Arrow 3x03

Arrow 3x03

Die Arrow-Episode Corto Maltese zeigt, was Thea seit dem Ende der zweiten Staffel getrieben hat. Laurel findet eine neue gefährliche Freizeitbeschäftigung und die männlichen Mitglieder von Team Arrow machen eine Reise.

Szenenfoto aus der Episode „Corto Maltese“ / (c) The CW
Szenenfoto aus der Episode „Corto Maltese“ / (c) The CW

In der Arrow-Episode Corto Maltese stehen mehrere Frauen im Fokus: Thea (Willa Holland), die bei der Ausbildung in Schmerzbewältigung und Kampf von ihrem Vater Malcolm Merlyn (John Barrowman) unterrichtet wird. Ebenso Laurel (Katie Cassidy), die nach dem Tod ihrer Schwester Sara (Caity Lotz) ein neues Ventil sucht und nicht wieder in den Alkohol- oder Pillenstrudel geraten will. Und dann wäre da noch Felicity (Emily Bett Rickards), die von Ray Palmer (Brandon Routh) weiterhin königlich behandelt wird, ihren eigenen Assistenten bekommt und für Palmer nun den Inhalt eines Datenbankservers wiederherstellen soll. Dieser war in der zweiten Staffel durch eine Explosion ziemlich ramponiert worden.

Der Assistent wird übrigens Jerry Conway genannt - eine Anspielung auf die Comicschöpferlegende, der einst die Figur „The Punisher“ erschaffen hatte. Leider kämpft dieser zum Zeitpunkt der US-Ausstrahlung mit großen gesundheitlichen und finanziellen Problemen.

Darüber hinaus gehen die männlichen Mitglieder von Team Arrow, also Oliver (Stephen Amell), Diggle (David Ramsey) und Roy (Colton Haynes) auf einen Trip nach Corto Maltese, um nach Thea zu schauen und sie zur Rückkehr nach Starling City zu bewegen. Gleichzeitig bittet Lyla (Audrey Marie Anderson) ihren Mann, bei der Reise mit Mark Shaw (David Cubitt) in Kontakt zu treten. Bei ihm handelt es sich um einen ARGUS-Agenten, der schon lange nichts mehr von sich hat hören lassen. Doch, wie sich herausstellt, hat das einen guten Grund.

Thea und Merlyn

Wer sich gefragt hat, wie viel Zeit seit dem zweiten Staffelfinale vergangen ist, erhält in dieser Folge die Antwort. Es sind sechs Monate, die Thea mit ihrem leiblichen Vater verbringt und dort von ihm lernt, wie man mit Verlusten, Schmerz und Angst umgehen kann, wenn man eine geliebte Person verliert. Bei Malcolm war das damals seine Frau, bei Thea geht es natürlich um Mutter Moira. Die Sequenzen ersetzen die sonst üblichen Flashbacks, was hier auch wunderbar passt, weil man gerne wissen möchte, wie es ihr ergangen ist.

Dabei sehen wir, dass Malcolm sicherlich nicht der Vater des Jahres wird, aber Thea genau das gibt, was sie im Moment braucht. Eine rabiate, harte, ehrliche Hand, die ihr zeigt, dass etwas physischer Schmerz einen nicht aufhalten muss. Dabei verliert sie sicherlich auch etwas von ihrer Emotionalität, Empathie und Menschlichkeit, allerdings wurde sie in ihrem Leben ohnehin genug angelogen: in Bezug auf ihren leiblichen Vater, das Überleben ihres Bruders und die Machenschaften ihrer Mutter. Eine harte Schale kann ihr helfen, diese Belastungen zu überstehen und diese sowie einige Kampffertigkeiten erhält sie bei Malcolm.

Der behandelt sie zu Beginn nicht wie seine Tochter, sondern wie eine Schülerin. Eine Lektion beinhaltet starke Verbrühungen einfach so wegzustecken, ohne mit der Wimper zu zucken. Ansonsten haben sich die beiden auf der südamerikanischen Insel eine kleine Oase geschaffen, in der Thea beispielsweise als Kellnerin in einem Café arbeitet und einmal ordentlich über das Geschehene nachdenken kann. Gestört wird sie von ihrem Bruder, der sich um sie sorgt.

Ollie, Diggle und Roy in Corto Maltese

Roy glaubt, dass sein Verhalten ausschlaggebend für Theas Verschwinden war und möchte bei Ollies Reise dabei sein. Der recht unerfahrene Roy schnappt sich instinktiv einen Bogen, doch hinterfragt nicht, wie man die Waffe in einen Flieger kriegen könnte, denn bisher ist er noch nie geflogen. Eine spätere Szene zeigt dann, dass Oliver in puncto Waffen improvisiert und diese aus Objekten im Hotelzimmer einfach selbst macht. Nette Idee.

