Banshee 1x09

Carrie Hopewell (Ivana Milicevic) aus der Serie Banshee ist so zäh, wie sie schlagfertig ist, und hat ihre brutale Auseinandersetzung mit Olek (Christos Vasilopoulos) aus der Episode We shall live forever verhältnismäßig gut überstanden. Doch weder für sie noch für Lucas Hood (Antony Starr) kann das Leben in Banshee weitergehen, solange Mr. Rabbit (Ben Cross) seinen unheilvollen Schatten über das pennsylvanische Städtchen wirft. Die Folge Always a Cowboy (1x09) stellt die Weichen für ein blutrünstiges Staffelfinale.
Verschleiß
Die Sorge um seine Frau bringt in Gordon Hopewell (Rus Blackwell) eine dunklere Seite zum Vorschein, was in einer offenen Anfeindung von Sheriff Hood resultiert. Lucas lässt die Schelte stumpf über sich ergehen und mimt auch im Beisein seiner Komplizen Job (Hoon Lee) und Sugar Bates (Frankie Faison) nach wie vor den Unnahbaren. Der selbstbewusste Einzelkämpfer befiehlt den beiden stattdessen energisch, sich herauszuhalten. Es bleibt zu hoffen, dass sich Job und Bates nicht an die Weisung halten werden. Schließlich sorgen sie in ihren spitzzüngigen Kabbeleien insbesondere im Doppelpack verlässlich für humorige Lichtblicke. Als Job sich in Hoods Wohnung sichtlich unwohl fühlt, fragt Bates: „You've never seen a dead body before?“ Job: „I just never had you pegged as a slumlord. Would it kill you to slap a coat of paint on this place?“
Erst als Hood einen Moment für sich alleine ist, gewährt er sich einen Moment der Schwäche. Beim Anblick von Carries Blut bricht der Unzerstörbare gar in sich zusammen. Die fortwährende physische und psychische Überbelastung und die Schuldgefühle, die mit seinem neuen Lebensabschnitt in Banshee einhergehen, manifestieren sich hier. Ebenso wie die tiefe Hingabe, die er Carrie trotz allem noch entgegenbringt.
Statt in dem bevorstehenden Kampf gegen Rabbit noch mehr Vertraute mit ins Verderben zu reißen, sucht Hood Hilfe bei dem vorübergehend geringeren Übel namens Kai Proctor (Ulrich Thomsen).
Neue Allianzen
Statt Lucas mit offenen Armen zu empfangen, verwickelt Kai ihn zunächst in einen brachialen Kampf, um das sexuelle Verhältnis zwischen Lucas und seiner Nichte (Lili Simmons) aus der Welt - oder zumindest aus dem Sinn - zu prügeln. In dem überzeugend inszenierten Gemängel kommen nicht nur eine Reihe von Büro-Utensilien zum Einsatz. Außerdem lassen sich die Erfolge von Proctors stoischem Training an seiner Holzapparatur eindrucksvoll an dessen Handkantenschlägen ablesen. Nachdem genug Hiebe und Platzwunden verteilt sind und Hood Rebecca als verbotenes Terrain akzeptiert hat, wird die anstehende Zusammenarbeit von den beiden mit Blut und Whiskey besiegelt. Auf ästhetisch sehr ansprechende Art und Weise...

