Into the Badlands 1x06

Into the Badlands 1x06

Die erste Staffel der Martial-Arts-Saga Into the Badlands zeichnet sich vor allem durch tolle Kampfchoreografien und ein andersartiges Setting aus. Allein das Drama und die recht vorhersehbare Geschichte lassen etwas zu wünschen übrig. Seinen Spaß hat man jedoch allemal.

Daniel Wu als Clipper Sunny in „Into the Badlands“ / (c) AMC
Daniel Wu als Clipper Sunny in „Into the Badlands“ / (c) AMC
© aniel Wu als Clipper Sunny in „Into the Badlands“ / (c) AMC

Ob die Reise tatsächlich gerade erst begonnen hat, wie eine der Hauptfiguren aus AMCs neuem Drama Into the Badlands am Ende der sechsteiligen ersten Staffel von sich gibt? Es deutet schon einiges darauf hin, dass sich die beiden Serienschöpfer Alfred Gough und Miles Millar an eine Fortführung ihrer Serie setzen dürfen. Auch wenn nicht von der Hand zu weisen ist, dass sich Into the Badlands - insbesondere, nachdem man mit The Walking Dead ein starkes Lead-in verlor (die Zombieserie ging in seine Winterpause, als von „Into the Badlands“ gerade erst drei Episoden ausgestrahlt waren) - mit eher mäßigen Einschaltquoten begnügen musste. Vielleicht war die Adaption einer alten chinesischen Sage doch etwas zu speziell und abgedreht, um eine breitere Zuschauermasse anzusprechen.

Gleichzeitig darf man aber auch nicht unter den Tisch fallen lassen, dass sich nach sechs Episoden durchaus ein (überschaubares) Stammpublikum gefunden hat, das sich sehr gerne auf das Martial-Arts-Drama eingelassen hat. Gerade hier in Deutschland dürften einige Eastern-Fans hellhörig geworden sein, als Amazon Prime Instant Video die Serie kurz nach ihrer US-Erstausstrahlung akquirierte und man auch hierzulande wöchentlich die neuesten Episoden von „Into the Badlands“ sehen konnte.

True believer

Ich persönlich war recht angetan von der Pilotepisode, in der ein exzellenter Kämpfer gemeinsam mit seiner großen Liebe den gnadenlosen titelgebenden Badlands sowie seinem unberechenbaren Herrscher entkommen will. Seine Pläne werden jedoch verkompliziert, als er auf einen Jungen trifft, der über besondere Fähigkeiten verfügt und der eine Reihe an verheerenden Ereignissen auslöst. Allen voran die hervorragenden Kampfeinlagen waren ein Augenschmaus und so bisher eher selten im Fernsehen zu bestaunen. Auch die Welt, in der sich diese Erzählung abspielte, hatte etwas sehr Eigenes und Unverbrauchtes.

Emily Beecham in „Into the Badlands“
Emily Beecham in „Into the Badlands“ - © AMC

Illusions

Während die Darsteller und Darstellerinnen von Beginn an sichtbaren Spaß an ihrer Arbeit hatten, war mir eine Sache aber ein Dorn im Auge: die Handlung und ihr dramatischer Aufbau. Würde es den Serienmachern gelingen, Charaktere zu entwerfen, mit denen wir mitfiebern, und um diese herum eine Erzählung zu spinnen, die uns fesseln packen kann?

Die Antwort auf diese Frage fällt zugegebenermaßen nach der ersten Staffel von „Into the Badlands“ etwas verhalten aus. Ja, Gough und Millar sind in gewisser Weise der sehr epischen Ausrichtung ihrer Geschichte gerecht geworden. Episode für Episode taucht man mehr in diese außergewöhnliche Fantasywelt der Badlands ein, die auf dem Papier wahnsinnig viel zu bieten hat. Andererseits muss man aber auch leider festhalten, dass „Into the Badlands“ gerne mal für längere Phasen den Leerlauf. Dies macht „Into the Badlands“ zu keiner schlechten Serie, spielt sie ihre Stärken doch nahezu perfekt aus. Es verhindert aber, dass das Martial-Arts-Drama über seinen Status als gutes, kurzweiliges Format hinauswachsen kann.

The life you deserve

Fangen wir mit dem Positiven an: Die erste Staffel von Into the Badlands dürfte selbst Leuten, die nicht mit dem Eastern-Genre oder Martial-Arts-Filmen vertraut sind, das eine oder andere Mal große Freude bereiten. Bereits in der Pilotepisode zeigt man uns eindrucksvolle Kampfchoreografien. Die Macher schrecken keineswegs vor einer sehr grafischen Darstellung ihrer blutigen Auseinandersetzungen zurück und probieren immer wieder neue Dinge aus, bleiben dabei aber stets ihrem Genre treu.

