Babylon 5 1x05

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Was passiert?
Am zweiten Jahrestag der Station kommt eine Reporterin an Bord, die unbedingt ein Interview mit Commander Sinclair fĂŒhren will. Doch auch ein alter Freund von Franklin, der ArchĂ€ologe Vance Hendricks, findet sich ein, um seinen neusten Fund zu prĂ€sentieren: Ein Artefakt einer seit 1000 Jahren vergangenen Kultur. Doch beginnt sein Fund leider ein Eigenleben und bringt die Station an den Rand der ZerstörungâŠ
Dies & das
Eine Episode, die komplett ohne die Botschafter, ihre Attachés und Talia Winters auskommt.
Synchro-Patzer
âLassen Sie das! Handeln Sie sich keinen unnötigen Ărger ein!â - dieser lasche Spruch von Ivanova klang im Original aber knackiger: âDon't. You're too young to experience that much pain.â
Garibaldi kauft eine Pflanze und es ist unklar, ob es sich dabei nicht eventuell um ein Aphrodisiakum handelt. Im Original wird diese Möglichkeit klar benannt: âIf that thing leaves a waxy yellow build-up on anything, I'll be coming back here.â - Im Deutschen hatte man da wohl mal wieder ein wenig Skrupel: âWenn diese Wurzel einen gelben Fettbelag auf meinen ZĂ€hnen hinterlĂ€sst, komme ich zurĂŒck.â Und wieder wurde eine harmlose sexuelle Anspielung mit dem Thema Essen ersetzt.
Zitat
âThe last time I gave an interview, they told me to relax and tell them what I really felt. Ten minutes after the broadcast I got transferred to an outpost so far off the star maps you couldn't find it with a hunting dog and a Ouija board.â (Sinclair)
Rocky Horror Monster Show
Nach dem politischen Auftakt, den religiösen Verwicklungen zwischen Delenn und dem SeelenjÀger und einer emotionalen Londo-Studie haut uns JMS mit der vierten Episode eine astreine Monstershow um die Ohren, bei der Anschnallen oberstes Gebot ist.
Einerseits, weil die Episode durchaus Rasanz und Action besitzt, andererseits, weil die Hirnwindungen vor Nichtbeachtung gleich reihenweise den Dienst quittieren.
Im Kern beginnt die Episode wie eine Studie von Dr. Franklin, dem neuen Arzt der Station, und setzt somit den Trend fort, uns alle Crewmitglieder nacheinander etwas nÀher zu bringen. Das ist löblich und sollte nicht unterschlagen werden. Auslöser der Charakterarbeit ist der Besuch von Vance Hendricks, eines alten Mentors von Franklin, der mit einem Artefakt auf die Station kommt.
Interessant ist, dass Dr. Franklin trotz seiner frĂŒhen BefĂŒrchtungen, dass Hendricks seinen Fund nicht auf komplett legalem Wege an sich und auf die Station gebracht hat (Stichwort: QuarantĂ€ne!), scheinbar ganz gut mit dieser Ahnung leben kann. Heiligt der Zweck fĂŒr den Doktor vielleicht grundsĂ€tzlich die Mittel? Oder ist er bereit, bei Freunde und Nahestehenden Ausnahmen zu machen und die Regeln zu beugen? Hier wird frĂŒh eine Seite an dem smarten Sunnyboy gezeigt, die man so nicht erwartet hĂ€tte.
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Dass sich der Rest der Handlung rund um diese Story dann jedoch als stupide Monster-Show entblöĂt, die schlicht die technischen Möglichkeiten zeigen und eine routinierte Action-Sequenz nach der anderen abreiĂen will, kann man sicher als verpasste Chance ansehen. Oder als geschickte Verquickung verschiedener AnsĂ€tze. Beides hĂ€tte seine Berechtigung. Damals fiel eine solche Episode kaum negativ auf. Heute, und mit dem Wissen um unendlich viele bessere Versuche in diesem Bereich, muss man den Giftschrank jedoch zumindest aufschlieĂen.
