Babylon 5 1x08

Babylon 5 1x08

Rassismus, alte Geheimnisse, Kaffee und Liebe: Die Serie gönnt sich ein gesellschaftliches Stimmungsbild ohne großen Fokus und landet damit qualitativ im gesicherten Mittelfeld.

Offizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „The War Prayer“ / (c) PTEN
Offizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „The War Prayer“ / (c) PTEN
© ffizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „The War Prayer“ / (c) PTEN

Was passiert?

Immer heftigere Übergriffe auf die Außerirdischen auf der Station zwingen Sinclair zu einer Undercover-Mission, obwohl er eigentlich einem Mysterium rund um Botschafter Kosh auf der Spur ist. Londo muss unterdessen ein junges Paar versorgen, dass sich partout nicht an die vorausgeplanten Vernunftehen der Centauri halten will...

Dies & Das

  • Autorin D. C. Fontana ist besonders Trekkies ein Begriff, war sie doch Weggefährtin von Gene Roddenberry und an der Originalserie beteiligt. Sie ist zudem natürlich eine renommierte SF-Autorin, inzwischen aber auch schon 78 Jahre jung.
  • Danica McKellar könnten einige noch aus „Wunderbare Jahre“ kennen.
  • Hier nimmt man dezent Bezug auf Geschehnisse aus dem ersten Pilotfilm „The Gathering“, der zu einem späteren Zeitpunkt noch von mir als Special besprochen wird.

Synchro-Anomalien

  • Bissiger Dialog, bös verwässert: „I don't know you anymore.“ (Malcolm) - „I never knew you.“ (Ivanova) wurde zu „Ich kann dich nicht verstehen.“ - „Darüber bin ich sehr froh.“

Zitat

„My shoes are too tight, but it doesn't matter, cause I have forgotten how to dance.“ (Londo)

Ein ganz normaler Tag da draußen

Eine alte Drehbuchautorenregel sagt, wenn die A-Handlung nicht genug abwirft, ergänze einfach eine nette B-Handlung. Sollte auch dies noch nicht zum gewünschten Ergebnis führen, nehme noch ein paar ergänzende Charakterbeobachtungen (hier: C- und D-Strang) dazu. Und wenn dann am Ende immer noch ein paar Minuten fehlen, wird zur Not eben noch bereits fertiges Material verwendet, das in einer früheren Episode nicht zur Verwendung kam (E-Strang). A, B, C, D, E - das tut doch keinem weh?

Was hier zynisch und ein wenig nach auf die Schippe nehmen klingt, ist bei „Babylon 5“ aber durchaus Kalkül gewesen. Die Station ist ein Ort der Vielfalt, des pulsierenden Lebens und eignet sich bestens dazu, in kleinen Episödchen die Vorkommnisse rund um die Charaktere auszugestalten. Nicht immer steht dabei eine A-Handlung im Vordergrund, wie vergangene Woche die um den fiesen Möpp Bester. Warum das im einen Fall so (überzeugend) gelingt und in diesem Fall etwas anders ausfällt, schauen wir uns doch glatt mal an.

Offizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „The War Prayer“
Offizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „The War Prayer“ - © PTEN

Als A-Handlung (die auch titelgebend ist) wählte man die Übergriffe einer Pro-Erde-Gruppierung namens Homeguard (von der wir vage bereits in „Infection“ hörten) auf außerirdische Stationsbewohner. Mit einem Attentat auf die Minbari-Dichterin Shaal Mayan handelt es sich hier bereits um den sechsten Vorfall dieser Art.

Sinclair, der sich von Kosh eine Abfuhr in Sachen Unterstützung einfängt (dazu später mehr), nimmt die Ermittlungen auf, die sich jedoch weitestgehend im spannungsfreien Raum entwickeln. Ein Sympathisant der Homeguard wird festgenommen und als Köder wieder freigelassen. Kurz darauf wird dieser von Außerirdischen niedergeschlagen. An dieser Stelle greift auch bereits ein C-Strang in den Mix ein, als ein alter Freund (oder eher mehr als das) von Ivanova namens Malcolm Biggs (dem die Russin sehr reserviert gegenübertritt) sich dem Sympathisanten gegenüber als Homeguard-Mitglied outet.

