Arrow 3x13

Viele Kritikpunkte, die in den Reviews zu dieser dritten Arrow-Staffel geäußert wurden, scheinen in der Episode Canaries von den Autoren berücksichtigt worden zu sein. Mindestens zwei ganz große Enthüllungen bringen der Serie außerdem längst überfällige Frische und Dynamikänderungen. Schaffen es die Autoren also doch noch, die Staffel aus ihrer anfänglichen Schwächephase zu navigieren?
Kanarienvögel
Eingeleitet wird die Episode mit einem Kampf der Canarys: Laurel (Katie Cassidy) versus Sara (Caity Lotz). Nein, Sara ist nicht von den Toten auferstanden: Es stellt sich bald heraus, dass das eine drogeninduzierte Vision ist, die von Vertigo (Peter Stormare) ausgeht. Wie es dazu kam, erfahren wir 48 Stunden vorher.
Oliver (Stephen Amell) ist bekanntlich wieder da, was bedeutet, dass er gemeinsam mit Roy (Colton Haynes) auf Streife geht und einen Mann verfolgt, bis Laurel ihnen zuvorkommt und ihn umhaut. Das führt zu Spannungen, denn Oliver findet Laurels Aktionen immer noch nicht okay. Darum einigt man sich zunächst darauf, sich aus dem Weg zu gehen. Doch wir wissen, dass das nicht lange anhalten wird.
Überhaupt gibt es merkliche Spannungen im Team: Oliver lehnt Laurel als Heldin ab, Diggle (David Ramsey) und Roy heißen es gut und Felicity (Emily Bett Rickards) ist nach wie vor sauer auf Oliver und bezeichnet Malcolm (John Barrowman) als seinen BFF, nachdem er nun mit ihm gemeinsame Sache gegen Ra's Al Ghul (Matt Nable) macht. Ein wenig hat sich das Team also von Ollie als unangefochtenem Anführer emanzipiert und wird flügge.
Passenderweise kommt dann Malcolm hinzu, der den nächsten Schritt orchestriert: Denn er schlägt vor, dass man Thea nicht länger wie ein Kind behandeln und ihr die Wahrheit beibringen sollte. Neben Quentin (Paul Blackthorne) ist sie so ziemlich der einzige zentrale Charakter, der das Geheimnis nicht kennt, was langsam auch für ein Glaubwürdigkeitsproblem sorgt.
Zwar warnt Diggle Ollie vor diesem Schritt - er glaubt, Thea würde es nicht verkraften und er könnte sie verlieren. Doch manchmal kommt es eben anders. Statt den Schritt herauszuzögern, machen die Autoren Nägel mit Köpfen. Und man muss sagen: Endlich! Oliver unterbricht Theas Flirterei mit dem DJ/Assassinen und zeigt ihr dann unumwunden die Arrow-Cave im Keller des Verdant. Ein starker Moment, der unerwartet kommt und der nicht mit einem Zusammenbruch Theas endet, sondern damit, dass sie sich stolz auf ihren Bruder zeigt.
All die schlechten Ausreden und Ausflüchte verzeiht sie ihm, weil sie einsieht, dass er andere Menschen gerettet hat. Endlich reden die beiden offen - etwa über die Frage, ob Moira eingeweiht war. Für Thea ergeben einige Erinnerungen nun plötzlich Sinn oder erscheinen in einem ganz neuem Kontext. Auf Malcolm Merlyn ist Thea nun überhaupt nicht mehr gut zu sprechen, da sie seine Handlungen neu bewerten kann. Oliver ist vor allem darüber erstaunt, dass Malcolm nie selbst die Gelegenheit ergriffen und sein Geheimnis verraten hat.
Mit dieser Entscheidung können die Autoren die Erzählung nun wieder auffrischen; es ergeben sich zahlreiche Optionen für weitere Geschichten. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob Thea weiß, dass sie Saras Mörderin ist, und ob das Arrow-Team den Mord weiterhin verschleiert und deckt.

