Babylon 5 1x11

Babylon 5 1x11

Wie Star Trek, nur in hart: In der mitreißenden Einzelepisode Beievers beleuchtet Babylon 5 Fragen der Moral und Religion sowie das Recht der Eltern, ĂŒber das Wohl ihres Kindes zu entscheiden.

Szenenbild aus der Episode „Believers“ / (c) TNT
Szenenbild aus der Episode „Believers“ / (c) TNT
© zenenbild aus der Episode „Believers“ / (c) TNT

Was passiert?

Ein außerirdischer Junge liegt bei Dr. Franklin auf der Krankenstation im Sterben. Seine Eltern verweigern aufgrund ihres Glaubens einen simplen chirurgischen Eingriff, der sein Leben retten könnte. Sinclair wĂ€gt lange ab, was im Sinne der Station das Richtige ist und der Doktor trifft im Alleingang eine folgenschwere Entscheidung...

Dies & Das

‱ Schauspielerin Tricia O'Neill kennt man als Captain Rachel Garret aus Yesterday's Enterprise, als Kurak aus Suspicions sowie als Korinas aus Defiant.

‱ Stephen Lee spielte zum Beispiel in The Vengeance Factor mit.

Synchro-Anomalien

‱ „The avalanche has already started, it is too late for the pebbles to vote.“ - Ich gebe zu, dass Koshs Kauderwelsch oft kaum ĂŒbersetzbar ist oder auch mal wenig Sinn macht, dennoch tut dieser Fehler einfach weh, weil er völlig ĂŒberflĂŒssig ist: „Die Lawine ist bereits ins Rollen geraten, es ist zu spĂ€t, die Pebbles eine Entscheidung treffen zu lassen.“ - Bitte? Die Pebbles? Eine neue Spezies? Verwandte der Teenage Mutant Ninja Turtles vielleicht? Ein Wörterbuch hĂ€tte gereicht: Pebbles = Geröll, Kieselsteine. Sowas darf man sich gerne sparen.

Zitat

„What makes us human is that we care. And because we care, we never stop trying.“ - „No. What makes us human is that we have so many different ways to hurt.“ (Sinclair und Franklin)

I am not Roddenberry

HĂ€tte JMS in den Neunzigern ein Buch ĂŒber sein Wirken geschrieben, so hĂ€tte es vermutlich exakt diesen Titel getragen. In seinen Forenpostings und Aussagen in Interviews schien immer wieder durch, dass ihn nichts so sehr wurmte, wie als der Mann vom Trek-Abklatsch betitelt zu werden. So wies er dann auch oft Vergleiche zu den verschiedenen Trek-Serien rigoros zurĂŒck, dabei war es doch eigentlich nie ein Beinbruch, dass er sich auch gute Ideen der Trek-Serien von Zeit zu Zeit borgte und ihnen seinen ganz eigenen Twist verlieh. Die heutige Episode ist dafĂŒr ein ideales Beispiel - besonders, da Autor David Gerrold sie nach einer JMS-Idee verzapfte. Gerrold hatte zu Zeiten der Trek-Classic-Serie zum Beispiel „The Trouble with Tribbles“ geschrieben und danach an der Zeichentrickserie aus den Siebzigern, Romanen, SachbĂŒchern und „Star Trek: New Voyages“ gearbeitet.

Ein typisches Trek-Dilemma...

Und Gerrold liefert das, was man von ihm erwarten durfte. Ein dialoglastiges, anspruchsvolles Kammerspiel mit vielen verschiedenen Sichtweisen und Aspekten, die keine einfache Lösung zulassen und bei der viel im Raum stehen bleibt.

Klar werden die Positionen dabei auch ĂŒberzeichnet. Die Eltern sind Ă€hnlich stur und militant unterwegs wie der Doktor, der hier in arrogantester Christina-Yang-Manier („Grey's Anatomy“) seinen Standpukt und seine Unfehlbarkeit zelebriert. Ärzte mĂŒssen und dĂŒrfen Götter sein. Nun ja. Das lĂ€sst ihn hier wenig sympathisch erscheinen, jedoch immerhin engagiert und leidenschaftlich.

