Babylon 5 1x12

Babylon 5 1x12

Das erste Garibaldi-Portrait skizziert eine zerrissene Figur, deren Ecken und Kanten anderen Serien für den halben Cast reichen würden und erschafft damit eine kurzweilige, wenn auch kleine Episode.

Offizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „Survivors“ / (c) PTEN
Offizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „Survivors“ / (c) PTEN
© ffizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „Survivors“ / (c) PTEN

Was passiert?

Präsident Luis Santiago wird die Station besuchen. Da jedoch just eine Bombenexplosion die Ruhe trübt und Garibaldi selbst ins Visier der Ermittlungen gerät, soll nicht der Sicherheitschef selbst die nötigen Vorkehrungen treffen, sondern die Sicherheitsberaterin des Präsidenten, zugleich noch ein Geist aus längst vergessener Zeit. All das führt Garibaldi auf eine unerfreuliche Reise durch seine belastete Vergangenheit...

Dies & Das

In dieser Episode gibt es keinerlei B-Handlung, man konzentriert sich absolut auf die Haupthandlung rund um Santiagos Besuch, Kemmer und Garibaldi.

Die Kolonie Ragesh 3 wird mal wieder erwähnt. Sie spielte in Midnight on the Firing Line eine Rolle. JMS verarbeitete hier das Problem des Alkoholismus in seiner eigenen Familie, für Schauspieler Jerry Doyle war das Thema einer komplizierten Vergangenheit ebenfalls nichts Unbekanntes, da sein eigener Lebenslauf alles andere als geradeaus verlief und er von JMS wie Garibaldi von Sinclair auf diesen unerwarteten Karriereweg gebracht wurde.

Synchro-Anomalien

Geographie für ganz Schwache: Laut der Synchro hat Garibaldi auf „Northpole“ gearbeitet, während sein Kumpel die Route zu den „jovianischen Monden“ flog. Heieiei. Laut des Originals arbeitete Garibaldi jedoch auf Europa - einem Jupiter-Mond, den sein Freund auf seiner Route anflog. Kann eigentlich nicht so schwer sein, oder? Eine Fortsetzung erfährt das Grauen dann später noch, als Garibaldi gegenüber Sinclair erklärt, er habe versagt, „genau wie auf der Erde“. Im Original hieß das aber: „I blew it. Just like I did on Europa“ - was wiederum den erwähnten Jupitermond anspricht, der oben zu „Northpole“ wurde. Wer im Deutschen also nicht versteht, was es mit Garbibaldis Vergangenheit auf sich hat, möge die Schuld nicht bei sich selber oder den Drehbuchautoren suchen...

Zitat

„We are alike, you and I. We are both, as you say, the odd man out. I have been in your place. I can feel how you are pinned. And it would give me some small pleasure to know that things can work out, even for us.“ (Londo zu Garibaldi)

Plain, simple Garibaldi

Beim Thema Alkohol in SF-Serien würde vermutlich niemand ernsthaft auf die Idee kommen, diesen Storyansatz als Dauerthema zu bezeichnen, das man schon (zu?) oft gesehen hat. Und tatsächlich betrat man bei B5 mit der Figur des Michael Garibaldi, einem trockenen Alkoholiker, durchaus Neuland. Später, im Remake von Battlestar Galactica schob man dem bereits aus der Ur-Serie bekannten Colonel Tigh zwar ebenfalls diese Eigenschaft zu und zeigte die Auswirkungen dabei auch oft genug in aller Härte, allerdings eben erst nach Garibaldi. Dass es hier so kompetent gelang, lag sicher auch an JMS, der in seiner eigenen Familie viele Probleme mit Alkholismus miterleben musste.

Um diesen Charakter-Arc einzuführen, wählte man eine Kombination aus Vergangenheitsbewältigung anhand der Figur der Lianna Kemmer, mit dessen Vater der Sicherheitschef früher befreundet war, und einer aktuellen Krise, der Garibaldi nicht gewachsen zu sein scheint - oder gar deren Verursacher er selber ist?

Dieser Teil der Handlung wird zwar sehr dominant aufgebaut, kann aber letztlich nicht überzeugen, da man nie glaubt, dass Garibaldi etwas damit zu tun haben könnte. Man versucht ihn hier schlicht in eine aussichtslose Ecke zu manövrieren, damit er sich wieder seiner Sucht hingeben muss. Das ist nicht besonders feingeistig geschrieben, aber reicht aus, um die Umstände angemessen zu beleuchten.

Interessant in diesem Kontext ist noch Folgendes: Häufig genug wird angemerkt, in Star Trek hätte man einen Hauptcharakter niemals so tief sinken lassen, dass er einsam und alleine seine Sorgen ertränken würde. Allerdings gibt es hierfür quer durch die Trek-Serien dennoch ein paar Beispiele, wo Alkohol zum guten Freund wird. Man denke an Scotty in Relics oder Garak in The Wire. In Shuttlepod One waren es Trip und Reed, die aus Frust das Saufen anfingen. Dennoch ist das hier gezeigte Portrait Garibaldis gerade für den damaligen Zeitpunkt in seiner Deutlichkeit absolut zu würdigen. Was die innere Tragik der Figurenzeichnung angeht befindet es sich auch viel näher an Dramen wie „Leaving Las Vegas“ mit Nicholas Cage, ohne natürlich dessen Klasse zu erreichen.

