Babylon 5 1x02

© ffizielles Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „Midnight on the Firing Line“ / (c) PTEN
Und so beginnt es.
Ihr habt in den vergangenen Jahren häufig in den Kommentaren zu verschiedenen Reviews und auch in Zuschriften deutlich gemacht, wie viele Fans den Abenteuern der Raumstation Babylon 5 auch heute noch die Treue halten. Und nun haben wir bei Serienjunkies entschieden, mit dieser Serie einer weiteren SF-Perle eine Chance in Retro-Reviews zu geben. In einem Jahr feiert die Serie übrigens ihren 25. Geburtstag - einen besseren Zeitpunkt gibt es wohl kaum, diese einflussreiche Weltraum-Soap mit Reviews und einem Rewatch zu ehren.
Zu meiner großen Freude darf ich diese Perle gemeinsam mit euch heben. Also raus mit den DVDs!
Das Ganze wird ähnlich ablaufen, wie ihr es von meinen Trek-Reviews gewohnt seid. Was den Veröffentlichungsrhythmus angeht, rechne ich damit, dass pro Monat zwei bis drei Reviews erscheinen werden. Das kann durchaus auch variieren, nagelt mich besser nicht fest. Da der Sonntagmittag aber fester Tag der Reihe sein soll, werdet ihr keine Probleme haben, die Reviews zu finden. Ach ja - die Frau des Rezensenten, bekannt-beliebt-berüchtigt aus meinen Trek-Reviews, wird auch diesmal zu Wort kommen. Warten wir ab, ob B5 es im zweiten Anlauf schafft, ihr Herz zu gewinnen. Beim ersten Versuch vor vielen Jahren hatte sie kaum freundliche Worte für die Serie übrig gehabt. Letztlich entscheidet aber nur ihr, ob das Projekt voll durchgezogen werden kann - eure Klicks werden uns zeigen, wie viele Fiver wirklich noch da draußen sind. Ich zähl auf euch!
Zu Einordnung noch ein paar Worte: Am 22. Februar 1993 lief in den USA der Pilotfilm einer neuen SF-Serie: Ihr Name war Babylon 5. Doch traute man dem Braten nicht wirklich und ließ die Produktion nach dem Piloten vorerst ruhen. Erst als die Reaktionen positiv waren, ließ man die Motoren wieder anlaufen, was allerdings zu einer Pause von fast einem Jahr führte und einige Änderungen zur Folge hatte, die den Übergang zur Serie äußerst holprig gestalteten.
Für diese Reviews beginne ich aus verschiedenen Gründen nicht mit dem sperrigen Pilotfilm „The Gathering“, sondern mit der ersten regulären Episode der 22 Episoden umfassenden ersten Staffel. Diese erste Staffel stand unter dem Motto „Zeichen und Wunder“ („Signs and Portents“). Hier begann auch direkt die leider oft ungenaue Übersetzungsarbeit zuzuschlagen, da man „portents“ besser mit „Omen“ oder gar „böse Omen“ übersetzt hätte. Dies wäre angesichts des Inhalts der Staffel auch viel näher an der Wahrheit gewesen.
Keine Sorge: Dem Pilotfilm „The Gathering“ werde ich mich später noch in einem Special widmen, da er für mich zwar selbstverständlich zur Serie gehört, aber doch irgendwie nicht recht vor die erste Staffel passen will und qualitativ zudem in meinen Augen auch deutlich abfällt. Ich bitte um Verständnis. Meiner Ansicht nach ist „Midnight on the Firing Line“ eine deutlich rundere erste Episode und eignet sich zudem ausgezeichnet als Startpunkt für diese Reviews, einen Rewatch oder eben besonders für solche Menschen, die der Serie das erste Mal eine Chance geben.
Ich würde mich freuen, euch für diese Reise an Bord zu haben und einen Meilenstein der SF mit euch gemeinsam durchsprechen zu können.
Und nicht vergessen: Do what's necessary - but don't give away the homeworld.
Auf der nächsten Seite geht es los mit dem Review zu “Midnight on the Firing Line”.

Was passiert?
Die Centauri-Kolonie auf Ragesh 3 wird von den Narn angegriffen, was viele politische Debatten und Verhandlungen auf der Station heraufbeschwört. Doch Sinclair hat noch andere Sorgen: Wegen der anstehenden Präsidentschaftswahl auf der Erde soll er sich nicht unnötig einmischen und muss zudem eine Gruppe Piraten stoppen, die ständig Frachter überfallen…
Dies & Das
- Patricia Tallman konnte sich mit den Produzenten nicht bezüglich ihrer Gage einigen und wurde durch Andrea Thompson - zufällig Jerry Doyles Ehefrau - ersetzt.
- Tamlyn Tomita wollte lieber Kinorollen annehmen und wurde durch Claudia Christian ersetzt.
