Banshee 2x03

In The Warrior Class wird der Grundstein für gleich mehrere, episodenübergreifende Handlungsstränge gelegt: Zum einen tritt Jason (Harrison Thomas), der Sohn des echten Lucas Hood, in Erscheinung. Und da wir es hier mit der ganz speziellen Realität von Banshee zu tun haben, wird sein Besuch sicher nicht gänzlich reibungslos verlaufen. Zum anderen wird auch der Mord an der jungen Indianerin Lana Cleary (Amber Midthunder) noch zumindest in einer weiteren Episode Beachtung finden.
Sowohl die Einblicke in das Leben der Kinaho-Indianer als auch die Betrachtung der amishen Realität in der Serie schüren die Neugierde. Obwohl viele der neu eingeführten Charaktere - wie generell bei Banshee - in ihrer Überzeichnung einem Comic entsprungen zu sein scheinen, möchte man diese exotischen Parallelwelten gerne noch etwas eingehender betrachten.
Impressionen aus dem Knast
Stück für Stück erweitert die Cinemax-Serie ihren Blickwinkel und etabliert mit Carries (Ivana Milicevic) Gefängnis-Exkurs gar einen Handlungsstrang außerhalb der Stadt Banshee. Wie durch ein Wunder wird Carries Haftstrafe nicht verlängert, obwohl der Kampf aus der Episode The Thunder Man (2x02) auf Seiten ihrer Gegnerin doch erhebliche gesundheitliche Probleme nach sich gezogen haben dürfte.
Die nur kurzen, impressionsartigen Einblicke in den Gefängnisalltag aus dieser Folge reichen gerade aus, um das Ausmaß von Carries Leiden zu veranschaulichen. Es wäre durchaus wünschenswert, wenn bald weitere Abenteuer aus der Haftanstalt nachgereicht werden könnten. Zuletzt hatte Jenji Kohans Orange Is the New Black eindrucksvoll demonstriert, um was für einen lohnenden Handlungsort es sich hier im besten Fall handelt... Und in weniger als 30 Tagen wartet allem Anschein nach ja schon wieder die Freiheit auf die Protagonistin.
Ein neuer Fall und Komplexität
Die Stimmung in der Stadt Banshee ist unterdessen aufgeheizter denn je. Während sich sonst eher Individuen gegenseitig ins Jenseits befördern, geraten im Anschluss an einen Mord ganze Bevölkerungsgruppen an einander. Die pazifistischen Amischen sehen sich mit gewaltbereiten Indianern vom Typus Skinhead konfrontiert.
Wer hat die Indianerin Lana getötet? War es ihr Freund Solomon Bowman (Gunnar Carrigan), Rebeccas (Lili Simmons) Bruder, der nun spurlos verschwunden ist? Oder ist doch der Vermummte der Täter, der erst Rebecca im Wald nachstellte und dann Sheriff Hood (Antony Starr) überwältigen konnte? Es ist löblich, dass der Mordfall nicht noch in dieser Episode seine Auflösung findet. Auf diese Weise wird der Weg für komplexerer Zusammenhänge geebnet und gleichzeitig die Spannung geschürt. Auch wenn sich die emotionale Betroffenheit des Publikums in Bezug auf den - austauschbar erscheinenden - Unbekannten im Kapuzenpullover wohl in Grenzen halten dürfte, kann mitgefiebert werden. Welchen Charakter die Zuschauer in Kürze wohl beim Humpeln ertappen werden?
Der große Gegner
Chayton Littlestone (Geno Segers) erinnert in seiner physischen Überlegenheit ein wenig an den Albino aus der ersten Staffel von Banshee. Neben dem unglaublich coolen „Do I look worried?“ ist der Koloss auch für einen erquicklichen Kampf im Reservat verantwortlich. In diesem Zusammenhang zeichnet sich die Brutalo-Serie wieder einmal durch eine gekonnte Mischung aus Elektroschock-geschwängertem Irrsinn und einem Anflug vom Boden der Tatsachen aus, auf den Hood und sein Team durch die neue Staatsanwältin Alison Madding (Afton Williamson) zurück geholt werden.
Der Charakterentwicklung des falschen Sheriffs ist es währenddessen zuträglich, dass immer öfter auch auf seine Schwächen hingewiesen wird. Immer wieder wird so grafisch und auch auditiv hervorgehoben, dass Hood nicht nur an seinem Gefängnis-Trauma zu knabbern hat, sondern auch im Zuge des Ermittlungs-Procederes im Anschluss an den Mord an die Grenzen seiner psychischen Belastbarkeit gerät.

Familienzusammenführung
Angenehm unhysterisch wird endlich Jason Hood in die Handlung eingeführt. Die Begegnung mit dem jungen Mann, der nicht sein Sohn ist, liefert Lucas die Gelegenheit, auf hübsche Weise die eigene Unberechenbarkeit zu demonstrieren. Aus heiterem Himmel richtet der leidgeprüfte Mann, dessen wahrer Name den Zuschauern nach wie vor vorenthalten bleibt, seine Dienstwaffe auf den ungebetenen Gast - nur um ihn im nächsten Atemzug zum Essen einzuladen.
