Banshee 1x10

Banshee 1x10

Das Staffelfinale der Serie Banshee ist packend inszeniert und bietet puren Sehspaß. Während sich ein schlagkräftiger Rettungstrupp formiert und die Weichen für die zweite Staffel gestellt werden, darf sich auch Sheriff Hood einmal retten lassen.

Brock Lotus (Matt Servitto), Sugar Bates (Frankie Faison) und Job (Hoon Lee) sind ein Teil des Rettungstrupps von Lucas Hood in „Banshee“. / (c) Cinemax
Brock Lotus (Matt Servitto), Sugar Bates (Frankie Faison) und Job (Hoon Lee) sind ein Teil des Rettungstrupps von Lucas Hood in „Banshee“. / (c) Cinemax

Bei Lucas Hood (Antony Starr) handelt es sich generell um einen Serienhelden der grobschlächtigeren Sorte. Anstatt sich durch weise Worte oder tiefgehende Einsichten hervorzutun, glänzt der falsche Sheriff aus der Serie Banshee eher durch seine grimmige Wut und sein beachtliches Repertoire an Brutalität. Die Episode A Mixture of Madness (1x10) präsentiert jedoch neue Facetten des Sheriffs und mündet in einem actiongeladenen Finale, das die erste Staffel des Cinemax-Dramas abrundet.

Unheilige Allianz

Der Protagonist Hood befindet sich nach dem Ende der Folge Always a Cowboy (1x09) in höchster Bedrängnis durch die Männer von Mr. Rabbit (Ben Cross). Lucas hatte sein Leben stets verbissen und triebhaft gegen alle Widrigkeiten verteidigt. Jetzt steht dem Polizisten panische Verzweiflung ins Gesicht geschrieben, während um ihn herum die Einrichtung in hübsch inszenierte Splitter zusammengeschossen wird. Dank dem beherzten Einschreiten von Kai Proctor (Ulrich Thomsen) kommt der Sheriff aber noch einmal mit dem Leben davon. Im Blickduell mit dem todgeweihten Hood macht der Ex-Amische als Schutzengel wider Willen eine sehr gute Figur. Man darf gespannt sein, welche Konsequenzen noch aus Lucas' Pakt mit dem Bösen hervorgehen werden.

Die Nachwehen des letzten Anschlags auf Hoods Leben werden durch die Kamera wie ein Fiebertraum eingefangen. Obwohl Lucas bereits jetzt psychisch und physisch lädiert ist, kann er den FBI-Agenten Dean Xavier (Derek Cecil) nieder starren, bevor er sich freiwillig in die Gewalt seines schlimmsten Feindes begibt. Dies tut er nur, um Max (Gabriel Suttle) zur Freiheit zu verhelfen und Carries (Ivana Milicevic) Sicherheit zu gewährleisten.

Kinahos Rache - Proctors Antwort

Als sich Kai Proctor nach einem anstrengenden Arbeitstag mit einer Flasche Wein belohnen möchte, werden er und der Zuschauer gleichermaßen mit einem „WTF-Moment“ überfallen. Ein vom Stamm der Kinahoindianer engagierter Killer überfällt Proctor in seinem eigenen Haus. Glücklicherweise ist Burton zur Stelle, um den Eindringling so grausam wie effektiv auszuschalten. Die perfide Durchtrennung der Achillisferse des Auftragsmörders ist dabei ebenso verstörend wie dessen Finger, die Burtons Würgedraht zum Opfer fallen.

Als Antwort auf das dreiste Aufbegehren von Alex Longshadow (Anthony Ruivivar) sprengen Rebecca Bowman (Lili Simmons) und Proctor noch den Casinorohbau der Kinaho - versehentlich samt Bürgermeister Dan Kendell (Daniel Ross Owens) - in die Luft. Die Art, in der Onkel und Nichte händchenhaltend die Trümmer des Gebäudes beobachten, ist atmosphärisch ansprechend umgesetzt und macht Lust auf die Entwicklung der (Geschäfts-)Beziehung der beiden in der zweiten Staffel.

