Babylon 5 1x10

Babylon 5 1x10

Diplomatische Ränkespiele über ein recht bärtiges Konzept mit gutem Twist zeigen die Serie Babylon 5 zwar nicht in Topform, dank einiger guten Ideen reicht es in der Episode Deathwalker aber noch für Durschnittsware.

Szenenbild aus der Episode „Deathwalker“ / (c) TNT
Szenenbild aus der Episode „Deathwalker“ / (c) TNT
© zenenbild aus der Episode „Deathwalker“ / (c) TNT

Was passiert?

Mit Jha'dur taucht eine berüchtigte Kriegsverbrecherin auf der Station auf. Im Gepäck hat sie angeblich ein Mittel, das ewiges Leben verspricht. Zunächst wollen viele Völker ihr den Prozess machen, dann an ihre Forschungsergebnisse herankommen. Talia muss derweil für Kosh an Verhandlungen teilnehmen, die ihr mehr als sonderbar vorkommen...

Dies & Das

Zwei interessante Gaststars: Robin Curtis (bekannt aus „Star Trek“ Teil III und IV als Saavik) spielte hier Kalika, Sarah Douglas (aus „Superman“ Teill I und II) Jha'dur.

Die Bezeichnung „Vicar“ leitete sich von VCR (Video Cassette Recorder) ab - einige Ältere von uns werden sich bestimmt noch an diese Geräte erinnern. Das Konzept gefiel JMS jedoch nicht. Daher tauchte es nie mehr innerhalb der Serie auf.

Der Minbari-Attentäter aus The Gathering gehörte zu den Windschwertern (wind swords), einer extremistischen Vereinigung, bei der auch Jha'dur Zuflucht gefunden hatte.

Synchro-Anomalien

Aus Vortex (lat. Für Wirbel) wurde inzwischen „Hyperraumsprungtor“ - etweas ungelenk, aber passend.

„Gedächtnislücke“ ist eine weitere Übersetzung für „hole in your mind“.

Zitat

„They say God works in mysterious ways.“ - „Maybe so. But he's a con man compared to the Vorlon.“ (Sinclair und Garibaldi)

Totquatschen oder nicht totquatschen?

Gestern habe ich mit einem ausufernden Review die finale Episode von Star Trek: Enterprise erfolgreich ins Koma gequatscht. Heute ist eine derartig ausschweifende Betrachtung glücklicherweise für mich und jeden potentiellen Leser nicht erforderlich. Die Haupthandlung in Deathwalker ist schlicht nicht relevant genug, der B-Plot gar komplett unwichtig und der Subtext am Ende das Einzige, was man mit wachem Auge verfolgen sollte. Doch sortieren wir das mal.

Die Todesbringerin an sich

Die A-Story fördert einen recht alten Hut zutage, der allerdings Anno 1995 noch nicht ganz so abgewetzt und deutlich ausgehfeiner war. Es stellt sich die Frage, ob man für eine potentiell großartige wissenschaftliche Entdeckung darüber hinwegschauen sollte, wer diese Entdeckung gemacht hat. In diesem Fall handelt es sich um eine Frau namens Jha'dur, die zum Volk der Dilgar gehört und als „Todesbringerin“ in die Geschichte eingegangen ist. Eine Kriegsverbrecherin, die zuletzt bei einer extremistischen Kaste der Minbari namens Windschwerter lebte.

Genau diese totgeglaubte Dame ist nun offenbar auf Babylon 5 angekommen, um ihre Entdeckung, ein Unsterblichkeitsserum (aka Der heilige Gral) weiterzuentwickeln. Zunächst soll sie dafür zur Erde gebracht werden, was jedoch von der Liga der blockfreien Welten verhindert wird. Sie fordern eine Anhörung mit dem Ziel, Jha'dur den Prozess zu machen. Das Votum fällt jedoch vollkommen anders aus und plötzlich möchte jede Regierung die Kriegsverbrecherin und ihr Serum in die Finger bekommen. Mit seinem Vorschlag, ein gemeinsames Team auf der Erde an die weitere Forschung zu setzen, gewinnt schließlich Sinclair die Sympathien.

Den inhaltlich besten Moment hat die Episode, als Jha'dur Sinclair die Wirkungsweise ihres Serums erklärt. Man benötigt nämlich lebende Vertreter einer Spezies, um das Serum auf die anderen Mitglieder anzupassen. Die Todesbringerin plant ein schauderhaftes Vermächtnis: Alle anderen Wesen sollen aus Gier nach Unsterblichkeit selber zum Genozid bereit sein und somit ihre eigenen Taten retrospektiv legitimieren. Ihr Vermächtnis soll sein, dass alle anderen wie sie werden müssen.

Hier hatte Autor DiTillio dann auch seine beste Idee, die mir in dieser Form in der SF auch nirgendwo sonst begegnet ist.