Während Jason selbst trotz der Andeutungen über seine bewegte Vergangenheit noch recht blass bleibt, darf sich an dieser Stelle wenigstens der großartige Sugar Bates (Frankie Faison) wieder einmal ein Stückchen profilieren. Indem er sich gegenüber dem Jungspund Jason zur Mutter aller Drohgebärden herablässt, kann er eindrucksvoll seine ausgeprägte Loyalität gegenüber Hood unter Beweis stellen.
Gewalt
Der Kampf gegen den Hühnen Chayton verfügt zwar über einige denkwürdige Momente. Der Passiv-Schmerz, der einem beim Anblick von Kai Proctors (Ulrich Thomsen) gnadenlosen Maßregelungen der Kinaho-Schläger zuteil wird, ist jedoch ungleich schwerer zu ertragen. Proctors Gehilfe Clay Burton (Matthew Rauch) bekommt zwar nicht so viel zu tun wie sein Chef. Doch mittlerweile umgibt den schweigsamen Gesellen mit der sadistischen Ader eine derartig einschüchternde Aura, dass man den Moment, indem er von Kai einmal von der metaphorischen Leine gelassen wird, herbeisehnt und sich gleichzeitig zutiefst davor fürchtet.
Sex
Was den Sex angeht, muss sich der durch nackte Haut verwöhnte Zuschauer dieses Mal bis kurz vor Ende der Episode gedulden. Bevor Siobhan Kelly (Trieste Kelly Dunn) und Lucas Hood zum ersten Mal den Akt der Liebe praktizieren, muss man sich mit dem Anblick einer Rebecca in ihrem durchweichten Kleidchen und den Streicheleinheiten der unangebracht jung anmutenden Teenagern begnügen. Dass es zum Beischlaf zwischen Hood und seiner Kollegin kommen würde, ließ sich nach dem Kuss aus The Thunder Man (2x02) ungefähr so schwer erraten wie die Tatsache, dass Chayton wohl nichts Gutes im Schilde führt. Wohl weil der Akt an sich dann für Banshee-Verhältnisse recht gesittet von statten geht, wird parallel noch der Busen von Gordons (Rus Blackwell) Stripperin eingeblendet. Cinemax hat schließlich einen Ruf zu verteidigen.
Fazit
Warum sieht ein gutes Dutzend bewaffneter Schläger regungslos zu, während Proctor ihre Gefährten zerhackstückelt? Ihre Rückhaltung ist in Anbetracht von Kais Wehrhaftigkeit zwar durchaus nachvollziehbar. Dennoch macht das ganze Szenario aus der Vogelperspektive doch einen etwas lächerlichen Eindruck. Mit den Sequenzen, in denen der Vermummte immer wieder spontan im Wald auf der Bildfläche erscheint, wobei er einen irgendwie tollpatschigen Eindruck macht, geht ebenfalls unfreiwillige Komik einher.
Spätestens bei der intensiven Darstellung von Gewalt wird jedes Lächeln jedoch wieder ausradiert, und gegen ungläubiges Staunen ersetzt. Wann und womit wird wohl in Banshee die Schmerzgrenze erreicht sein?
Die einleitende Sequenz zwischen Solomon und Lana ist zwar - samt dem reichlich abgegriffenen Sündensymbol des Apfels - etwas stereotypisch geraten. Generell sind derartig ruhige Szenen aber gut für die Atmosphäre der Serie. Da es hier an Gewalt und Sex meist nicht gerade mangelt, fungieren sie als Atempausen und lassen die absurde innerserielle Realität etwas greifbarer erscheinen.
Im Vergleich zur Vorgängerepisode ist diese dritte Folge der neuen Staffel zwar etwas weniger packend geraten und die Betrachtung der Minderheiten bleibt noch zu oberflächlich. Neben einem Wiedersehen mit Racine (Zeljko Ivanek) muss man auch auf einen Auftritt von Job (Hoon Lee) in The Warrior Class vergeblich warten. Die Hoffnung ist allerdings nicht unbegründet, dass seine einnehmende Figur in der kommenden Episode Bloodlines (2x04) wieder in Erscheinung treten wird, wenn es darum geht, Jason mit einer neuen Identität auszustatten.
Banshee leistet dabei definitiv insofern gute Arbeit, als dass man an allen fiktiven Ecken und Enden darauf brennt, tiefer in die Geschichte einzutauchen. Selbst bei bislang farblosen Gestalten wie Jason Hood zeichnet sich Potential ab. Denn obwohl Jason und Lucas ja nicht tatsächlich verwandt sind, scheinen sie doch einiges gemein zu haben...
Verfasser: Thordes Herbst am Samstag, 25. Januar 2014(Banshee 2x03)
Schauspieler in der Episode Banshee 2x03
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