Banshee 1x05

Eine Gang von Bikern, deren Maschinen bestimmt mit Testosteron laufen, fällt in Banshee ein. Allein Deva Hopewell (Ryann Shane) bietet den Vandalen energisch die Stirn, die unheilschwanger in den Straßen der amerikanischen Kleinstadt herumlungern. Lucas Hood (Antony Starr) und sein respekteinflößender Antagonist Kai Proctor (Ulrich Thomsen) müssen ihre Differenzen kurzzeitig beilegen, um der Gang - deren Name sich auch in dem Episodentitel The Kindred niederschlägt - Herr zu werden.
Komplikationen und ein Agent
Die Kindred sind nicht die einzige Widrigkeit, mit der sich Proctor und Hood konfrontiert sehen. Der Kasinobetreiber Alex Longshadow (Anthony Ruivivar) gefährdet Proctors Vormachtstellung in Banshee, indem er ihm die profitable Zusammenarbeit kündigt. Der Sheriff muss unterdessen mit dem Auftauchen des FBI Agenten Dean Xavier (Derek Cecil) zurechtkommen. Der Agent ist zwar in erster Linie an Proctor interessiert, bringt aber automatisch auch eine Gefahr für Hoods gestohlene Identität mit sich. Es wäre sicherlich klüger, den Überfall des Geldtransporters, den Hood mit der Unterstützung von Job (Hoon Lee) und Sugar Bates (Frankie Faison) plant, bis zu der Abreise Xaviers zu vertagen. Es bleibt abzuwarten, ob der FBI-Agent oder doch der großstadtaffine Job vor den allgegenwärtigen Kühen Reißaus nehmen wird: „Fuck each and everyone of you.“
In Konfrontation mit Xavier erhält Hood zunächst einmal die Gelegenheit, sich solidarisch mit seinem Kollegen Brock Lotus (Matt Servitto) zu zeigen. Gleichzeitig sieht man dem falschen Sheriff dabei an seinem gefälligen Grinsen an, wie sehr das Auftauchen des Agenten seine Synapsen in Alarmstellung versetzt hat.
Wehrhafte Bürger
Obwohl in dem Städtchen Banshee alte Männer, amische Mädchen und hübsche Mütter gleichermaßen über beachtliche Kampfkompetenz verfügen, sind die widerlichen Biker doch in der Überzahl. Sie bringen so Sugar Bates und Carrie Hopewell (Ivana Milicevic) in arge Bedrängnis, bis die beiden von der Polizistin Siobhan Kelly (Trieste Kelly Dunn) gerettet werden. Kelly erschießt den Biker Tally (Sam Medina), bevor er Hoods Exfreundin in einer Gasse vergewaltigen kann.
Was sich in dem ungelenken Handgemenge zwischen Carrie und Tally bereits abgezeichnet hatte, wird später Gewissheit: Hoods Exfreundin war keinesfalls so hilflos, wie es den Anschein hatte. Vielmehr musste die kampferprobte Frau dank Kellys Eingreifen, für das diese von ihrem Vorgesetzten ohnehin keinerlei Tadel fürchten muss („It's fine. It was him or you. You did good.“), nicht ihr ganzes Können offenbaren.
Während Carrie an dieser Stelle noch recht überlegt agiert, bricht ausgerechnet in Konfrontation mit einem Mitglied des Elternrates ein Teil ihrer Anastasia-Mentalität aus ihr heraus.
Wehrhaftere Kindred
Mit einer rührenden Ansprache verwandelt der Belesene und Bebrillte unter den Kindred das einhellige „Fuck Tally“ der Biker in ein passioniertes „Wir gehen hier nicht weg bevor unser Bruder nicht gerächt ist“.

Die Rache fällt Banshee-typisch sehr brutal und verstörend aus. In dem Gemenge des Spirit Festival der Kleinstadt greifen Hood und seine eindeutig unterbesetzten Kollegen nicht zur Waffe, während die Biker eine unschuldige Passantin über den Asphalt schleifen und sich auch sonst sehr ungebührlich aufführen. Die Amische Rebecca Bowman (Lili Simmons) verliert die Beherrschung und attackiert einen der Motorradfahrer mit ihrem Messer. Davon sind ihre pazifistischen Familienangehörigen wenig begeistert, doch glücklicherweise muss sie in Banshee nicht mit Sozialstunden rechnen.
Wer hat die Macht?
Bei einer Bürgerversammlung erhalten wir einen Einblick in die Mentalität der Bewohner der Stadt. In einem entrüsteten Chor, wie er sich auch im Rathaus von Springfield versammelt haben könnte, fordern sie den Bürgermeister Dan Kendall (Daniel Ross Owens) zum Handeln auf. Das Stadtoberhaupt möchte seine Bürger gerade zaghaft davon überzeugen, die Festivitäten trotz des Zwischenfällchens fortzusetzen, als der wahre Machthaber von Banshee das Wort ergreift. Proctor hat die Masse im Griff und kann seinem Publikum wahlweise devotes Schweigen oder anbiederndes Gelächter entlocken. Wie so oft betont er seine wohlmeinenden Intentionen für Banshee, während er spielerisch die Autorität seines Vorredners untergräbt. Doch auch Sheriff Hood hat sich bereits Respekt verschafft, und kann die Zuhörer per Pfeifkommando zur Ordnung rufen. Lucas vertritt wie Proctor und auch Kendall aus einem unerfindlichen Grund die gleiche risikofreudige Meinung: Das Stadtfest soll auf Teufel - bzw. Biker - komm raus fortgeführt werden.
