Into the Badlands 2x10

Into the Badlands 2x10

Das extrem unterhaltsame Into the Badlands liefert mit seiner zweiten Staffeln erneut allerfeinste Genrekost ab und weiß die Aufstockung auf zehn Episoden prächtig zu nutzen. Eine größere Welt, neue Meilensteine bei den Kämpfen und eine kurzweilige Erzählstruktur sind dabei Trumpf.

Daniel Wu in der zweiten Staffel von „Into the Badlands“ / (c) AMC
Daniel Wu in der zweiten Staffel von „Into the Badlands“ / (c) AMC
© aniel Wu in der zweiten Staffel von „Into the Badlands“ / (c) AMC

Vielleicht täusche ich mich, doch es macht den Anschein, dass das Martial-Arts-Spektakel Into the Badlands nach seiner sechsteiligen ersten Staffel aus dem vorletzten Jahr eine treue Fanbasis gefunden hat und in seiner Beliebtheit mehr und mehr zunimmt. Nicht nur in den USA, auch in Deutschland hat sich das Format - unter anderem dank der flotten Bereitstellung von Amazon Prime Video, wo man die bisherigen zwei Staffeln der AMC-Serie sehen kann - eine leidenschaftliche Zuschauerschaft sichern können, so zumindest mein Eindruck in direkten Gesprächen mit interessierten Serienliebhabern oder aber online.

Völlig zurecht, möchte ich sagen, verdient sich das oftmals unglaublich blutige Fantasydrama von Alfred Gough und Miles Millar doch unsere Aufmerksamkeit. Aber nicht nur, weil es hier ungemein zur Sache geht und alle Genrefans von klassischen Martial Arts-, Wuxia- oder Eastern-Streifen vollends auf ihre Kosten kommen. Das Autorenduo hat im Rahmen der zweiten Staffel von „Into the Badlands“ die uns hier präsentierte Serienwelt noch spannender, lebendiger und abwechslungsreicher gemacht sowie kleine Veränderungen im Vergleich zu der guten, sehenswerten, wenn auch ausbaufähigen ersten Staffel vorgenommen.

Ein großer Faktor spielt dabei sicherlich die Erhöhung der Episodenanzahl von sechs auf zehn. Während man in der ersten Staffel reichlich Geschichte in wenig Zeit hineinquetschen musste und man dabei einigen vorhersehbaren TV-Tropen zu Opfer fiel, wissen Millar, Gough, ihre Autoren und die beteiligten Regisseure den neuen „Luxus“ einer längeren zweiten Staffel durchaus zu nutzen. Die Handlung sowie die Figuren bekommen allesamt mehr Luft zu atmen, sowohl Plot- als auch Charakterentwicklungen können sich besser entfalten und machen die Serie ein Stück weit wertiger als noch zuvor. Und während man derartige Schwächen angegangen ist, hat man zusätzlich auch an den Stärken von „Into the Badlands“ geschraubt.

„Höher, weiter, gewagter“ lautet das Motto für die ausgefallenen Kampfchoreographien und aufregenden Massenschlägereien, deren Ablauf oftmals eleganten Tanzbewegungen gleicht. Ein durchaus blutiger, brutaler Tanz wohlgemerkt, bei dem sich nicht immer sicher ist, ob man vor Freude an der stilvollen Überzeichnung jauchzen oder sich leicht angewidert abwenden soll. Die stylischen, gnadenlosen Auseinandersetzungen sind aber nicht nur ein einfacher Blickfang und das ultimative Alleinstellungsmerkmal der Serie. Sie stellen vielmehr dynamische Höhepunkte in einer abwechslungsvollen Erzählung dar, die sich in der zweiten Staffel anschickt noch ein wenig komplexer sowie gleichzeitig auf vielen Ebenen auch persönlicher zu werden.

Nachdem sich die erste Staffel von „Into the Badlands“ in einem überschaubaren Bereich des titelgebenden, erbarmungslosen Territoriums abgespielt hat und eher am Rande immer wieder neue Aspekte dieser einzigartigen Fantasywelt offenbart wurden, öffnet sich die Serie in Staffel 2 nun weiter. Unsere Hauptcharaktere finden sich zu Beginn allesamt an verschiedenen Orten sowie in neuen Positionen wieder und sind zunächst auf sich allein gestellt. Was in Staffel eins noch eine Heldengeschichte gewesen ist, die sich vor allem auf Protagonist Sunny (Daniel Wu) beschränkte - die zahlreichen Nebenfiguren in allen Ehren -, entwickelt sich nun zu einem vielseitigen Actionabenteuer, in dem die unterschiedlichen Charaktere und ihre Einzelschicksale mehr Bedeutung erhalten.

