Babylon 5 1x09

Babylon 5 1x09

Sinclair-Soloshow: Die Serie bewegt sich knietief in die Hintergrundgeschichte des Commanders und ihrer fiktiven Welt und punktet mit spannenden Details und düsterer Atmosphäre, zeigt sich aber auch schlecht gealtert.

Offizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „And the Sky Full of Stars“ / (c) PTEN
Offizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „And the Sky Full of Stars“ / (c) PTEN
© ffizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „And the Sky Full of Stars“ / (c) PTEN

Was passiert?

Zwei Männer, die sich nicht näher namentlich vorstellen, kommen auf die Station, um hinter Commander Sinclairs dunkelstes Geheimnis aus der Zeit des großen Erd- und Minbari-Krieges zu gelangen. In der Abgeschiedenheit seines Quartiers und unter Psycho-Drogen durchlebt er die Zeit nochmal, während seine Kollegen eine eilige Suche nach ihm starten...

Dies & Das

In dieser Episode gibt es ausnahmsweise mal keine B-Story.

Judson Scott hat in „Star Trek II - The Wrath of Khan“ mitgespielt.

Die Rolle von Knight Two war ursprünglich für Walter Koenig gedacht, der aber aufgrund gesundheitlicher Probleme absagen musste und so später zur Rolle des Bester kam.

Zum ersten Mal taucht der Satz „What do you want?“ auf, der später noch häufig relevant werden wird.

Synchro-Anomalien

  • „Hole in your mind“ mit „Lücke in Ihren Gedanken“ zu übersetzen, ist sinnentstellend.
  • „There´s something in my head. It says, maybe you´re still inside. Maybe we are both still inside.“ wird zu „Da ist etwas in meinem Kopf. Ich denke, vielleicht sind Sie noch in der Realität, vielleicht sind wir beide noch in der Realität.“ - Sechs, setzen.

Zitat

  • „Why did they surrender?“ - „I don´t know! Maybe the universe blinked, maybe god changed his mind.“ (Knight Two und Sinclair)
  • „Everyone lies, Michael. The innocent lie because they don't want to be blamed for something they didn't do. The guilty lie because they don't have any other choice.“ (Sinclair)

What is it, they don´t want me to remember?

Nachdem man zuletzt viel mit mehreren Handlungssträngen herumgespielt hatte, um möglichst viele Aspekte des Stationslebens und der Charaktere einzufangen, geht es diesmal ans Eingemachte. Seit dem ersten Pilotfilm „The Gathering“ wissen wir, dass Commander Sinclair eine Lücke in seiner Erinnerung aus der Zeit der finalen Schlacht des Erd-/Minbari-Krieges mit sich herumschleppt. Auch wurde nie geklärt, warum die Minbari im Moment des sicheren Sieges den Rückzug wählten, statt die Menschen vernichtend zu schlagen. Genau um diese Punkte (und eine mögliche Verbindung?) geht es zwei mysteriösen Figuren, die den Commander gefangen nehmen und in seinem Quartier auf einen Trip in die virtuelle Realität schicken, in dem er nicht nur damalige Ereignisse erneut durchleben soll, sondern eben auch für die Antworten sorgen soll, von denen sich die Besucher offenbar einiges versprechen...

TNT
TNT - © TNT

So erfahren wir, dass die beiden finsteren Gesellen für eine geheime Organisation arbeiten, die den Einfluss von Außerirdischen auf die Erde eindämmen will. Erneut zeigen sich hier also klare Tendenzen des Fremdenhasses auf der Erde, die ja bereits vergangene Episode stark in den Mittelpunkt rückten. Die Organisation nimmt an, dass die Minbari damals nur den Rückzug wählten, um lieber die Erde im Stillen zu unterwandern - und, dass Sinclair eine Art Doppelagent sein könnte, vielleicht gar ohne es zu wissen?

All diese Gedanken werden anhand verschiedener Erinnerungsfragmente und Dialoge durchgekaut - mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Gut jedoch ist, dass man sich überhaupt die Zeit nahm, den Commander und seine Vergangenheit etwas näher zu beleuchten. Auch wenn man bereits weiß, dass (Achtung, jetzt folgt ein Spoiler) Sinclair nur die erste Staffel das Kommando über die Station haben wird, bleibt seine Geschichte für die Serie relevant. Michael O´Hare gibt sich dann auch alle Mühe, Verwirrung, Desorientierung und Angst darzustellen - wenn man sich vor Augen hält, dass der Schauspieler privat an ähnlichen Symptomen (Wahrnehmungsstörungen, Wahnvorstellungen) litt, müssen die Drehbarbeiten für ihn hier doppelt schlimm gewesen sein. Damals ahnte aber natürlich noch niemand etwas von der Schwere seiner Erkrankung.

