Banshee 2x02

Im Mittelpunkt der Episode Little Fish (2x01) stand noch die Aufarbeitung der Geschehnisse aus dem ersten Staffelfinale der Dramaserie. Nun gönnt Banshee dem FBI-Agenten Jim Racine (Zeljko Ivanek) in The Thunder Man eine Pause und kehrt zu seinen ĂŒberaus brutalen Wurzeln zurĂŒck. An vielen Orten wird gleichzeitig gekĂ€mpft - dargestellt in einer ganzen Reihe von Parallelmontagen. Obwohl zunĂ€chst der Eindruck genĂ€hrt wird, dass Lucas Hood (Antony Starr) gleich zweimal zur Rettung der Damen ausrĂŒcken muss, sind es dann doch in erster Linie die Frauen, die in dieser Episode zu ihrem gewalttĂ€tigen Zuge kommen.
Parallel und verbunden
VerknĂŒpfungen, wohin das erzĂ€hlerische Auge blickt: Rebecca Bowman (Lili Simmons) fĂŒhlt sich nach wie vor von Sheriff Hood angezogen. Zum einen resultiert ihre Hingabe in einer sehr intim in Szene gesetzten Mixtur aus Fantasie - beziehungsweise Erinnerung - und sexueller Praxis. Obwohl Kai Proctor (Ulrich Thomsen) kaum mitbekommen dĂŒrfte, was seiner Nichte da gerade durch den Kopf geht, wird sein Zorn per Parallelmontage mit ihren Intimszenen in Verbindung gebracht.
Zum einen werden die Zuschauer dank dieser Technik wieder einmal darauf aufmerksam gemacht, dass diesem Onkel-Nichten-VerhĂ€ltnis etwas Verwerfliches anhaftet. Gleichzeitig dient Proctors effektvolle ZerstĂŒckelung seiner hölzernen ĂbungsgerĂ€tschaft als Vorbote fĂŒr die nachfolgende Eskalation der Auseinandersetzung mit den Kinaho. Dabei gerĂ€t deren neuer HĂ€uptling immer stĂ€rker in BedrĂ€ngnis.
Alex vs. Kai
Das Sprengen eines Rindertransporters zeugt sicherlich von dem bedrohlichen Potential des Alex Longshadow (Anthony Ruivivar). Durch die Luft fliegende Fleischbrocken tragen ihren Teil zu der einschĂŒchternden Wirkung bei. Doch am Ende geht eindeutig Proctor als Sieger aus diesem blutigen KrĂ€ftemessen hervor, indem er im Whirlpool des Indianers kurzerhand eine ekelerregende Aas-Suppe ansetzt. Besonders schön ist hierbei der abschlieĂende Touch durch Kais treuen Gehilfen Clay Burton (Matthew Rauch) geraten. Selten hat man ihn zufriedener gesehen als in dem Moment, in dem er fĂŒr die Badenden per Fernbedienung noch die âBlubber-Funktionâ in Gang setzt.

Der beste HĂ€uptling
Als Hood in einem - wie so oft hĂŒbsch choreografierten - Alleingang durch das Casino bis zu Alex und seiner Geisel Rebecca vordringt, um dadurch seine Schuld gegenĂŒber Proctor einzulösen, knickt Longshadow Jr. nach nur kurzem Zögern ein. Vielleicht haben die ĂŒbrigen Ratsmitglieder seines Stammes ja Recht, und Alex hat nicht die nötige AbgebrĂŒhtheit, um als Oberhaupt in Banshee bestehen zu können?
In Gestalt seiner Schwester Nola (Odette Annable) scheint sich da schon eine wĂŒrdigere Kandidatin zu manifestieren. Nicht nur wird sie in der Auseinandersetzung mit gleich drei muskelbepackten HĂŒhnen zur allmĂ€chtigen Superheldin stilisiert. Gleichzeitig sind ihre wahren BeweggrĂŒnde und ihr Wissensvorsprung nach wie vor schwer zu durchschauen. Wie lange wird sie sich von Alex noch zurĂŒckhalten lassen?

