Arrow 3x12

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In der Episode Uprising der US-Serie Arrow wird der Minihandlungsbogen, der seit dem Mid Season-Finale erzählt wurde, zu seinem Ende gebracht. Danny Brickwell (Vinnie Jones) ist es gelungen, die Kontrolle über die Glades zu erhalten, was das Arrow-Team allerdings nicht durchgehen lassen kann.
Widerstand gegen das Brick-Regime
Die Polizeipräsenz im Stadtteil The Glades tendiert tatsächlich gen Null. Das Arrow-Team (ohne Arrow) lässt das nicht auf sich sitzen und stellt sich Bricks-Verbrecherbande entgegen. Leichte Probleme macht da noch der Wiedererkennungswert bei Arsenal (Colton Haynes), der wegen seiner roten Kleidung für den Flitzer The Flash aus Central City gehalten wird. Im Team mit Laurel (Katie Cassidy) als neue Canary mischt er die Verbrecher, die die kleinen Leute bedrohen, ordentlich auf. Einer kann Laurel aber nichts vormachen: Sin (Bex Taylor-Klaus), die bald herausfindet, dass nicht Sara in der Lederjacke steckt.
Wer davon noch nichts ahnt, ist Quentin Lance (Paul Blackthorne). Dem wurde in der vorherigen Episode mithilfe einiger technischer Tricks vorgekaukelt, dass mit Sara alles in Ordnung sei, sie aber gerade nicht länger mit ihm sprechen könne. Für Lance ist es eine wichtige Episode und er darf so manches Dialoghighlight setzen, wenn er das Arrow-Team etwa hood squad nennt, sich trotz der Anweisungen von oben für die Menschen in den Glades einsetzt, sich über Arsenals Codenamen lustig macht oder selbigen beim Treffen sofort durchschaut und sich fortan das Stimmenverzerren sparen kann.
Da fragt man sich in der Retrospektive allerdings umso mehr, warum das bei Arrow nicht klappt. Obwohl man langsam das James-Gordon-Syndrom attestieren kann... Später wird Quentin wenigstens über eines in Kenntnis gesetzt: Sin sagt ihm nämlich unverblümt, dass die aktuelle Canary nicht Sara ist. Und siehe da: Er bricht nicht zusammen. Dennoch bleibt nicht ausgeschlossen, dass er es tut, wenn er es aus dem Mund seiner zweiten Tochter hört.

Malcolm am Scheideweg
Ebenfalls klar im Fokus steht Malcolm (John Barrowman). Dabei wird sehr viel über die Frage diskutiert, ob er ein eiskalter, nicht zu rettender Killer oder doch ein auf verschrobene Weise fürsorglicher Vater ist, der durch seine persönliche Tragödie zum Monster wurde. Zu Beginn der Episode versucht er, Thea (Willa Holland) einzubläuen, dass im Ernstfall nur der Wille zum Töten das eigene Überleben sichern kann. Doch diese Lektion will Thea nicht annehmen und zögert im Übungskampf.
Die Flashbacks sind diesmal ebenfalls Merlyn (vor 21 Jahren) gewidmet. Hier sehen wir einen ganz anderen Mann, als wir ihn bisher kennengelernt haben: weich, liebevoll und fürsorglich seinem Sohn Tommy gegenüber.
Doch die Nachricht des Todes seiner Frau Rebecca bricht ihn für immer - und somit auch ihre Beziehung. Bei der Überbringung der schlechten Nachrichten halten sich die Serienmacher angenehm zurück, bleiben nonverbal und somit effektiv. Allerdings ist Merlyn ein Mann, der sehr leicht für Rache empfänglich ist und den Erstbesten, der ihm als Übeltäter vor die Nase gesetzt wird, ins Visier nimmt. Da ist er Oliver und seiner Liste gar nicht einmal so unähnlich. Ihn haben wir auch nie wirklich reflektieren sehen, wer ihm die Namen vorgesetzt hat.
Eine weitere Parallele gibt es mit Laurel, denn bei der Konfrontation mit dem vermeintlichen Mörder kassiert Malcolm heftige Prügel und lässt sich überrumpeln. Eigentlich will er nur wissen, was in den Köpfen der Leute vorgeht, die andere ausrauben und verletzen - was ein nachvollziehbares Gefühl ist. Und so zögert er, weil er die Situation nicht gewohnt ist. Dennoch drückt er, am Boden liegend, ab, was ihm der Verbrecher vorher nicht zutraute. Seine Genugtuung erhält er dafür jedoch nicht. Es bleibt eine Leere, die er jahrelang nicht zu füllen vermag.
