Babylon 5 1x04

© ffizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „Born to the Purple“ / (c) PTEN
Was passiert?
Londo hat eine Affäre mit einer Tänzerin, die ihn in ernste Schwierigkeiten bringt. Sinclair und G'Kar helfen aus, obwohl - oder gerade weil - sie andere wichtige Probleme haben, für die sie Londos Mitwirkung brauchen. Garibaldi befasst sich unterdessen mit der unerlaubten Benutzung einer geheimen Kommunikationsverbindung zur Erde...
Dies & Das
- Ko'Dath, Attaché von G'Kar, kommt auf B5 an und wurde nur hier einmalig von Mary Woronov gespielt, die mit dem Make-up nicht klarkam und die Serie schnellstmöglich wieder verließ. Auch ließ man sie ihre Szenen ohne rote Kontaktlinsen spielen, was im Kontrast zu G´Kar doch stark auffiel.
Synchro-Patzer
- Bei einem herrlichen Schlagabtausch zwischen Londo und G'Kar geht es gleich dreifach drunter und drüber. Erst bemerkt man nicht, dass „jovian“ für den Jupiter steht und macht daraus „jovianisch“, dann wird aus „küssen“ lieber das unverfänglichere „essen“ und schließlich gestattet man Londo nicht mal seine zünftige Beleidigung „you can kiss my plump Centauri a(ss)“. Schade. Aber immerhin alle Fehler in einem kurzen Dialog verbraten.
- Ein toller Moment wird verpatzt, als Londo und G'Kar ihre Attachés auf die gleiche Weise anweisen: Don't give away the homeworld! Londo sagt im Deutschen: „Nichts riskieren, wenn es um die Heimat geht!“ G'Kar wählt folgende Worte: „Lassen Sie sich nicht über den Tisch ziehen.“ Gähn.
Zitat
„I'm going to find Londo and bring him here.“ (Sinclair)
„What if he refuses?“ (Talia)
„Then I hurt him.“ (Sinclair)

Der traurige Clown
Man tut Londo Mollari sicher kein Unrecht, wenn man ihn schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Serie als tragische Figur bezeichnet. Zugegeben: Das Wissen um alles, was im Verlauf der Serie noch kommen würde, hilft bei dieser Einschätzung, dennoch leistet auch schon dieses erste genauere Portrait des Centauri gute Arbeit darin, den Mann hinter der Maske des Schwindlers, Gauklers, Lebemannes, Grosskotzes und Partytigers präziser zu skizzieren.
Im Kern sucht Londo nämlich nur drei Dinge in seinem Leben, oder dem was davon noch übrig ist: Sinn, Anerkennung und Liebe. Er wurde durch seine Regierung offenbar in eine Position gedrängt, die sich für ihn wie Exil, oder schlimmer sogar, wie ein Käfig anfühlt. Einzig die Tänzerin Adira verschafft ihm ein wenig Zerstreuung und belebt sein altes Herz. Schade für ihn, dass Liebesgeschichten in TV und auf der Kinoleinwand jedoch oft tragisch verlaufen und enden müssen. Auch die Babylon 5-Autoren machen hier keine Ausnahme. Dass Adira erpresst wird und aus diesem Grund nur an sensible Daten des Botschafters gelangen soll, ist nicht wirklich eine große Kreativleitung und lässt Londo am Ende fast wie einen lüsternen Tattergreis dastehen, der sich in die Arme einer unerreichbaren Frau verrennt.
So scheint Londo besonders am Ende genau zu wissen, was er da tut, an wen er da sein Herz hängt. Und es ist ihm egal. Adira hat seine Zuneigung und seinen Respekt und er lässt sich lieber aus den richtigen Gründen von ihr missbrauchen, als sich in den frustrierenden Mühlen der Politik und Diplomatie aufzugeben. Denn auch als er Adiras Verrat entdeckt und realisiert, ist er sofort wieder bereit, ihr zu helfen. Dieser Mann verspürt eine starke Sehnsucht danach, sich gebraucht, geliebt und geschätzt zu fühlen.
Ein Teufelskreis, der ihn noch ein ums andere Mal in Schwierigkeiten bringen wird. Wie heißt es bei Superhelden immer so schön? Große Macht bringt große Verantwortung mit sich. In den Händen eines von Selbstmitleid zerfressenen Gernegroß könnte eine solche Macht jedoch eben auch leicht zu großen Problemen führen. An dieser Stelle denke man sich eine Stimme aus dem Off, die zu dramatischer Musik „Demnächst bei Babylon 5“ haucht. Für den Moment bleiben die Probleme jedoch noch im Kleinen. So verliert Londo am Ende zwar seine Liebe, aber (noch) nicht den Glauben oder die Hoffnung in die Zukunft.
In einer Nebenhandlung geht es wieder um Verhandlungen zwischen den Narn und den Centauri, die Londo aufgrund seiner privaten Situation lange Zeit nicht mit dem nötigen Respekt behandelt. Zum Ärger von G'Kar und Sinclair, auf dessen Hilfe er später dann ausgerechnet auch noch angewiesen ist. Auch Talia Winters darf in ihrer Funktion als Telepathin erneut in Erscheinung treten und hätte dabei um ein Haar für einen Deanna-at-Farpoint-Moment gesorgt, konnte sich jedoch gerade noch bremsen und eine passable Darstellung ihres kurzzeitigen Schmerzes ob der starken Emotionen bieten. Glück gehabt.

