Arrow 4x18

Die Arrow-Episode Eleven-Fifty-Nine wird große Kontroversen und Diskussionen auslösen. Ganz große. Da bin ich mir sicher. Denn wir erfahren, wer denn nun die Figur ist, die seit dem Staffelauftakt als Todesopfer angekündigt wird. Doch wie kommt es dazu und wer ist es? Zunächst der Weg dorthin.
Blindspot for family
Mit den ersten Sekunden der Episode (und auch den letzten der vorherigen) werfen die Autoren ein schlechtes Licht auf Andy Diggle (Eugene Byrd), den wir des Verrats an seinem Bruder John (David Ramsey) und dem Arrow-Tam verdächtigen sollen, so, wie Oliver (Stephen Amell) es tut. Er nimmt sich beispielweise im Dunkeln die Waffe aus Diggles Safe und weiht seinen Bruder darüber ein, dass Malcolm (John Barrowman) ihn kontaktiert habe. Dabei heißt es, dass zwischen HIVE und Damien Darhk (Neal McDonough) Spannungen bestünden und Andy dabei helfen solle, den Oberschurken aus dem Knast zu befreien.
Diese Information wird natürlich unverzüglich an den Rest des Teams getragen, wobei auch das magische Totem von der Insel, das sich im Arrow-Lair befindet, eine Rolle spielt. Urplötzlich ist es auch für die Gegenwartshandlung von Relevanz, obwohl Ollie zuvor wohl kein Wort darüber verloren hat. Diggle glaubt, dass sein Bruder dabei eine Hilfe sein kann.
Nebenbei ruft noch die Altlast der Bürgermeisterkandidatur, denn es ist Tradition, dass der Verlierer den Gewinnern zum Sieg gratuliert. Da es im Fall von Ruvé Adams de facto keine andere Wahl gab, wirkt das ganze hirnrissig, Oliver hält sich aber an den Brauch und findet dabei heraus, dass 48 Prozent seinen Namen als write-in candidate auf die Liste geschrieben haben. Ein absoluter Rekord.
Ruvé, Darhks Frau (was sie in der Öffentlichkeit leugnet), zeigt sich beeindruckt von Laurels (Katie Cassidy) Anwaltsfähigkeit und will ihr die Stelle des Bezirksstaatsanwalts (District Attorney - DA) anbieten (Laurel ist momentan ADA, also Assistant District Attorney) und sie überlegt tatsächlich auch, da sie so die gute Sache mit mehr Einfluss öffentlich auskämpfen könnte. Das Für und Wider wird beispielsweise mit Thea (Willa Holland) besprochen, die sich nicht sicher ist, ob das die beste Idee ist. Sie selbst hat im Moment große Streitigkeiten mit ihrem Vater, der auch zugleich erscheint und Diggles Sicherheitsupdates spielend leicht umgehen kann. Er hat gleich ein paar League-of-Assassins-Lakaien im Gepäck, die sich mit Laurel und Thea anlegen, während er das kostbare magische Totem im Visier hat.
Währenddessen sind Diggle und Oliver mit einem Convoy beschäftigt, der stark nach Ablenkung riecht und zufällig ist einer der Teilnehmer daran auch Andy. Olivers Arrow-Sinn klingelt hier also ganz gewaltig. Zurück in der Höhle hat Thea ihren Vater quasi besiegt, doch wegen ihrer fehlenden Blutlust zögert sie den Kill zu machen und den eigenen Vater tötet man sicherlich auch nicht einfach mal so.
Don't trust anybody

Thea muss sich nach dem Kampf mit Daddy erst einmal abreagieren und Oliver verfällt vielmehr in Richtung Paranoia. Seinen Verdacht teilt er auch mit Laurel, die ihn jedoch mahnt, dass er erst sicher sein soll, bevor er seine Beziehung zu John aufs Spiel setzt und sich davon vielleicht nie erholt. Laurel muss derweil selbst eine Entscheidung fällen und trifft sich mit ihrem Vater Quentin (Paul Blackthorne) beim Chinesen zum Essen. Der rät wegen seiner Erfahrung aus erster Hand natürlich davon ab, das Jobangebot anzunehmen. Dadurch würde jegliche Aktivität überwacht werden und Laurel sich erpressbar machen.