Familienvereinigung
Mr. Rabbit liest nicht nur vier verschiedene Tageszeitungen - ihm steht auch eine ganze Armada aus maßgeschneiderten Männern zur Verfügung. Als sie gemeinsam losziehen, um in Banshee einzufallen, wirkt das so respekteinflößend wie vielversprechend.
Dann tritt der Ukrainer erst in einem von Carries deliriösen Träumen und dann ganz real in der Schule von Max (Gabriel Suttle) in Erscheinung. Ihm schlurft Carrie - einer hungrigen Statistin aus The Walking Dead nicht unähnlich - direkt in die Arme. Am Ende des spannenden und leicht surrealen Katz-und-Kaninchen-Spiels bringt Rabbit Carries Sohn in seine Gewalt.
Business
Proctor führt seine Nichte Rebecca Bowman in die Geschäftswelt ein. Die Macher von Banshee lassen dabei weiterhin nicht davon ab, die Zuschauer mit der sexuellen Anspannung, die die beiden umgibt, zu quälen. Auf der Baustelle eines neuen Kinaho-Kasinos - auf der nur hübsche Frauen und Kai selbst von der Helmpflicht ausgenommen sind - stellt Proctor sie aber erst einmal dem frischgebackenen Häuptling Alex Longshadow (Anthony Ruivivar) und dessen Schwester Nola (Odette Annable) vor. Weil Alex sich weiterhin weigert, mit Proctor zusammenzuarbeiten, demonstriert Kai mithilfe einer schlichten Holzpfeife sein Machtmonopol in Banshee. Auf das Kommando hin erscheint zwar nicht Proctors getreuer Vierbeiner Preacher auf der Bildfläche - doch dafür legt der größte Teil der Bauarbeiter augenblicklich die Arbeit nieder. Trotz dieser eindrucksvollen Demonstration von Macht gibt sich Alex noch nicht geschlagen. Proctors früherer Mitarbeiter Jeffrey (Jeff Chase) hat sich durch seine Spielsucht abhängig von Longshadow gemacht und könnte so für den Ex-Amischen und Hood gleichermaßen eine empfindliche Schwachstelle bedeuten.
Abgründe
Rebecca lässt, unterstützt von ihrem freundlich-naiven Verhalten, bereits bei ihrem ersten Geschäftstermin eine Spur von Härte hindurchschimmern. In jedem Fall belohnt Kai Rebecca daraufhin, indem er ihr nicht verschweigt, das Problem Alex am liebsten weit unkomplizierter aus der Welt geschafft zu haben. Allein ein Versprechen gegenüber Alex' Vater hält den Ex-Amischen von einem Mord ab. Rebecca zeigt sich nach dieser Aussage gefasst genug, um zukünftig als vollwertige Partnerin Proctors in Betracht gezogen werden zu können.
FBI
Wie Bates und Job muss sich auch Dean Xavier (Derek Cecil) erneut mit einer sehr eingeschränkten Spielzeit begnügen. Der FBI-Agent ist nicht länger dazu bereit, den todbringenden Irrsinn, der sich regelmäßig in Banshee ereignet, einer Reihe von unverketteten Zufällen zuzuschreiben. Er reißt die Macht über die lokalen Polizeikräfte an sich und möchte Klarheit bezüglich der Ereignisse, die Hood und Carrie „The unluckiest women in the State of Pennsylvania“ Hopewell umgeben.

Spannungsaufbau
Obwohl ja selbst das FBI mit dem Entführungsfall Max betraut ist, kann Rabbit - von jeglichen Einsatzkräften unbehelligt - in das Haus der Hopewells vordringen. Dort bekommen Deva (Ryann Shane) und Gordon einen ersten Eindruck davon, wie umfassend das Lügengeflecht ist, das Carrie über die Jahre um sich herum etabliert hat. Als es fast den Anschein hat, dass Rabbit seiner Anastasia vielleicht doch gnädig sein könnte, erhält er Gewissheit über das Schicksal seines Ziehsohnes Olek...
Im Umgang mit seinem von Asthma geplagten Enkel kann selbst ein versierter Oberschurke wie Mr. Rabbit nicht vollends kalt bleiben. Doch genauso, wie man dem Ukrainer glaubt, dass er dem Jungen keinen Schaden zufügen will, kann man sich seiner Ungnade in Bezug auf Carrie nun umso gewisser sein.
Obwohl Rabbit auch Hood gegenüber nicht viel nachlässiger gesonnen sein dürfte, hat der falsche Sheriff seine abgebrühte Fassade wieder aufgebaut. Als Rabbit dem Sheriff mangelndes Schachpotential unterstellt, rotzt ihm Lucas förmlich seine Provokation entgegen: „Is that your plan? To insult me to death?“ Doch die Geräusche der schussbereiten Gewehre, die daraufhin zu Hood hineindringen, lassen anderes vermuten...
Fazit
Dass Rabbit von seinen „Tod durch Folter“-Plänen für Lucas abgesehen hat, ist zwar an sich wenig nachvollziehbar. Doch das Ende von Always a Cowboy leitet auf diese Weise stimmig den großen Showdown der ersten Staffel ein.
Während die vorletzte Episode der Jungfernstaffel von Banshee damit beschäftigt ist, die Vorfreude heraufzubeschwören, zieht sie sich teilweise selbst in die Länge. Das kontinuierliche Auftauchen und Verschwinden von Rabbit kann daher ebenso wenig Begeisterungsstürme heraufbeschwören wie Nolas Wurfaxttraining, das nach dem Abspann nachgereicht wird.
Doch dafür werden wir es nun wohl endlich mit dem Aufeinandertreffen der Streitmächte von Rabbit und Proctor zu tun bekommen... Mögen die Spiele beginnen!
Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 11. März 2013(Banshee 1x09)
Schauspieler in der Episode Banshee 1x09
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