Ash vs. Evil Dead 2x10

© ruce Campbell als Ash Williams in „Ash vs. Evil Dead“ / (c) Starz
Die spaßige Slasher-Serie Ash vs. Evil Dead gehörte im letzten Jahr zu meinen persönlichen positiven Überraschungen im US-amerikanischen Fernsehgeschäft. Übertrieben blutig, um keinen noch so flachen Witz verlegen und sich selbst niemals zu ernst nehmend, schnetzelte sich Bruce Campbell als „Jefe“ Ash Williams durch Horden von fiesen Dämonen, die auf sehr unterschiedliche, durchaus kreative Weisen das Zeitliche segneten. Das Format unterhielt trotz einiger repetitiver Elemente und so manchem Rohrkrepierer (die meisten der Witze trafen ins Schwarze, perfekt war die Trefferquote aber nicht) auf einem sehr ordentlichen Niveau.
Selbst diejenigen, die nicht besonders viel mit Sam Raimis „Evil Dead“-Universum, zu dem „Ash vs. Evil Dead“ ein Sequel darstellt, am Hut hatten, dürften ihren Spaß mit der Serienproduktion des amerikanischen Pay TV-Senders Starz gehabt haben, die hierzulande bei Amazon Prime landete. Staffel 2 machte nach ihrer Premiere Anfang Oktober genau da weiter, wo die launige Achterbahnfahrt des munteren Kettensägengemetzels in der ersten Staffel aufgehört hatte. Unter Anleitung von Showrunner Craig DiGregorio standen nach wie vor der Spaß und eine kräftige Portion abgedrehter Nonsens im Vordergrund, ohne den unterhaltsamen, finsteren Kern der Serie aus den Augen zu verlieren.
Trippy!
So präsentierte man uns neue, ekelerregende, jedoch gleichzeitig schreiend komische Momentaufnamen, die mich als Zuschauer angewidert sowie mit einem breiten Grinsen im Gesicht zurückgelassen haben. Ein gutes Beispiel ist Ashs Scharmützel mit einem teuflischen Darm-Dämon zu Beginn der Staffel: Die Episode The Morgue markierte einen frühen Höhepunkt. Diesem folgten der Auftritt eines großartigen Lee Majors als Ashs grantiger Vater, eine episodenlange Auseinandersetzung mit der von bösen Geistern besessenen Delta-Rostlaube unseres Helden und ein schräger Ausflug in eine Irrenanstalt. Die Kirsche auf der Sahnetorte stellte dann die Reise von Ash und seinen Begleitern zurück in die Vergangenheit dar, bei der ungeschehen gemacht werden sollte, was sich vor mehr als 30 Jahren in einer kleinen Holzhütte im Wald zugetragen hatte.
Changing history
DiGregorio, sein Team und die Darstellerriege hatten die Essenz ihres bisweilen hochunterhaltsamen Horrorformats perfekt herausgefiltert und schafften es zur gleichen Zeit sich ein Stück weit von der filmischen Vorlage zu lösen und ihre eigene Geschichte zu erzählen. Die Ereignisse aus Sam Raimis Klassiker wurden zu einem soliden Unterbau, dem man mit Respekt begegnete und zu dem man in vielen kleinen Anspielungen immer wieder Bezug nahm. Jedoch unterwarf man sich auch nie zu devot dem, was viele Jahre vor der Serie erschaffen wurde. „Ash vs. Evil Dead“ stand auf eigenen Beinen und gefiel als anrüchiger, lockerleichter, derber In your face-Spross eines Franchise, das sich noch nie für zu wichtig genommen hat, was Teil seines Erfolgsgeheimnisses ist.
Die zweite Staffel von „Ash vs. Evil Dead“ wandelte lange Zeit auf vergleichbaren Pfaden, selbst wenn sich hier und da ähnliche Probleme wie in der ersten Staffel zeigten. Irgendwie drehte man sich zwischendurch im Kreise, der Schwung ging etwas verloren, doch der glänzend aufgelegte Cast um Bruce Campbell wusste die wenigen Talsohlen gut aufzufangen. Sichtbar war auch die Freude der Darsteller daran, Woche für Woche literweise mit Kunstblut übergossen zu werden und eine Vielzahl von wunderbar gestalteten Monster in Stücke zu hacken.

