Banshee 1x08

Banshee 1x08

Die Episode We Shall Live Forever stellt die Probleme der Figuren Rebecca und Carrie in den Vordergrund. Während sich der Amische Kai Proctor weiterhin eindrucksvoll profiliert, leiden andere Erzählstränge durch allzu klischeebeladene Aussprüche.

Die verstoßene Amische Rebecca (Lili Simmons) mit Sheriff Lucas Hood (Antony Starr) in „Banshee“. / (c) Cinemax
Die verstoßene Amische Rebecca (Lili Simmons) mit Sheriff Lucas Hood (Antony Starr) in „Banshee“. / (c) Cinemax

Die neue Episode von Banshee trägt den Titel We Shall Live Forever. Doch während falsche Identitäten kollabieren und sich die Schlingen um die Hälse der verschiedenen Charaktere - auch bildlich gesprochen - enger ziehen, ist der Tod ein ständiger Begleiter.

Identität

Die Identität des Protagonisten Lucas Hood (Antony Starr) gerät durch den neugierigen FBI-Agenten Dean Xavier (Derek Cecil) weiter in Bedrängnis. Im Vordergrund der neuen Folge stehen aber Rebecca Bowman (Lili Simmons) und Carrie Hopewell (Ivana Milicevic), die die Konsequenzen ihrer Doppelleben zu spüren bekommen. Während Rebecca aufgrund ihres allzu modernen Lebensstiles aus der amischen Gemeinde ausgeschlossen wird, wird Anastasias Leben als Carrie von allen Seiten bedroht.

Anastasias Fluch

Nachdem Lucas in der vorangegangenen Episode Behold a Pale Rider (1x07) Carries Tochter Deva (Ryann Shane) gerettet hatte, haben die beiden ausgiebig miteinander geschlafen. Lucas möchte dies als ersten Schritt in ein neues Leben an der Seite seiner „Ana“ und der gemeinsamen Tochter Deva begreifen. Doch Carrie hatte sich bereits vor 15 Jahren für die Sicherheit ihres Kindes und gegen das gefährliche Leben an der Seite von Lucas entschieden. Diese Entscheidung verbalisiert sie nun erneut - sollte der falsche Sheriff nicht aus Banshee verschwinden, will sie ihn töten.

Carries Muttergefühle sind ebenso nachvollziehbar wie Lucas Bedürfnis, der Frau nahe zu sein, für die er viele Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht hat. Leider machen es Textzeilen wie „There is nothing in this world that makes sense if there is no you and me“ schwer, sich von der Interaktion der beiden mitreißen zu lassen.

Als Mr. Rabbits Handlanger Olek (Christos Vasilopoulos) wie ein Geist aus Carries Vergangenheit in Banshee auftaucht, erfahren wir mehr über die wahre Identität der Frau. Ergänzende Rückblenden sind auf interessante Weise mit der Gegenwart verknüpft und reflektieren Carries Erschöpfung, die sie in eine Art von Delirium abgleiten lässt.

Carrie und Olek waren sich einst sehr nahe. © Cinemax
Carrie und Olek waren sich einst sehr nahe. © Cinemax

In einem Kampf, der trotz der stimmungsvollen Inszenierung per Handkamera gewisse Längen aufweist, schleudern die beiden sich Wahrheiten über die gemeinsame Vergangenheit entgegen. Olek war wie ein Bruder für Carrie und hatte doch Gefühle für die Tochter des Bosses. Deswegen hatte er das Paar einst an Mr. Rabbit verraten. Nach dem gegenseitigen Verrat bricht sich die Frustration auf sehr gewalttätige Weise bahn.

You betrayed your family - you do not deserve to have another one

Erst, als Olek Carrie verbal mit dem zwangsläufigen Tod ihrer Familie konfrontiert, tötet sie ihren alten Gefährten. Trotz des Blutes, das sich im Überfluss über die beiden ergießt, schwingt in Carries Mord per Holzpflock eine gewisse Zärtlichkeit mit.

Anastasia hat nicht nur ihren Vater und auch Lucas verraten - auch ihrem liebevollen Ehemann Gordon Hopewell (Rus Blackwell) kann sie zu diesem Zeitpunkt nicht gerecht werden. Als er alleine im Ehebett erwacht, beginnt er, in blindem Zorn die Wohnung zu durchsuchen. Gordons Charakter wirkt dabei ebenso glaubhaft wie der seiner verletzlichen Stieftochter Deva. Trotz ihrer fortgeschrittenen Reife möchte sie sich an die naive Idee klammern, dass irgendwie alles gut werden wird.

