Babylon 5 1x14

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Was passiert?
Ein undurchsichtiger Fremder namens Mr. Morden besucht die Station und stellt nach und nach fast allen Botschaftern die gleiche Frage: What do you want? Außerdem greifen mal wieder die Raiders an und Londo versucht mit Hilfe eines bedeutenden Artefakts seinen Ruf in der Heimat zu verbessern...
Dies & Das
- Achtung Spoiler: Wir sehen erstmals wirklich etwas von den mysteriösen Schatten.
- Ed Wasser (Morden) war vorher Souffleur am Set und wurde von JMS quasi entdeckt.
Synchro-Anomalien
- G'Kar mit gebremstem Schaum? Im Deutschen schon! „You can kiss my pouch!“ wird zu „Ich bin zu höflich, um Ihnen zu sagen, was Sie mich können!“
- Sinclair leidet während des Raider-Angriffs an schwachem Gedächtnis: So fragt er im Deutschen, wo Ivanova sei, obwohl er das genau weiß. Im Original klingt das auch irgendwie anders: „Deltaflight, proceed.“
Zitate
- „Leave this place. They are not for you. Go. Leave! Now.“ (Kosh)
- „Why does my mouth always taste like old carpet in the morning?“ (Ivanova)

Auge & Action
Während Sinclair und Ivanova ein weiteres mal in einer B-Handlung Ärger mit den Raiders haben, empfängt Londo Mollari Lord Kiro und Lady Ladira, da ein wertvoller Kunstgegenstand in seinen Besitz gelangte, den bereits der erste Imperator besaß. Dieser soll auf der Heimatwelt dem aktuellen Imperator helfen, etwas mehr Stabilität herzustellen. Insgeheim darf man annehmen, dass Londo sich von dieser Aktion natürlich auch selber ein wenig mehr Beachtung und Bedeutung verspricht.
Von der mit hellseherischen Fähigkeiten gesegneten Ladira erfährt Londo jedoch auch noch gar Schreckliches. So sieht sie Tod, Zerstörung und Feuer voraus. „Babylon will fall, this place will be destroyed“, sagt sie in wenig blumigen Worten und nimmt damit eventuell eine brisante Entwicklung vorweg, deren Weg wir mit dem Fortgang der Serie abdecken werden. Oder kommt doch alles noch ganz anders? Ladira hält es nämlich auch ein wenig mit Yoda: „In ständiger Bewegung die Zukunft ist.“ Nein, hier möchte ich natürlich nichts vorwegnehmen - spannend ist Ladiras Prophezeiung aber in jedem Fall. Ihr Begleiter selbst glaubt übrigens nicht an die Visionen seiner Tante - schließlich hatte sie einst seinen Tod durch die Hand von Schatten vorhergesagt. Wie albern. Nebenbei ist es relativ einfach zu durchschauen, dass Kiro mit Londo ein falsches Spiel spielt und nur einen eigenen Vorteil im Kopf hat.
Dennoch funktioniert an dieser Episode, wie man die oft sinnfreie Action-Raiders-Handlung diesmal in den Hauptplot integriert. Kiro wird am Ende samt Ladira und Auge vermeintlich von den Raiders entführt, hatte jedoch eigentlich insgeheim mit ihnen kollaboriert. Doch die Raider sind alles andere als vertrauenswürdig und hintergehen ihn. Als sie just Lösegeld erpressen wollen, taucht ein riesenhaftes Etwas auf und zerschneidet einfach so das Raiders-Mutterschiff. Wer im Bilde ist, wird die Vorsehung zu Kiros Tod eventuell schon hier nicht mehr gar so albern finden,wie noch zu Beginn.
Wie es scheint, hat Londo also seinen Trumpf durch den unbekannten Angreifer verloren - doch ist da noch ein Subplot, der in die Geschichte hineinspielt. Und mit ihm ein bisher noch unerwähnter, anderer Besucher.
Was wollen Sie?
Während all diese Verwicklungen vor sich gehen, schlendert ein Besucher namens Mr. Morden durch die Station und stellt den Botschaftern (außer Kosh) eine simple und wenig sinnvoll erscheinende Frage: Was wollen Sie?

