Babylon 5 1x13

Babylon 5 1x13

Starke Idee: Die Serie Babylon 5 traut sich in der Episode By Any Means Necessary mit dem Thema Streik unter Dockarbeitern etwas zu und nutzt die eigene Steilvorlage auch dank des Subplots zu einer potenten Dreiviertelstunde.

Szenenbild aus der Episode „By Any Means Necessary“ / (c) TNT
Szenenbild aus der Episode „By Any Means Necessary“ / (c) TNT
© zenenbild aus der Episode „By Any Means Necessary“ / (c) TNT

Was passiert?

Commander Sinclair ist gleich doppelt gefordert: Die Deckarbeiter streiken nach einem Unfall und fordern bessere Arbeitsbedingungen, was der Unterhändler der Erde jedoch partout nicht einsehen will. Zu allem Überfluss benötigt G'Kar ausgerechnet eine Blume aus Londos Besitz, um ein für ihn wichtiges, religiöses Ritual durchzuführen...

Dies & Das

- Patricia Healy als Reporterin Mary Ann Cramer aus Infection taucht erneut auf.

- Ragesh 3 aus Midnight on the Firing Line wird erneut erwähnt.

- Regisseur Jim Johnston hat einen Auftritt als Komparse und ruft „I say we strike!“.

Synchro-Anomalien

- Ein „Labourcommittee“ ist eher ein Arbeiterausschuss, kein Sonderkomitee.

- Der Jupitermond Europa wird erneut nicht als solcher erkannt und ist nun ein Raumschiff: „The same thing that happened on Europa...“ wird zu „Das gleiche, was passiert ist, auf der Europa...“

- G'Kar sagt zu Sinclair: „A far more spiritual man that I gave you credit for“. Im Deutschen preist er jedoch leider eine andere Fähigkeit: „für logisches Denken mehr begabt, als ich zuerst vermutet hätte...“ - sonderbar.

Zitat

„You should never hand someone a gun unless you're sure where they'll point it.“ (Sinclair)

Ein ganz normaler Tag?

Mal wieder beginnt eine Episode mit dem normalen Chaos, das die Besatzung der Station bei ihrer täglichen Arbeit begleitet. Als sich ein Frachtercaptain der Narn nicht an Ivanovas Anweisungen hält, kommt es zu einem tragischen Unfall, bei dem ein Dockarbeiter sein Leben verliert.

Nun macht es sich die Episode jedoch nicht so einfach, alles nur aus der Perspektive der großen Tiere zu zeigen, sondern rückt genau diejenigen Player in den Fokus, die mit dem Drama ganz eng verbunden sind: Die Kollegen, Freunde und Familienangehörigen an den Docks.

Diese leiden ohnehin unter den schlechten Arbeitsbedingungen und der miesen Bezahlung, was Sinclair auch durchaus bewusst ist. Doch sind ihm die Hände gebunden: Das Budget für die Station ist knapp und soll auch nicht erhöht werden, da die Erdregierung ganz andere Probleme hat, als sich um eine abgelegene Station zu kümmern, die man zunehmend mit einer „aus den Augen, aus dem Sinn“-Mentalität betrachtet.

Der auf die Station geschickte Vermittler Zento scheint entweder keinerlei Entscheidungsspielraum zu besitzen, oder er soll die Eskalation unter den Dockarbeitern durch sein Verhalten nur begünstigen. In jedem Fall bewegt sich die Position der Erdregierung keinen Millimeter, was zu einem illegalen Streik der Arbeiter führt. Auch danach wollen beide Seiten nicht aufeinander zugehen. Sinclair ist gezwungen, den sogenannten Rush Act anzuwenden, der eigentlich den Streik mit „allen Mitteln“ beenden soll - allerdings freilich im Sinne der Erdregierung. Doch Sinclair nutzt ein Schlupfloch und definiert die Formulierung „mit allen Mitteln“ einfach um, indem er etwas vom Militärbudget abzwackt und die Arbeiter somit zufriedenstellt. Weder Vermittler Zento, noch die Erdregierung reagieren begeistert. Der Commander hat sich in Kreisen der Politiker keine Freunde gemacht. Senator Hidoshi macht sogar deutlich, dass Sinclair diesmal zwar gewonnen habe, lässt dies jedoch auch als ominöse Drohung für die Zukunft im Raum stehen. Es bleibt spannend.

Autorin Kathryn M. Drennan war damals die Ehefrau von JMS und schrieb vorher eher für Zeichentrickserien. Ihre Schwäche, griffige Dialoge zu schreiben und somit den Ton der Serie zu finden, wird leider hier und da deutlich. Das Drehbuch hätte definitiv noch mehr Biss benötigt und verdient gehabt, um das an sich spannende und kreative Thema optimal zu nutzen. Auch dank der wie immer verlässlich starken Regie von Jim Johnston geht das Ganze aber trotzdem noch als gut durch.