Ausgestoßen

Als Rebecca schlafwandlerisch die Annehmlichkeiten in dem luxuriösen Anwesen von ihrem Onkel Kai Proctor (Ulrich Thomsen) erkundet, wird die kurze Entspannungspause abrupt von Clay Burton (Matthew Rauch) beendet. Der loyale Gehilfe berichtet später auch Proctor von Rebeccas Treffen mit Lucas Hood, woraufhin der Ex-Amische auch gegenüber der strauchelnden Lieblingsnichte seine charakteristische Härte an den Tag legt. Während Burton in seiner akkuraten Art nicht sprechen muss, um bedrohlich zu wirken, entfaltet sich Proctors angsteinflößende Aura nicht zuletzt aufgrund seiner Eloquenz. Auch die Tatsache, dass die Nähe der beiden verbannten Amischen nicht gänzlich frei von sexueller Spannung ist, lässt einem die Haare zu Berge stehen.

Kai macht sich auf den Weg zum Land seiner früheren Gemeinde - wo die Amischen sich mit einem interessanten Äpfelsortierspiel beschäftigen -, um sich für seine ausgestoßene Nichte einzusetzen. Die Frustration über den eigenen Ausschluss hatte er zunächst noch hinter einer Mauer aus Zynismus verborgen: „I wasn't built for contrition.

Vor betrüblicher Kulisse sucht Rebecca in ihrer Orientierungslosigkeit die Nähe von Lucas Hood. © Cinemax
Vor betrüblicher Kulisse sucht Rebecca in ihrer Orientierungslosigkeit die Nähe von Lucas Hood. © Cinemax

Als er bei seinen Verwandten jedoch erneut auf taube Ohren stößt, bricht die über Jahre hinweg angestaute Wut über die mangelnde Wertschätzung durch seine Familie aus Proctor heraus. Diese Sequenzen wirken dank Thomsens schauspielerischer Präsenz sehr intensiv und stellen dabei die Kampfeinlage zwischen Carrie und Olek, mit der sie verknüpft sind, in den Schatten: „There's no God that would be able to protect you from me.

Fazit

Die Episode We Shall Live Forever widmet einen Großteil ihrer Zeit den beiden Frauen Carrie und Rebecca. Genau wie Kai Proctor und der kiffende Wut-Gordon gewinnen auch ihre Charaktere an Dreidimensionalität hinzu. Gerade auf Seiten von Carrie steht einer überzeugenden Charakterentwicklung jedoch oftmals ihr Text im Weg, der zeitweise reichlich abgedroschen wirkt. Dennoch wird es fraglos sehr spannend, zu erfahren, wie die obligatorische Konfrontation zwischen Carrie und Gordon vonstatten gehen wird. Wie viel Wahrheit wird sie ihm zugestehen?

In der neuen Folge von Banshee fehlen ein paar spannende Charaktere wie Job (Hoon Lee) und Sugar Bates (Frankie Faison) - trotz des Radaus in Hoods Wohnung.

Besonders die Bilder, die das Leben der Amischen zeigen, haben eine bemerkenswerte atmosphärische Wirkung inne. Dahingegen wirkt der Erzählstrang um die amerikanischen Ureinwohner aus dem Stamm des verblichenen Häuptlings Benjamin Longshadow noch wie eine bloße Randerscheinung. Daran kann auch der attraktive Neuzugang namens Nola (Odette Annable) noch nichts ändern. Die Schwester von Alex Longshadow (Anthony Ruivivar) reiht sich im dramaturgischen Schnellverfahren in die Runde der verlorenen Töchter ein. Da Ruivivar in der kommenden zweiten Staffel eine wichtigere Position innehaben wird „46824“, kann man aber von einer wachsenden Bedeutung der Indianer vom Stamm der Kinaho ausgehen, sobald Alex deren Führung übernimmt.

Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 4. März 2013
Episode
Staffel 1, Episode 8
(Banshee 1x08)
Deutscher Titel der Episode
Kampf der Geschlechter
Titel der Episode im Original
We Shall Live Forever
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 1. März 2013 (Cinemax)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 29. August 2013
Autor
Jonathan Tropper
Regisseur
Greg Yaitanes

Schauspieler in der Episode Banshee 1x08

Darsteller
Rolle
Ivana Milicevic
Ulrich Thomsen
Frankie Faison
Hoon Lee
Job
Rus Blackwell
Matt Servitto
Demetrius Grosse
Trieste Kelly Dunn
Ryann Shane
Daniel Ross
Ben Cross
Matthew Rauch
Anthony Ruivivar

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