Heldentum als Droge
Laurel wird auch in ihrem Berufsleben von Heldenangelegenheiten verfolgt, was in Starling City keine Seltenheit ist. Diesmal geht es um die Gerichtsverhandlung von Vertigo, der den Medienrummel nutzt, um sich davonzustehlen. Das gelingt ihm, indem er einen Komplizen damit beauftragt, einem Sicherheitsmann seine Angstdroge zu spritzen. Dieser schießt daraufhin wild um sich und kann nur durch Laurels gerechte Faust aufgehalten werden, was die Anwältin zum Top-Gesprächsthema bei Medien und Polizei macht.
Lange bleibt Laurel somit nicht vom Arrow-Team fern, denn die wichtige Information, dass einer der Journalisten als Vertigo-Spritzer missbraucht wird, teilt sie den Vigilanten mit. Laurel möchte natürlich mitmischen, doch Oliver bleibt stur. Er glaubt, dass das Heldengeschäft für sie nur eine Ersatzdroge ist, um den Schmerz wegen Saras Verlust zumindest für einen kurzen Moment zu verdrängen. Sie selbst bleibt ebenfalls uneinsichtig. In der Mitte liegt wahrscheinlich die Wahrheit: Laurel ist noch nicht bereit, Oliver sollte sie aber auch nicht allein lassen, sondern ihr Hilfe und Akzeptanz anbieten.
Derweil betreibt Vertigo weiter seine perfiden Spiele und macht den Journalisten zum Selbstmordattentäter, dessen Angehörige bedroht wird. Arrow und Arsenal entkommen der Explosion nur knapp mit einem Sprung aus dem Fenster. Vertigo als Schurke ist passend gewählt, nicht nur wegen Laurels Vergangenheit mit Suchtproblemen, sondern weil es so ein Wiedersehen mit Sara in den Visionen und viele Möglichkeiten zur Reflexion gibt und er eine valide Gefahrenquelle darstellt.
Auch der Handlungsbogen rund um Laurel, Quentin und das verborgene Geheimnis um Saras Tod wird vorangebracht. Quentin darf erneut einen einigermaßen witzigen Spruch über Sin (girl with the boy hair) ablassen und fragt Laurel direkt nach Sara, weil Sin den Polizisten zum Nachdenken gebracht hat. Die Gesundheitsproblematik ist, wie sich schließlich herausstellt, eine weitere falsche Fährte. Denn nachdem Laurel wieder mal Prügel kassiert, dann aber doch von Oliver akzeptiert wird, sagt sie ihrem Vater die Wahrheit. Der bricht zwar in Tränen aus, aber immerhin nicht zusammen. Wer in ihre Fußstapfen getreten ist, merkt er auch recht schnell.
Problematisch hingegen werden langsam die Prügel und die wöchentlichen Verletzungen, die Laurel über sich ergehen lassen muss. Vielleicht sind die auch nur Metaphern dafür, dass sie alleine und ohne Rückhalt handeln musste. Diesmal schlägt Vertigo - zunächst als Sara, dann als Quentin - auf sie ein, weil sie auf eigene Faust nach Vertigo fahndet und von seinen Wurf-Drogen erwischt wird (allein das ist bei dem Ex-Junkie bereits problematisch). Immerhin hat Oliver beim ersten Mal relativ zügig das Gegenmittel parat. Dennoch genügt es langsam mit Laurel als punching bag.
Ein emotionaler Sandsack ist aber auch Thea, die mitbekommt, das Laurel auch in die Heldennummer involviert ist (wie überhaupt alle Menschen, die sie kennt). Sie zerbricht sich den Kopf, als sie sie schwer verletzt im Hauptquartier sieht. Oliver fährt sie hier rüde an, was eine Reaktion von Roy nach sich zieht, der etwas mehr Respekt fordert. Doch das ruft eher Olivers Alphatierverhalten hervor als seine Einsicht. Es kommt zu einer Art Grundsatzdiskussion, die Oliver nur verlieren kann. Seit seiner Rückkehr haben sich die Dinge und die Dynamiken verändert, was auch Felicity kritisch anmerkt - und die möchte, dass er die Entscheidungen anderer zumindest respektiert und nicht nur ständig Kommandos bellt.