So spielen sich die Protagonisten die BĂ€lle zu, wĂ€gen ab, grĂŒbeln, sinnieren, geben dabei auch teilweise wenig Hilfreiches von sich (Garibaldis lapidares „Du machst das schon, Jeff“) und finden am Ende nur in einem einen Konsens: Lieber kollektiv die FĂŒĂŸe stillhalten. Es bleibt also am Doktor hĂ€ngen, der den Jungen (dem man doch so einfach helfen könnte) nicht sterben lassen kann und will und damit sogar seine Kollegin mitreißt, die zu Beginn noch gĂ€nzlich anderer Meinung war.

...auf B5-Art beendet

Doch ahnt man schon frĂŒh, dass nicht alles glatt gehen wird. Zu selbstsicher ist Franklin, zu aufgewĂŒhlt und in Rage die Eltern. Allerdings hĂ€tte man eher vermutet, dass der Junge bei dem eigentlich einfachen Eingriff stirbt und somit Franklin einen herben DĂ€mpfer fĂŒr seine Arroganz erhĂ€lt. Dass es anders kommt, ist jedoch noch beeindruckender.

Bei dieser Episode kommt es am Ende nicht auf den (durchaus interessanten) Ansatz, sondern auf die gewagte, mutige, beinharte und emotional fordernde Auflösung an. Es ist nicht immer alles heile Welt, es tut auch mal weh, wenn man mit den Angelegenheiten anderer Kulturen befasst ist. Franklin hat sich schuldig gemacht, die BedĂŒrfnisse, Regeln und den Glauben dieser Kultur nicht ernst zu nehmen und seine eigenen Prinzipien ĂŒber die dieses Volkes zu stellen - damit leitete er jedoch eine Tragödie ein, die er sich nie wird verzeihen können. Seine Arroganz stand ihm bei der Betrachtung des Dilemmas im Weg. Wie er selber erkennt, eine Eigenart der Menschen, sich fĂŒr etwas Besonderes zu halten und daher alle stĂ€ndig mit ihrem Moralkodex beweihrĂ€uchern zu wollen. FĂŒr einen Moment ist der liebe Doktor hier an etwas Wichtigem dran, was auch Captain Archer von der Enterprise oft gut zu Gesicht gestanden hĂ€tte.

Viel spĂ€ter sollte sich jedoch auch mal Star Trek an ein solches Eisen trauen: In der Episode „Cogenitor“ aus Star Trek: Enterprise griff Trip in das Beziehungsgeflecht eines Volkes ein und verurteilte ein unschuldiges Wesen zum Tode. Dort wie hier eine knallharte Geschichte - doch sollte man hier (im Gegensatz zu dort) die Implikationen fĂŒr den Protagonisten auch spĂ€ter noch zu spĂŒren bekommen...

Übrigens handelte es sich bei diesem Drehbuch um einen der GrĂŒnde, warum Richard Biggs die Rolle des Franklin unbedingt spielen wollte. Es existierte schon weit vor Produktionsbeginn und hatte den Darsteller sofort eingenommen.

Einen Wermutstropfen gibt es jedoch auch noch zu vermelden: Nachdem das Kind von seinen Eltern getötet wurde, sitzen Franklin und Sinclair urgemĂŒtlich zusammen und sinnieren. Sofort nimmt der Commander dabei seine Drohungen zurĂŒck und erlaubt dem Arzt (nur dieses eine Mal) doch auf der Station zu bleiben. Dabei sĂ€uselt er Belanglosigkeiten ĂŒber MitgefĂŒhl und „das is eben so“. Shit happens? Nein, hier war das Drehbuch schlicht feige. Bei dem geleisteten Setup hĂ€tte man zwingend eine harte Linie gegen die Befehlsverweigerung Franklins fahren mĂŒssen. Drohe nie etwas an, was du nicht durchsetzen kannst oder willst - das gilt nicht nur in der Kindererziehung. Sinclair geht an dieser Stelle jedoch als Charakter vollends der Sprit aus. Eher wie der Captain auf dem Traumschiff lĂ€sst er alles mit sich geschehen und nickt ab. Punktabzug!