- Johnny Sekka galt im Produktionsumfeld als zu alt und zu sperrig, so dass man ihn ebenfalls ersetzte: Richard Biggs übernahm für ihn, tauchte hier aber noch nicht auf.
- Die Botschafter (außer Kosh) haben nun Attachés, die im Vorspann schon genannt werden, aber wie Biggs als Franklin noch nicht auftauchen. Ausnahme: Vir Cotto.
Synchro-Patzer
- Der Eröffnungsmonolog „Ich war dabei...“ wurde leider beibehalten, obwohl er von einer Person gesprochen wird, die in der Serie nicht mitspielt. Im Original spricht Michael O´Hare alias Commander Sinclair den Monolog.
- Der Austausch zwischen Londo und Garibaldi ist im Deutschen deutlich zahnloser, als Londo bezüglich des Angebots an den Sicherheitschef, seine Pulsadern aufzuschneiden, nur schlaff entgegnet „...sonst hätte ich das doch nicht gesagt.“
Zitat
„All I'm asking is that you trust me.“ (Londo)
„Trust you? Londo, my brain will be five days dead before I ever trust a Centauri.“ (Garibaldi)
Mehr als ein Anfang
Auch nach nunmehr 23 Jahren zeigt die erste reguläre Episode von Babylon 5 eines überdeutlich: J. Michael Straczynski (kurz: JMS) hat mit seiner Serie von Beginn an eine klare Vision verfolgt. Die Vision, nicht einfach nur irgendwelche Weltraum-Abenteuer in den Fokus zu rücken, sondern eher eine Soap im All zu präsentieren, die sich um ihre Charaktere, Beziehungen, Politik, Religion, Meinungsverschiedenheiten, Kriege und alle damit assoziierten Befindlichkeiten kümmert.
Der Konflikt um die Kolonie Ragesh 3 definiert dabei das komplexe Verhältnis zwischen den Narn (in der Person von G'Kar) und den Centauri (personifiziert durch Londo und Vir). Beide Völker verbindet eine mehr als belastete Vergangenheit, die hier für 45 Minuten schon mehr als klar umrissen wird. Dass beide Standpunkte zusätzlich auch noch durch faszinierende Charaktere wie G'Kar und Londo und ihre wunderbaren Darsteller Andreas Katsulas und Peter Jurasik zum Leben erweckt werden, war dabei ein Glückstreffer von und für JMS.

Jurasik legt Londo von Beginn an als tragischen Clown an - ein Mann, der nach Außen den Schein wahrt, der auf großem Fuße und mit großen Gesten lebt, der im Innern jedoch eine dunkle, fast schon depressiv-fatalistische Ader besitzt, die immer wieder herauszubrechen droht. Katsulas zeigt hier noch einen zwiespältigen, etwas narzisstischen G'Kar, der zwar fasziniert, aber noch eindeutig negativ belegt ist. Spannend, wenn man im Hinterkopf behält, was in dieser Figurenkonstellation noch so alles geschehen würde...
Die Scharmützel um die Raiders und ihre Angriffe dienen als Action-Element und (damals) Eye-Candy, um auch Effektsequenzen zeigen zu können. Doch dazu später mehr. Inhaltlich erreicht JMS damit, seine Welt reicher und belebter zu gestalten, weil an allen Ecken Probleme, Konflikte und Dramen schlummern, die es rund um die Uhr zu beackern gilt.
So auch mit der Wahl auf der Erde, bei der nicht nur ein neuer Präsident gewählt werden soll, sondern die auch in die Politik auf der Station hineinspielt. Auch anhand von Sinclairs Reaktion und seinen Anweisungen an Ivanova wird klar: Hier kochen viele Parteien ihre eigene Suppe. Dass dazu noch die Erde als Handlungselement aufgenommen wird und wir auf diese Weise auch erfahren, was außerhalb der Station mit unserer Heimat passiert ist, macht viel Spaß.
Als viertes Element bringt JMS zuletzt auch noch ganz nebenbei das PSI-Corps in Person von Talia Winters in Stellung. Dass er dazu die persönliche Geschichte Ivanovas nutzt und Claudia Christian somit die Chance gibt, gleich in der ersten Episode ihre sehr herbe als auch eine stark verletzliche Seite zu zeigen, ist mutig und ungewöhnlich. Viel Stoff für eine Episode - dass sich alles dennoch homogen anfühlt und weder Langeweile noch das Gefühl von Überladung aufkommt, ist dem straffen Drehbuch geschuldet. „Midnight on the Firing Line“ ist ein nahezu perfekter Pilotfilm und auch im Gesamtkontext eine starke Episode. Selten wirkte alles schon zu Beginn so sehr aus einem Guss wie hier. Ein dickes Lob, auch nach 23 Jahren.
Technisch betrachtet
Ich werde und möchte nicht bei jedem Review auf den gleichen Themen herumreiten - einige Dinge bei Babylon 5 muss man einmal festhalten und dann später nur bedarfsweise ergänzen.