Hood und die Frauen
„When the time comes for you to spend the night, it won't be to protect me.“ Kellys Satz mit dem erhöhten Giggegy-Faktor kommt so unerwartet, dass einem die Kinnlade ein Stückchen tiefer sackt. Glücklicherweise beschränken sich die Banshee-Macher um Alan Ball zunächst darauf, ihre Beziehung zu Lucas platonisch zu belassen.
Während sich in der Behausung von Hood am Ende doch nur die lüsternde Rebecca im Schatten herumdrückte, muss Siobhan dafür bezahlen, dass sie partout keine Hilfe von Lucas hatte annehmen wollen. In ihrer wütenden Verwirrung feuert sie den Bikern, die ihr Haus in Brand gesteckt haben, noch ein paar Schüsse hinterher.
Der obligatorische Sex - einmal wieder zwischen Hood und Rebecca - wird bansheeverhältnismäßig kurz und dezent abgewickelt. So gibt es auch noch ein Zeitfenster, in dem sich Hood als wenig sensibel outen kann, indem er das Geständnis seiner Gespielin, zwischen zwei verschiedenen Ausprägungen ihrer selbst zerrieben zu werden, mit einem Witz kommentiert.
Zwar dürfte Hoods anschließende Vendetta in erster Linie ein Resultat des Übergriffes auf Carrie sein. Der Sheriff hat in seinem Streifzug gegen die harten Jungs aber auch den verpfuschten Geburtstag seiner niedergeschmetterten Kollegin Siobhan nicht vergessen.
Wehrhaftester Hood
Zur angebracht düsteren Kulisse eines Gewitters stattet Lucas Hood den Unholden mit dem wenig furchteinflößenden Namen einen Besuch ab. Den Aufenthaltsort der The Kindred hatten Proctor und sein Gehilfe glücklicherweise bereits aus einem der Mitglieder herausgefoltert.
Statt eines Haftbefehls bedient sich Lucas lieber zweier Schlagstöcke und einem Ziegelstein, um die Bande zur Strecke zu bringen. Er hat zwar auch seinen Revolver dabei, jedoch entpuppt sich die Wirkung eines einfachen Stockes mit Nagel weit anschaulicher als die der Kugeln. Als Hood seinen persönlichen Blitzkrieg beendet hat, liegt der belesene Anführer der Bande mit ausgesprochen breitem Grinsen und verlorenem Bewusstsein im Dreck.
Erst jetzt darf Job wieder auf der Bildfläche erscheinen, um den bis auf Weiteres außer Gefecht gesetzten Abschaum nach Cleveland abzutransportieren. Nach dem neuerlichen Gewaltexzess kann Hood schon wieder über das mürrische Klagen des Hackers lächeln, während er dankbar die Idylle der Natur Pennsylvanias in sich aufsaugt.
Eine Hand wäscht die andere
Alle Beweise gegen Proctor haben sich ebenso wie der Kronzeuge Arno Webber in Luft aufgelöst. Jetzt wissen wir, mit welcher kleinen Gefälligkeit Hood den Aufenthaltsort der Rocker erkauft hat. Der Phantom-Officer namens Paul Hibbert, dessen ID Hood von Jobs erhalten hatte, hat im Gegensatz zu seinen realen Kollegen ganze Arbeit geleistet. Ohne, dass er einer störenden Überwachungsmaßnahme der Asservatenkammer in die Quere gekommen wäre, hat er aus Kai Proctor nun quasi wieder einen freien Mann gemacht.
Ob und wie weit die Zusammenarbeit von Kai Proctor und Sheriff Hood andauern wird, ist ungewiss. Vielleicht ist es ein Waffenstillstand, bis der leidige FBI-Agent wieder aus Banshee verschwunden ist. Von einem Mangel an den Dienstvorschriften entsprechend einsortierten Beweisen dürfte sich Hood auf jeden Fall nicht von einem weiteren Vorgehen gegen den Gangster abhalten lassen...
Fazit
Der Schnipsel von Banshee, der nach dem Abspann nachgereicht wird, lenkt die Aufmerksamkeit auf die unschönen Narbe auf Siobhan Kellys Schulter, die bereits innerhalb der Episode The Kindred kurz in den Fokus gerückt war. Mit diesem Hinweis auf ihre problemgeplagte Vergangenheit können wir - ähnlich wie bei Hood selbst - so manch eine unangemessene Reaktion ein wenig besser verstehen lernen.
Wie Kellys krampfhafte Demonstration von Stärke hat auch Hoods Überforderung im emotionalen Gespräch mit seinen Mitmenschen eine Ursache. Nach immerhin 15 Jahren in der Gesellschaft von Häftlingen, dürfte man ihm sein teils stümperhaftes Auftreten verzeihen. In Bezug auf seine Exfreundin sollte er sich jedoch in vornehmer Zurückhaltung üben. Schließlich bleibt es Carries Ehemann Gordon (Rus Blackwell) nicht verborgen, wie der Sheriff eine ganz neue Seite an seiner Frau zum Vorschein bringt.
Auch in der fünften Episode von Banshee gibt es weder einen Mangel an Gewalt, noch an logischen Ungereimtheiten. Doch zwischen der potentiellen Gefahr durch Mr. Rabbit oder Proctor, Job, Rebecca, einer zum Leben erwachenden Siobhan, einer rebellischen Deva und so vielen anderen interessanten Nebenschauplätzen, kann man sowohl sie als auch die Diamanten straflos aus den Augen verlieren.
Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 11. Februar 2013(Banshee 1x05)
Schauspieler in der Episode Banshee 1x05
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