Man beschränkt sich darüber hinaus nicht auf deftige Faustkämpfe, im Verlauf der Staffel präsentiert man uns auch den einen oder anderen Waffenkampf, die kreativ umgesetzt werden und immer wieder etwas Neues zu bieten haben. Ein Ausrufezeichen ist zum Beispiel das Duell zwischen Quinn und seiner Konkurrentin The Widow. Ein fantastischer Showdown auf einem Friedhof in Episode fünf, in dem es zu einem wilden Durcheinander kommt, man aber trotzdem nie den Überblick verliert - eine Kunst, die nicht jeder beherrscht - bleibt ebenfalls unvergessen. Außerdem sehen wir, wie sich Sunny und The Widow bearbeiten, sich eimmal quer durch die Waffenkammer prügeln. Als Zuschauer kann man von diesen Szenen einfach nicht genug bekommen.

Getoppt werden solche Sequenzen nur von dem finalen Kampf zwischen Sunny und drei geheimnisvollen, mönchartigen Gestalten. Hier hauen die Macher noch einmal alles raus, was ihnen zur Verfügung steht, und begeistern auf einem neuen Niveau.

Bright future

Hier liegt wahrscheinlich die größte Starke des gesamten Formats, in dem ausgefallene Martial-Arts-Action serienfähig gemacht wird. Damit führt die Serie einen kleinen Trend fort (Netflix' Daredevil markierte zu Beginn dieses Jahres den Anfang, mit der geplanten Marvel-Serie Iron Fist steht uns eine weitere Martial-Arts-Serie ins Haus), der allen voran Genrefans erfreuen dürfte. Weiterhin positiv stimmen ein paar der mitunter sehr exzentrischen und gewollt übertriebenen Darbietungen aus den Reihen der Darsteller. Am meisten tut sich hier wohl der gebürtige Neuseeländer Marton Csokas in seiner Rolle des eloquenten und erbarmungslosen Baron Quinn hervor. Ihm merkt man die Freude an seinem überzeichneten Charakter an, dem er durch seine Intonation und sein Schauspiel nicht nur etwas sehr Bedrohliches gibt, sondern die Beweggründe Quinns nachvollziehbar und ihn als machtbesessene Figur interessant macht.

Marton Csokas in „Into the Badlands“
Marton Csokas in „Into the Badlands“ - © AMC

Enlightened men

Daniel Wu glänzt derweil in seinen etlichen Kampfszenen. Auf einem schauspielerischen Level wird ihm die Show eher von einem Stephen Lang als alter Lehrmeister gestohlen. Emily Beecham, die die Widow spielt, leistet ebenfalls solide Arbeit, was auch auf die beiden Jungdarsteller Aramis Knight (M. K., der Junge mit den besonderen Fähigkeiten) und Ally Ioannides (Tilda, eine Tochter der Widow und M. K.s Objekt der Begierde) zutrifft. Einzig letztere lässt sich für meinen Geschmack zu oft zu der immer gleichen, ausdrucksschwachen Mimik hinreißen - ein Problem, das aber nicht nur die junge Ioannides hat.

Während die verschiedenen Darsteller und Darstellerinnen im Großen und Ganzen sehr solide sind, störe ich mich eher an den Charakteren und ihrer Figurenzeichnung. Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, ich hätte beim Anschauen von „Into the Badlands“ stets alle Namen der Beteiligten parat gehabt. Vielen kleinen Neben- und Teilgeschichten von zweitrangigen Charakteren gelingt es einfach nicht, mein Interesse zu wecken und eine spannende Geschichte zu erzählen. Zu oft wünsche ich mich als Zuschauer zurück zu den Handlungssträngen von Quinn oder Sunny, sei es, weil es sich dabei zum einen um die interessanteren Figuren dreht, oder aber, weil hier die Handlung zumindest etwas vorangetrieben wird.

Redemption

Und da liegt wahrscheinlich das größte Problem der gesamten Serie: Die ausladende, epochale Geschichte plätschert leider zu oft einfach nur vor sich hin. Als Zuschauer erkennt man relativ früh, wie der Hase läuft, dass hier jeder jeden übers Ohr hauen will, ein jeder nach Macht strebt und dafür über Leichen geht. Das Staffelfinale hat gleich mehrere schockierende Enthüllungen zu bieten, bei denen eigentlich nur noch eine hochdramatische Musik eingespielt werden müsste, um das große Drama perfekt zu machen. Diese Art der Erzählung ist leider nicht immer spannend, geschweige denn wahnsinnig subtil.

Der Sohn hintergeht letztlich wie erwartet den Vater, welcher vorher seinem eigenen Nachwuchs, dem er sonst immer sehr skeptisch gegenüberstand, wieder vertraute. Das hat zur Folge, dass sein treuer Diener Sunny sich plötzlich in Ketten wiederfindet. Wirklich befriedigend sind diese Entwicklungen nicht (Quinns neue Ehefrau Jade hat mit ihrer Selbstvergiftung, um Konkurrentin Lydia anzuschwärzen, zumindest eine kleine Überraschung zu bieten) und die ganz große dramatische Auflösung bleibt ebenfalls aus. Das Ende von Quinn könnte zumindest unspektakulärer nicht sein. Dass Sunny vorher seinen Schüler M. K. nicht ans Messer liefert, weil dieser vom eigenwilligen River King für eine von ihm verübte Gräueltat gesucht wird, sieht man auch meilenweit kommen.