Beginnen wir mit dem Positiven: Fast alle Darsteller zeigen starke Leistungen. Klitzekleine Abzüge gibt es bei Michael O'Hare, der zeitweise eine Art Teleprompter-Blick zur Schau trägt und bei Andrea Thompson, die gefühlte zwölfmal ihren Schmollmund wiederholt. Geschenkt. Im Telepathen-Vergleich gewinnt sie hier dennoch um Längen gegen Marina Sirtis alias Deanna Troi, die zu Beginn in TNG nicht zu ertragen war. Der Score von Christopher Franke ist auch heute noch atmosphärisch, dicht, pointiert, tragend, mitreißend - nahezu perfekt für eine Serie dieser Art.
Kommen wir zu den Problemchen: Die Kulissen und Kostüme sind liebevoll, detailreich, kreativ und verspielt ohne Ende. Beste Beispiele sind hier der Zócalo und das Kostüm von Kosh. Dennoch kann man sich heutzutage nicht des Gefühls erwehren, hier eine Art Muppets im All aus den Neunzigern zu sehen. Fans interessiert das nicht - wer jedoch heute neu einsteigt, müsste sich nicht schämen, wenn in diesem Sektor die Augen rollen. Gleiches gilt natürlich auch für die Effekte. Damals - zudem auf einem kleinen Röhrenfernseher - sah das alles aus wie ein tolles Computerspiel.

Heute - mit Pech auf einem viel zu großen Full-HD-TV oder noch Besserem - wie ein gnadenlos schlechtes Retro-Spiel aus der Steinzeit. JMS wollte hier etwas Neues schaffen, auch im All mehr Leben reinbringen, mehr Farben, mehr Raumschiffe. Das gelang auch - wirkt eben nur heute bös antiquiert und technisch schwach umgesetzt. Hier muss man den Kollegen von Star Trek bescheinigen, dass dort schon Ende der Achtziger ein zeitloseres Design verwendet wurde. Dennoch: Wenn man sich selber ein wenig zurückversetzt und versucht, an den technischen Problemen vorbei das zu sehen, worauf es ankommt, kann man auch hier immer noch eintauchen. Das wird alten Fans leichter fallen als neuen, auf den Versuch kommt es jedoch an.
Und eins noch: Der Vorspann ist immer noch einer der besten der TV-Geschichte. Dramatik, Spannung, Atmosphäre - Immer wieder bringen mir die Intro-Sequenzen von Babylon 5 verlässlich Gänsehaut.
The Reviewers Wife
Natürlich ist auch SIE wieder mit dabei. Und natürlich ist „Frau Gnadenlos“ auch in der Causa Babylon 5 eine durchaus komplizierte Gesprächspartnerin. Ein erster Versuch, ihr Babylon 5 schmackhaft zu machen, scheiterte 2004. Nun - dreizehn Jahre später - geht es in die zweite Runde. An den Pilotfilm konnte sie sich tatsächlich erinnern (!), amüsierte sich aber erneut über die unfassbar schlechten Effekte und Garibaldis unlustige Cartoons. Auch an der „rollenden Airbrush-Motorhaube“ namens Kosh ließ sie kein gutes Haar.
Bei Ivanova (die sie an Walter aus „Hinter Gittern“ erinnert) und Talia Winters war sie hingegen direkt sicher, dass aus den beiden noch ein Paar wird. Und etwas Positives zum Schluss: Für sie wurden die beteiligten Spezies direkt greifbar, da man sie so eingehend und eigenständig beleuchtete und skizzierte. Sieh an! Insgesamt schien sie sich unterhalten zu haben - die Frage nach der nächsten Episode ließ nur einen Tag auf sich warten…
Gib dem Kind einen Namen
Midnight on the Firing Line: Ein vielschichtiger Titel, der sowohl auf die undurchsichtige politische Situation auf Ragesh 3, wie auch auf der Erde und letztlich auf der Station anspielt.
Ragesh 3: So plakativ, dass es fast ein Star Trek: Enterprise-Titel sein könnte. Schade um die verschenkte Chance, dem inoffiziellen zweiten Piloten einen knackigeren Titel zu geben und ihn eventuell auch näher ans Original zu holen.
Fazit
Ein mehr als gelungener Auftakt. Die Serie definiert sich als bodenständiges, politisches und gesellschaftliches Drama mit viel Kreativität und bringt ihre Figuren aus dem Stand in Position. Kleine Charakterszenen runden die interessanten Vorkommnisse ab und verdeutlichen früh, dass man es hier mit einer Serie zu tun hat, die in ihrer fiktiven Welt lebt und mit ihr arbeitet. Klasse!
Nächsten Sonntag geht es direkt weiter mit der Episode „Soul Hunter“. Dann erfahrt ihr, warum die Ferengi auf der Station sind, und über wen die Frau des Rezensenten lachen musste.
Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 12. Februar 2017(Babylon 5 1x02)
Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x02
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