Spannender ist aber ohnehin die Aufarbeitung seiner Vergangenheit. So war er bei einem vergangenen Job auf Europa (einem Jupiter-Mond) an den von Korruption geprägten Zuständen fast zerbrochen und hatte sich in den Alkohol geflohen. Frank Kemmer (Liannas Vater) wurde damals ein guter Freund für ihn und der Einfluss seiner Familie half Garibaldi aus der Krise und holte ihn für den Moment weg vom Alkohol. Als Frank jedoch starb und Garibaldi von der Familie samt Tochter Lianna die Schuld bekam, verfiel er wieder dem Alkohol.

Hier zeichnet JMS sehr sensibel eine außergewöhnlich reiche Backgroundgeschichte, die den sympathischen Sicherheitschef von einer ganz anderen, sehr verletzlichen, düsteren Seite zeigt als bisher und sogar noch ganz wunderbar zur bisherigen Darstellung des Charakters durch Jerry Doyle passt. Traurig ist in diesem Zusammenhang auch, dass Garibaldi Sinclairs Hilfe ausschlägt. Hier kommt ein Wesenszug zu Tage, der ihn vermutlich geprägt durch seine bisherige Lebenserfahrung auf Autopilot in den Einzelkämpfermodus schaltet. Auf der anderen Seite leiht er sich jedoch von Londo Geld und bekommt dessen Hilfe angeboten - wie auch von G'Kar, was ihn jedoch zu einem Spion und Verräter machen würde.

More than just white noise

Spaß machen auch noch die vielen kleinen ergänzenden Fakten und Spielereien, die die Episode aufwerten. So benannte man die gute Miss Kemmer nach Ed Kemmer, dem Hauptdarsteller von Space Patrol, einer kultigen Uraltserie aus den Fünzigern, die JMS sehr schätzt. Admiral Netter hingegen ist eine Verbeugung vor dem Kollegen Douglas Netter, der als Produzent bei B5 an Bord war.

Erwähnt wird zudem erneut die stärker werdende Pro-Erde-Bewegung, die Earth Force One als Pendant zur Air Force One unserer Tage und Präsident Luis Santiago, den wir jedoch nicht zu sehen bekommen. Dafür bergen aber seine Äußerungen (die per Nachrichtensender ISN beleuchtet werden) einiges an Konfliktpotential, da er eine äußerst wohlwollende Pro-B5-Haltung einnimmt, die ihn selber ins Fadenkreuz von Fanatikern rückt.

Technisch betrachtet

JMS war damals zu Recht stolz auf die Effekte der Episode. Heute wirkt das alles natürlich bös antiquiert, man erliegt aber irgendwie trotzdem dem selbstbewussten Retro-Charme. Der Score bietet gerade in Bezug auf Garibaldisa Tour de Force bis hin zu seinem Tiefpunkt einige interessante Momente - da sollte man genauer hinhören.

The Reviewer's Wife

Die Frau des Rezensenten mag diesen Kerl einfach, diesen Michael Garibaldi. Für sie ist er mit weitem Abstand die Figur der Serie, die sich wirklich real anfühlt mit all ihren Fehlern und Sonderbarkeiten. Daher gab sie dann auch dieser Episode gerne grünes Licht.

Gib dem Kind einen Namen

Survivors: Die Episode spielt auf eine Erkenntnis von Garibaldi an, die sich an folgendem Monolog festmachen lässt: „17 years ago we both died inside, but somehow we survived. For better or worse, that's all we can do. Survive and maybe one day forget how much it can hurt to be human.“

Ein Wiedersehen mit Folgen: Der Subtext verschwindet im deutschen Titel völlig. In Ordnung ist die Wahl natürlich, wenn auch sehr beliebig und eher einer Daily-Soap entliehen.

Fazit

Michael Garibaldi war von Beginn an einer der sympathischten Charaktere im Cast. Ihn hier konsequent menschlich in eine wenig erfreuliche Ecke zu schreiben, tut zwar weh, bereichtert ihn aber auch um stimmige Facetten. Auch dank Jerry Doyle gelingt somit eines der bisher besten Portraits der ersten Staffel und kombiniert dieses sogar noch mit spannendem Hintergrundrauschen innerhalb der Gesamthandlung. Klasse!

Staffelmitte und somit Bergfest! Ein Wochenende mache ich nun B5-Pause, danach geht es aber sofort wieder mit Vollgas in die zweite Staffelhälfte!

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 9. Juli 2017
Episode
Staffel 1, Episode 12
(Babylon 5 1x12)
Deutscher Titel der Episode
Ein Wiedersehen mit Folgen
Titel der Episode im Original
Survivors
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 4. Mai 1994 (TNT)
Autoren
Kathryn M. Drennan, Bruce McFee, Cacey Riggan
Regisseure
Jim Johnston, Andrea C. Robinson, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x12

Darsteller
Rolle
Michael O'Hare
Claudia Christian
Mira Furlan
Richard Biggs
Stephen Furst

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