Babylon 5 1x03

© ffizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „Soul Hunter“ / (c) PTEN
Was passiert?
Ein Seelenjäger, der daran glaubt, dass Seelen nach dem Tod eingefangen werden müssen, da sie sich sonst auflösen, betritt die Station. Ihm entgegen steht jedoch der Glaube der Minbari, die fest davon überzeugt sind, dass eingefangene Seelen sich nicht mit denen der anderen Verstorbenen vereinen können. Ein ideologischer Konflikt droht und beginnt schnell zu eskalieren...
Dies & Das
- In dieser Episode feiert Dr. Franklin seinen Einstand.
- Als am Ende der Episode Blut in Delenns Körper gepumpt werden soll, fließt es leider aus ihr heraus, da der Regisseur entschied, die Aufnahme rückwärts abzuspielen, um eine andere Kamerafahrt zu erhalten.
Synchro-Patzer
- Aus „Ask Commander Minari-Friend“ des Seelenjägers wird „Frag die Botschafterin der Minbari, du Mediziner!“ Aua. Waren da im Drehbuch eventuell die Satzzeichen falsch gesetzt?
- Sinclair bringt im Original einen interessanten Vergleich, der im Deutschen leider fehlt: Wenn tatsächlich ein Mitglied des Grauen Rates der Minari als Botschafter auf B5 wäre, wäre das als wenn man den Vizepräsidenten der Erde nach B5 schicken würde.
Zitat
„You are a pessimist.“ (Franklin)
„I am Russian.“ (Ivanova)

Großohrenzombie im Anflug
Die zweite Episode der hier noch jungen Serie setzt den Trend fort, die Station als äußerst belebten Ort zu skizzieren, an dem überall ständig etwas vor sich geht. So kommt direkt zu Beginn Dr. Franklin, der neue Arzt der Station, mit dem Schiff Asimov an und wird standesgemäß von Sinclair und Ivanova begrüßt. Begrüßenswert ist hieran vor allem, dass durch diesen Dialog auf das Schicksal von Dr. Kyle (der noch im ersten Pilotfilm „The Gathering“ mit dabei war) eingegangen wird und seine Versetzung somit nun offiziell Teil des Serienkanons ist. Hat dieser Transfer zurück zur Erde und in die Nähe des Präsidenten vielleicht etwas damit zu tun, dass er damals Kosh gesehen hat?
Auch die Existenz von verbotenem Glücksspiel in den nicht gar so wohlhabenden Bereichen der Station ist ein netter Touch. Fast fühlt man sich hier ein wenig wie an Bord der Titanic - wer nichts hat, ist nichts. Daran ändert eben weder der Ort noch die Jahreszahl etwas. Und auch die Weltraumbestattung trägt wieder zur Reichhaltigkeit des Settings bei. Die Wesen auf dieser Station leben, atmen und sind immer auch direkt von allen Vorgängen betroffen. Dass JMS das schon hier in dieser Detailverliebtheit zeigt, ist großes Kino.

