Arrow 5x09

© zenenbild aus der Arrow-Episode „What We Leave Behind“ / (c) The CW
Es ist eine Tradition, dass die neunte Episode einer Staffel der US-Serie Arrow zu den stärksten gehört. So ist es auch bei dem Winterfinale 2016 mit dem Titel What We Leave Behind aus der fünften Staffel. Zwar gibt es besonders bei den soapigen Momenten wieder ein paar Kritikpunkte, doch in der Inszenierung und aus der Sicht der Spannung glänzt die Episode.
Verräter in den eigenen Reihen

Nach dem Crossover-Einschub rund um die Dominators wird die Handlung um Evelyns (Madison McLaughlin) Zusammenarbeit mit Prometheus wieder aufgegriffen. Sie ist es, die den Wurfstern-Killer mit Insiderinformationen bezüglich der echten Identitäten des Teams versorgt. Dafür möchte sie dabei sein, wenn Prometheus ernst macht. Doch wie andere Arrow-Schurken zuvor, besonders denke ich hier an Slade Wilson, will er ihn erst zerstören und leiden sehen, ehe er sterben soll.
Dabei ahnt der Rest des Teams noch gar nicht, was auf sie zukommt, schließlich befinden wir uns in der Weihnachtszeit und da schmeißt auch der Bürgermeister eine Weihnachtsfeier, zu der Oliver Susan (Carly Pope) als Date ausführt, während Felicity (Emily Bett Rickards) den anderen endlich ihren Freund, den Polizeibeamten Billy (Tyler Ritter) vorstellen will und sich dafür Mut antrinkt. Die Autoren geben den Felicity-Hatern hier wieder ordentlich Grund, um über die Figur zu lästern, weil sie sich besonders trottelig anstellt, wenn sie gebechert hat. So schlägt sie, als sie Oliver und Susan sieht, direkt ein Doppeldate vor.
Apropos Date: Curtis (Echo Kellum) hat seinen Ehemann Paul (Chenier Hundal) mitgebracht. Dabei führt Felicitys Rausch auch hier indirekt zu Problemen, denn sie verplappert sich bezüglich ihres „Jobs“ und bringt Curtis in Erklärungsnöte. Paul hat sich ohnehin gewundert, warum sein Mann so viele Termin verschiebt, im Krankenhaus landet oder Ausreden präsentiert. Das führt auch dazu, dass sie sich recht schnell verabschieden und eine Ehekrise durchleben. Oliver verspricht als „Stirb Langsam“ liebender Bürgermeister, dass er weiterhin daran festhalten will, die Stadt zu verbessern. Seine Referenz auf „A Wonderful Life“ bezieht sich dabei auf seine Erfahrungen an Bord des Schiffs der Dominators, die ihm eine heile Welt vorgegaukelt haben. Übrigens nicht die einzige schöne Meta-Referenz der Folgen, denn auch Felicity meint, dass Menschen offenbar jeden Mittwoch (also dem Tag der US-Ausstrahlung) wiederauferstehen.
Diggle (David Ramsey) feiert mit John Jr. das Fest, während Rene (Rick Gonzalez) und Rory (Joe Dinicol) ihm Gesellschaft leisten und kurz über die Flashpoint-Offenbarung sprechen. Denn dort hat John Diggle erfahren, dass sein Sohn vorher mal eine Tochter war. Verräterschlange Evelyn bleibt vorerst in ihrer Rolle und verteilt Geschenke, wobei Wild Dog sich wieder nicht an Anweisungen halten kann, was sich in einer späteren Situation als Glücksgriff erweist.
Seinen frühen Abschied muss Curtis teuer bezahlen, denn plötzlich steht Prometheus auf dem Plan und attackiert ihn, obwohl er in zivil ist und das sorgt nicht nur für einen weiteren Krankenhausaufenthalt (hoffentlich hat er eine gute Versicherung), sondern auch zahlreiche Fragen durch Paul.
Ehekrise
Während ich es schade finde, dass Felicity wieder als Unruhestifter herhalten muss, gefällt mir die Storyline und auch das Schauspiel rund um Curtis und Paul eigentlich recht gut. Man kann Pauls Sorgen nachvollziehen, der bei den Indizien natürlich auch denkt, dass ihm Curtis Fremdgehen könnte. Bald tauchen auch Oliver und Felicity im Krankenhaus auf, während Billy die Ermittlung aufnehmen möchte, nachdem er seine Aussagen aufnimmt. Fest steht nun, dass Prometheus die Geheimidentitäten kennt, was auch die Angehörigen in Gefahr bringt. Zudem stellt sich heraus, dass Curtis vergiftet wurde, was ein perfider Hinweis ist, damit Oliver gewisse Entdeckungen macht und an den Namen Justin Claybourne erinnert wird.
Waffenfähige Tuberkulose
Selbst die Flashbacks gefallen mir in der Folge ausnehmend gut. Über Claybourne, einen Mann, der sich auf der Liste von Robert Queen befindet wird hier ein alter Einsatz aus Hood-Zeiten erzählt, wobei unüberlegte Handlungen auch unerwartete Konsequenzen haben können und genau so eine scheint Prometheus zu sein.

