kann wohl kaum verhindern, dass man Mitleid mit dem Gematerten empfindet.

Kai Proctor (Ulrich Thomsen) beeindruckt wieder einmal durch Grausamkeit. © Cinemax
Kai Proctor (Ulrich Thomsen) beeindruckt wieder einmal durch Grausamkeit. © Cinemax

Fazit

Obwohl der exzentrische Hacker Jobs in Banshee schon denkwürdigere Sprüche von sich gegeben hat als in dieser Episode, ist es doch durchweg positiv zu beurteilen, dass er in Bloodlines gleich mehrfach zum Zuge kommt. Besonders sein harscher Umgangston mit Jason (Harrison Thomas), dem Sohn des echten Sheriff Hood, sorgt für Begeisterung. Die Figur von Hood Jr. kann hingegen trotz des nackten Intermezzos mit Rebecca noch nicht vollends Gestalt annehmen. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass die Macher von Banshee Jason nicht einfach klanglos mit neuen Papieren wieder aus der Handlung verschwinden lassen werden...

Obwohl Ben Cross als Rabbit in seinem kurzen Auftritt ebenso eine gute Figur macht wie sein Kollege Ólafur Darri Ólafsson als Bösewicht Lambrecht, ist der unangefochtene Star in den Augen der Rezensentin jedoch der Schauspieler Ulrich Thomsen. Egal ob er mit seinem Rivalen Longshadow im Restaurant an einandergerät, dem Indianer blutige Zähne präsentiert oder grenzenlos kaltblütig als König der Folterer fungiert - stets sorgt Proctor für eine beeindruckende Aura der kalkulierten Bedrohlichkeit. Auch wenn Alex nicht annähernd wehrlos ist, wirkt der Indianer neben Kai stets geradezu zahm.

In Bloodlines wird der Genuss des unterhaltsamen Irrsinns gleich an mehreren Stellen durch logische Ärgernisse getrübt. Besonders die Polizisten machen dabei keine sonderlich gute Figur: Warum werden nach einem mehrstündig unterbrochenen Funkkontakt nicht schneller angemessene Maßnahmen eingeleitet? Warum zum Teufel verzichtet Emmett Yawners (Demetrius Grosse) darauf, die Geschwindigkeit seines Dienstwagens zu drosseln, als die Lage außer Kontrolle gerät? Auch von dem als so nachdenklich porträtierten Littlestone hätte man vielleicht bei der Vorbereitung seiner Flucht ein wenig mehr Weitsicht und Feingefühl erwarten dürfen.

Dank der kürzlich bekannt gewordenen Verlängerung von Banshee um eine dritte Staffel57189“ müssen die Freunde der brutalen Serie erst einmal nicht befürchten, dass im Umfeld von Sheriff Hood zeitnah Frieden einkehren wird. Es bleibt zu hoffen, dass die neuen Wendungen fortan nicht noch öfter durch den furchtbaren Leichtsinn der Cops erkauft werden müssen...

Verfasser: Thordes Herbst am Sonntag, 2. Februar 2014
Episode
Staffel 2, Episode 4
(Banshee 2x04)
Deutscher Titel der Episode
Zahn um Zahn
Titel der Episode im Original
Bloodlines
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 31. Januar 2014 (Cinemax)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 8. Mai 2014
Autor
Evan Dunsky
Regisseur
Ole Christian Madsen

Schauspieler in der Episode Banshee 2x04

Darsteller
Rolle
Ivana Milicevic
Ulrich Thomsen
Frankie Faison
Hoon Lee
Job
Rus Blackwell
Matt Servitto
Demetrius Grosse
Trieste Kelly Dunn
Ryann Shane
Anthony Ruivivar
Ben Cross
Geno Segers
Matthew Rauch
Afton Williamson

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