Sinclair hat noch nicht fertig

Die Episode bietet dem Commander der Station neben der Streikthematik noch einen weiteren Brandherd an, um den er sich trickreich kümmern darf. G'Kar benötigt eine seltene Blume für ein religiöses Ritual, die sich ausgerechnet im Besitz von Londo befindet. Die von ihm bestellte, war zu Beginn der Episode durch das Frachterunglück zerstört worden.

Die Streitereien der beiden machen wie so oft viel Spaß, wenn auch gerade bei Londo schon hier ein tiefer Hass zu Tage tritt, der äußerst bedenklich ist. Dass die Situation erst durch einen Diebstahl bereinigt werden kann, als beide Seiten gegenseitig Druckmittel besitzen, ist für die Charaktere eigentlich unwürdig, passt aber ins Bild. Sinclair beeindruckt am Ende dann noch mit einem Clou, als G'Kar realisiert, dass die Zeit für das Ritual eigentlich verstrichen ist, da auf seiner Heimatwelt die Sonne bereits aufgegangen sei. Der Commander merkt jedoch an, dass das Sonnenlicht Babylon 5 erst später erreicht, was G'Kar beeindruckt und es ihm ermöglicht, das Ritual doch noch durchzuführen. Hier tritt Sinclair wirklich einmal als kreativer Problemlöser im Großen wie im Kleinen in Erscheinung und kann damit alle überzeugen.

Nachdem die Minbari und Centauri in der Episode The Parliament of Dreams bereits näher betrachtet wurden, darf man hier nun einen Blick auf den Glauben der Narn werfen. Man zeigt sie als spirituelle, traditionsverbundene Spezies, was sich gut in das bisherige Verhaltensmuster der bekannten Charaktere einpasst. G'Kar ist Anhänger G'Quans, Na'Toth bezeichnet sich als nicht religiös, gibt aber an, dass ihr Vater sich zu den Lehren G'Lans hingezogen fühlte. Somit zeichnet die Serie erneut ein reichhaltiges und sensibles Bild einer fremden Kultur und behandelt das Thema mit Respekt und Würde.

Technisch betrachtet

Die vielen Komparsen pumpen das Gesamtbild positiv, der Rest ist in Ordnung. Michael O'Hare liefert eine seiner besten Darstellungen Sinclairs der ersten Staffel ab. Er wirkt zunehmend frustriert, fahrig, müde und sogar unrasiert. Dabei achtet er am Ende nicht mal mehr auf den korrekten Sitz seiner Uniform. Klasse!

The Reviewer's Wife

Die Frau des Rezensenten war hier sogar einmal noch positiver gestimmt als ihr Mann. Was Babylon 5 angeht, fast schon eine kleine Sensation! Sie fand die Grundidee toll, die Umsetzung stimmig und würde in der Summe einen halben Stern mehr vergeben. Besonders die Nebenhandlung um G'Kar und Londo hatte es ihr zudem wieder mal angetan - ob sich da neben ihrer Sympathie zu Garibaldi vielleicht noch mehr Lieblinge herauskristallisieren?

Gib dem Kind einen Namen

By Any Means Necessary: Hier wurde ein berühmtes Zitat des Anführers der Bürgerrechtsbewegung, Malcolm X verwendet. Ein wenig hoch gegriffen, aber kann man machen. Besonders wenn man die Pointe am Schluss im Kopf behält, wirkt das Zitat fast schon wieder ironisch, was eine charmante Abrundung des Themas darstellt.

Mit allen Mitteln: 1:1 übersetzt geht immer.

Fazit

Der Ansatz, Nebencharaktere in den Fokus zu bringen und sich somit auch um die kleineren Sorgen der Otto Normal-Menschen zu kümmern, ist toll und entsteht organisch aus dem Alltagsleben der Charaktere. Die über Sinclair geschlagene Brücke zum Scharmützel zwischen G'Kar und Londo gerät zudem amüsant und stimmig. Dass alles in der Summe zeitweise ein wenig dahindümpelt, ist der nicht durchgängig starken Ausarbeitung des Drehbuchs in Sachen A-Plot zu verdanken. Die Nebenhandlung erscheint da zur Abwechslung sogar runder. In der Summe ist das alles zwar richtig gut, aber doch noch mit leicht verschenktem Potential.

Kommende Woche kommen wir zu der Episode, die der ersten Staffel ihr Motto gab. Das kann eigentlich nur ein gewichtiges Stück B5 sein, oder?

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 23. Juli 2017
Episode
Staffel 1, Episode 13
(Babylon 5 1x13)
Deutscher Titel der Episode
Mit allen Mitteln
Titel der Episode im Original
By Any Means Necessary
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 11. Mai 1994 (TNT)
Autoren
J. Michael Straczynski, Bairbre Dowling, Cacey Riggan
Regisseure
Janet Greek, Karen Kim, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x13

Darsteller
Rolle
Michael O'Hare
Claudia Christian
Mira Furlan
Richard Biggs
Stephen Furst

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