Die Suche, die während all dieser Ereignisse nach ihm entbrennt, ist nur Hintergrundrauschen, gibt ein paar Kollegen etwas zu tun und fördert sonst keine wirklich wichtigen Momente zu Tage. Auch tauchen viele Charaktere des Ensembles diesmal gar nicht auf, was jedoch bei einer Serie mit derart vielen handelnden Personen kein Beinbruch ist. Dafür dürfen am Ende Garibaldi und Delenn die Situation bereinigen.

In einer kleinen Nebenhandlung erfahren wir aber immerhin noch etwas über Dr. Franklin, das ebenfalls für seinen Charaktere größere Relevanz besitzt, da es ihn erneut als prinzipientreuen Hardliner zeigt, der im Zweifel seine eigene Überzeugung sogar vor seine Pflicht setzt. So vernichtete er während des Krieges lieber Forschungsergebnisse über die Minbari, als zu riskieren, dass sie zum Bau von Biowaffen eingesetzt würden. Eigentlich ein Fall für ein Kriegsgericht.

Delenns Hintergrund wirft erneut mehr Fragen auf, als dass welche beantwortet werden. Dazu gehört auch die kurze Sequenz zum Schluss, in der klargestellt wird, dass die Minbari nicht akzeptieren könnten, sollte der Commander sich irgendwann an die fehlenden 24 Stunden erinnern. Und obwohl Sinclair behauptet, nichts mehr zu wissen, vertraut er seinem Logbuch doch ein paar Details an, die ihm in Erinnerung geblieben sind. So zum Beispiel, dass er gekidnappt, gefoltert und verhört wurde. Auch weiß er noch, dass der Graue Rat samt Delenn bei seiner Folter durch die Minbari vor Ort war. Er wird der Sache sicherlich nachgehen wollen.

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Technisch betrachtet

Die Szenen in Sinclairs Gedankenwelt wurden durch Janet Greek (Regie) äußerst sparsam und reduziert umgesetzt, gewinnen aber dadurch sogar etwas an Intensität, wobei die Nähe zu Theaterkulissen sicher nicht jedermanns Sache ist. Die gezeigten Schlachtenszenen waren damals revolutionär, heute wirken sie freilich sehr angestaubt. Das hat die Serie später aber ohnehin noch viel besser hinbekommen. Christopher Neame ist als Knight Two deutlich mitreißender als sein Kollege Scott, wenngleich man ihm theatralisches Overacting nicht absprechen kann. Schön zudem, wie sich das Props-Departement den Spaß erlaubte, Handlungsstränge der vorherigen Episoden als Überschriften in Garibaldis Zeitung zu übernehmen. Klasse!

The Reviewer´s Wife

Bei Episopden, die visuell schlecht altern, haben es bei der Frau des Rezensenten immer schwer. Oft kann sie dann nicht an den billigen Schauwerten vorbei auf die Mythologie schauen, was ich ihr auch nicht übelnehmen kann. Zudem empfand sie Christopher Neame und auch Michael O´Hare als viel zu angestrengt und nicht überzeugend und vermisste G´Kar und Londo.

Gib dem Kind einen Namen

And the Sky full of Stars: Der Titel klingt nach einem richtig fiesen LSD-Trip, spielt aber natürlich auf das Zitat Sinclairs aus „The Gathering“ an, als er über den großen Krieg sprach: „We never had a chance. The sky was full of stars, and every star an exploding ship. One of ours.“ - eine tolle Wahl, die erneut zeigt, auf wie vielen Ebenen man bei der Arbeit an einer Serie kreativ sein kann.

Gefangen im Cybernetz: Ein Titel, der geradezu „Neunziger“ schreit, aber natürlich absolut passend gewählt wurde. Heute bedeckt ihn schlicht eine Patina seiner vergangenen Coolness.

Fazit

Diese Episode ist schwer zu beurteilen. Inhaltlich wird einiges geboten, was für den weiteren Verlauf der Serie enorm wichtig ist, die gewählte Form der Darstellung überzeugt jedoch nicht durchweg, noch ist die Präsentation ausreichend gut gealtert, dass man sie heute noch unbelastet anschauen kann. Laientheater mit potentem Inhalt? Vielleicht. Damals war JMS in jedem Fall sehr stolz auf die Umsetzung. Wenn man diese goutieren oder zumindest ausblenden kann, ist meine Wertung sicherlich angemessen, wenn man dies jedoch gar nicht schafft, vermutlich viel zu hoch angesetzt. Aufgrund der Relevanz darf dieser Ausflug aber schlicht nicht schlechter abschneiden, auch wenn es sich definitiv um einen spezialgelagerten Sonderfall handelt, den man aber in jedem Fall gesehen haben sollte.

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 18. Juni 2017
Episode
Staffel 1, Episode 9
(Babylon 5 1x09)
Deutscher Titel der Episode
Gefangen im Cybernetz
Titel der Episode im Original
And the Sky Full of Stars
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 16. März 1994 (TNT)
Autoren
Larry DiTillio, Leon, Cacey Riggan
Regisseure
Bruce Seth Green, George Eads, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x09

Darsteller
Rolle
Michael O'Hare
Claudia Christian
Mira Furlan
Richard Biggs
Stephen Furst

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