Feinde überall

In einer Rückblende in Hoods Zeit im Gefängnis offenbart sich, dass der abgebrühte Schläger nicht nur in Kampfsituationen die richtigen Schlüsse über seinen Gegner zieht. In seiner Haft hatten die seelsorgerischen Gespräche mit der hübschen Dr. Paradis (Anastasia Griffith) Lucas nicht nur Sicherheit vor den anderen Insassen geboten. In der vertrauten Atmosphäre konnte sich Hood auch seinen Kummer über Anastasia von der Seele reden. Dennoch hat der gegeißelte Insasse seinen Schutzwall nie gänzlich aufbrechen lassen und erkennt in der Psychologin schließlich eine von Mr. Rabbits Schachfiguren. Schläge in das Gesicht von Paradis zeugen von Hoods verzweifelter Wut, die mit seiner völligen Isolation im Feindesland einhergeht.

Lucas Hood (Antony Starr) steht nun in der Schuld von Kai Proctor (Ulrich Thomsen; M.). © Cinemax
Lucas Hood (Antony Starr) steht nun in der Schuld von Kai Proctor (Ulrich Thomsen; M.). © Cinemax

Ausweglos ausgeliefert

Auch in der Gegenwart sieht sich Hood wieder mit Misshandlungen durch seinen Erzfeind Rabbit konfrontiert. Am äußeren Bildrand tauchen auf äußerst bedrohliche Weise eine Reihe von Folterwerkzeugen auf, die als stumme Zeugen den Schrecken ankündigen, der dem gefesselten Lucas noch bevorsteht. Auch verbal bemüht sich Rabbit nach Kräften, seinem früheren Angestellten zuzusetzen: „My daughter is better punishing you than I will ever be.

Statt mit Hammer und Zange wird Hood jedoch lediglich mit Fäusten und einer gewöhnlichen Plastiktüte zugesetzt - dadurch verliert das Gezeigte allerdings keineswegs seinen Schrecken.

Das A-Team formiert sich

Zum Glück für den Gefolterten formiert sich zur gleichen Zeit eine Task Force aus Carrie Hopewell, Job (Hoon Lee) und Sugar Bates (Frankie Faison). Der Optimismus der Gruppe hält sich dabei in Grenzen, was Job sehr schön in Worte fasst: „I want to be dead or home by morning.

Nachdem Carrie sich nach einem Ultimatum gegen ihren Ehemann Gordon (Rus Blackwell) und letztendlich auch gegen ihre Familie entschieden hat, demonstrieren auch Hoods Polizeikollegen ihre Loyalität für Sheriff Hood. Selbst Brock Lotus (Matt Servitto) - zu Beginn noch Hoods schärfster Kritiker - entscheidet sich nach kurzem Zögern für ein Eingreifen: „I don't care what kind of gangsters they are - they picked the wrong fucking town.

Die große Schlacht

Während sich die Schicksalsgemeinschaft aus Verbrechern und Cops für den Kampf rüstet, steigt die Vorfreude auf das finale Spektakel rapide an. Die Montage aus dem Erzählstrang des gefolterten Sheriffs mit dem der Retter trägt ihren Teil zur Ausschüttung von Adrenalin bei. Während Rabbit mit einem Messer unheilschwanger das Ende des Lucas Hood andeutet, sorgt Job für Erheiterung, als er auf gewohnt exzentrische Weise die Aufmerksamkeit der beiden Wachen auf sich zieht.

Durch die Froschperspektive der Kamera zu mächtigen Rächern erhoben, werfen sich der Computerspezialist und die anderen in den Kampf. Dabei halten sie sich verbissen an Carries Credo, das so simpel wie effektiv ist: „Save Hood, shoot everybody else.

Eine gekonnte Kameraführung verleiht der folgenden Schießerei zu einer ausgeprägten Dynamik. Dass der routinierte Verbrecher Job sich wesentlich besser auf die Kampfsituation versteht als beispielsweise der Streifepolizist Emmett Yawners (Demetrius Grosse) fügt sich ebenfalls harmonisch in das Gesamtbild ein. Etwas selstam: Letzterer verkündet aus unerfindlichem Grund für alle hörbar, dass seine Munition sich dem Ende neigt.

