Banshee 2x01

Die zweite Staffel des blutrünstigen Dramas Banshee wird mit der facettenreichen Episode Little Fish eingeleitet. Sie erleichtert es den Zuschauern auf geschickte Weise, sich wieder in die Geschehnisse der Serie einzufinden. Während dabei immer wieder Szenen aus dem Staffelfinale A Mixture of Madness (1x10) aufgegriffen werden, wird in Gestalt des FBI-Agenten Jim Racine (Zeljko Ivanek) zudem noch ein neuer Charakter eingeführt, der souverän in die Handlung eingreift.
Keine Vergebung für Ana
Zu Beginn versuchen in Little Fish gleich zwei der Figuren aus Banshee sich den Konsequenzen der jüngsten Begebenheiten zu entziehen.
Obwohl die Beziehung zwischen Carrie (Ivana Milicevic) und ihrem Ehemann Gordon Hopewell (Rus Blackwell) irreparabel zerbrochen scheint, wirft sie sich nicht umgehend in die Arme ihrer großen Liebe Lucas Hood (Antony Starr). Aufgrund ihrer Mutterinstinkte tut sie stattdessen alles in ihrer Macht Stehende, um sich wieder mit Gordon gut zu stellen: „I need to get my family back.“
Doch der Bezirksstaatsanwalt ist zu verletzt durch die Wahrheit über Anastasia, und vor allem durch ihre Entscheidung im Staffelfinale, für Lucas ihr Leben zu riskieren. So enthält er ihr zunächst die Nähe zu ihren Kindern Max (Gabriel Suttle) und Deva (Ryann Shane) vor. Besonders auf Seiten von Deva werden bereits jetzt die „Narben“ deutlich, die Gordon zuvor als Konsequenzen von Carries Fehltritten prognostiziert hatte: Um sich nach einem Ladendiebstahl aus der Klemme zu manövrieren, legt sie eine solch ausgeprägte Gefühlskälte und Skrupellosigkeit an den Tag, dass es selbst ihre beste Freundin schockiert.
Leichte Entscheidung für eine dunkle Welt
Neben Carrie bereut auch Rebecca Bowman (Lili Simmons) das Geschehene und möchte nun doch wieder in ihre heile amische Welt zurückkehren. Doch diese Eingebung hat ungefähr so viel Bestand wie ein Neujahresvorsatz, und so steigt Rebecca nach sehr kurzem Zögern doch nach dem explosiven Teamwork mit ihrem Onkel Kai Proctor (Ulrich Thomsen) zu ihm ins Auto. Selbst von dem pragmatischem Statement „You chose my world, you have to know there will be casualties“ lässt sie sich nicht umstimmen, was ihren kurzlebigen Sinneswandel im Grunde etwas albern und unplausibel erscheinen lässt.
Doch immerhin werden die Zuschauer somit an den Tod des Bürgermeisters Dan Kendall (Daniel Ross Owens) erinnert, den die Proctors zusammen mit Alex Longshadows (Anthony Ruivivar) Casinorohbau in die Luft gesprengt hatten. Dem Executive Producer und Regisseur Greg Yaitanes (House, Lost) gelingt es hier zudem sehr gut, mit einer Reihe von kurzen Impressionen die Trostlosigkeit hervorzuheben, die der amische Lebensstil für das lebensfrohe Mädchen bedeuten würde.
Die Humorgaranten
Einer der verlockendsten Faktoren ist Banshee auch in der zweiten Staffel erhalten geblieben: Sobald Job (Hoon Lee) und Sugar Bates (Frankie Faison) auf der Bildfläche der Serie auftauchen, versprüht das ständig streitende Gespann wieder großzügig seinen erquicklichen Charme: „Do you have any other speed besides slow as shit?“
Ein kompromissloser Neuzugang
Der FBI-Agent Dean Xavier (Derek Cecil) verkommt noch mehr als sonst zur Randfigur, als sein resoluter Kollege Jim Racine in die Stadt kommt. Xavier hat dem Kettenraucher nichts entgegenzusetzen. Und überhaupt agiert Racine so bestimmt, dass selbst der unangefochtene Serienheld Lucas Hood aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit gedrängt wird.

Zwar wirkt die Offenbarung, dass der in die Jahre gekommene Ermittler an einer weit fortgeschrittenen Krebserkrankung leidet („My cancer has cancer“), nach dem auffälligen Fokus auf sein ungesundes Laster wenig überraschend. Gleichzeitig gelingt es Zeljko Ivanek dabei jedoch, die mit der Krankheit einhergehende Schwäche glaubhaft und packend zu verkörpern und der Inszenierung somit zu einem größeren Tiefgang zu verhelfen. Seine begrenzte Lebenszeit stattet den Agenten im Kampfe gegen seinen Erzfeind Rabbit zudem mit einer grimmigen Kompromisslosigkeit aus. Man möchte sofort mehr über die Vergangenheit der beiden erfahren und fragt sich, was wohl einen solchen Hass in Racine hatte erwecken können.
Jetzt sorgt der Ermittler aber erst einmal dafür, dass die blutige Befreiung des Sheriffs Hood nicht gänzlich ohne Konsequenzen bleibt. Doch wenn man an dieser Stelle etwas realitätsnähere Maßstäbe ansetzen würde - was man im Falle von Banshee ohnehin tunlichst vermeiden sollte - wären die verschiedenen Teilnehmer des Rettungstrupps immer noch sehr, sehr milde davongekommen. Doch das Glück, das Brock Lotus (Matt Servitto) und den anderen Polizisten scheinbar zuteil wird, entpuppt sich als Bestandteil von Racins Bestrebungen, Rabbit dingfest zu machen. Die „little fish“ dienen dem todkranken Agenten lediglich als Beute für seinen allerletzten großen Fang.
