Babylon 5 1x06

Babylon 5 1x06

Für Sinclair geht's ans Eingemachte: Auch wenn größere Themen pausieren, zeigen die Autoren hier ihr großes Interesse am Befinden der Figuren und lassen uns den Commander und seine Station besser kennenlernen.

Szenenbild aus der Episode „The Parliament of Dreams“ / (c) TNT
Szenenbild aus der Episode „The Parliament of Dreams“ / (c) TNT
© zenenbild aus der Episode „The Parliament of Dreams“ / (c) TNT

Was passiert?

Eine Woche lang dürfen alle Völker ihre Religionen vorstellen, was Commander Jeffrey Sinclair zu der Frage bringt, wie er die verschiedenen Religionen der Erde unter einen Hut bringen kann. Abgelenkt wird er jedoch durch den Besuch seiner alten Liebe Catherine und ein offenbar geplantes Attentat auf Botschafter G'Kar...

Dies & das

- Die letzten zwei Attachés kommen an: Lennier für die Minbari und Na'Toth für die Narn.

- Erstes Mal, dass „And so it begins“ im Dialog erwähnt wird.

Synchro-Patzer

Nur ein wirklich relevanter, dieser haut aber auch entsprechend rein: G'Kar und Na'Toth haben den Attentäter am Ende offenbar umgebracht, wie ihr Dialog verrät. Im Deutschen heißt es lapidar und zahnlos, man wolle ihn aus dem Universum schaffen. Hier verwässerten die Synchronredakteure nicht nur den Dialog an sich sondern auch die Charaktere. Gehört sich nicht, sowas.

Zitat

I don't mean to alarm you, but your pants are talking to you.“ (Catherine)

Love is in the air

Nachdem bereits einige Stammcharaktere vertieft wurden, ist nun der Commander der Station höchst selbst an der Reihe. Man entschied sich, sein Privatleben in den Fokus zu rücken und mit Catherine Sakai eine ehemalige Freundin zu präsentieren, mit der ihn mehr als eine komplizierte Vergangenheit zu verbinden scheint. Das Geplänkel der beiden verhinderten Verliebten ist durchgehend nett anzusehen, könnte jedoch auch aus einer Serie wie Friends oder Sex and the City stammen. Dass die beiden - wie offenbar immer in ihrem Leben - nach viel „ich weiß nicht“ und „wir sollten nicht immer wieder die gleichen Fehler machen“ im Bett landen, ist konsequent und passt ins Bild. Es sagt jedoch am Ende erstaunlich wenig über Sinclair aus, der im Kontrast zu Sakai kaum an Kontur gewinnt. So hat man letztlich einen genaueren Eindruck über das Innenleben der Besucherin als über das der eigentlichen Hauptfigur erhalten. Irritierend. Ob es am hölzernen Spiel von Michael O'Hare oder am Drehbuch lag, ist dabei schwer zu sagen.

Während sich die beiden also die Liebesbällchen zuspielen (eine sexuelle Anspielung ist hier übrigens explizit nicht enthalten), geht es für die anderen Charaktere um wichtigere Dinge. So erhält G'Kar eine Drohung per Videobotschaft, die seinen nahen Tod ankündigt. Wie durch Zufall trifft kurz darauf sein neuer Attaché ein. Caitlin Brown alias Na'Toth folgt dabei auf Mary Woronov alias Ko'Dath, die sich nicht mit dem Make-up-Prozess anfreunden konnte und nach einem Auftritt wieder aus der Serie verschwand. Interessante Notiz am Rande: Brown war auch nur Backup für Susan Kellerman, die aus dem gleichen Grund die Rolle der Na'Toth kurzfristig hinwarf. Und Brown selber hielt auch nur ein Jahr aus, ehe sie zur zweiten Staffel die Rolle erneut weiterreichte.

Ein sehr positiver Aspekt ist aber immerhin die spontane Chemie zwischen G'Kar und Na'Toth. Die Wortgefechte der beiden werden mit einer Präzision und Rasanz dargeboten, dass man sich kaum sattsehen kann. Delenns Attaché Lennier hingegen kann bei seinem ersten Auftritt noch nicht besonders begeistern. Der junge Minbari wirkt verschüchtert, sensibel und devot und bleibt hier, außer als sympathischer Kerl, nicht im Gedächtnis.

Doch zurück zu G'Kar und seiner Todesangst. Wirklich mitreißend ist die Geschichte um den Attentäter, der angeblich ein eiskalter Vollprofi ist, sich aber wenig clever verhält, nicht. Hier wird erneut ein recht simpler Aufhänger gewählt, um einen Charakter in einer Extremsituation zu zeigen und so das emotionale Spektrum auszuloten. Zwar erfährt man auf diese Weise ein paar ominöse Brocken über G'Kars bewegte Vergangenheit, eine wirkliche Charakterstudie wird aber nicht daraus.

