Babylon 5 1x17

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Was passiert?
Ein Colonel und ein Telepath kommen auf die Station, um eine Untersuchung gegen Sinclair einzuleiten - andere finstere und sogar emotionale Motive kommen jedoch nach und nach zum Vorschein. Derweil basteln Garibaldi und Lennier an einem Motorrad herum...
Dies & Das
- Jeffrey Combs kennt man natürlich aus diversen Star Trek-Rollen.
- Die Minbari-Dichterin Shaal Mayan wird nach The War Payer erneut erwähnt.
- Hier fehlt der Großteil des Casts: G'Kar, Londo, Delenn, Franklin, Talia, Vir und Na'Toth glänzen mit Abwesenheit.
Synchro-Anomalien
Statt „Domo Origato“ lässt man Lennier an einer Stelle „Dann bis 12 Uhr“ sagen. Entweder hat man hier den Zuschauern nichts zugetraut oder den Gag nicht verstanden.
Abbott und Costello wurden durch Laurel und Hardy ersetzt - macht absolut Sinn. Gut mitgedacht. Weniger sinnig: Die Erwähnung von Hitler (Garibaldi nennt Zayn Colonel Ben Hitler) ersparte man den armen Deutschen natürlich mal wieder. Albern.
Zitate
„I think this is the biggest pile of horse hockey I ever saw. Who the hell is running Earth Force, Abbott and Costello? (Garibaldi)

Zurück auf Kurs
Die Serie war gerade dabei, sich ein wenig in generischen Storys zu verrennen. Ein typisches Problem vieler Serien, die am Anfang noch die richtige Gangart finden müssen. Bei Babylon 5 fällt dieses Phänomen jedoch hier deswegen so deutlich auf, weil man den Rest der Serie unter Umständen eben schon kennt und im Nachklapp verwundert ist, wie zusammenhanglos im ersten Jahr einiges in Sachen Story ausgewählt wurde. Mit „Eyes“ kommt man hier jedoch wieder zurück in die Spur, weil man sich darauf besinnt, was die Serie am besten kann: Auswirkungen auf die Charaktere und die Welt in der sie leben zu zeigen, die sich organisch aus den gezeigten Episoden ergeben.
In diesem Fall muss sich Sinclair für das verantworten, was bisher in seiner Amtszeit geschehen ist. Seine häufigen Regelverstöße sind also auf der Erde nicht unbeachtet geblieben, was die Situation nur spannender macht. Babylon 5 befindet sich in gewisser Weise in einer sehr passiven Position, die Erde jedoch scheint weiterhin ihren Einfluss untermauern zu wollen.
Sinclair soll Inkompetenz bescheinigt werden. Dazu zieht Colonel Zayn einige Beispiele heran, die von der Ragesh 3-Krise über die Entscheidung in der Deathwalker-Sache, seine Lösung für den Streik der Dockarbeiter, den Sabotageakt während des Präsidentenbesuchs bis hin zu der Jason-Ironheart-Thematik reichen. Alles valide Punkte, die man durchaus kritisch hinterfragen kann. Ein wenig erinnerte das natürlich auch an die TNG-Episode The Drumhead, das hat JMS aber schon damals von sich gewiesen. Der Ansatz ist ja realistisch betrachtet auch wirklich nicht so neu, dass man ihn unbedingt Star Trek zuschieben müsste.

Erneut wird auch Ivanovas Ablehnung gegenüber Telepathen thematisiert. Ihre Weigerung und Angst, sich Scannen zu lassen ist dabei aber sehr stark überzeichnet. Dafür weicht sie ihre generelle Einstellung aber etwas auf, da ihr Gray offenbar tatsächlich sympathisch ist, wenn sie seine romantischen Gefühle jedoch auch nicht erwidert.
Insgesamt wirkt das Ganze natürlich fast wie eine Clip-Show, das Drehbuch hält die Spannung aber dennoch hoch.
Die Einschränkung
Ohne Einschränkung kann ich jedoch dann doch nicht voll des Lobes sein. Die von Zayn angezettelte Hexenjagd ist gegen Ende arg plakativ umgesetzt und auch geschrieben. Nicht nur, dass der gute Mann eine entstellende Narbe zur Schau trägt, die bereits zu Beginn „Schlimmer Finger“ zu rufen scheint, er macht auch durchweg einen derart gestörten Eindruck, dass sogar Jeffrey Combs als Telepath neben ihm lammfromm wirkt. Seine Motive sind zwar spannend und es ist toll mal einen anderen Kandidaten für den Job auf Babylon 5 kennenzulernen, der eigentlich viel höher auf der Liste stand, als Charakter jedoch zerfällt Zayn hier doch relativ schnell in eine Comic-Karikatur. Man möchte sich kaum vorstellen, was ein solcher Commander auf B5 für einen Schaden hätte anrichten können...