In diesem Zuge werden auch die Attachées der Narn- und Centauri-Botschafter beleuchtet. Den äußerst schrägen Vogel Vir hatten wir ja bereits kennengelernt, nun taucht erstmals (und letztmals) auch Ko'Dath auf und wird als aggressiv und herb dargestellt.
Die dritte Handlungsebene ist dann völlig losgelöst von der Londo-Thematik und betrifft einerseits typische Abläufe auf der Station (Garibaldi) und ein persönliches Dilemma (Ivanova). So benutzt letztere heimlich den nur für wichtige dienstliche Angelegenheiten verfügbaren Goldkanal, um mit ihrem sterbenden Vater auf der Erde zu kommunizieren. Garibaldi jagt seinerseits die halbe Folge den lange unbekannten Hacker und muss schließlich den Moment des Todes live auf seinem Monitor mit ansehen. Seine feinfühlige aber deutliche Reaktion gegenüber Ivanova lässt ihn sympathisch und kompetent erscheinen. Überhaupt ist Garibaldi bisher vom Start weg ein Sympathieträger, der dynamisch, energisch aber immer mit Herz und Humor seinen Job erledigt.
In der Summe liefert JMS hier erneut ein stimmiges Drehbuch ab, das die Stärken von Setting und Charakteren für sich zu nutzen weiß.
Technisch betrachtet
Das Restaurant Fresh Air und auch der Club Dark Star gefallen durch ihre kreative Ausstattung, die Aliens der Woche durch vielfältige und teils verrückt-komische Masken. Hier leistete man mit vergleichbar wenig Geld schon damals ganz tolle Arbeit. Ob man sich bei der einen hier gezeigten Spezies später vielleicht Inspiration für „The Fifth Element“ holte?
Kleine und stimmige Goodies wie die Print-Ausgabe von „Universe today“, die Garibaldi liest, machen großen Spaß, bereichern die Atmosphäre der Serie und dürfen gerne dem Prop-Department zu Gute gehalten werden. Außerdem passt diese aus der Zeit gefallene Art des Lesens perfekt zu Garibaldi, der sich, wie wir bereits wissen, auch gerne alte Serien auf einem Röhrenfernseher anschaut. B5 ist Liebe zum Detail - auch ohne das große Geld.

Der Score enttäuscht diesmal jedoch ein wenig und erinnert in seinen kitschigsten Momenten eher an die Untermalung von 80er Jahre-Pornos - natürlich ohne, dass der Rezensent sich so etwas jemals auch nur aus der Ferne angesehen hätte.
Bei den Schauspielern gibt es hingegen keine Ausfälle, besonders gefallen selbstverständlich Peter Jurasik, der Londo schon nach sehr kurzer Zeit diverse Facetten abringt und Fabiana Udeno, die als Adira durchweg überzeugt.
The Reviewers Wife
Auch der Frau des Rezensenten blieb die Tragik in der Figur des “schrägen Vogels” Londo nicht verborgen. Sie gestand ihm sogar eine Spur Mitgefühl zu. Für Lacher sorgte diesmal ihre Reaktion auf den Nashorn-Bargehilfen, den sie als „Morn mit Horn“ bezeichnete. Ansonsten konnte die Episode den eher schwächeren Eindruck der letzten für den Moment wegwischen.
Gib dem Kind einen Namen
Born to the Purple: Ein hübscher Titel - im alten Rom trugen besonders wohlhabende Menschen purpurfarbene Schärpen. Deren Nachkommen wurden sozusagen „ins Purpur hineingeboren“. Mit den gestohlenen Daten könnten viele dieser großen Familien der Centauri stark beschädigt werden, auch passt der Titel noch auf einer Metaebene, da für Adira bisher offenbar das genaue Gegenteil in ihrem Leben galt.
Die Purpurdaten: Die Bedeutung des Originals ließ man zwar leider beiseite und konzentrierte sich auf die in der Handlung relevanten Daten, das ist aber absolut okay.
Fazit
Ein gelungenes Charakterportrait einer der reichhaltigsten Figuren, eine starke Gastschauspielerin, potente Nebenhandlungen und viele hübsche Ideen machen aus „Born to the Purple“ gehobenen Durchschnitt mit Tendenz nach oben. Dass es für den ganz großen Wurf dennoch nicht reicht, liegt an diversen klischeehaften Darstellungen und dem eher gefälligen und vorhersehbaren Grundtenor - und an dem Wissen, zu was die Serie später noch fähig sein würde. In der Summe bleibt trotzdem eine Dreiviertelstunde, die die gesunde Mitte und somit gutes Mittelmaß der Serie definiert.
Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 26. Februar 2017(Babylon 5 1x04)
Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x04
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