Thea wird erwachsen

Für Thea ist die gewonnene Offenheit schön und anstrengend zugleich. Als Ventil kommt ihr der DJ Chase (Austin Butler) gerade recht, mit dem sie sich daraufhin ein Schäferstündchen gönnt. Traurig nur für Roy, der dem Paar unbemerkt folgt und ihr eigentlich Trost spenden wollte. Obwohl es irgendwo zwischen unheimlich und aufmerksam rangiert, bleibt Roy in der Nähe, als Chases Falle zuzuschnappen droht. Der Zuschauer weiß bereits um seine Zugehörigkeit zur League of Assassins und Thea schöpft ebenfalls Verdacht, als er ihr Rotwein einschenkt und sie eine Lektion ihres Vaters anwendet und Zyanid dahinter vermutet.
Als der Plan auffliegt, greift also Roy an, der allerdings fast durch den Killernachwuchs besiegt wird. Doch Malcolm ist ebenfalls zur Stelle, der Chase überlegen scheint und eindeutig mit dem Tod droht, ehe der junge Killer selbst Gift schluckt. Bye-bye DJ! Als Figur warst du nervig, als Plotanschubser allerdings gar nicht mal so schlecht. Denn nun sieht Thea die Gefahr, die durch al Ghul schlummert, und realisiert, dass man wohl doch ein Zweckbündnis mit Merlyn eingehen muss. Dieser meint, dass ein Ausflug nach Lian Yu dafür sorgt, dass die Geschwister mit ihren Ängsten (Slade Wilson?) konfrontiert werden. Was außer einem Besuch bei dem Mörder ihrer Mutter sollten sie sonst auf der Insel tun?
Oliver wird einsichtig

Spätestens nach dem Gespräch mit Diggle im Verdant versteht Oliver, dass das Team auch ohne ihn seine Berechtigung hat und weitermachen würde und dass die Verteidigung der Stadt nicht nur dem Arrow obliegt. Dazu gehört nun auch Laurel, womit er sich abfinden und arrangieren muss, und bald vielleicht auch Thea. Es könnte eng werden in der Arrow-Cave, wo sowieso schon reger Betrieb herrscht und jeder kommt und geht, wie es ihr/ihm passt.
Anders als gegenüber den Bewohnern der Stadt angekündigt, verlässt Oliver Starling bald also wieder. Doch diesmal wird angenommen, sie in fähigen Händen zu lassen. Während die Flamme zwischen Oliver und Felicity aktuell erloschen scheint, entflammt sie zwischen Roy und Thea wieder, was nach dem Intermezzo mit Chase und der Charakterentwicklung der beiden eigentlich nur zu begrüßen ist. Hoffentlich verfällt Oliver hier nicht in alte Beschützermuster, sondern lässt Thea ihre Freiheiten. Insgesamt ist die Offenheit, mit der Thea und Oliver sprechen, sehr erfrischend und eine ebenfalls willkommene Änderung.
Dass Oliver sich, als Roy abkömmlich ist, für Laurel als Partnerin beim Festnahmeversuch Vertigos entscheidet, ist auch eine positive Wandlung. Nicht nur, weil es so manchen Comicleser glücklich stellt, sondern auch, weil Laurel Anerkennung erhält. Die schönste Zusammenfassung ihres Charakters kommt aus Felicitys Mund, denn sie glaubt, dass Laurel - anders als ihre Schwester Sara - mit der Maske nicht nur ihre Dämonen versteckt, sondern tatsächlich auch Gerechtigkeit ausüben will, ohne Menschen zu töten. Laurel merkt hier, dass sie eben nicht ihre Schwester sein soll, sondern sie selbst. Es hat bis zu diesem Zeitpunkt gedauert, um das zu verinnerlichen.
Übrigens: War das ein Walter-White-Lookalike in Vertigos Labor?
Vertrauen ist gut...