Slaves to pride
Und dann kam das Staffelfinale Second Coming und ein sehr offenes Interview von den US-amerikanischen Kollegen von The AV Club mit Showrunner Craig DiGregorio, der nach der zweiten Staffel seinen Hut genommen hat und nicht mehr diesen Posten bekleiden wird. Die letzte Episode der zweiten Staffel von Ash vs. Evil Dead fühlt sich seltsam an - so erging es mir zumindest beim Schauen dieser Folge. Irgendwie bereitete man über neun Episoden eine andere Geschichte vor als die, welche in „Second Coming“ zu Ende erzählt wird. Und wer sich zehn Minuten Zeit nimmt und DiGregorios Worten Aufmerksamkeit schenkt, der wird auch verstehen, warum das Finale nicht das erfüllt, was wahrscheinlich die meisten erwartet hatten.
Kreative Differenzen zwischen DiGregorio und dem Produzenten Robert Tapert (seit Beginn an im „Evil Dead“-Franchise involviert) sorgten für große Veränderung bezüglich der abschließenden Folge der zweiten Staffel, was deutlich spürbar ist. Während DiGregorio einen eigenen Weg einschlagen und dabei den besonderen Charme von Sam Raimis Film weiterhin ehren wollte, empfand Tapert, dass „Ash vs. Evil Dead“ nicht mehr die Serie ist, die das Franchise ausmacht. Am Ende setzte sich Tapert durch, was einen - meiner Meinung nach - ziemlich generischen, unspektakulären und für „Ash vs. Evil Dead“-Verhältnisse fast schon langweiligen Staffelabschluss zur Folge hat.
Savior of humanity
Wenn man bedenkt, was DiGregorio aus der Serie machen wollte, eine eigenständige Geschichte, die sich ihrem Ursprung zwar bewusst ist, aber dennoch etwas Unabhängiges wagt, dann ist es schon sehr schade, was wir letztlich vorgesetzt bekommen: eine Kopie des ersten Staffelfinales, die uns wenig Neues gibt und welche die Serie auf der Stelle treten lässt. Ich möchte nicht zu viel mutmaßen, aber es erscheint mir fast so, als hätte Tapert zu sehr Angst um seinen kreativen Einfluss innerhalb des Franchises gehabt, weshalb er am liebsten die äußerst einfache Formel „Ash muss gegen Dämonen kämpfen, Ash besiegt Dämonen, die Geschichte wiederholt sich“ für immer beibehalten möchte.
Contest of egos
DiGregorio hätte mit seinen Ideen ganz neue Türen für die Mythologie und die Geschichte von „Evil Dead“ geöffnet, etwas mit dem Sam Raimi, Bruce Campbell und alle anderen Castmitglieder allen Anschein nach weitaus weniger Probleme gehabt hätten als Tapert, der viel daran gesetzt hat, dass alles genau so bleibt, wie es ist. Wir Außenstehende schauen derweil etwas in die Röhre. Denn die zweite Staffel von „Ash vs. Evil Dead“ bewegte sich bis kurz vor ihrem Schluss in eine spannende Richtung, die uns neben gewohnt feuchtfröhlicher Slasher-Action und lockeren Sprüchen eine dramatische Geschichte in Aussicht gestellt hat. Diese werden wir jetzt aber wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen.
So bleibt am Ende einer zweiten Staffel von Ash vs. Evil Dead, welche die meiste Zeit sehr gelungen war und mit witzigen, frischen Ideen, einem gewohnt hervorragenden Produktionsdesign und sehr viel eigenwilligem Charme aufwartete, doch etwas Ernüchterung. Diese stellt sich vor allem über vergebene Chancen und biedere Entscheidungen hinsichtlich der zukünftigen Ausrichtung des Formats ein. Wie und ob der neue Showrunner Mark Verheiden (Battlestar Galactica, Daredevil) der Serie seinen Stempel aufdrücken kann, wird sich in der bereits bestellten dritten Staffel zeigen müssen.
Was ist Eure Meinung zur zweiten Staffel von „Ash vs. Evil Dead?“
Red Band Trailer zur zweiten Staffel von „Ash vs. Evil Dead“:
Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 20. Dezember 2016(Ash vs. Evil Dead 2x10)
Schauspieler in der Episode Ash vs. Evil Dead 2x10
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