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Perfect new world

Dabei übernehmen sich die Serienmacher jedoch nicht und finden eine angenehme Struktur, die die wichtigsten Charaktere von Into the Badlands letzten Endes wieder zusammenführt. Davor muss sich ein jeder und eine jede von ihnen aber erst einmal selbst behaupten, was einige der Episoden dieser zweiten Staffel zu kleinen persönlichen Erzählungen macht, in dem manchmal einige Gesichter der Hauptbesetzung eine sehr untergeordnete bis gar keine Rolle spielen. Die Verantwortlichen finden eine neue Stärke in ihrem vielfältigen Cast, die aufgrund der kurzen ersten Staffel noch nicht so recht ausgespielt werden konnte.

Etliche Figuren wurden vielmehr angeteast, als wirklich ergründet. Jetzt kratzen wir etwas mehr an der Oberfläche und durchbrechen diese ein Stück weit, auch wenn noch lange nicht alle Geheimnisse gelüftet sind. Das Herz der Serie bleibt nach wie vor Daniel Wu (ein Executive Producer des Formats) als unerschütterlich Meisterkämpfer Sunny. Er muss sich zunächst aus seiner Versklavung befreien und begibt sich dann auf den mühseligen Weg zurück in die Badlands, wo er seine Frau Veil (Madeleine Mantock) und seinen Sohn Henry finden will. Auf dieser anstrengenden Reise stellen sich ihm und seine Begleiter aber nicht nur zahlreiche Feinde in den Weg.

Sunny überdenkt auch seine Rolle in dieser blutrünstigen Welt, in der er bereits hunderte von Leben genommen hat - und was dies für ihn selbst und sein Gewissen bedeutet. Die Macher spinnen die Idee hinter ihrer Hauptfigur, die sich in einer scheinbar endlosen Spirale des Tötens und Kämpfens befindet, erfolgreich weiter und geben dem bereits in Staffel 1 sehr coolen, aber noch nicht so charakterlich tiefen Sunny ein erweitertes Profil. Zugegeben, manchmal fühlt man sich an gewisse Stereotypen des Genres erinnert, was auf viele Figuren der Serie zutrifft. Die Verpackung stimmt jedoch, ebenso wie die meisten Darbietungen, die gerne bewusst theatralisch und sehr dramatisch gehalten sind, was wiederum zum hohen Unterhaltungswert beiträgt.

Ein absoluter Favorit ist und bleibt Marton Csokas als wahnsinniger Fiesling Quinn, der sich nach seinem Fall eine neue Gefolgschaft aufbaut und schlussendlich zu einem manischen Kultanführer avanciert. Es ist immer wieder erstaunlich, mit wie viel Feuer Csokas diese wunderbar überzeichnete Schurkenfigur spielt, die von seinen eigenen Dämonen verfolgt wird. Der gebürtige Neuseeländer greift dabei auf eine unvergleichliche Aura und Ausstrahlung zurück, die mitunter das Blut in den Adern gefrieren lässt. Gleichzeitig bringt der Antagonist eine spielerische Bosartigkeit und ein manipulatives Feingefühl mit sich, weshalb es nicht weiter verwundert, dass Quinn eine treue Anhängerschaft um sich versammeln kann, die ihm bis in den Tod folgen würde.

Ihm gegenüber wird The Widow positioniert, die mit ihrem akrobatischen Kampfstil bereits in der ersten Staffel immer wieder die Show stehlen konnte. Sie nimmt nun eine neue Verantwortung wahr und will die Kontrolle über weite Teile der Badlands übernehmen. Emily Beecham, die als tödliche Schwertkämpferin nach wie vor eine hervorragende Figur macht, bekommt nun etwas mehr zu tun und wirkt zeitweise als eine der wenigen Guten in dieser mit Monstern übersäten Welt - bis zum Ende der Staffel, als sich zeigt, dass auch sie von ihren Gedanken an absolute Macht (MKs mysteriöse Fähigkeiten, die The Widow selbst mal hatte, sollen ihr als Waffe dienen) korrumpiert wurde.

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Rise from the ashes

Ein neues Gesicht stellt indes der stets hervorragende Nick Frost als Bilderbuch-Sidekick Bajie dar. Wobei, in der letzten Episode Wolf's Breath gibt der kampferprobte Opportunist einen wunderbaren Meta-Kommentar von sich, dass er von dieser Bezeichnung gar nicht viel hält. Tatsächlich intergriert sich Frost ganz exzellent in die Geschichte und darf nebenbei auch noch körperlich ordentlich zulangen, was dem Darsteller sichtlich Freude bereitet. Bajie, der sich erst (und gezwungenermaßen) an Sunny hängt, zwischendurch seine eigenen Ziele verfolgt und am Ende aufrichtig an Sunnys Seite steht (auch wenn er letztlich wieder sein eigenes Süppchen kocht), ist eine starke Bereicherung für die Serie. Wenn Nick Frost sich zum Kampf bereit macht, kann ich einfach nicht anders, als ein breites Grinsen aufzusetzen.

