Arrow 4x19

Nach dem herben Verlust in der Arrow-Episode Eleven-Fifty-Nine muss das Arrow-Team nun ohne Laurel (Katie Cassidy) weiterkämpfen. Somit ist zunächst Trauer angesagt. Besonders Quentin (Paul Blackthorne) verdaut die Nachricht verständlicherweise nur sehr schwer. Er sackt zusammen und will es nicht wahrhaben, dass sein Engel nicht mehr auf der Erde wandelt. Quentin begreift nicht, wie das passieren konnte und ist bald in der Leugnungsphase. Wobei er allerhand Möglichkeiten prüfen will, die ihm in seiner Zeit mit den maskierten Rächern schon begegnet sind, ehe er akzeptiert, dass es keine Rettung für seine Laurel gibt.
Das blame game wird in dieser Folge rumgereicht. Denn auch Diggle (David Ramsey) macht sich Vorwürfe wegen des blinden Flecks für die Familie und weil er nicht auf Olivers Warnungen reagiert hat und somit die Kette der Ereignisse indirekt ausgelöst hat.
Alex (Parker Young), der nun Ruvé Adams' (Janet Kidder) Pressesprecher ist, verkündet Laurels Tod und gibt Damien Darhk dafür die Schuld. Es überrascht schon, dass Darhk und Ruvé, die als Eheleute unter einer Decke stecken, diesen Schritt wagen und ihn quasi belasten, wobei er durch seine wiedererstarkte Magie aktuell geradezu unantastbar ist.
Lil' Black Canary
Ein weiteres Problem taucht nur wenig später auf: In den Straßen Star Citys gibt es eine neue Black Canary, die Waffen stiehlt und auch den Schrei einsetzen kann, der eigentlich auf Laurels genetischen Code abgestimmt war, wofür Cisco aus The Flash gesorgt hatte. Genau das ist ein Grund, warum Quentin ihr Ableben nicht wahrhaben will, doch ein Besuch im Leichenschauhaus gibt die traurige Gewissheit: Laurel ist und bleibt tot. Die Krankenhausangestellte, die Oliver den Gefallen tut, deckt ihn und seine Superheldenfreunde zudem auch und meint, dass das unter das Schweigegelübde fällt, weswegen sie ihm gegenüber zwar von einer häufigen Patientin erzählen kann, die Details aber fairerweise aussparen muss. Diggle sucht bei Felicity (Emily Bett Rickards) Beistand und ein offenes Ohr, dabei weiht er sie in seine Verfehlungen ein und deutet auch an, dass er die Schuldigen ausfindig machen und zur Verantwortung ziehen will.

You failed this city!
Thea (Willa Holland) trifft sich derweil mit Alex, der ihr eine nette kleine Aufheiterung bringt und bedankt sich für seinen Einsatz, weil sich das Team momentan nicht mit den Medien beschäftigen, sondern lieber den Verlust verkraften will. Doch das Date wird jäh von bereits besagter Fake-Canary unterbrochen, die es aber nicht auf Speedy, sondern Alex abgesehen hat und ihn mit dem Schrei und Prügel überzieht. Sofort gibt Thea den Überfall an Oliver weiter, der als Green Arrow die Konfrontation übernimmt, aber von ihrem mehrfachen Schrei in die Schranken gewiesen wird. Außerdem schiebt sie Oliver den schwarzen Peter zu, weil er sie angeblich im Stich gelassen hat, wobei ein Stichwort fällt, das der Gruppe einen Hinweis liefert.
In der Höhle erfahren wir auch die Gründe für Olivers „Versagen“, denn das Schrei-Gadget wurde verstärkt und modifiziert und konnte Olivers Ohrschützer somit knacken. Die patentierte Smoak'sche Blitzrecherche nach Familien mit vermissten Kindern offenbart für Felicity und den Rest dann, dass es sich um Evelyn Share (Madison McLaughlin) handelt, die quasi alle Zutaten für einen 16-jährigen badass mitbringt. Quentin lässt derweil nichts unversucht und hat Kontakt mit Nyssa (Katrina Law) aufgenommen, die ihm seine Anteilnahme ausdrückt. Sie würde alles für Laurel machen, kann aber aus uns bekannten Gründen nicht mit der Lazarus Grube dienen, denn die wurde zerstört. Doch auch das soll ihn nicht aufhalten weiterzusuchen, weswegen Nyssa Oliver direkt Bescheid gibt.
John läuft Amok