Kosh, dem Riesengorilla in Botschafter-Robe, ist all das jedoch vollkommen egal. DerVorlone zerstören das Schiff mit Jha'dur und dem Serum, bevor irgendjemand etwas davon in die Finger bekommt. Seine schlüssige Begründung: „You are not ready for immortality.“ Recht hat er zwar, doch steht den Vorlonen dieser Eingriff eigentlich nicht zu. Hier zeigt sich erstmals in tödlicher Konsequenz deren Selbstsicherheit, für andere Spezies Entscheidungen zu treffen.

Somit bleibt die Episode am Ende aber auch nur ein kurzes Gedankenspiel ohne Auswirkungen.

Kosh, Talia und der Vicar

Währenddessen wird Talia Winters gebeten, bei Verhandlungen zwischen eben jenem Kosh und einem Mann namens Abbut zugegen zu sein. Das Gesagte ergibt jedoch überhaupt keinen Sinn (was bei Kosh ja eigentlich nichts Neues ist...) und Talia gibt den Auftrag aufgrund von sonderbaren Erinnerungen und Schmerzen schließlich ab. Erst später erfährt sie, dass Abbut eine Art Androide ist, der Gedanken, Hirnwellen und vieles Mehr aufzeichnen kann - ein sogenannter Vicar (VCR=Video Cassette Recorder). Kosh wollte wohl an irgendwelche relevanten Informationen in Talias Kopf kommen - oder wie er es selber am Ende ausdrückt: „Reflection, surprise, terror. For the future.“

Ergiebig ist diese Nebenhandlung akut nicht, weswegen wir sie für den Moment mit einem Fragezeichen versehen.

Die Liga der blockfreien Welten

Viel relevanter als die vordergründige Geschichte ist jedoch die erste größere Einbeziehung der Liga der blockfreien Welten. Neben den Big Playern, also den Menschen, Minbari, Centauri, Narn und Vorlonen zeigt man uns hier eine Gruppierung kleinerer Spezies, die sich politisch in einer Art Forum organisieren und ihre Interessen vertreten. In diesem Punkt lieferte Babylon 5 ein Alleinstellungsmerkmal, das zum Beispiel in den diversen Star Trek-Serien (bis auf DS9 eventuell) immer fehlte. Die Serie zeigt die Vielfalt des Weltalls, die Vielfalt an Wesen und das politische Geflecht, welches sich auf Babylon 5 zu einem kompexen Knoten bündelt.

Technisch betrachtet

Viele gute Alien-Masken machen wett, dass es ansonsten nicht viel zu erwähnen gibt. Hier zeigt sich aber immerhin wieder die kreative Stärke der Frauen und Männer hinter den Kulissen.

The Reviewer's Wife

Die Frau des Rezensenten fand die Episode viel zu „trekky“ und ausgelutscht. Das Motiv der Todesbringerin leuchtete ihr zudem nur wenig ein. Auch, dass eine derartige Entdeckung letztlich nur dazu dienen soll, alte Rechnungen zu begleichen, fand sie wenig glaubhaft. Naja - und Episoden, in denen Kosh „durch die Kulissen rollt, dass die Pappwände wackeln“ sind ohnehin nichts, was sie zu Jubelstürmen hinreißen kann.

Gib dem Kind einen Namen

Deathwalker: Ein zur Abwechslung mal simpler Titel, der nichts falsch macht.

Die Todesbringerin: Auch im Deutschen gibt es nichts auszusetzen, wenn gleich die Übersetzung natürlich ein wenig hakelig klingt.

Fazit

Eine Episode, die die fragilen Mechanismen auf der Station an einem extremen Konzept verdeutlicht. Darin liegt dann auch die größte Stärke dieser politischen Fingerübrung. Der Rest schwankt zwischen unergiebig und zu einfachem Ausweg (Zerstörung des Serums) und frustrierend (Talia, Kosh). Dafür zeigt die Episode erneut, dass auch schwächere Dreiviertelstunden der Serie immer noch unterhalten können - eine Eigenschaft, die B5 mit DS9 teilt.

Sonntags geht es auch die nächsten Woche weiter mit Babylon 5. Doch auch mit Star Trek bin ich noch nicht durch. So präsentiere ich euch Samstags noch meine Lieblingsepisoden, die im Star Trek-Countdown - meiner Ansicht nach - zu Unrecht gefehlt haben. Außerdem wäre noch ein Season/Series-Recap zu Star Trek: Enterprise denkbar, wenn Interesse von Euch besteht. Was meint ihr? Und zu Star Trek: Discovery wird es demnächst auch noch etwas von mir geben. Es bleibt also auch trekky, baby.

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 25. Juni 2017
Episode
Staffel 1, Episode 10
(Babylon 5 1x10)
Deutscher Titel der Episode
Die Todesbringerin
Titel der Episode im Original
Deathwalker
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 20. April 1994 (TNT)
Autoren
David Gerrold, Polly Draper, Cacey Riggan
Regisseure
Richard Compton, John Shea, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x10

Darsteller
Rolle
Michael O'Hare
Claudia Christian
Mira Furlan
Richard Biggs
Stephen Furst

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?