Als das Arrow-Team einer Spur nachgeht, gerät es in die Falle, in der Andy dann einen Pfeil für Ollie einsteckt, was ein Zeichen sein soll, dass man sich auf ihn verlassen soll. Diese Pille schluckt John ohne Weiteres, aber Oliver verharrt auf seinem Standpunkt. Außerdem meint Andy, dass sie trotz seiner Verletzung zum Iron-Heights-Gefängnis weiterziehen sollen, denn, wenn Darhk das Totem kriegt, ist er nicht mehr aufzuhalten. Guter Punkt oder Teil des Plans? Die Balance zwischen Vertrauen und Mistrauen wird von den Autoren relativ gut aufgebaut. Man denkt sich, dass Oliver nicht immer richtig liegen kann, sieht aber auch, dass Diggle als Familienvater und Mensch inzwischen dazu übergegangen ist, einen blinden Fleck zu haben, was seinen Bruder angeht, obwohl das vor wenigen Folgen noch anders aussah.
Malcolm Merlyn macht seinem Spitznamen „The Magician“ alle Ehre und taucht wieder urplötzlich vor Damiens Zelle auf und zeigt ihm, dass er besorgt hat, was er wollte. Doch Merlyn ist wohl nicht so sehr ein Mann des Details, sonst wüsste er, dass es nicht komplett ist. Wir sehen wahrscheinlich auch den Grund, warum Darhk Malcolm zur Zusammenarbeit zwingen konnte: Er dürfte ihm mit Theas Tod gedroht haben. Denn sollte er seinen Fehler nicht ausmerzen, wird es beiden an den Kragen gehen.
An dieser Stelle frage ich mich: Würde Malcolm einfach aufhören zu kooperieren oder aber dem Arrow-Team mitteilen, was Sache ist, könnte man „DD“ im Gefängnis lassen, denn er mag zwar ein paar Ressourcen haben, ist ohne Magie aber relativ machtlos. Vielleicht war es auch Malcolm, der den Anschlag in der vorherigen Episode angeordnet hat, und er muss nun einsehen, dass diese Taktik nicht klappt. Aber dann hätte man vielleicht statt Insassen hier die Assassine einsetzen sollen.
Johns Naivität wird dann verdeutlicht, als er mit dem verletzten Andy redet und dabei plappert wie ein Wasserfall - und das ohne jeglichen sinnvollen Grund. Er weiht ihn einfach viel zu sehr in alles ein, so dass man schon fast ein wenig an seinem taktischen Gespür zweifelt (und als Zuschauer an der Subtilität der Autoren). Das sorgt dafür, dass Oliver ihm deutlich macht, was er von seiner Offenheit in dieser Situation hält. Das Fass zum Überlaufen bringt dann die Situation, in der Andy angeblich nach Wanzen in der Wohnung sucht und dabei von Oliver konfrontiert und angegriffen wird. John richtet gar seine Pistole auf seinen Partner und scheint kurz davor zu sein, auch wirklich abzudrücken. Sorgt Bruder Andy wieder für einen Rift zwischen den beiden Urgesteinen des Teams? Oliver jedenfalls gibt zu, dass er sich persönlich nie vollständig von der Zeit auf der Insel erholt hat und deswegen traut er seiner Läuterung nicht.
Darhk und Merlyn sind vorsichtig, obwohl Laurel mitbekommen hat, dass eventuell etwas in Darhks Zelle geschmuggelt wurde, wird aber auch bei einer Erweiterung der Suche durch die Zellenblocks nicht fündig. Dafür droht der Eingesperrte ihr nun - und zwar ganz eindeutig in Richtung Vater, der ja bekanntlich nicht nur ein Herz-, sondern auch ein Alkoholproblem hat. Oberflächlich lässt sich Laurel davon jedoch nicht einschüchtern und verspricht ihm ein Wiedersehen im Gerichtssaal.