Oliver und Felicity kommen nach dem Tod von Laurel nun wieder miteinander in Kontakt und sprechen über ihre momentane Gefühlslage, denn Oliver glaubt, versagt zu haben - in mehrerlei Hinsicht. Gegenüber der Nachahmerin, Laurel, John und Felicity. Apropos John: Thea, die in dieser Episode so etwas wie die menschliche Notrufsäule ist, gibt Bescheid, dass Diggle von seiner Frau gesucht wird. Glücklicherweise hat Stalker-Felicity Peilsender für alle Teammitglieder und kann ihn ausfindig machen, bevor er eine Dummheit begeht.
Diggle hat nämlich als Spartan die Bürgermeisterin im Visier und betäubt ihre Leibwächter, ehe er auch sie bestrafen will, doch das verhindert Ollie noch einmal rechtzeitig. Zuvor hat er jedoch einen heftigen Schlag untergebracht. Schauspielerisch bringt Ramsey die Wut und aufgestaute Frustration sehr gut rüber. Dabei gibt es zwar ein paar Momente, in denen die Regieanweisungen gesagt haben könnten, dass er alles rauslassen soll. Aber das passt zur allgemeinen Stimmung. Der Verlust von Laurel wiegt eben extra schwer. Vergleicht man es mit Tommy oder Moira, dann haben diese Tode vor allem Laurel und Oliver getroffen. Im Fall von Laurel ist aber das ganze Team schwer betroffen und auch wegen der Schuldfrage involviert.
Die Gefühle und Emotionen nehmen so sehr Überhand, dass auch Olivers Stimmverzerrer schnell aussetzt und auf Geheimidentitäten quasi gepfiffen wird. Ruvé sieht man zwar weglaufen, aber wer sagt ihnen denn, dass sie sie nicht aus der Distanz beobachtet? Allerdings spielt das ohnehin kaum eine Rolle, denn Darhk und Co wissen wohl um die wahren Identitäten der Männer und Frauen hinter den Masken. Wichtig ist Olivers Aussage, dass das Töten oder Bestrafen von Andy, sie nicht wiederbringen wird und dass man niemals sich selbst aus den Augen verlieren und wie die Gegner werden darf.
Wie der Gegner sein kann, erfahren die Helden dann auch ohne weitere Umschweife, als Ruvé im TV Stimmung gegen sogenannte vigilantes macht und die Verhaftung von Fake-Canary fordert, dabei missbraucht sie dann sogar den guten Ruf von Laurel Lance als Anwältin auf widerliche Art und Weise. Für das Team steht fest, dass sie die junge Dame vor der Polizei finden müssen und dabei können sie wegen seiner Suspendierung nicht auf Quentin setzen.
All the feels
Oliver wäscht Quentin derweil ein wenig den Kopf, denn er macht ihm klar, dass es aktuell keine Aussicht auf Wiederbelebung gibt. Die Lazarus Grube und die League of Assassins wird ausgeschlossen. Doch die magische Komponente oder Zeitreise bleibt hier allerdings unausgesprochen. Es scheint, als wollen die Autoren - zumindest fürs Erste - einen dicken Schlussstrich unter das Kapitel Laurel setzen, denn sonst würden sie sich nicht bemühen, es so eindeutig zu machen und ihr auch noch die Flashbacks zu widmen.
Quentin wird dabei als weiteres Werkzeug genutzt, um das zu verdeutlichen. Sein Handlungsbogen in der Episode ist auf emotionaler und schauspielerischer Ebene stark. Er meint zwar, dass Oliver noch nie eine Tochter verloren hat, aber für Oliver ist Verlust keineswegs ein Fremdwort. Genannt werden hier sein Vater und seine Mutter und auch Tommy. Zudem ist sein Sohn William zwar am Leben, aber aufgrund seines Lebensstils wird es ihm unmöglich sein, eine „normale“ Vater-Sohn-Beziehung aufzubauen und er hat die Jugendjahre bereits versäumt. Quentin hat seinen Fels in der Brandung verloren, seine Hauptbezugsperson, die ihm in seinen schweren Zeiten - nach Saras Verlust und in seinem Kampf mit Alkohol und seinem Herzen - beigestanden hat. Das lastet schwer auf ihm, weswegen seine verzweifelten Versuche verständlich sind.
Laurels Vermächtnis