Kawasaki forever
Wer sich nebenbei gewundert hat, was die Handlung mit Garibaldi und Lennier rund um das antike Motorrad zu bedeuten hatte: Kawasaki hatte sich entschlossen die Serie zu sponsern - und da man nicht einfach nur ein Motorrad auftauchen lassen wollte, entschloss man sich zu diesem charmanten Subplot. Gaga irgendwie, aber auch süß.
Technisch betrachtet
In einem Kammerspiel wie diesem bleibt wenig Ansatz für technische Kritik. Interessant ist aber erneut die Betrachtung der schauspielerischen Leistungen. Michael O'Hare, der zuletzt mit einer nachdenklichen Episode wieder mal seine gute Seite zeigen durfte, scheitert hier erneut an der Darstellung verschiedener starker Emotionen. Der „ruhige Commander“ stand O´Hare immer besser als irgendwelche Gefühlsregungen. Umso verständlicher, dass man als Nachfolger dann später einen Bruce Boxleitner besetzte, der eine viel breitere Palette anzubieten hatte und gerade in Actionszenen und emotionalen Ausbrüchen seine Stärken besaß. Eine besondere Freude hatte man mit Gastdarsteller Jeffrey Combs am Start. Der aus Star Trek bekannte Mime agierte hier als Telepath verlässlich wie immer und spielte seinen Kollegen Gregory Martin locker an die Wand.
The Reviewer's Wife
Unglaublich aber wahr: Ausgerechnet ein Kammerspiel mit einem schnell dahin geschriebenen Drehbuch, das fast eine Clipshow ist und Geld sparen musste, findet die Zustimmung meiner Couchnachbarin. Sie freute sich, einige Entwicklungen nochmal kompakt zu sehen, fand den Ansatz spannend, Sinclair für diverse fragwürdige Entscheidungen zu hinterfragen und freute sich über Jeffrey Combs, den sie in DS9 als Weyoun und in Enterprise als Shran geliebt hatte. Geht doch!

Gib dem Kind einen Namen
Eyes: Lustiges Wortspiel - Internal Investigations zog man zu II (also zwei i) zusammen, was auf englisch gelesen dann zu „Is“ also „Eyes“ wurde. Der Subtext der „you are being watched“ lauten könnte, passt dann natürlich auch blendend. Hach, sowas macht dem Reviewer Spaß.
Die Untersuchung: Wortspiel übertragen war hier nicht möglich, daher blieb man plakativ, aber immerhin nicht reißerisch. „Sinclair in Not!“, „Putsch auf Babylon 5“ oder „Der Untergang“ wären in den 70ern und 80ern sonst sicher auch zu befürchten gewesen.
Fazit
Nach zwei äußerst unerfreulichen Episoden kehrt die Serie ausgerechnet mit einer ganz kleinen und fast schon lethargischen Rückschau zurück auf ein hohes Niveau. Die horizontale Erzählweise war damals ohnehin überraschend, wie zusammenhängend die Story der Serie aber wirklich ist, verdeutlichen frühe Episoden wie diese am besten. Einzige Einschränkung: Der spätere Austausch der Figur Sinclair schmerzt in diesem Zusammenhang dann doch immer etwas.
Ups, eigentlich sollte doch heute gar kein Babylon 5 kommen. Doch bin ich offenbar auch für positive Überraschungen gut. Dennoch: Wir bleiben vorerst im 2-Wochen-Rhythmus und sehen uns am 17. September! Voraussichtlich. Vielleicht auch früher. Behaltet den Sonntag also lieber im Auge...
Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 3. September 2017(Babylon 5 1x17)
Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x17
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?