Arrow 6x11

© zenenfoto aus der „Arrow“-Episode „We Fall“ (c) The CW
Die Superheldenserie Arrow hatte schon immer ein merkwürdiges Verhältnis zum Thema Hacken und den Konsequenzen daraus in Alltagssituationen. Als langjähriger Zuschauer erinnert man sich an Felicitys Ex, der Opfer eines explosiven Kurzschlusses geworden war. Ein ähnlich quatschiges Kaliber von „Suspension of Disbelief“ verlangt man den Zuschauern in der aktuellen Folge We Fall zu Beginn ab. Unkontrollierbare Autos, mörderische Bildschirme sowie Aufzugwände mit Schockwirkung machen klar, in welche Richtung es diesmal geht. Unter den Mordopfern sind Politiker, aber auch Polizei-Captain Pike (Adrian Holmes), der immerhin auch einige Auftritte hatte.
Olivers Sohn William (Jack Moore) macht derweil einen Schulausflug, übt davor noch etwas mit einem Spielzeugbogen und zeigt Felicity (Emily Bett Rickards) seine Mathe-Fleißarbeit, die ihm eine gute Note bringen soll. Die Hiobsbotschaften rund um die Cyberattacken erreichen Bürgermeister Queen jedoch sofort und sorgen dafür, dass Quentin (Paul Blackthorne) das Kommando über die Polizei erhält und dabei von Thea (Willa Holland) unterstützt wird. Es soll analog kommuniziert werden, zudem sind Sicherheitszonen für die Bewohner der Stadt geplant, die sie aufsuchen können. Das andere Trio wird derweil von Vincent (Clayton Chitty) kontaktiert, der behauptet, undercover bei Cayden James (Michael Emerson) zu agieren, was er mit Informationen zur nächsten Attacke auf eine U-Bahn untermalt. Curtis (Echo Kellum) muss entscheiden, ob er ihm traut und will die Infos durch Felicity verifizieren lassen.
You killed my son
Cayden James erscheint derweil bei Oliver (Stephen Amell) im Büro und verlangt Rache für seinen Sohn, den Oliver angeblich vor genau einem Jahr mit einem fehlgeleiteten Pfeil getötet haben soll. Er hat die gesamte Infrastruktur Star Citys unter Kontrolle und kann damit, wie bewiesen, fürchterliche Dinge antun. Gegen eine Zahlung von zehn Millionen Dollar würde er die Bewohner jedoch verschonen. Aber Oliver meint, dass mit Terroristen nicht verhandelt werden sollte und fragt sich, warum er sein Wissen über ihn nicht schon gegen ihn eingesetzt hat, wobei er durch die Einmischung des FBI schon für Chaos, Misstrauen und Zwiespalt gesorgt hat. Dass er sich dabei als Ben Gale bezeichnet, ist zumindest eine kleine Lost-Anspielung auf sein erstes Alias Henry Gale und seinen richtigen Namen Benjamin Linus. Leider bin ich weiterhin enttäuscht darüber, wie die Serie das Talent von Michael Emerson verschwendet.
Eine wirkliche Bedrohung oder gefährliche Aura geht von ihm nicht aus, auch wenn die Idee seiner großen Armee aus alten Feinden Potential hat. Doch immer mehr zeigt sich, dass es eine gute Idee wäre, wenn die Serie insgesamt vielleicht auf ihr Ende zusteuert. Denn große Armeen hatten wir auch schon bei Slade Wilson oder der League of Assassins, Angriffe auf die Stadt ebenfalls bei Deathstroke, Malcolm Merlyn und Damien Darhk, den Hackernebenplot mit Helix in der Staffel zuvor und einen Sohn, der Rache für seinen Vater wollte, mit Prometheus - James scheint jetzt einfach die Umkehrung zu sein?
Natürlich sind wir erst bei der Hälfte der aktuellen Staffel, aber dennoch zieht sich der Qualitäts- und Spannungsverlust der Serie progressiv durch jede neue Staffel. Inzwischen zeichnet sich das auch in den Einschaltquoten recht deutlich ab, wobei The CW durch Streamingabrufe und internationale Verkäufe eine Sonderstellung einnimmt und von bloßen linearen Ausstrahlungen nicht so abhängig ist, wie es andere US-Networks sind. Ein Arrow, was zehn Staffeln lang wie Smallville läuft oder 13 Staffeln und mehr wie Supernatural kann ich mir nicht vorstellen.
The Outsiders