Bei all dem Lob muss aber auch festgehalten werden, dass sich Into the Badlands hier und da weiterhin gerne selbst ein Bein stellt. Von den vielen Einzelgeschichten lässt mich MKs (Aramis Knight bleibt ein Schwachpunkt, während Alexia Ioannides als taffe Tilde weiterhin gut gefällt) Ausbildung in einem geheimnisvollen Bergkloster sowie der ganze Zauber um seine „Gabe“ nach wie vor ziemlich kalt. Ohnehin weiß ich nicht so recht, was ich von der großen, übergeordneten Handlung um den rätselhaften Ort Ezra halten soll. Dieses Ziel ist schlichtweg zu vage definiert, um Spannung zu generieren. Da verbringe ich viel lieber mehr Zeit mit den verschiedenen Fraktionen und speziellen Charakteren in den Badlands, deren Konflikte untereinander und die Frage danach, was sie antreibt. Jedoch muss ich auch eingestehen, dass sich einige Handlungsstränge zum Ende der Staffel etwas überschlagen und wild die Seiten gewechselt werden, um noch einmal großes Drama erzeugen.

Mit ein paar Abstrichen geht dieser Plan im Großen und Ganzen auf, kommt es doch zum dramatischen Zweikampf zwischen Sunny und Quinn, der ein in dem Tod von Veil ein äußerst tragisches Ende findet, was unseren Helden eventuell auf einen neuen Pfad als friedfertiger Vater führen könnte. Das mag nun vielleicht etwas eigenartig klingen, aber bitte nicht! Sonst müssten wir nämlich auf die teilweise absurden, herausragenden Kampfeinlagen von Daniel Wu verzichten, der gemeinsam mit dem erfahrenen Fight Director Stephen Fung wieder einmal das Beste vom Besten in Sachen moderner Martial Arts in Film und Serie produziert hat. Da können sich so manche Formate (Marvels Iron Fist zum Beispiel) eine dicke Scheibe von abschneiden.

Ob es nun ein intensiver Zweikampf mit Schwertern zweier außergewöhnlicher Kontrahenten ist (siehe Red Sun), blutrünstige Massenkarambolagen sind, bei denen die Gliedmaßen nur so durch die Lüfte fliegen, oder aber ein fein abgestimmter Schlagabtausch, bei dem jede Bewegung perfekt getimt sein muss und jeder Fehler gnadenlos bestraft wird - die Palette an beeindruckenden Kampfszenen ist in der zweiten Staffel von „Into the Badlands“ gewaltig. Und das alles vor atemberaubenden Kulissen, die manchmal fast schon Arenen in irgendwelchen Videospielen oder aber farbenfrohen Gemälden gleichen, die gleich einen neuen, blutroten Anstrich bekommen.

Im Gegensatz zur ersten Staffel fanden die Dreharbeiten zu „Into the Badlands“ nun nicht mehr in Louisanna statt, sondern in Irland, wo man herrliche Landschaften und einen architektonisch anderen Gebäudestil zu Verfügung hatte. Dies wirkt sich natürlich auf die Serienwelt aus, in der wir uns hier bewegen, doch die Veränderungen sind erfrischend und tragen dazu bei, dass Into the Badlands in seiner zweiten Staffel größer und umfangreicher wirkt.

Wer sich bereits für die erste Staffel des Martial-Arts-Dramas erwärmen konnte, der sollte nicht länger zögern und sich auch die zweite Staffel zu Gemüte führen. Den Fans der Serie muss ich das ja nicht erzählen. Staffel 2 ist eine viel versprechende Weiterentwicklung des Formats, das längst seinen eigenen Stil gefunden hat, den man in der weiten Welt der Serien nicht so schnell woanders findet. Wir dürfen gespannt sein, wie es weitergeht, wenn „Into the Badlands“ mit seiner dritten, dann sogar 16-teiligen Staffel im nächsten Jahr zurückkehrt.

Trailer zu „Into the Badlands“ Staffel 2:

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 23. Mai 2017
Episode
Staffel 2, Episode 10
(Into the Badlands 2x10)
Deutscher Titel der Episode
Die Rückkehr
Titel der Episode im Original
Wolf's Breath, Dragon Fire
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 21. Mai 2017 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 27. Mai 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Samstag, 27. Mai 2017
Autoren
Alfred Gough, Miles Millar, Matt Lambert
Regisseur
Paco Cabezas

Schauspieler in der Episode Into the Badlands 2x10

Darsteller
Rolle
Daniel Wu
Orla Brady
Aramis Knight
Emily Beecham
Oliver Stark

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