Die sinnfreie Nebenhandlung

Das war es jedoch noch nicht. Denn wieder einmal war eine Episode zu kurz geraten. Doch anstatt einige Sequenzen mit Franklin und dem Hauptplot auszuweiten, ergĂ€nzte man eine vollkommen unmotivierte Nebenhandlung um Ivanova und ihren Starfury-Einsatz gegen die Raiders, der nicht mal final im Bild aufgelöst wird und einfach nur befremdet. Hier wurde keine Maßarbeit geleistet, sondern sehr unschön geflickschustert.

Ebenfalls negativ: Gerrold gelingen keine kohĂ€renten Figurenzeichnungen zur bisherigen Staffel in Bezug auf Ivanova (zu stereotyp actiongeil) sowie die Botschafter, die hier allesamt sehr unsympathisch und wenig subtil rĂŒberkommen.

Technisch betrachtet

Die Szenen rund um Ivanova sind kurz aber visuell okay, ansonsten gibt es aus dieser sehr dialoglastigen Bottle-Show nichts im technischen Bereich anzumerken.

The Reviewer's Wife

Diesmal kam sie so richtig in Fahrt. Generell konnte sie mit dem religiös verbrĂ€mten Dialogdesaster wenig anfangen - nur im Mittelteil ĂŒberzeugte sie die Handlung streckenweise. Insgesamt eine nur schwach ausreichende Episode, bei der sie besonders die „heile Welt“ zwischen Sinclair und Franklin am Ende nervte. Doch geht es jetzt erst los. „Wo kauft eigentlich Sinclair seine Augenbrauen?“ war der erste erinnerungswĂŒrdige Satz. „Schade, dass Kosh schauspielerisch nicht so gut ist, wie das Gloppit-Ei.“ der zweite. Und apropos Ei: Als der Abspann rollte und ich sie nach ihrem Fazit fragte, sagte sie schlicht: „Ich gehe jetzt mein Ei streicheln.“

Gib dem Kind einen Namen

Believers: Erneut ein vermeintlich platter Titel, der zu sagen scheint „Guck dir diese glĂ€ubigen TraumtĂ€nzer an“ - oder eben doch eher „Schau genau hin: Hier siehst du tiefen Glauben in aller Konsequenz“? Platt liegt eben doch im Auge des Betrachters; beziehungsweise ist, was man daraus macht.

Die GlĂ€ubigen: 1:1 ĂŒbersetzt, Artikel dazu spendiert: Fein gemacht.

Fazit

Harter Tobak: Wenn auch fĂŒr die Gesamtstory irrelevant, liefert B5 hier ein Argument fĂŒr seine Andersartigkeit, das schwer im Magen liegt und uns herausfordert, unsere Eingefahrenheit gegenĂŒber fremden Wertesystemen zu ĂŒberprĂŒfen und einen möglichst vorurteilsfreien Blick auf unsere Umwelt zu werfen. Dass dabei in der AusfĂŒhrung lĂ€ngst nicht alles Gold ist, verhindert zwar eine bessere Wertung, sehenswert ist das aber allemal.

Falls Ihr euch gestern gewundert habt: Mit Star Trek geht es zwar „samstags“ auch noch weiter, ich meinte nur nicht sofort den gestrigen. Da hatte ich vergangene Woche unsauber formuliert. NĂ€chsten Sonntag ist auf jeden Fall wieder B5 am Start - wir sind schon in der Seasonmitte!

Verfasser: Björn SĂŒlter am Sonntag, 2. Juli 2017
Episode
Staffel 1, Episode 11
(Babylon 5 1x11)
Deutscher Titel der Episode
Die GlÀubigen
Titel der Episode im Original
Believers
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 27. April 1994 (TNT)
Autoren
Marc Scott Zicree, Cacey Riggan
Regisseure
Jim Johnston, Andrea C. Robinson, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x11

Darsteller
Rolle
Michael O'Hare
Claudia Christian
Mira Furlan
Richard Biggs
Stephen Furst

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?