Babylon 5 1x16

Babylon 5 1x16

Es bleibt hemdsärmelig: Ein Hirnwellen saugendes Monster und die Suche nach dem Heiligen Gral bilden den blassen Hintergrund für ein paar gelungene Szenen. Zu wenig, liebes Babylon 5!

„Babylon 5“ / (c) PTEN
„Babylon 5“ / (c) PTEN
© ??Babylon 5“ / (c) PTEN

Was passiert?

Ein Suchender kommt auf die Station: Sein Ziel ist nichts Geringeres als der Heilige Gral. Derweil treibt ein Monster sein Unwesen. Oder ist es etwa Kosh? Verwicklungen rund um Gangsterboss Deuce, die Minbari und Alien-Entführungen unterfüttern die restliche Dreiviertelstunde...

Dies & Das

  • In der Eröffnungsszene durfte Kameramann John C. Flinn III diesmal eine Nebenrolle spielen.
  • Mit Autorin Christy Marx hatte JMS schon bei „Captain Power“ gearbeitet.
  • G'Kar kam in dieser Episode gar nicht vor.
  • David Warner kennt man aus „Star Trek VI: The Undiscovered Country“ oder Titanic.

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PTEN - © PTEN

Synchro-Anomalien

Einmal wundern bitte: „We lost an entire colony, before we threw up a quarantine", wurde zu „Wir haben ein ganzes Heer verloren, bevor wir sie in ein Reservat abdrängen konnten.“ Hä?

Zitate

„One person's lunatic is another person's true seeker.“ - „You've been hanging around with Delenn too much.“ (Sinclair & Garibaldi)

Der schlechte Teil

Zugegeben: Es ist eine witzige Idee, dass man die Suche nach dem Heiligen Gral auf den Weltraum ausgeweitet hat, weil man auf der Erde nicht fündig wurde - zeigt es doch wunderbar, wie einige Gruppierungen sich für das Erreichen ihrer Ziele immer wieder die Gegebenheiten umdeuten, statt bekennen zu müssen, dass ihre Suche unter Umständen eine sinnlose ist.

Dennoch ist die Suche nach dem Gral natürlich auch die Suche nach dem Sinn des Lebens - eine Suche, die in uns allen steckt. So sind dann auch die Gespräche von Aldous mit Londo und Vir sowie Delenn nicht gänzlich uninteressant. Londo hat seine dabei wie immer seine ganz eigene Vision. Sein Egoismus verbietet es ihm, andere mit Informationen auszustatten, ohne eine Gegenleistung zu bekommen. Vir und Delenn gehen das Ganze aber eher spirituell und naiv an und helfen Aldous, soweit sie können. Schade ist, dass G´Kar hier fehlte - sein sehr spiritueller Ansatz hätte der Episode definitiv gut zu Gesicht gestanden.

Dennoch geschieht in diesem Handlungsteil einfach viel zu wenig. Auch die Verwicklungen rund um Deuce und Jinxo reißen nicht mehr vom Hocker. J. Michael Straczynski fand die Episode übrigens selber furchtbar - der Mann hat Geschmack.

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Der bessere Teil

Der Pfiff steckt bei dieser Episode dann also eher wieder in den Kleinigkeiten. Der Anfang, in dem ein Mann vor Gericht ein Alien verklagt, ist im besten Sinne Däniken und trieft vor Ironie und Satire. Dieses Element kam witzigerweise aber gar nicht von Autorin Marx, deren Drehbuch zu kurz war, sondern von JMS selber. Der Mann hat also auch Humor. Ebenso punkten die Unterhaltung zwischen Delenn und Aldous über die Kultur der Minari, der Streich, den Garibaldi Londo spielt und die Erwähnung und Schicksale der ehemaligen Stationen.

Die zwei absoluten Highlights sind jedoch noch mikroskopischer: Sinclair teilt Kosh mit, dass einige Stationsbewohner verunsichert sind, weil niemand das Aussehen des Vorlonen kenne - und Kosh antwortet so trocken wie nur möglich: „Gut.“ - Man muss ihn einfach lieben, den Mr. Oneliner.

Das zweite Highlight kommt dann ganz am Ende der Episode, als Jinxo die Station verlässt. Sein Schiff heißt nämlich Mary Celeste - hierbei handelt es sich um ein berühmtes Geisterschiff, das man 1872 treibend im Atlantik fand - ohne eine Menschenseele an Bord. Keine guten Vorzeichen für Jinxo und seine anstehende Suche...

Ungereimt

Anzumerken sind noch zwei Dinge: Lennier spricht hier von zwei Kasten im System der Minari (religiöse Kaste und Kriegerkaste) - später lernten wir jedoch, dass es drei sind (die Arbeiterkaste fehlte). An dieser Front hat JMS also im Laufe der Zeit offenbar nachjustiert. Außerdem wurde hier der Begriff „Umdrehungen“ (der Station) als Zeiteinheit benutzt. Davon kam man aber auch in der Folgezeit wieder ab.

Technisch betrachtet

Der Na'ka'leen Feeder war damals ein heißes Ding - heute wirkt die Figur jedoch natürlich lachhaft. Dennoch zeigt sich auch hier, wie wegweisend die Serie mit ihrem kleinen Budget eigentlich war. Der Rest vom Fest (egal ob Effekte oder Score) bewegt sich auf gutem Niveau, erneut stechen aber die Alien-Masken heraus, die an Kreativität und Detailliebe kaum zu toppen sind.

David Warner liefert zudem eine gewohnt gute Leistung ab, William Sanderson und Tom Booker hingegen wirken irgendwie neben der Spur.

The Reviewer's Wife

Fünfzehn Minuten ließ sich die Frau des Rezensenten das Treiben gefallen, dann verließ sie die Couch mit den Worten „Weck mich, wenn mal wieder was Interessantes passiert...“. Die aktuelle Durststrecke der Serie nagt offenbar an ihrer Motivation. Nicht einmal auf Kosh drosch sie ein.

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Gib dem Kind einen Namen

Grail: Uninspiriert und schlicht - geht schon, reißt aber sicher nicht vom Hocker. Vor allem, weil es sich nur einen Teil der Handlung rauspickt.

Der Gral: 1:1 - völlig ok.

Fazit

Schade, dass das Monster nicht direkt beim Drehbuchschreiben erst die zweite Handlungsebene rund um den Gral und dann noch sich selbst aufgefressen hat. Mit dem Rest hätte man dann zumindest eine kurze und nette Webisode machen können. So bleibt nur eine unausgegorene Mischung aus Alien für Arme und Indiana Jones für noch Ärmere mit netten, losen Szenen, die das Gesamtprodukt immerhin nahe an den ominösen Qualitätsstrich hieven.

Wir bleiben vorerst im 2-Wochen-Rhythmus und sehen uns am 10. September!

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 27. August 2017
Episode
Staffel 1, Episode 16
(Babylon 5 1x16)
Deutscher Titel der Episode
Der Gral
Titel der Episode im Original
Grail
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 6. Juli 1994 (TNT)
Autoren
Larry DiTillio, Leon, Cacey Riggan
Regisseure
Jim Johnston, Andrea C. Robinson, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x16

Darsteller
Rolle
Michael O'Hare
Claudia Christian
Mira Furlan
Richard Biggs
Stephen Furst

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