Leider beißt sich das Drehbuch jedoch genau an dem Teil fest, der am wenigsten Aufmerksamkeit verdient hätte. Das Konzept eines Seelenjägers ist dabei gar nicht einmal Kern meiner Kritik - in dieser Idee liegt spannendes Diskussionspotential, so denn ein Drehbuch in der Lage wäre, die relevanten Fragen zu stellen und Antwortmöglichkeiten zumindest zu umreißen. Hier gelingt es JMS jedoch nicht. Es geht die meiste Zeit schlicht um die Gefahr für Delenn und bringt somit nur den Plot, nicht aber das Konzept wirklich voran. Ob gleich zu Beginn, als der Seelenjäger mit viel Brimborium und Actionsequenzen zur Station gelangt, oder in vielen ähnlichen Szenen später - viel Rauch um wenig. Aufregung kompensiert Inhalt.
Delenns Rolle ist da noch der interessanteste Teil. So reagiert sie zu Anfang doch arg heftig, als sie den Seelenjäger am liebsten direkt töten lassen würde, rudert dann zurück und entblößt schließlich ihr klar ideologisch und religiös motiviertes Vorgehen. Was geschieht mit der Seele nach dem Tod? Die Minbari glauben, dass sie sich vereinen und erhalten bleiben, die Seelenjäger jedoch meinen, sie retten und konservieren zu müssen, da sie sonst zerfallen und sich auflösen. Durchaus potenter Stoff.
Wenig hilfreich war dabei jedoch, dass man den Seelenjäger mit der Zeit als Irren und fehlgeleiteten Abtrünnigen outete. Somit verpuffte sogar der Konflikt zwischen ihm und Delenn, da es letztlich nur noch darum ging, die Ziele eines Wahnsinnigen zu vereiteln. Dies geschieht dann auch auf vorhersehbare Weise - durch seine eigene Maschine. Malen nach Zahlen.
Seine Anspielung, Delenn sei eine Satai, gehöre zum Rat der Grauen der Minbari und sei somit eigentlich für die Rolle der Botschafterin vollkommen überqualifiziert, sollte man im Hinterkopf behalten. Sie erklärt vielleicht sogar noch besser, warum diese zu Beginn so heftig reagiert hatte. Auch Sinclair weiß nun Bescheid und wird die Angelegenheit sicher im Auge behalten.
Dr. Franklin macht in seiner ersten Episode einen weitestgehend sympathischen Eindruck, kann sich fachlich direkt auszeichnen, wirkt in seiner rigorosen Ablehnung der Idee des Seelenjägers aber auch eine Spur arrogant und unhöflich.
Somit bleibt ein erster kleiner Tiefpunkt - es wird zwar im Ansatz deutlich, was JMS vorhatte, gelungen ist es ihm in diesem speziellen Fall jedoch nicht.

Technisch betrachtet
Die technische Seite gibt immerhin wenig Anlass zur Kritik. Das Make-up des Seelenjägers lehnt sich an traditionelle Kopfbedeckungen afrikanischer und indianischer Stämme der Erde an, erinnert aber auch deutlich an die Ferengi aus Star Trek. Gelungen ist es aber trotzdem. Schauspielerisch kann man dem nervenden und blassen William Morgan Sheppard wenig vorwerfen: Das Material war einfach zu schwach. Seine ewigen Monologe und Phrasen sind schon nach wenigen Minuten redundant und kaum noch zu ertragen. Seine Seelensammlung hingegen war für ein paar Bonuspunkte gut. Unterweltboss N'Grath ist eine süße Idee, die kreativ umgesetzt wurde. Viel zu sehen bekam man von ihm im Laufe der Serie aber dennoch nicht mehr.
The Reviewer's Wife
„Bring den Ferengi zum Schweigen!“ - mit diesem Ausspruch ließ Richterin Gnadenlos ihrem Frust freien Lauf. Weder der Gast der Station, noch die Handlung an sich hatte zu irgendeinem Zeitpunkt ihre Sympathie. Zusammenfassend bezeichnete sie die Episode dann auch als verschenkte Idee, die besser in der klassischen Trek-Serie oder bei „Opi Picard“ aufgehoben gewesen wäre. Kirk hätte dem Seelenjäger einen auf die Mütze gegeben, Picard ihn totgequatscht. Die Frau kennt sich aus. Was 15 Jahre Trek-Beschallung doch ausrichten können...
Bei Schwarzmarkt-Boss N'Grath musste sie laut auflachen. Auch hier hatte sie wieder leichte Muppets-Assoziationen, kreativ fand sie die Idee letztlich aber doch. Ihr Schlussplädoyer: Das sind so Folgen, die mich an dem Sinn dieses Rewatch zweifeln lassen. Mein Konter: Sie sind aber zum Glück die Ausnahme. Darauf konnte sie dann nur noch „hoffen wir's mal“ murmeln.
Gib dem Kind einen Namen
Soul Hunter: Simpler Nenner für eine Episode über eine Spezies von Seelenjägern. Darf man mal machen.
Der Seelenjäger: Auch im Deutschen ging man kein Risiko ein. In Ordnung.
Fazit
Nicht Fisch, nicht Fleisch. Die Serie verliert sich viel zu früh in einer Episode, die einerseits zu deutlich an generisches Star Trek erinnert und andererseits auch nicht mit der Eigenständigkeit ihres eigenen Universums arbeitet. Dass Delenn auf diese Weise ein wenig ausgearbeitet wird, bringt zwar Punkte, reicht aber in der Summe einfach nicht für ein erinnerungswürdiges Abenteuer.
Nächsten Sonntag zeigt sich Londo Mollari in „Born to the Purple“ von einer ganz anderen Seite.
Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 19. Februar 2017(Babylon 5 1x03)
Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?