Das Team sorgt sich derweil, was die Fake-Canary für die Erinnerung an Laurel und Black Canary anrichten könnte und findet heraus, dass sie es auf Adams abgesehen hat, also bricht das Team zu ihrer Veranstaltung auf und macht sich auf eine Auseinandersetzung bereit. Die Sicherheitscrew vor Ort kriegt das mit, doch Adams will die Angreiferin kommen lassen, denn das scheint wunderbar in den Plan zu passen. Sie lässt die verhassten Heroen einfach ihre Drecksarbeit machen und steht selbst öffentlich gut da. Oliver geht dazwischen, als sie ihre Waffe auf sie richtet und kann damit punkten, dass sie durchaus Respekt vor dem Mantel der Black Canary zu haben scheint, denn nach der Frage „Was würde Black Canary tun?“ räumt sie das Feld, während Ruvé die Polizei anweisen kann, Green Arrow festzunehmen, wobei der natürlich flieht.
Nach dem vereitelten Mord meint Thea, dass die Fake-Black-Canary tatsächlich den schönen Ruf der gemeinsamen Gefährtin ruiniert habe, doch Oliver lässt das nicht zu und nutzt das Begräbnis für eine Ansprache, die er bei Tommy nicht halten konnte, weil ihm die Muffe ging. Doch seitdem ist er emotional erwachsener geworden und hat mehr Verantwortung übernommen. Dabei inspiriert er mit seinen Worten die Anwesenden, darunter Mutter Dinah (Alex Kingston) und auch die Lil' Canary, denn er sagt öffentlich, dass Laurel mehr war als nur eine Anwältin, er outet sie als Black Canary und rettet so ihr Vermächtnis. Eine schöne Geste, die umso mehr bedeutet, wenn sie denn nun tatsächlich Bestand hat, weswegen die Autoren Laurel wohl auch nicht zurückbringen werden.
Flashback to easier times?
Die Episode bringt uns anfangs direkt auf eine falsche Fährte, als wir Tommys Beerdigung zu Gesicht bekommen und aber denken, dass es die von Laurel ist. Verwirrt war ich kurz über den inzwischen ungewohnten Blick auf Quentin mit stolzer Haarpracht. Zwar hat man ihn schon kürzlich in Legends of Tomorrow so gesehen, doch da lagen noch mehr Jahre dazwischen.
Der vorliegende Flashback spielt im Jahr 2013, also rund um das Ende der ersten Staffel, die mit dem Opfer Tommys einen Wandel in Oliver auslöste und ihn langsam, aber sicher von seinem mörderischen Pfad abbrachte. Bei seinem besten Freund musste er kneifen, was die Grabrede angeht, und Laurel musste einspringen. Allerdings traute er sich zum damaligen Zeitpunkt auch nicht, Laurel die Wahrheit über sich selbst zu sagen. Insgesamt hat er Laurel damals unglaublich viel belogen und betrogen, was sie mit Sicherheit nicht verdient hatte. Zieht man die imaginäre Linie fort, dann hatte Oliver auch Schuld an ihrer Junkiephase und ihrem Drang nach Action und Vergeltung, aber das führt hier zu weit.
Laurel steht bei Arrow für den alten Oliver, der sich an bessere Zeiten erinnert, als die Verantwortung nicht schwer wog und er den Playboy markieren konnte. Während Laurel sich auf die Zukunft gefreut hatte, weil sie schon immer irgendwie für die Gerechtigkeit, damals noch vor Gericht, kämpfen wollte - und dies zu ihrem Lebensende wieder verstärkt tun wollte. Am Ende das Rückblicks schiebt Oliver ihr einen Brief zu und leitet seinen erneuten Abstecher nach Lian Yu ein, der zwischen Staffel eins und Staffel zwei stattgefunden hatte, gleichzeitig aber auch ihren Wandel zur kostümierten Heldin.
To kill or not to kill?

Im Endeffekt sehen wir die bereits mehrfach angeteaserte Begräbnisszene, die nun klar Laurel zugeschrieben wird. Barry (Grant Gustin) konnte wegen Zoom, der ihm seine Kräfte geraubt hat, nicht schneller da sein und Oliver schwört sich, Damien Darhk zu töten. Nur hat er keine Ahnung, wie er das anstellen soll. Er fürchtet sich vor den Konsequenzen, die Magie nach sich ziehen kann. Felicity ist ebenfalls gewillt, ihn zu unterstützen, auch wenn ich finde, dass ihre Emotion im Teaser und der Gegenwart nicht ganz mit ihrer Performance in dieser Episode zusammenpassen. Doch sie gibt das richtige Stichwort: Laurel darf nicht umsonst gestorben sein und Oliver muss einen Weg finden, ihn zu besiegen.
Wir werden sehen, inwieweit man diese Mordabsicht dann auch in der endgültigen Konfrontation einbaut. Es wäre merkwürdig, wenn man Green Arrow mehrere Jahre effektiv zeigt, ohne auf Mord zurückgreifen zu müssen, nur um jetzt einen gefühlten Rückschritt zu machen. Allerdings gibt es einige Möglichkeiten: Es kann jemand anderes als Oliver sein, der die Tat begeht: Quentin, Thea, Diggle, Andy oder andere Kandidaten. Dass Darkh aber besiegt wird, dürfte jedem klar sein.
Fazit

Canary Cry ist eine Episode, in der Emotionen großgeschrieben werden. Das Team hat mit einem herben Verlust ordentlich zu kämpfen und das spiegelt sich auch in der Erzählung und den Performances wider, wobei hier Diggle und Quentin besonders gelobt werden müssen. Die junge Canary ist eben genau das: noch jung und unerfahren und deswegen in meinen Augen das schwächste Glied. Ein Mini-Arc mit ihr wäre okay, aber ein weiteres Teammitglied bräuchte ich nicht unbedingt, zumal das Team so schon groß genug ist. Da sollte man sich lieber um manchmal vernachlässigte Teammitglieder wie Thea kümmern.
Alles in allem ist der Endspurt vielversprechend und das commitment der Autoren, Laurel keine Rückkehrmöglichkeit anzubieten, mindestens respektabel. Kontroversen wird es dennoch geben. Der Abschied wird der Figur aber gerecht, jedenfalls mehr, als ihre letzten öffentlichen Worte vor ihrem Ableben.
Der Trailer zur nächsten Episode, Genesis (4x20), der US-Serie Arrow:
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 28. April 2016Arrow 4x19 Trailer
(Arrow 4x19)
Schauspieler in der Episode Arrow 4x19
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