Das Team geht der ersten heißen Spur nach und dabei hören sowohl Rene als auch Oliver nicht auf ihre Marschbefehle. Oliver läuft also direkt in die Konfrontation mit Prometheus, was der genauso geplant haben dürfte. Hier sehen wir einen schön inszenierten Kampf, inklusive einem Eröffnungsmove bei dem der Wurfstern den Pfeil zum Bersten bringt. Der Vorteil scheint durch einen Eingriff von Wild Dog bei Team Arrow zu liegen, doch dann gibt sich Artemis als Verräterin zu erkennen, die Oliver als Betrüger charakterisiert, vor dem die Stadt gerettet werden muss. Da sitzt der Verlust ihrer Eltern wohl doch tiefer als gedacht oder Prometheus hat andere Mittel gehabt, um sie auf seine Seite zu ziehen.
Der Verrat sorgt für Vorsicht und die Angehörigen sollen in Sicherheit geschafft werden, was eine kluge Entscheidung ist. Außerdem wird eine weitere Spur gefunden, nämlich Asche, die untersucht werden soll, womit Rory und Rene beauftragt werden, denn Felicity muss zu Billy, der eigenständig ermittelt, was ihr Angst macht, weswegen sie ihn - nicht ganz respektabel - vorschreibt, dass er sich zurückziehen soll. Inzwischen ist er über ihre Zusammenarbeit mit Green Arrow eingeweiht, dennoch wirkt sie hier etwas zu herrisch.
Ultimatum
Später im Krankenhaus verstrickt sich Curtis weiter in Ausreden, weswegen Paul ihn auffordert ihm endlich die Wahrheit zu sagen. Doch diese schmerzt mehr als Lügen. Paul reagiert schockiert darauf, dass sein Ehemann Teil des Green-Arrow-Teams ist und weiß nicht so recht, was er davon halten soll. Deswegen gibt es ein Ultimatum: Er kann weiterhin Held spielen oder seine Ehe retten.
Ein Ultimatum bekommt auch Claybourne in den Flashbacks: Er soll seine Aktivitäten rund um die Biowaffe einstellen, sonst trifft der nächste Pfeil nicht ins Bein, sondern ins Herz. Da Oliver die Gefahr für die Stadt nicht einfach dulden kann, holt er sich bei Felicity eine Adresse, die auch in der Gegenwartshandlung von Bedeutung ist, denn die Asche ist die von Claybourne, den Oliver damals durchlöchert hat. Zurück in der Gegenwart steht nun die Vermutung im Raum, dass es sich beim Big Bad um einen Sohn von Claybourne handeln könnte, denn Detective Malone findet ein Babyfoto, das er noch an Felicity schicken kann, eher er sich nicht mehr meldet. Per Gesichtserkennung (so unwahrscheinlich das auch sein mag) wird eine Verbindung geknüpft.
Außerdem bemerkt Oliver noch etwas: Eine Luftrolle von Prometheus erinnert ihn an einen Kampfmove, den er in Russland von einer Frau gelernt hat, was wir bisher noch nicht in den Flashbacks gesehen haben. Nähern wir uns der Wahrheit? Die Autoren nehmen mit Billy, der von Prometheus attackiert wird, jedenfalls einen heißen Kandidaten aus dem Rennen und wählen also nicht den Neuankömmling dafür. Löblich, wie ich finde.
Von Adrian Chase (Josh Segarra) erfährt Oliver dann um das Verschwinden des Beamten, gleichzeitig fordert Chase auf den Druck auf Prometheus zu verschärfen, indem die Polizei Schussbefehl erhalten soll.
Two Types of Legacy