Wie immer ist es natürlich Geschmackssache, ob einem eine solch simple Geschichte, die von außen komplex und aufgeblasen wirkt, ausreicht. Ich persönlich fühlte mich an manchen Stellen oft ein klein wenig unterfordert, so viel Spaß ich auch mit der atemberaubenden Action in Into the Badlands hatte. Und so sehr ich diese Welt, in der sich unsere Figuren bewegen, auch mag, so sehr ich mehr über die Badlands, ihre Entstehung und Bewohner erfahren will - zu oft verzetteln sich die beiden Serienmacher Alfred Gough und Miles Millar.

Always a killer

Lydias Rückkehr zu ihrem Vater und dessen Kult ist so ein Beispiel. Es ist bestimmt interessant zu erfahren, was es mit dieser Gruppierung auf sich hat, ganz ähnlich wie bei der geheimnisvollen Stadt, zu der M. K. flüchten will. Doch die Macher übertrieben es fast schon ein bisschen zu sehr mit all den nebulösen Parteien, die in den Badlands agieren.

Erneut gilt die Regel Qualität vor Quantität, was auch ein Wunsch von mir für eine mögliche zweite Staffel ist: sich etwas weniger vornehmen, uninteressante Handlungsstränge streichen, die Geschichte insgesamt entschlacken. Es ist keine große Überraschung, dass man sich in der ersten Staffel von „Into the Badlands“ viel vorgenommen hat, sieht man diesen „Fehler“ doch immer wieder im Fernsehgeschäft. Doch weniger ist eben oft mehr.

Ally Ioannides und Aramis Knight in „Into the Badlands“
Ally Ioannides und Aramis Knight in „Into the Badlands“ - © AMC

Broken system

Wie es nun weitergehen wird, muss sich zeigen, die Bestellung für eine zweite Staffel steht noch aus. Am Ende der ersten lässt man zumindest viel Raum für neue Möglichkeiten: M. K. findet sich in einer Box, die unterwegs ist, wieder - wie zu Beginn der Staffel. Sunny wird vom River King als Handelsgut aus den Badlands verschifft und seine große Liebe Veil (Madeleine Mantock) mitsamt des ungeborenen Nachwuchs bleibt zurück, während Tilda ins Grübeln kommt, ob ihre Mutter ihr vielleicht doch nicht mehr Schaden zufügt, als sie bisher geglaubt hat. Außerdem gibt es da natürlich noch Quinns Sohnemann Ryder (Oliver Stark), der die Flucht ergreift und mit Sicherheit zurückkehren wird.

Es wäre interessant zu sehen, ob man vielleicht etwas auf den Pfaden eines Charakterdramas wandeln könnte, ob Sunny wirklich in dieser Schleife aus Mord und Totschlag gefangen ist und niemals sein Leben als Killer hinter sich lassen kann. Auch ein Blick auf den Aufbau der Badlands, das erschütterte Machtgefüge nach dem Tod Quinns und das vorherrschende System an sich, welches laut Waldos Aussage eh im Eimer ist, würde ich begrüßen.

Sollte es zu einer zweiten Staffel kommen, hoffe ich weiterhin auf das gekonnte Ausspielen der Stärken im Bereich der technischen Umsetzung und Kampfchoreografien sowie auf ein paar Anpassungen und den Mut, sich von einigen Aspekten zu trennen, damit die gesamte Geschichte der Serie mich packen und fesseln kann. Trotz all der geübten Kritik an Into the Badlands hat mir das Format in seiner ersten Staffel trotzdem eine ganze Menge Spaß bereitet. Wer sich über die Feiertage selbst ein Bild machen will, der kann dies bei Amazon Prime Instant Video tun. Dort gibt es die komplette erste Staffel von „Into the Badlands“ zu sehen.

Trailer zu „Into the Badlands“:

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Verfasser: Felix Böhme am Montag, 21. Dezember 2015
Episode
Staffel 1, Episode 6
(Into the Badlands 1x06)
Deutscher Titel der Episode
Eine Hand voll Gift
Titel der Episode im Original
Hand of Five Poisons
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 20. Dezember 2015 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 5. Februar 2016
Autoren
Alfred Gough, Miles Millar, Michael R. Perry
Regisseur
Guy Ferland

Schauspieler in der Episode Into the Badlands 1x06

Darsteller
Rolle
Daniel Wu
Orla Brady
Aramis Knight
Emily Beecham
Oliver Stark

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