Carrie (Ivana Milicevic) muss einen teuren Preis für ihre Solidarität gegenüber Lucas Hood bezahlen. © Cinemax
Carrie (Ivana Milicevic) muss einen teuren Preis für ihre Solidarität gegenüber Lucas Hood bezahlen. © Cinemax

Carries Kampftraining hingegen zahlt sich wieder einmal aus. Sie zeigt sich als wahre Meisterin der Verteidigungsstrategie „menschliches Schutzschild“. Splatterfreunde kommen insbesondere dank Yawners „Beinamputation per Gewehr" an einem der Ukrainer auf ihre Kosten. Auch der angeschossene Brock erhält seinen heroischen Moment, indem er treffsicher die Bedrohung durch eine Panzerfaust abwendet.

Sieg

Es ist erfrischend und dramaturgisch überzeugend, dass Sheriff Hood zur Abwechslung einmal nicht die treibende Kampfeskraft darstellen muss. Seine Verbündeten machen ihre Sache so gut, dass Rabbits Hinrichtung durch Carrie im Anschluss an das spektakuläre Gemetzel schon fast beiläufig wirkt: „Goodbye daddy.

Carrie muss einen teuen Preis für ihre Solidarität mit Sheriff Hood bezahlen. Zu der Textzeile „tear my heart out from my body“ (aus dem Lied „Madonna“ von Jude) wendet sich ihre Familie von Carrie ab.

Lucas Hood ist tot

Dass Mr. Rabbit am Ende doch noch entkommen kann, könnte sich für die kommende zweite Staffel von Banshee zwar als zuträglich erweisen. Obwohl der ukrainische Schwerverbrecher in den Augen der Rezensentin eine interessante Figur darstellt, hätte sie sein Ableben zu diesem Zeitpunkt dennoch begrüßt. An dieser Stelle wird so eine Chance versäumt, um die Aufarbeitung von Lucas Hoods Vergangenheit zu einem Ende zu bringen und den Fokus stattdessen auf seine Zukunft in Banshee zu verlegen. Eine Verlagerung auf die Gegenwart deutet sich aber trotzdem an: Die menschliche Hand, auf die gerade ein paar Jäger im Wald gestoßen sind, gehört dem echten Sheriff Hood. Und neben dem hauptberuflichen Spielverderber Xavier ist nun auch Jason (Harrison Thomas) - der Sohn des Toten - dem Identitätsdieb auf der Spur.

Fazit

Antony Starr zeigt sich in diesem Staffelfinale von seiner bislang vielseitigsten Seite. Ob verletzlich, verstört, verliebt, verblendet oder verzweifelt - stets macht er als gebeutelter Sheriff eine gute Figur. Auch viele seiner Schauspielkollegen können in dieser Folge noch einmal glänzen, während ein geschickter Spannungsaufbau der Episode zu einem mitreißenden Vibe verhilft.

Den Machern von Banshee ist mit der schön verdichteten Folge A Mixture of Madness samt der sehenswerten Schlacht ein würdiger Abschluss für die erste Runde der Abenteuer an der Seite von Sheriff Hood gelungen. Die erste Staffel der Serie hatte fraglos ihre Höhen, Tiefen und logischen Abgründe. Doch auch wenn nicht alle angedeuteten Entwicklungen für den Fortgang der Serie gleichwertig überzeugen, machen besonders Carries neue familiäre Situation und auch das Gespann aus Proctor und Rebecca Lust auf Staffel zwei.

Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 18. März 2013
Episode
Staffel 1, Episode 10
(Banshee 1x10)
Deutscher Titel der Episode
Blutige Abrechnung
Titel der Episode im Original
A Mixture of Madness
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 15. März 2013 (Cinemax)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 12. September 2013
Regisseur
Miguel Sapochnik

Schauspieler in der Episode Banshee 1x10

Darsteller
Rolle
Ivana Milicevic
Ulrich Thomsen
Frankie Faison
Hoon Lee
Job
Rus Blackwell
Matt Servitto
Demetrius Grosse
Trieste Kelly Dunn
Ryann Shane
Daniel Ross
Ben Cross
Matthew Rauch
Anthony Ruivivar

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