Babylon 5 1x07

© zenenbild aus der Episode „Mind War“ / (c) TNT
Was passiert?
Der Ausbilder und Ex-Geliebte von Talia Winters, Jason Ironheart, kommt auf die Station. Er steht durch dubiose Regierungsexperimente kurz davor, die Kontrolle über seine telepathischen Fähigkeiten zu verlieren, oder eine neue Bewusstseinsebene zu erlangen. Das PSI-Corps schickt derweil zwei Agenten, um Ironheart zurück zu bringen. Außerdem kommt es für Sinclairs Freundin Catherine Sakai zu einer Begegnung der dritten Art und einer unerwarteten Rettung…
Dies & das
Der Name von Walter Koenigs Charakter Bester ist eine Hommage an den berühmten SF-Autor Alfred Bester.
Walter Koenig selbst ist den Meisten natürlich als Chekov aus Star Trek bekannt. Eigentlich war er für eine andere Rolle vorgesehen, fiel aber aus. JMS besetzte ihn dann als Bester.
Synchro-Anomalien
Im Deutschen war man kreativ. Aus Graibaldis „Oh, I think I'm in love“ wurde „Oh, Liebe geht durch den Magen“.

Zitat
„Bester, I don't care if you had a personal message from God complete with stone tablets.“ (Sinclair)
Der Spiegel verrät mehr...
In den ersten fünf Episoden etablierte Babylon 5 bereits diverse Charaktere, stellte ihre Vergangenheit und Gegenwart (teils sogar ihre Zukunft) in den Mittelpunkt und reicherte so das Serienuniversum um einige Facetten an.
Mit Mind War war es nun jedoch an der Zeit, der Serie auch einen Antagonisten zur Seite zur stellen - und wie mit Q bei Star Trek: The Next Generation oder Dukat bei Star Trek: Deep Space Nine gelang es JMS, mit Psi-Cop Bester einen denkwürdigen Charakter zu etablieren, den die Fans schnell wiedersehen wollten. Als kleinen Casting-Stunt durfte man zudem die Verpflichtung von Walter Koenig verstehen, der in „Star Trek“ als Russe Chekov zwar immer sympathisch gewesen war, aber nie wirklich sein Können hatte zeigen können. Ganz anders hier: Als Giftzwerg vom Psi-Corps in schwarzem Lederoutfit samt Handschuhen dreht Koenig auf und bringt Glanz in die Serie.
Doch der Reihe nach: Die Geschichte nimmt ihren Anfang mit einem ehemaligen Ausbilder von Talia Winters, der auf die Station kommt. Dass mit diesem Jason Ironheart etwas nicht stimmt, wird dabei schnell klar. Das Auftauchen zweier Psi-Cops räumt dann letzte Zweifel aus. Die Verbindung zu Talia und besonders deren Liebesbeziehung trägt natürlich eine Spur zu dick auf, dennoch funktioniert das Figurengeflecht, das noch um Psi-Corps-Gegnerin Ivanova erweitert wird, weil JMS seine Figuren in den vorangegangenen Episoden eben schon entsprechend eingeführt und positioniert hatte.

Talia versucht also, Ironheart zu schützen und baut dabei auf die Hilfe ihrer Kollegen gegen die unsympathischen und furchteinflößend-unterkühlten Cops. So erreicht sie, dass Ironheart am Ende eine Transformation hinlegen und fliehen darf und sie selber ein Geschenk erhält, das ihre Fähigkeiten deutlich verstärkt. Dass JMS diesen Aspekt später noch benutzen wollte, dürfte klar sein. Dass er dies jedoch durch den Ausstieg von Andrea Thompson nicht mehr konnte, ist Seriengeschichte.

Doch auch die Nebenhandlung weckt Interesse: Sinclairs Freundin Sakai soll sich bei Sigma-957 umsehen, wird jedoch von G'Kar gewarnt. Doch vertraut sie dem Narn nicht und nimmt den Auftrag an. Gut für sie, dass der Botschafter dennoch heimlich Schiffe entsendet, die Sakai im letzten Moment das Leben retten. Was sie bei Sigma-957 zu sehen bekam, war übrigens nichts weniger als die First Ones, die somit schon hier in der Serie auftauchen - und später noch wichtig werden sollten.
G'Kars Rolle erfährt hier somit ganz nebenbei auch eine erste Kehrtwendung. Wie er selbst erklärt, ist auf der Station niemand der, der er zu sein vorgibt. Viel Grau, wenig Schwarz-Weiss. Das ist „Babylon 5“.
Technisch betrachtet
Die Mentalblockade wurde effektiv umgesetzt, ebenso alle Szenen bei Sigma-957. Walter Koenig wurde bereits lobend erwähnt, doch auch William Allen Young als Jason Ironheart liefert eine starke Leistung ab. Zudem gibt es ein Wiedersehen mit Julia Nickson als Sakai, die erneut überzeugt.
The Reviewer's Wife
Schön, dass die Frau des Rezensenten Chekov nicht erkannte und auch nach dezentem Hinweis keine merkliche emotionale Reaktion zeigte. Umso spannender, dass sie Walter Koenigs Schauspielkünste auch gar nicht besonders bemerkenswert fand. „Außer schief grinsen kann der doch nichts“ sagte sie wörtlich. Die Episode an sich gefiel ihr jedoch gut, auch wenn ihr die Gottwerdung Ironhearts am Ende etwas zu viel war.

Gib dem Kind einen Namen
„Mind War“: Hier kündigt der Titel (neben dem aktuellen Bezug zu den Geschehnissen um Ironheart) auch noch durch einen Nebeneingang den Krieg der Telepathen an - zumindest wenn man JMS diese Vorausplanung unterstellen möchte.
„Die Macht des Geistes“: Im Deutschen wollte man wohl nicht das böse Wort „Krieg“ verwenden. Die gewählte Variante passt jedoch ebenso gut, verliert aber natürlich die oben angesprochene Doppeldeutigkeit.
Fazit
Klasse! Mit Psi-Cop Bester hält ein Antagonist Einzug in die Serie, der die Welt rund um Babylon 5 noch eine ganze Ecke instabiler und unvorhersehbarer erscheinen lässt. Dank der rassigen Nebenhandlung um Talia, G'Kar und die First Ones sowie den ganzen kleinen internen Verwicklungen, haben wir es hier erneut mit einer ganz starken Dreiviertelstunde zu tun, die zeigt, wozu die Serie schon früh in der Lage war.
Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 4. Juni 2017(Babylon 5 1x07)
Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x07
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