Zur Sicherheit haben Laurel und Thea die Sicherheitsanlage angezapft, wobei sie den ältesten Trick überhaupt, nämlich den Schmuggel per Buch, nicht bedacht haben. Doch davon ahnen sie noch nichts. Laurel beschließt, angeregt durch eine Unterhaltung mit Oliver, das Black-Canary-Dress niederzulegen und ähnlich wie ihr Vater wieder ein Held ohne Kostüm zu werden. Doch einmal wird sie noch gebraucht.
Magic Jail Break Time

Durch die shivs (quasi Stichwerkzeuge) die verteilt wurden, können die Insassen den Aufstand proben und der in der letzten Episode schon aufgetauchte Murmur (Adrian Glynn McMorran) hat auch das Totem parat, das Darhk wieder mit Macht ausstatten kann, sofern denn das fehlende Teil, das John Diggle persönlich versteckt hat, beschafft werden kann. Doch zunächst kümmern sich die Verbrecher auf brutale Weise um die Wärter und nehmen die Überlebenden als Geiseln. Der vom Dienst entbundene Quentin sorgt bei der Polizei für die Ablenkung und die Möglichkeit für das Arrow-Team plus Andy, unbemerkt reinzukommen.
Dabei kommt es zu einigen Konfrontationen, etwa Murmur gegen die Ladys oder dem Rematch von Malcolm und Thea, wobei Malcolm diesmal die Oberhand hat. Während das Team seine Fußsoldaten bekämpft, schaut Darhk nur ruhig und selbstsicher zu. Sein Trumpf liegt in Diggles Schwäche seinem Bruder gegenüber, der sich aber, wenn man auf die Hinweise achtet, wenig überraschend als Verbündeter von Darhk und Hive herausstellt, der die letzten Wochen und Monate wie ein Wolf im Schafspelz beim Team und Diggle gelebt hat. Die Rolle hat er überzeugend gespielt, indem er ihre Leben mehrfach rettete und auch selbst einsteckte. Ob das nun nur mit dem magischen Einfluss Darhks zu tun hat, der nach seiner Verletzung durch Oliver wieder erstarkt ist und mit dem er auch die Insassen lenken kann oder ob er es aus freien Stücken oder einer anderen Gehirnwäsche macht, ist zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz klar. Darhk braucht jedoch mehr Macht und holt diese mit Morden, die ihn quasi unantastbar machen.
Da nützt auch Olivers kurze Befreiung aus seiner magischen Telekinese nichts, vielmehr signalisiert es den Anfang vom Ende für ein Teammitglied, denn Darhk hält seinen Schurkenmonolog, bei dem er sein Versprechen gegenüber Quentin anspricht. Den Pfeil fängt Darhk spielend ab und fährt fort mit seinem Plan, der darin mündet, dass er Laurel ausgerechnet mit Olivers Waffe ersticht. Ein solcher Schock lässt das Team vergessen machen, worum es eigentlich geht, und ermöglicht Darhk, der wieder mal unbesiegbar scheint, die Flucht.
Ein kleines bisschen Zweifel könnte man an Malcolms Loyalität haben, die ja ohnehin gerade dahin wechselt, wo es ihm in seinen Plan passt und als Darhk Thea umhaut, sieht man auch, wie ihn das stört. Mit dem Totem hat Darhk jedenfalls eine Schwachstelle, die man im Zweifelsfall stehlen oder zerstören könnte, doch nur, wenn er darin nicht zu viel Macht/Seelen aufsammeln kann.
Der Schrei der Canary verstummt - 11:59

Laurel wird schnellstmöglich ins Krankenhaus gebracht, wo sich die Ärzte nach ihren Möglichkeiten um sie kümmern und kurzzeitig sieht es auch gut aus. Immerhin kann Laurel mit dem Team sprechen. Dazu gehört auch Felicity (Emily Bett Rickards), die ins Krankenhaus eilt und Beistand leistet.
An dieser Stelle muss kurz die Schuldfrage erörtert werden: Fakt 1) Es ist Olivers Pfeil. Fakt 2) Es ist Andys Verrat, der Damien seine alte Stärke gegeben hat. Fakt 3) Es ist Diggle, der nicht auf Oliver hören wollte und auf die Hive-Tricks reingefallen ist. Beide sind Mitschuld an der Verletzung und an Darhks Ausbruch. Außerdem kann McDonough in seiner Rolle endlich wieder auf die Pauke hauen und den Schurken rauslassen. Die Zutaten dieser Szene passen also allesamt hervorragend zusammen.