Im Flashback sind Maseo (Karl Yune) und Oliver mit Tatsu entkommen. Maseo bereitet die Flucht vor und „weiht“ Oliver ein. Gleichzeitig legt er ihm nahe, zur Presse zu gehen oder die aktuelle Freiheit zumindest zu nutzen, um bekanntzumachen, dass er noch lebt. Ein Münztelefon nutzt Oliver, um seine Mutter anzurufen (gut, dass er die amerikanische Vorwahl kennt). Sie soll eine Pressemeldung aufsetzen und nach ihm suchen lassen, doch bald wird er von Amanda Wallers (Cynthia Addai Robinson) Männern einkassiert und per Elektroschock ruhiggestellt.
Doch damit endet die Qual nicht: Waller lässt ihn „waterboarden“ und verlangt, zu wissen, wo die Yamashiros sind. Gleichzeitig schüchtert sie ihn ein und demonstriert ihre Macht. Die Nachricht an seine Mutter wurde gelöscht, ehe sie abgehört werden kann. Als wenn das noch nicht genug wäre, droht sie auch noch Thea, die aufgrund Olivers Verschwinden den Drogen verfallen ist (wir erinnern uns an Staffel eins), Unheil an, wenn Oliver nicht kooperiert. Also gibt er sein Wissen preis. Die Yamashiros haben geplant, die Fähre nach Shanghai zu nehmen. Dass Oliver sich verquatschen könnte, hat Maseo jedoch einkalkuliert und ihm deswegen mit falschen Informationen gefüttert, denn auf einmal taucht er auf, gibt an, dass er seine Familie in Sicherheit gebracht hat und verlangt, Waller zu sprechen. Doch wieder werden die Männer überwältigt.
Stattdessen bleibt Oliver eine Marionette Wallers. Er war so lange bewusstlos, dass sie ihn von Hong Kong nach Starling bringen konnten, wohin China White geflohen ist. Ollie war zwischenzeitlich also sogar in seiner Heimat, was durchaus noch interessant werden könnte - vor allem die Inversion von Insel und Starling in Flashbacks und Gegenwart. Abgesehen davon, dass Zeit hier mal wieder wie im Flug vergeht, siehe Malcolms Ausflug nach Ollies Duell, frage ich mich in diesen Reviews schon seit geraumer Zeit, warum Oliver noch nie versucht hat, Waller zu Fall zu bringen. Bei so vielen Verfehlungen, die sie sich schon geleistet hat, ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit.
Womöglich wird sie aber auch als kleineres von zwei Übeln angesehen, das mehr Menschen rettet, als dass sie ihnen schadet. Ansonsten bleiben die Flashbacks, bis auf die Parallele, die man zwischen dem Suchtverhalten von Laurel und Thea ziehen kann, wieder der schwächste Teil einer sonst hervorragenden Episode.
Fazit
Endlich! Endlich! Endlich! Thea weiß, was Oliver in Wirklichkeit macht! Und: Ihre Reaktion ist nicht die erwartete Kränkung oder Trotzreaktion, sondern eine positive und offene, die sie und ihren Bruder wieder näher zusammenführt, während sie dem leiblichen Vater wieder misstraut. Diese Ablehnung gegenüber Malcolm geht fast ein wenig zu schnell, nachdem sie in der letzten Zeit seine Hauptbezugsperson war, passt aber doch ins Gesamtgefüge. Gespannt kann man nun auf die Geschwistermission sein. Wie erfrischend sich ihre Interaktion anfühlt, nun, da sie ehrlich und aufrichtig sind, und wie schön, dass Thea nach drei Staffeln nun endlich wie eine Erwachsene behandelt wird. Ähnlich verhält es sich mit Laurel, die doch schneller als vielleicht gedacht auch von Oliver als Teammitglied akzeptiert wird und ihrem Vater endlich die Wahrheit über Sara sagt.
Dazu wird die Episode durch runde Kämpfe (Canary vs. Canary), der Beseitigung von nervigem Ballast (Chase) und einem interessanten Ausflug für die Flashbacks abgerundet. So kann es sehr gerne weitergehen.
Videopromo zur Episode The Return (3x14) der US-Serie Arrow:
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 12. Februar 2015Arrow 3x13 Trailer
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Schauspieler in der Episode Arrow 3x13
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