In einer grundsĂ€tzlich potenteren Nebenhandlung steuert man auf den zweiten Geburtstag der Station zu, was ISN (Inter Stellar Network) zum Anlass nimmt, ein Interview mit Commander Sinclair fĂŒhren zu wollen. Eine lĂ€stige Pflicht, der dieser sich nur sehr widerwillig stellt. Neben Franklin scheint ĂŒbrigens auch eben jener Saubermann Sinclair eine dunkle Seite zu besitzen. Nicht nur, dass er sich wiederholt (unnötig?) in Gefahr begibt, ist seine Reaktion auf Garibaldis berechtigte Frage âare you looking for something to die for because it's easier than finding something to live for?â sehr vielsagend. Sein grimmiger Blick kombiniert mit einem schlichten âFinished?â spricht BĂ€nde und zeigt sowohl den Commander in einem spannenden Licht als auch Michael O'Hare schauspielerisch von einer guten Seite - wĂ€re die Szene nicht danach unnötigerweise noch weitergegangen und hĂ€tte diesen Eindruck durch schwachen Dialog ruiniert.
DafĂŒr rehabilitiert der Commander sich am Ende aber nochmal, als er im Interview mit Nervbacke Cramer eine gute Rede ĂŒber den Fortbestand der Erde und die Notwendigkeit der Erforschung des Alls vortrĂ€gt. Dass diese Rede jedoch leider gar nichts mit dem eigentlichen Thema der Episode und den Problemen rund um Franklin und seinen Gast zu tun hat und somit keinen inhaltlichen Sinn ergibt, ist erneut dem schwachen Drehbuch anzulasten.
Technisch betrachtet
Ja, die Verwandlung war fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse sehr gut umgesetzt und gefĂ€llt auch heute noch. Make-up ist aber auch nie eine SchwĂ€che der Sendung gewesen. Der Score passt sich dem Treiben an und fĂ€llt nicht unangenehm auf.
An der Schauspielerfront bringt David McCallum eine passable Performance in die Show und bringt auch seine Kollegen von der Stammbesetzung in Wallung. Besonders Richard Biggs erhĂ€lt die Gelegenheit, seine bisherigen Leistungen zu toppen - erstaunlicherweise wurde âInfectionâ jedoch als erste Episode gedreht.
Auf der anderen Seite des QualitĂ€tsspektrums agierte leider Patricia Healy als Mary Ann Cramer, die keine ihrer Szenen ĂŒberzeugend ĂŒber die Runden bekommt und somit leider einen Reigen von furchtbaren Gastdarstellern innerhalb der Serie eröffnet.
The Reviewer's Wife
Unschön. Bereits bei der vierten Episode zog es die Frau des Rezensenten vor, zur Halbzeit den Standort zu wechseln, um lieber eine Weile FarmVille zu spielen. Die nervige Reporterin und die plumpe Monsterhandlung fand sie schon vor zehn Jahren schlecht (obwohl sie sich eigentlich nicht zu erinnern meinte). Nein - noch einmal wollte sie sich das Ganze nicht komplett anschauen mĂŒssen.
Gib dem Kind einen Namen
Infection: Ein schlichter, eindimensionaler Titel fĂŒr eine - na ihr wisst schon.
Ein unheimlicher Fund: Spooky. Unheimlich. Da fröstelt es einen! Geht aber natĂŒrlich durch.
Fazit
Das war nix. Ein paar gute Ideen (Jahrestag, Reporterin) retten die Haupthandlung nicht ĂŒber den Hai-Sprung hinweg. Zu vieles wird angedeutet oder angerissen, aber nicht durchdacht oder zu Ende gebracht. Ein erster Tiefpunkt, der letztlich aber keinem weh tut, da man eine vernĂŒnftig umgesetzte Monstershow der Woche damals sicherlich einfach mal so wegkonsumieren konnte. Mit zwanzig Jahren Abstand jedoch ein definitiver Kandidat, auch mal eine Folge im Rewatch auszulassen.
Verfasser: Björn SĂŒlter am Sonntag, 5. MĂ€rz 2017(Babylon 5 1x05)
Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?