Ich habe schon in der Vergangenheit angeregt, dass man das Format zu einer Teamserie namens „Outsiders“ machen könnte oder „Green Arrow and the Outsiders“ und tatsächlich fällt dieser Name beim Team von Dinah (Juliana Harkavy), Curtis und Rene (Rick Gonzalez). Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich das möchte, weil die Plots der Gruppe schwach sind und mich persönlich selten gut unterhalten. Eigentlich machen sie das, was sie auch vorher schon gemacht haben, nur mit einer Prise konstruierten Streits und Unabhängigkeit. Die Charakterisierung von Curtis war schon immer etwas neben der Spur, wie er hier aber Felicity anruft und sie dann abspeist, ist dennoch komisch. Natürlich arbeiten sie im Endeffekt weiterhin zusammen und weihen einander über ihre Ermittlungen ein, weswegen ich die Abspaltung umso merkwürdiger und gewollt konstruiert wahrnehme. Immerhin sind aber die langweiligen und unnötigen Flashbacks seit einer Weile wirklich weg.
Die „Outsiders“ gehen dem Hinweis von Vincent nach, der sich als richtig entpuppt, wobei Dinah eine U-Bahn per Canary-Schrei zum Anhalten bringt (netter Einfall), aber Curtis in bester Oliver-Queen-Manier die Wahrheit über seinen Hinweisgeber versteckt. Nach einem obligatorischem Streit klärt man, dass man Vincent eine weitere Chance geben würde und erhält später auch eine Morse-Botschaft. (Fun Fact: Ich bin noch nie einem Menschen begegnet, der diese Fähigkeit besitzt.)
Hero in the making

Natürlich hat Cayden James es auch auf Olivers Sohn abgesehen und plant einen Anschlag auf den Tunnel, durch den dessen Schulbus fährt, was auch das Team glücklicherweise noch rechtzeitig begreift. Als William versteht, was geschieht, übernimmt er heldenhaft die Initiative und lotst seine Mitschüler aus dem Bus - auch die, die ihn vorher noch geärgert haben. Diggle (David Ramsey) hilft Oliver beim Fortschaffen der anderen eingesperrten und Green Arrow schafft es gerade noch so, seinen Sohn zu retten, der hinter einem Schild gefangen ist. Dabei entdeckt William, dass Oliver wieder im Green-Arrow-Dress steckt.
Während Felicity hofft, durch Alena mehr über ein Paket aus Corto Maltese zu erfahren, das James zugespielt wurde und angeblich den Mord an dessen Sohn zeigt, weiß das Team, dass der Zeitpunkt des Mordes nicht stimmen kann. Oliver war zu dieser Zeit in Hub City, um Dinah zur Mitarbeit zu überzeugen. Zieht also jemand die Fäden hinter James? Diggle geht es nach dem Einsatz des neuen Implantats offenbar wieder bestens und er würde am liebsten wieder das Heldenkostüm überstreifen, muss sich aber noch etwas gedulden. Dass Felicity eine USB-Stick-Seriennummer benutzen möchte, um einen Computer ausfindig zu machen, der benutzt wurde, um Informationen an James weiterzuleiten, hat mich diesmal ebenfalls sprachlos werden lassen. Es gibt sehr viel techno mumbo jumbo in der Serie. Wenn man sich aber mal darauf konzentriert, sind manche Anmerkungen jedoch einfach zu lächerlich, um sie zu ignorieren und einfach so hinzunehmen.
Im Endeffekt läuft es auf die Moral hinaus, dass Felicity und Oliver sich darauf einigen, William nicht anzulügen, sondern offen und ehrlich mit ihm zu sein. Er sieht die Arrow-Höhle und seinen Vater und seine Stiefmutter bei der Arbeit und akzeptiert, wer er ist. Der Moment ist schnulzig und pathetisch, aber mal eine andere Art und Weise, die Siegesmontage darzustellen. Nebenbei zeigt Vigilante, dass man ihm vertrauen kann, weil er Rene und Dinah rettet und seinen Kollegen niederschießt. Später versöhnen sich Vince und Dinah, was wohl bedeutet, dass die Outsiders einen stillen (?) Partner erhalten.

Da Cayden James aber weiterhin die Stadt in der Gewalt hat und Alena keine weiteren Hinweise zum Absender der falschen Fährte findet, bleibt Oliver nichts anderes übrig, als das Lösegeld doch zu bezahlen, womit die Episode dann endet. Das wird sich „Arrow“-typisch wahrscheinlich noch rächen. Garantiert.
Fazit
Meine Arrow-Müdigkeit wird leider immer stärker. Weniger der Ideen der Autoren wissen mich zu begeistern oder zu überzeugen. Vieles läuft einfach auf Autopilot ab und es fehlt der Schwung. Die Action ist Durchschnitt, das Familiendrama sogar darunter und teilweise fast schon wie bei 7th Heaven, die tiefere Bedeutung der Teamspaltung bleibt mir ebenso verborgen wie der große Plan des Schurken, der aktuell nach einer Wiederholung von Staffel eins, drei und vier aussieht - mit leichten Abweichungen. Wahrscheinlich ist es noch nicht einmal die schwächste Arrow-Folge der letzten Zeit, aber dennoch bin ich ziemlich enttäuscht, was da aktuell geboten wird.
Trailer zur Episode All for Nothing (6x12) der US-Serie Arrow:
Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 26. Januar 2018Arrow 6x11 Trailer
(Arrow 6x11)
Schauspieler in der Episode Arrow 6x11
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