(Schlag-)krÀftige Frauen
Neben Nola dĂŒrfen auch Carrie (Ivana Milicevic) und Siobhan Kelly (Trieste Kelly Dunn) in Banshee ihre Schlagfertigkeit unter Beweis stellen. ZunĂ€chst veranschaulichen Szenen in diesem Zusammenhang, wie das Leid der beiden Frauen die jeweilige Frustration nĂ€hrt. Die 30-tĂ€gige GefĂ€ngnisstrafe, die Carrie fĂŒr ihr rambohaftes Verhalten im Staffelfinale erhĂ€lt, dĂŒrfte sie zwar nicht gerade mit GlĂŒckseligkeit erfĂŒllen. StĂ€rker quĂ€lt sie jedoch die Vorstellung, vielleicht nie wieder zu ihrer Familie zurĂŒckfinden zu können.
Siobhan peinigen zur gleichen Zeit die furchtbaren Erinnerungen an die Misshandlungen durch ihren Exmann Breece Connors (Peter Scanavino).
Als die Grenze des Ertragbaren bei Carrie und Siobhan simultan erreicht und in einer neuerlichen Parallelmontage gegenĂŒbergestellt wird, trifft einen die gezeigte BrutalitĂ€t quasi mit doppelter Wucht. In ungemein harten SchlagabtĂ€uschen werden Breece und eine Mitgefangene von Carrie aufs Heftigste verdroschen. WĂ€hrend im GefĂ€ngnis besonders das Bild von ausgerissenen Zöpfen in der Hand der völlig ausgerasteten Furie Carrie im Kopf verharrt, gibt es im Zuge von Siobhans schlagkrĂ€ftiger Rache einen auffĂ€lligen Fokus auf die Bibel. Eine Ode an das Alte Testament und dessen âAuge um Augeâ-Moral?

Falsche FĂ€hrten und andere Highlights
Rebecca wird zwar mit der undankbaren Rolle der âHilflosen in Notâ abgestraft und muss dabei auch noch gierig einen Schluck Wasser aus Alex' Hand in Empfang nehmen. Doch immerhin darf sie sich gleichzeitig eine gewisse Dreistigkeit bewahren („My uncle sells meat“) und Longshadow - nach dessen Schlag ins Gesicht - ins Gesicht lachen.
Zufriedenstellender sind dennoch die Portraits ihrer Geschlechtsgenossinnen geraten. Nola begeistert dadurch, dass sie den Erwartungen der Zuschauer trotzt, indem sie Rebecca betÀubt, nachdem sie sie auf so effekthascherische Weise gerettet hat.
Eine weitere - clever eingeleitete - Ăberraschung besteht darin, dass Siobhan die Rache an Breece nicht einfach an Lucas deligiert. Auf die Banshee-typisch ĂŒbespitzte Art und Weise verschafft sie sich dadurch selbst Gerechtigkeit.
Abgesehen von dem fantastischen Outfit, mit dem Job (Hoon Lee) fĂŒr Furore sorgt, kommt die Leichtigkeit in dieser (sogar noch mehr als sonst) von Sex und Gewalt geprĂ€gten Episode sehr kurz. DafĂŒr kann jedoch umso mehr der Moment erfreuen, in dem Hood Siobhans blutbesudelte Tatwaffe entdeckt und verzĂŒckt in ein breites Grinsen verfĂ€llt, so als wĂ€re er gerade einem possierlichen Kinderstreich auf die Spur gekommen. Willkommen zurĂŒck in der etwas anderen RealitĂ€t von Banshee.
Fazit
Die Tatsache, dass es eher frĂŒher als spĂ€ter zu einem Kuss zwischen Siobhan und Lukas kommen wĂŒrde, hatte sich bereits vehement abgezeichnet. Immerhin ist es in der Episode The Thunder Man dabei aber recht gut gelungen, die Polizistin mithilfe der Einblicke in ihre Vergangenheit zu einem dreidimensionaleren Charakter werden zu lassen. Ăberhaupt hĂ€tte diese Folge vielleicht besser âThe Thunder Womenâ heiĂen sollen - schlieĂlich waren es eindeutig die Frauen, die den Titel des „fiercest warrior“ fĂŒr sich beanspruchen konnten.
Banshee kann sich dank einiger wirklich gelungener Szenen im Vergleich zum zweiten Staffelauftakt steigern. Proctors blutige Vergeltungsaktion profitiert zwar durch gĂŒnstiges Whirlpool-Timing. Eine groĂe Portion Stil kann man ihr aber beim besten Willen nicht absprechen.
Das tiefgrĂŒndigere Highlight besteht in den Szenen, in denen Hood von den Nachwirkungen seiner 15-jĂ€hrigen Haftstrafe heimgesucht wird. Dank einer hektischen KamerafĂŒhrung und der teils verzerrten Optik gelingt es dem Executive Producer und Regisseur Greg Yaitanes so simpel wie effektiv, ein GefĂŒhl der Klaustrophobie wiederzugeben. Gekonnt greift er den symbolischen Schritt wieder auf, den Hood im Serienpiloten gen Freiheit getan hatte. WĂ€hrend der erneute Ausflug hinter Gitter fĂŒr Lucas glĂŒcklicherweise nur von kurzer Dauer ist, wird sich Carrie nun wohl mit dem Gedanken an eine deutlich verlĂ€ngerte Haftstrafe anfreunden mĂŒssen... und irgendwo lauert Mr. Rabbit (Ben Cross).
Verfasser: Thordes Herbst am Sonntag, 19. Januar 2014(Banshee 2x02)
Schauspieler in der Episode Banshee 2x02
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