Es kommt am Ende wie es kommen muss: Sinclairs Falle schnappt zu und Biggs und seine Leute werden festgenommen, obwohl sie doch noch so großangelegte Pläne hatten. Als sie die Station verlassen müssen, gibt es noch ein paar unherzliche Worte von Ivanova gratis. A- und C-Strang sind somit abgefrühstückt. Im Kern handelt es sich zu diesem frühen Zeitpunkt der Serie somit eher um ein Stimmungsbild, dass die verschiedenen politisch-gesellschaftlichen Strömungen nachzeichnet. Die Alienfeindlichkeit auf der Erde zieht sich dann auch bis zum Ende der vierten Staffel hin und spiegelt damalige wie heutige Probleme unserer eigenen Welt.

Deutlich wird dies zum Beispiel an dem Vorwurf, dass außerirdische Arbeiter den Menschen die Jobs wegnehmen würden und außerirdische Botschafter die Strippenzieher hinter der Erdenpolitik seien. Das ist alles richtig und wichtig, bleibt in der Ausarbeitung aber auch arg plakativ. Vielleicht hätte man zum Thema Fremdenfeindlichkeit doch nicht unbedingt eine Autorin der klassischen Trek-Serie auswählen sollen? Feingeistige Subtilität war schließlich nicht zwingend ein Kind der 60er Jahre gewesen. Und apropos Trek: Die Parallelen zu einer just ausgestrahlten DS9-Episode schockten damals das komplette B5-Team, es war jedoch zu spät, noch etwas zu ändern. Schlimm ist das aber ohnehin nicht.

Offizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „The War Prayer“
Offizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „The War Prayer“ - © PTEN

Zumindest bringt der Plot aber einige Charakterzeichnungen in Schwung. Delenn wirkt gegenüber der Dichterin viel warmherziger als zuvor, G'Kar kehrt hingegen wieder zu seinem alten Hardliner-Gehabe zurück.

Auffällig zudem: Wie letzte Woche mit Talia, Ironheart und ihrer gemeinsamen Vergangenheit, bedient sich auch diese Episode einem schlichten Prinzip: Ein Ex-Freund ist der Katalysator für die A-Handlung und sorgt nebenbei für leichte Charakterentwicklung. Das ist nett, aber auch in dieser Häufung recht bärtig.

Zum Thema Charakterentwicklung gehört dann auch noch der kleine D-Strang, der uns jedoch nur zeigt, dass Ivanova auf der Station heimlich und illegal Kaffee anbaut. Passt perfekt, stört nicht und greift zudem auf „The Gathering“ zurück, wo Ivanovas Vorgängerin Laurel Takashima etwas Ähnliches erwähnte.

Kommen wir zur B-Handlung, die erneut der so beliebte Centauri-Botschafter Londo Mollari tragen darf. In seiner Funktion als Repräsentant seines Volkes muss er sich mit einem jungen Paar befassen, das nicht die üblichen arrangierten Vernunfthochzeiten eingehen möchte, sondern dem Pfad der Liebe folgen will. Erschwerend kommt hinzu, dass Vir Cotto familiär involviert ist (was erneut nicht besonders originell daherkommt). Nach einigem Hin und Her, das Londo mehr als borniert zeigt, überzeugt Vir seinen griesgrämigen Chef, den beiden zumindest eine Chance zu geben.

Offizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „The War Prayer“
Offizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „The War Prayer“ - © PTEN

Dass Londo nach seinen Eskapaden in „Born to the Purple“ nun auf einmal kein Verständnis mehr für den Ruf des Herzens haben soll, glaubt man ihm dabei nicht so recht. Entweder wollte man ihn hier als von seiner eigenen Erfahrung desillusioniert und emotional verkümmert zeigen, oder Fontana hatte diese Vorkommnisse schlicht nicht auf der Pfanne. Es kommt in jedem Fall alles etwas zu plötzlich. Auch, dass eine Erinnerung an seinen Vater ihm hilft, zu einer Entscheidung zu kommen, wirkt da deplatziert. Hier hätte man es sich wirklich leichter machen können oder Londo schlicht anders zeichnen müssen.