Die Szene zwischen Oliver und Laurel, die sich anschließt, ist dann ganz große Emotionsshow. Sie bittet ihn, ein Bild aus ihrer Tasche zu holen, das aus unbeschwerten Tagen stammt. Und an diesem Punkt sind so manche Shipper sicherlich ausgerastet: Sie sagt, dass sie froh ist, dass Oliver Felicity gefunden hat und hofft, dass sie ihre Differenzen beiseite räumen können. Ein weiterer Schlag in die Magengrube folgt dann, als sie sagt, dass sie zwar nicht die Liebe seines Lebens ist, er aber ihre. Aua!
Kurz nach diesem letzten Dialog erleidet Laurel einen Herzstillstand und stirbt - und zwar sehr eindeutig und mit einer Darstellung der Leiche. Wir haben also keine Roy-Situation (Colton Haynes) und auch keine Sara-Situation, da die Lazarus Grube versiegt ist, seit der Auflösung der League of Assassins. Vielmehr ist es wie bei Tommy oder Moira. Laurel ist tatsächlich tot. Da interessieren die Flashbacks auch keinen mehr. Die Autoren haben es wirklich getan. Eine zentrale Figur, die seit Anfang an dabei ist und in den Comics eine große Rolle spielt, ist fort. Durch Flashbacks oder parallele Welten natürlich nicht ganz für immer, aber doch als Hauptfigur aus dem Verkehr gezogen. Man wird sie vermissen.
Konsequent
Wir werden uns den Äußerungen der Showrunner und Produzenten noch an anderer Stelle gesondert widmen, aber das sitzt. Das dürfte für manchen ein Ausstiegsgrund sein - davon abgesehen eröffnet es jedoch einige spannende Erzählmöglichkeiten. Wie Laurel schon selbst sagt: „Anything can happen“. Besonders fies ist außerdem, dass Laurel Oliver ein Versprechen abverlangt, aber wir hören nicht, was es ist. Mal sehen, wie lange wir darauf warten müssen. Um 11.59 Uhr verstirbt Laurel Lance dann. Wieder mal trifft es eine weibliche Figur, auch das scheint irgendwie (bis auf Tommy) Tradition bei Arrow zu sein.
Fazit

Die Folge Eleven-Fifty-Nine ist ein game changer für Arrow, das durchaus bekannt dafür ist, wichtige Figuren aus dem Spiel zu nehmen. Dass es nun Laurel wird, hätte ich bis vor kurzem nicht gedacht, wenn man nur die Indizien aus den Folgen nimmt. Als sie Darhk vor Gericht gebracht hat und damit Erfolg hatte, konnte man ahnen, in welche Richtung es geht. Genauso gut hätte es aber auch Quentin treffen können. Jedenfalls wird man dem Grabsteinteaser auf diese Art gerecht und gibt den Fans in den kommenden Woche einiges zu knabbern.
Insgesamt ist die Folge stark inszeniert und besonders der Teil ab dem Gefängnisausbruch auch spannend gestaltet. Darüber hinaus darf Darhk nach einer längeren Zwischenpause nun noch mächtiger als ohnehin schon zurückkehren. Nun kann man rätseln, welches Mittel es gegen ihn gibt. Vielleicht müssen ja zufällig Constantin und Vixen aushelfen, vielleicht reicht auch nur Theas Immunität, die zeitweise als Schlüssel für den Erfolg galt. Fest steht: Darhk ist eine harte Nuss und wir kennen noch nicht einmal Details zum ominösen Projekt Genesis, um das so viel Aufwand betrieben wird. Mal sehen, wie alle offenen Fragen und Handlungsstränge in den letzten Episoden aufgelöst werden.
Trailer zur nächsten Episode, Canary Cry (4x19), der US-Serie Arrow:
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 7. April 2016Arrow 4x18 Trailer
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Schauspieler in der Episode Arrow 4x18
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