Thea (Willa Holland) ist nach dem Crossover gleich noch einmal im Speedy-Dress unterwegs, wobei sie hauptsächlich eine Anekdote zum Thema Vermächtnis zum Besten geben darf. Vater Queen wäre sicherlich stolz auf Oliver. Für Thea konzentriert sich Oliver zu sehr auf die negativen Seiten seiner Taten und vergisst dabei das Gute, das er bewirkt hat.
Verdächtig oder falsche Spur? Der Name Tommy wird einmal ins Spiel gebracht, der ja auch von manchen als möglicher Prometheus-Kandidat gehandelt wird. Nach dem Hologramm in der letzten Woche nun schon das zweite Mal, dass wir an die Figur erinnert werden. Zufall oder Absicht also?
1852
Wie bereits angedeutet, hilft die Adresse, die Felicity für Oliver damals herausgefunden hat, Prometheus in der Gegenwart zu finden. Dabei schneiden die Serienmacher die Vergangenheit und die Gegenwart in schönen Parallelmontagen aneinander. Eine tolle Idee ist etwa der Rolltreppenkampf.
Gleichzeitig erhalten Diggles mahnende Worte neue Bedeutung, denn der Mord an Claybourne scheint zumindest eine Teilmotivation für Prometheus zu sein, der sehr viel mehr als Rache möchte. Er will beweisen, dass Oliver Gift für seine Vertrauten ist. Der Schock ist dann, dass er Billy als Strohpuppe benutzt, der der Mund zugeklebt wurde und den Green Arrow mit mehreren Pfeilen durchbohrt, in der Annahme, dass der echte Prometheus vor ihm steht. Spätestens hier war für mich klar, dass es die bisher beste Episode der Staffel ist. Der arme Billy wird Opfer von Olivers nervösem Abzugsfinger, Prometheus versetzt dem Team - und besonders Oliver und Felicity einen harten Schlag und Oliver gibt sich zurecht die Schuld dafür.
Immerhin hält er das nicht geheim, sondern schildert die Situation, versteht aber, wenn keiner mehr mit ihm etwas zu tun haben möchte. Diggle versichert ihm aber, dass sie zu ihm stehen. Allerdings geht bald ein Notruf bei ihm ein, der ihn zu seiner Familie führt, wo schon ein Kommando auf ihn wartet.
Für Curtis scheint es klar zu sein, dass er sich für das Heldendasein entscheidet, denn er mag es nicht, wenn man ihn vor ein Ultimatum stellt. Hoffentlich ist hier das letzte Wort noch nicht gesprochen, es wäre schade, wenn die Beziehung so endet. Vorerst wohnt er bei seinem Bruder.
Ollie sucht derweil Trost bei Susan. Sie ist eine Person, die so gar nichts von seinem anderen Leben weiß, weswegen sie die passende Vertrauensperson ist. Dazu habe ich übrigens eine ganz wilde Theorie, denn wir werden es ohnehin erst zu einem späteren Zeitpunkt erfahren: Was wäre, wenn Susan Prometheus ist? Klingt abstrus, weil sie nicht männlich oder kräftig wirkt, aber das waren Sara oder Laurel oder auch Shado auf den ersten Blick ebenfalls nicht. Die Stimme lässt sich verzerren und es würde passen, Billy als Ablenkung zu opfern.
What the What?
Der Schocker um Billy ist den Autoren aber noch nicht genug. Denn als Oliver in die Höhle zurückkehrt steht Laurel (Katie Cassidy) offenbar in Fleisch und Blut vor ihm. Ist sie echt, ein Weihnachtsgeist, Zeitreise oder vielleicht eine weitere Flashpoint-Komplikation? Wir werden es in der zweiten Staffelhälfte mit Sicherheit erfahren.
Fazit

Auch in der fünften Staffel kann Arrow noch für eine Überraschung gut sein. What We Leave Behind liefert grandiose und spannende Unterhaltung, bei der die Zuschauer mit einigen Überraschungen konfrontiert werden. Die Action stimmt, die Fallhöhe wurde ordentlich erhöht und das Leben einiger Figuren gleicht einem Scherbenhaufen. Wieder einmal hat ein Schurke erfolgreich das einigermaßen glückliche Leben zerstört.
Was unternimmt das Team bezüglich Evelyn? Was passiert mit John? Wie geht Felicity mit ihrem Verlust um? Was zur Hölle macht Laurel da?
Fast würde ich mir wünschen, dass wir statt der üblichen 22 oder 23 Folgen eine dichter erzählte 13-teilige Staffel haben könnten, denn erfahrungsgemäß gibt es immer wieder einige Fillerepisoden, die der guten Vorlage des Mid-Seasonfinals dann nicht mehr gerecht werden. In den letzten beiden Staffeln ließen auch die abschließenden Episoden etwas zu wünschen übrig. Dennoch hoffe ich nach dieser erfreulichen Folge auf eine weiterhin unterhaltsame Staffel.
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 8. Dezember 2016Arrow 5x09 Trailer
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Schauspieler in der Episode Arrow 5x09
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