Verfrühte Rache

Dass es beim Arrow-Team nicht ganz so rund läuft, wird der Abwesenheit von Oliver (Stephen Amell) geschuldet. Ohne Frage war er effektiv als Vollstrecker, doch ein Großteil der Recherche ging dennoch auf Felicity (Emily Bett Rickards) zurück, die über ihre Computer so gut wie alles und jeden verfolgen oder finden konnte. So kommt man auch in dieser Episode über die Kommunikationsweise der Brick-Gang per Walkie Talkie an deren Hauptquartier, das ironischerweise das Polizeirevier der Glades ist. Auch die Pistole wird zu Brick verfolgt und mit dem Mord an Rebecca Merlyn verknüpft. Über eine Kamera, die Malcolm in der Arrow-Cave platziert hat, erfährt er, dass alles, was er in den letzten 20 Jahren getan hat, falsch gewesen ist. Seine Ausbildung bei der League of Assassins und seine Killerkarriere, das Undertaking, das er nur geplant hat, um anderen das Schicksal seiner Frau zu ersparen und dann über 500 Menschenleben gekostet hat - all das wäre vielleicht nicht passiert, wenn er diese Erkenntnisse gehabt hätte.
Diese Episode rückt Malcolm als Figur in ein ganz neues Licht. Im Wrestling würde man von einem Face-Turn sprechen. Hier wird der Oberschurke plötzlich fast schon zur sympathischen Figur und bewegt sich (mindestens) auf Anti-Helden-Territorium.
Das Arrow-Team entscheidet sich vorerst zwar, seine Hilfe nicht anzunehmen, diskutiert die Möglichkeit aber immerhin und versucht es zunächst wieder auf eigene Faust, bis Malcolm selbst eingreift und Canary und Arsenal rettet. Die Stealth-Sequenzen nach dem Stromausfall zeigen schon einmal, dass die Ersatzhelden lernen und eben nicht immer den Frontalangriff suchen.
Statt Merlyns Hilfe anzunehmen, werden lieber die Menschen im Stadtteil aktiviert. Laurel fragt bei Ted Grant (J. R. Ramirez) und Roy bei Sin nach und gemeinsam stellt man sich Brick und seiner Gefolgschaft dann in den Weg. Dabei gibt es interessante Einsichten: So heißt Ted Laurels verfrühtes Kostümieren ebenfalls nicht gut (wie auch Oliver), was zeigt, dass sie ihren Kopf auch gegen die Bevormundung der Männer durchsetzt, auch wenn sie dabei eine steile Lernkurve durchlaufen muss. Laurel ist zudem diejenige, die Malcolm als eine Art Waffe nutzen würde, ehe man sich auf die Hilfe von den Bewohnern einigt. Während Roy nach dem Gespräch mit Thea im Verdant erfährt, dass es ihr Vater war, der sie bei Slade Wilsons Angriff auf die Stadt gerettet hat, und nun glaubt, dass die Hoffnung auf seine Läuterung möglich ist.
Schlacht um die Glades
Wieder einmal geht es bei Arrow um die Glades und erneut findet hier eine große Massenschlacht statt, bei der man sich vielleicht kurz fragt, warum die knallharten Gangster statt ihrer Schusswaffen einfach Knüppel und Fäuste einsetzen. Das führt auch zu einigen Duellen mit mehr oder minder interessanten Ausgängen. Ted gelingt es Brickwell blutig zu schlagen, wird aber gleichzeitig von ihm selbst halbtot geprügelt. Immerhin macht er ihn mürbe für den ebenfalls auf Rache sinnenden Malcolm. Als dieser kurz davor ist, ihn ein für alle Mal zu bezwingen, taucht ein gewisser Oliver Queen auf dem Schlachtfeld auf. Er hält ihn davon ab, Brickwell umzubringen und beschließt stattdessen eine Art Pakt mit dem Teufel einzugehen.
Bei dem Vorgeplänkel für seine Rückkehr nach Starling City bittet Ollie zunächst Tatsu (Rila Fukushima), ihn zu begleiten und ihn im Schwertkampf zu trainieren. Doch neben den Plattitüden („Die Bereitschaft, das zu opfern, was am wertvollsten ist“) gibt sie ihm den Rat auf den Weg, dass nur der Schüler die Chance hat, den Meister zu besiegen. Und da Maseo nicht verfügbar ist, scheint Malcolm der nächstbeste Lehrer zu sein, der ihm dabei helfen kann, Ra's Al Ghul zu töten. Denn in diesem Fall ist genau das seine Absicht.
Ich habe es bereits in den vorherigen Reviews angesprochen, doch wenn das im Bezug auf Ollies wundersame Heilung alles gewesen sein soll, dann ist und bleibt das ziemlich schwach. Dann verliert auch eine Serie, die auf einer Comicvorlage beruht, ein Stück weit an Glaubwürdigkeit und Spannung. Denn wenn selbst die gravierende Schwertwunde und der mehrere Meter tiefe Sturz einer Figur nicht größere Verletzungen verursachen und länger außer Gefecht setzen kann, dann kann man sie auch aus fast jeder Situation holen. Und irgendwann ist es dem Zuschauer egal, was mit ihnen passiert, weil das Ganze ohnehin ohne Konsequenzen bleibt. Da hilft es auch nicht, später nachzulegen, dass es einen Monat bis zur Rückkehr gedauert hat.