Er ist zurück
Rabbits erster Auftritt außerhalb der Imagination von Hood wird so extrem inszeniert, dass die Szene allem Anschein nach bewusst die unfreiwillige Komik in Kauf nimmt. Der für Tierfreunde schwer zu verkraftende Quetschmord eines Eichhörnchen ist zwar fraglos gemein. Trotz der Grausamkeit, der Entschlossenheit und der Gnadenlosigkeit, die bei Rabbits „Wiederauferstehung“ zur Geltung gebracht werden sollen, entfuhr der Rezensentin im Moment seines archaischen Wutschreis nichtsdestotrotz ein kleiner Lacher. Ob der Gangster wohl durch einen ähnlichen Akt zu seinem Künstlernamen gekommen ist?
Wie in alten Zeiten
Als Lucas, Carrie und Job sich gemeinsam einen Geldtransporter vorknöpfen, könnte man in der Szene eine Rückblende in die kriminell erfolgreicheren Tage der drei vermuten. Perfekt aufeinander abgestimmt, wie sie agieren, haben die unaufmerksamen Wachmänner keine Chance. Obwohl das Gezeigte mit der Realität nicht allzu viel zu tun hat und es die Frage aufwirft, wie schnell Autos denn wohl rückwärts fahren können, ist das Ganze dabei doch wirklich sehr hübsch anzusehen. Spätestens als neben der mysteriösen Unbekannten auf dem Motorrad auch Sugar Bates auftaucht, wird unmissverständlich klar: Der falsche Sheriff und sein Team sind endlich wieder im Geschäft.
Ein bisschen Sex
Obwohl es in Banshee durchaus schon sexlastigere Episoden gegeben hatte, kommt die nackte Haut auch in Little Fish nicht zu kurz. Dass Rebecca ihren Onkel kurz beim Sex beobachtet, nährt von neuem die unterschwellige sexuelle Spannung zwischen den beiden, die bereits in Staffel eins zum Vorschein gekommen war.
Während Carrie nur in Rückblenden entblättert wird, sieht sich der äußerst umworbene Lucas bereits mit einer neuen Gespielin konfrontiert. Und dafür muss er sich im Falle von der Häuptlingsschweser Nola (Odette Annable) nicht einmal sonderlich anstrengen. Nachdem sich die sportliche Frau wenig überraschend als die schlagkräftige Motorradfahrerin herausgestellt hat, absolviert sie einen selbstbestimmten Auftritt, der so mancher männlicher Phantasie ziemlich nahe kommen dürfte.
Hood
Abgesehen von einem ausgeprägten „Rabbit-Trauma“ kann sich Sheriff Hood in diesem Staffelauftakt eigentlich nicht beklagen. Er kann sich auf der einen Seite wieder kriminell austoben, während ihm auf der anderen Seite ein loyales Team aus Gesetzeshütern den Rücken stärkt. Zudem erteilt ihm Carrie zwar eine vorübergehende Absage, aber dafür wirft sich dem Haudegen jede andere Frau anstandslos an den Hals. So scheint es lediglich eine Frage der Zeit zu sein, bis auch Siobhan Kelly (Trieste Kelly Dunn) Hoods rauem Charme zum Opfer fällt.
Obwohl es zwischen Nola und Lucas eine hübsche Narben-Vergleichs-Szene gibt, in der sich die beiden auch im Geiste nah zu sein scheinen, stehen in Hoods Leben doch unverkennbar zwei andere Frauen im Vordergrund:
Während Carrie Hood zwar nahelegt, die Stadt zu verlassen, werden die beiden stilistisch doch mit der Hilfe einer Parallelmontage wieder mit einander vereint. Zudem werden sie doch schließlich auch durch das zweite wichtige weibliche Wesen in Lucas' Leben verbunden: seine Tochter Deva.
Ganz so einfach, wie es sich Job und Bates ausmalen, gestaltet sich die Flucht aus Banshee für Hood also nicht.
Fazit
Neben dem zwar stereotypisch angelegten, aber in Bezug auf sein Handlungspotential vielversprechenden Racine erscheint auch noch der Charakter von Rabbits Bruder (Julian Sands) auf der Bildfläche. Wer sich über den Priester oder die anderen Charaktere aus Banshee ein genaueres Bild machen möchte, hat übrigens dank einer Reihe von kurzen Videos aus der „Banshee Origins“-Serie die Gelegenheit dazu.
Zwar sind die spektakulären Höhepunkte in Little Fish etwas spärlich gesät und auch viele der beliebten, alteingesessenen Charaktere kommen etwas zu kurz (im Gegensatz zu Racine). Doch nachdem in diesem Staffelauftakt zunächst auf geschickte Weise die Nachwehen des großen Finales abgearbeitet worden sind, kann sich die Serie in künftigen Episoden ja nun wieder der Zukunft zuwenden. Und die erweckt zu diesem Zeitpunkt einen äußerst vielversprechenden Eindruck.
Verfasser: Thordes Herbst am Sonntag, 12. Januar 2014Banshee 2x01 Trailer
(Banshee 2x01)
Schauspieler in der Episode Banshee 2x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?