Übrigens: Die Spitznamen seiner drei Ehefrauen macht Londo an drei der vier Apokalyptischen Reiter fest: Er nennt sie „Pestilence, famine and death“. Wer sich nun fragt, zu wem das den lieben Londo als vierten Reiter machen würde? Natürlich zum „Krieg“. Hach, ich liebe „Babylon 5“.

Fast hätte ich über diese verschmitzte Vorfreude sich anbahnender Ereignisse noch den E-Strang vergessen. Hier nimmt die Episode erfreulicherweise Bezug auf die Geschehnisse rund um Kosh im ersten Pilotfilm „The Gathering“. Sinclair wundert sich, dass es möglich war, den mysteriösen Botschafter durch seinen Anzug an der Hand zu vergiften, was Ivanova zu der Vermutung verleitet, der Anzug könne eventuell nur sein wahres Aussehen verschleiern.

Was Kosh derweil so akribisch über die Menschen studiert (obwohl er gleichzeitig sagt, dass ihn deren Angelegenheiten nicht interessieren), bleibt natürlich wie alles rund um den rollenden Kleiderschrank stark nebulös. Gut so. Diese Szenen sollten eigentlich bereits in „The Parliament of Dreams“ vorkommen, die Episode geriet damals aber zu lang.

Somit bleibt in der Summe ein Potpourri, das man zwar als unausgegoren bezeichnen muss, das aber über die ganze Strecke nicht langweilt und ein paar spannende Handlungssverläufe in Gang bringt.

Offizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „The War Prayer“
Offizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „The War Prayer“ - © PTEN

Technisch betrachtet

Hier gibt es diesmal wenig zu vermelden. Die Gastschauspieler dümpeln alle auf mäßigem Niveau herum, die Hauptdarsteller liefern hingegen gut ab. Einzig Michael O'Hare hat hier mal wieder eine deutlich schwächere Episode erwischt, die vermutlich mit seinen Problemen während der Dreharbeiten zu tun hatte, dennoch kurz erwähnt werden sollte. Ach ja - und der Pullover, den Biggs in einer Szene trägt, macht den Modellen von Wesley Crusher aus „Star Trek: The Next Generation“ mehr als Konkurrenz.

The Reviewer's Wife

Die Minbari-“Schmonzette“ verortete die Frau des Rezensenten als „wie aus GZSZ importiert“, die Probleme mit den Rassisten kamen „wie ein Holzhammer“ über sie. Dass sie zudem keine Erinnerung an „The Gathering“ hatte, half beim zweiten Sinclair-Plot auch nicht wirklich weiter. Für sie blieb eine schwache Episode ohne Ankerpunkte.

Gib dem Kind einen Namen

The War Prayer: Der Titel ist identisch mit dem einer Kurzgeschichte von Mark Twain, die sich dieser damals erst nach einigen Jahren zu veröffentlichen traute. Die Brisanz dieses Werkes kann die Episode aber sicher nicht für sich beanspruchen.

Angriff auf die Außerirdischen: Ähnlich plakativ wie die Handlung, nimmt sich auch der deutsche Titel aus. Subtil ist anders, kann man aber machen.

Fazit

Trek-Veteranin Fontana bereitet ein zünftiges Mahl aus verschiedenen gesellschaftlichen Themen, scheitert jedoch daran, der Rassismusdebatte oder dem Thema Vernunfthochzeiten mehr als plakative Aussagen abzuringen. Die Nebenhandlung um das junge Minbari-Paar amüsiert dabei sogar, köchelt inhaltlich aber auch auf Sparflamme. Die Episode lebt und überlebt somit primär dank der erneut wühligen Station, die sich wie so oft als Schmelztigel verschiedener Probleme zeigt und den netten Anekdoten über die Charaktere. Unterhaltsam ist das auch hier ohne Frage.

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 11. Juni 2017
Episode
Staffel 1, Episode 8
(Babylon 5 1x08)
Deutscher Titel der Episode
Angriff auf die Außerirdischen
Titel der Episode im Original
The War Prayer
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 9. März 1994 (TNT)
Autoren
J. Michael Straczynski, Bairbre Dowling, Cacey Riggan
Regisseure
Janet Greek, Karen Kim, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x08

Darsteller
Rolle
Michael O'Hare
Claudia Christian
Mira Furlan
Richard Biggs
Stephen Furst

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