You have not failed this city

Olivers große Siegesrede, nach der er sich wie Spider-Man oder Batman aus dem Staub macht, mutet ebenfalls leicht komisch an und untergräbt in gewisser Weise sein Team doch etwas. Denn nur durch ihn und Malcolm gelingt es, Brickwell das Handwerk zu legen, auch wenn es durch Olivers Präsenz immerhin ohne einen Mord gelingt. Doch bricht man es herunter, dann war sein Team nicht erfolgreich: Toter Elderman, Glades im Chaos und ein halbtoter Ted gehen auf ihr Konto. Jedenfalls verspricht Oliver, die Stadt nicht wieder verlassen zu wollen - mal sehen, ob das klappt.
Wie bereits angemerkt gelingt es den Autoren lediglich in einer Episode, Malcolm neu auszurichten. Dennoch verwundert es, wie harmonisch Oliver sich dann gegenüber Thea gibt. Allerdings ist er inzwischen so routiniert, ihr Halbwahrheiten vorzusetzen, dass die Geschichte rund um seine Zeit in Bludhavener Gefängnis schnell geschluckt wird, denn wenn es um Ollie geht, glaubt Thea naiv fast alles. Nun kommt es also zum Team-Up zwischen Ollie und Malcolm und beide Queen-Geschwister sind in der Ausbildung bei Malcolm und wie Oliver treffend bemerkt, im Visier des gefährlichsten Mannes der Welt, während Malcolm den Satz von Tatsu wiederholt. Wie lange kann Thea also noch im Dunkeln tappen?
Als Oliver in der Arrow-Cave erscheint, steht er wegen seiner Entscheidung bezüglich seiner Zusammenarbeit in Opposition zu Felicity, die - diesmal zurecht - die vielen Sünden des Malcolm Merlyn als Grund dafür anführt, ihm nicht zu vertrauen. Doch durch seine späte Genugtuung könnte es nun tatsächlich sein, dass sich sein Charakter dauerhaft ändert. Vielmehr hat die IT-Expertin darauf gehofft, dass seine Erfahrung mit Al Ghul bei ihm zu einem Umdenken führt. Emotional geht sie stark auf Distanz und ihre Gefühle zu Oliver sind fast erloschen. Sie möchte keine Frau sein, die von ihm geliebt wird, wenn er sich mit dem Mann verbündet, der Sara hat umbringen lassen.
Insgesamt muss man zu diesem Themenkomplex sagen, dass Al Ghul selbst hier der große Verlierer ist. Seine Figur und ihre sporadischen Einsätze bleiben blass und stehen im Schatten von Malcolm, der sich in dieser Staffel fast schon erneut wie der wichtigere Gegenspieler anfühlt. Der Aufbau von Slade Wilson konnte ebenfalls in zwei Staffeln vorangetrieben werden und fühlte sich sehr viel organischer an als ein Gegner, über den viel gesagt, aber von dem wenig gezeigt wird. Da reicht die bisher gebrachte spärliche Motivation für seine Probleme mit Oliver einfach nicht aus.
Fazit
Alles in allem ist Uprising eine der besseren Arrow-Episoden der jüngeren Vergangenheit. Das liegt aber weniger an den zentralen Figuren, als eher an den Nebenfiguren, wie Quentin und Malcolm. Die Vermenschlichung Malcolms erscheint zunächst glaubwürdig, wenn auch vielleicht etwas überstürzt. Knuffig ist in diesem Zusammenhang die junge Nyssa, die Malcolm seinen Spitznamen für die League of Assassins im Zuge seines seinen Münzentricks zuteilt.
Was mit Brickwell und den Glades geschieht, bleibt hoffentlich nicht unerwähnt. Vinnie Jones hat als Bedrohung ganz gut gepasst, doch nun sollte man sich wieder dem Demon's Head widmen, sonst wird hier weiter Potential verschenkt.
Die Canary-Geschichte verfügt auf mehreren Ebenen über genügend dramatische Möglichkeiten. Ob nun aufgrund neuer Informationen, die Quentin erhalten hat, Teds gesundheitlichem Zustand oder Laurels Stand im Arrow-Team. Hier kann noch einiges passieren.
Ray Palmer hat dieses Mal eine Auszeit genommen und auch Felicity wurde in einem unaufdringlichen Maß eingesetzt, was sich nun mit Ollies Rückkehr vielleicht wieder ändern wird.
Promotrailer zu „Arrow“ (3x13): Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 5. Februar 2015Arrow 3x12 Trailer
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Schauspieler in der Episode Arrow 3x12
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