G'Kar zeigt bei dieser Gelegenheit erneut seinen tiefen Hass auf die Centauri. So wünscht er sich nichts sehnlicher als deren komplette Auslöschung. Delenn begegnet dem Besucher sehr misstrauisch (während sie in ihrem Quartier an einer merkwürdigen Konstruktion herumbastelt). Eine Antwort gibt sie Morden ebenfalls nicht und wirft ihn schließlich aus ihren Räumen. Dass am Ende sogar kurz ein merkwürdiges Symbol auf ihrer Stirn aufleuchtet und Morden von einem Schatten überdeckt wird, macht das ganze nur sonderbarer. „They're here.“ murmelt Delenn. Nur wer?
Am Ende landet Morden dann bei Londo und scheint in ihm endlich den richtigen Gesprächs- oder Geschäftspartner gefunden zu haben. Was ihn an Londos Antworten jedoch genau überzeugt, bleibt unklar - in jedem Fall liefert Morden dem Botschafter zum Schluss das vermeintlich zerstörte Auge frei Haus. Sehr zu dessen Freude. Hoffen wir, dass da kein dickes Ende auf Londo zukommt.
Übrigens: Kosh und Morden treffen sich trotzdem noch. Morden wird dabei klar gewarnt, die Station zu verlassen. Weder über die Gründe, noch über das Verhältnis von Morden und Kosh erfahren wir jedoch an dieser Stelle mehr. Was soll's - wir haben ja noch viereinhalb Staffeln Zeit.
Immer noch nicht Feierabend
Man könnte meinen, so viel Stoff passt in keine Einzelepisode. Doch weit gefehlt. Ganz nebenbei ermittelt Garibaldi noch in Sinclairs Auftrag, was es mit dessen Gedächtnislücke auf sich hat. Das Ergebnis seiner Mühen kann sich durchaus sehen lassen: Sinclair hatte für den Kommandoposten auf Babylon 5 eigentlich weit unten auf einer Liste gestanden - und nur weil die Minbari alle anderen Kandidaten ablehnten, dennoch den Zuschlag bekommen. Was stimmt hier nicht? So erinnert sich Sinclair schließlich auch daran, Delenn während der ihm fehlenden Zeit mit dem Grauen Rat gesehen zu haben. Übrigens steht das hier erwähnte dezent im Widerspruch zu Äußerungen in And the Sky Full of Stars, wo gesagt wurde, dass der Posten für Sinclair ein Karriereknick wäre. Irgendwas passt hier nicht. Wie auch immer: Man wird am Ball bleiben - garantiert.
Technisch betrachtet
Hier macht vieles einfach nur Spaß: Die Action mit den Raiders, das Zusammentreffen von Morden und Kosh, das Riesenschiff am Ende. Klar sieht das heutzutage alles ein wenig albern aus, war damals aber das ganz große Ding. Dazu ist der Score stellenweise episch. Babylon 5 gibt Gas!
The Reviewer's Wife
Es ist schade, aber die Frau des Rezensenten sieht einfach nicht das Gleiche in der Serie wie ihr treusorgender Ehemann. Während bei diesem hier das erste Mal die Gänsehautwellen rollten, blieb sie eiskalt und moserte lieber erneut über Erzfeind Kosh (die rollende Airbrush-Motorhaube). Der große Handlungsbogen scheint einfach nicht ihren Geschmack zu treffen, Einzelfolgen zu relevanten Themen sind dann doch eher für sie gemacht. Ob das noch was wird?

Gib dem Kind einen Namen
Signs And Portents: Der Titel ist auch gleichzeitig Name der Staffel - und wurde als solcher schon mit „Zeichen und Wunder“ falsch übersetzt. Dabei ist gerade der wirkliche Sinne des Titels genau das, was die erste Staffel auszeichnet: Erste Zeichen und Vorboten auf das, was noch kommen sollte.
Visionen des Schreckens: Statt bei der blumigen „Zeichen und Wunder“-Übersetzung zu bleiben, wurde es hier nun dramatischer und ebenso wenig korrekt im Bezug auf das Original. Geschmackssache.
Fazit
Boom! Die Serie fährt erstmals die großen Kanonen auf und präsentiert uns eine straffe Dreiviertelstunde voller böser Vorzeichen und Drama. Mit den Schatten und Morden betreten gewichtige Figuren das Parkett und die Undurchsichtigkeit der Charaktere und der nahen und fernen Zukunft erreicht einen ersten Höchststand. Dazu gibt es mehr Vergangenheitsbewältigung, politische Intrigen und Charakterdramen. Klasse!
Von ganz oben geht es in den seltensten Fällen aufwärts. Derart rasant wie im direkten Nachfolger, hätte sich das Niveau jedoch nun auch wieder nicht verabschieden müssen. Kommenden Sonntag mehr dazu!
Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 30. Juli 2017(Babylon 5 1x14)
Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x14
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?