Viel interessanter ist da schon das übergeordnete Thema der Episode. Die verschiedenen Kulturen auf der Station dürfen ihre jeweiligen Religionen präsentieren, um für gegenseitiges Verständnis zu werben. Eine schöne Idee, die an den Beispielen der Centauri und Minbari hübsch gegensätzlich verdeutlicht wird. Während Londo eine Riesenparty schmeißt, die nicht von ungefähr an die Orgien des alten Roms erinnert, und am Ende selber völlig betrunken zusammenbricht, feiern die Bajoraner - Verzeihung - die Minbari ein ruhiges, beschaulich-besinnliches Zusammenkommen mit viel Pathos und Symbolik. Die bedeutungsvollen Blicke, die sich Delenn und Sinclair während der Zeremonie zuwerfen, hätten ganz unauffällig später eine wunderbare Entwicklung einleiten können - doch dazu kommen wir ab der zweiten Staffel.

Sinclair grübelt die ganze Folge (wenn er nicht gerade mit Sakai turtelt) darüber nach, wie er die vielfältigen Religionen der Erde gebündelt präsentieren kann und entscheidet sich schließlich für eine Lösung, die so simpel wie überzeugend ist. Indem er einfach je einen Vertreter der verschiedenen Glaubensrichtungen einlädt (ob das realistisch machbar ist, ignorieren wir mal) und vorstellt, zeigt er, was den Menschen am wichtigsten (geworden) ist: Das Feiern von Vielfalt. Eine schöne, versöhnliche Schlussnote in einer Episode, die zwischen Sex, Narn mit Lesebrille und Alkoholmissbrauch leicht ins Alberne hätte ausbrechen können...

Technisch betrachtet

Julia Nickson-Soul überzeugt als Flamme des Captains, weil sie eben nicht auf ein reines Anhängsel reduziert, sondern als selbstbewusste, toughe Frau gezeigt wird, die weiß was sie will. Eine ähnliche Story um einen weiblichen Raumschiff-Captain mit einer Beziehung zum Commander der Station bettete man auch bei DS9 später ein, dort entsprach Kassidy Yates jedoch recht schnell eher dem klischeehaften Bild der treusorgenden Gattin. Der Narn mit Brille mag sicher befremdlich wirken, es handelt sich hier dennoch um eine charmante Idee der Ausstatter.

The Reviewer's Wife

G'Kar war der Frau des Rezensenten diesmal zu sehr auf Klamauk gebürstet. Sein Singen beim Kochen empfand sie gar als Fremdschäm-Moment. Dafür kam aber sein neuer Attaché gut weg. Die Handlung rund um Sinclair und Catherine Sakai erinnerte sie an die emotionalen Spielereien auf dem Traumschiff, das Vorstellen der Religionen erntete hingegen Lob. Für sie eine runde Sache, die man gut anschauen kann.

Gib dem Kind einen Namen

The Parliament of Dreams: Einer dieser wunderschön klingenden Titel, der letztlich aber enormer Interpretation bedarf, um irgendeinen Sinn zu ergeben. Versuchen wir es mal: Parliament steht für eine Versammlung von offiziellen Repräsentanten. In diesem Falle von verschiedenen Glaubenssystemen. Dreams steht dann eben für genau diesen Glauben. Die Versammlung von Wesen unterschiedlicher Religionen hätte man somit kaum einfacher und doch hübscher verklausulieren können.

Angriff auf G'Kar: Mal wieder nahm man sich nur eine Handlungsebene heraus, die besonders reißerisch erschien und ließ den Rest unter den Tisch fallen. Schade.

Fazit

Eine angenehme Episode, die sich erneut sowohl für die Charaktere als auch für deren Lebensumstände an Bord der Station interessiert. Keines der drei parallel laufenden Themen erhält dabei zu viel oder zu wenig Gewicht, was zwar zu einem guten Storyfluss führt, letztlich aber auch ein wenig Fokus vermissen lässt. Böswillig könnte man sagen, dass B5 sich hier erneut einer klassischen Soap im All annähert. Da dies jedoch unterhaltsam und erkenntnisreich geschieht und ein Merkmal ist, dass im Verlaufe der Serie mehr und mehr hinter den großen Themen zurücktrat, muss man damit zu diesem Zeitpunkt der Serie keine Schmerzen haben.

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 12. März 2017
Episode
Staffel 1, Episode 6
(Babylon 5 1x06)
Deutscher Titel der Episode
Angriff auf G'Kar
Titel der Episode im Original
The Parliament of Dreams
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 23. Februar 1994 (TNT)
Autoren
J. Michael Straczynski, Bairbre Dowling, Cacey Riggan
Regisseure
Bruce Seth Green, George Eads, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x06

Darsteller
Rolle
Michael O'Hare
Claudia Christian
Mira Furlan
Richard Biggs
Stephen Furst

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