Apropos Waffen: Als Oliver bei der Adresse vorstellig wird, die Felicity für sie herausgesucht hat, sieht der Zuschauer, dass Merlyns Groll gegen Oliver nach wie vor präsent ist. Dieser steht nämlich hinter verschlossenen Türen mit gespanntem Bogen bereit, um auf Theas Bruder zu feuern. Seine Chance lässt er aber verstreichen. Thea zuliebe oder Teil eines größeren Racheplans?

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Corto Maltese%26ldquo; © The CW
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Ein Ortsansässiger gibt Ollie den Tipp, dass man Thea bei der Arbeit in einem Café finden könnte. Sie scheint insgesamt zunächst wenig Interesse an einer Heimkehr zu haben, was sie sowohl Ollie als auch Roy in Gesprächen mitteilt. Das ändert sich, als Oliver Thea zumindest im Ansatz die Wahrheit sagen will. Zwar rät Diggle davon ab, ihr jedes Detail zu verraten, doch Oliver sucht dennoch ein Gespräch, bei dem er ihr sagt, dass gewisse Informationen über seine Zeit auf der Insel und danach ihre Beziehung für immer verändern würden. Immerhin sagt Oliver seiner Schwester, dass Robert Queen länger gelebt hat, als sie dachte, und sich nach dem Untergang der Queen's Gambit für das Überleben seines Sohns geopfert hat. Genauso, wie es Moira bei der Konfrontation mit Deathstroke tat.

Allein dieses Entgegenkommen scheint Thea schon zu reichen - sie teilt Malcolm ihre Absichten, wieder nach Amerika zurückzukehren, mit. Es folgt eine Art Abschlussprüfung, nämlich ein Kampf, der noch einmal ihren Fortschritt zeigt, bei dem sie aber den Verdacht hat, dass Malcolm sie gewinnen lässt. Sicherlich nicht unbegründet. Die Beziehung der beiden ist trotz dieser Flashbacks noch nicht ganz einfach zu beurteilen. Man merkt einen gewachsenen Respekt der beiden, doch ob auch familiäre Liebe vorliegt, lässt sich nicht abschließend festlegen. Die sechs Monate wirken wie ein Ausflug, wie eine Zweckbeziehung, bei der zwar Thea bekommen hat, was sie will, Merlyn aber vielleicht noch Hintergedanken hat. Denkbar und eigentlich unvermeidbar ist, dass Malcolm sie noch einmal vor eine Wahl stellen wird: eine Entscheidung zwischen Oliver und sich.

Die Geschichte rund um Diggle und Shaw überzeugt nur wenig. Es ist klar, dass die Autoren hier ARGUS als Organisation problematisieren wollen, indem sie zeigen, dass sich die Agenten gegen den Auftraggeber aufbäumen, da Waller Dreck am Stecken hat - wie auch die Hong-Kong-Flashbacks suggerieren. Trotzdem stellen sie diesmal für mich den unspannendsten Teil der Episode dar.

Dass Diggle ins Grübeln kommt und die Loyalität seiner Frau Lyla hinterfragt, ist ohne Frage ein guter Schritt. Auch seine Motivation, zu verhindern, dass Shaw die Daten und Informationen über die Angehörigen von ARGUS verkauft, sind schlüssig. Aber der Inszenierung dieses Handlungsbogens mangelt es an Höhepunkten. Unüblich für Arrow lassen hier auch die Actionsequenzen zu wünschen übrig, nicht weil sie schlecht sind, sondern weil sie etwas mondän wirken. Immerhin unterscheiden sie sich von den üblichen Actionszenen dadurch, dass sie ohne Kostüme auskommen.

Laurel versus Frauenschläger

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Es überrascht mich selbst, dass ich an dieser Stelle schreibe, dass mich die Geschichte rund um Laurel mehr in ihren Bann gezogen hat. Die Entfernung von Sara tut der Figur gut, die nun eine Art Sucht nach Bestrafung entwickelt. Im Kern lag der Drang nach Gerechtigkeit schon immer in ihrer Figur, sonst wäre sie wohl keine Anwältin geworden.

Wenn der normale Rechtsweg es aber nicht erlaubt, dass Übeltäter zur Rechenschaft gezogen werden, dann sieht Laurel nun eine Tätigkeit als Vigilantin als Alternative. Es ist natürlich diskussionswürdig, dass sie ausgerechnet bei einem Treffen der Anonymen Alkoholiker auf die Idee kommt sich den Freund eines Gruppenmitglieds herauszupicken, der sie zu Hause misshandelt. Doch gleichzeitig ist der Gedanke faszinierend, denn das Opfer leidet ganz eindeutig, traut sich aber nicht damit Hilfe zu suchen. Laurel bespricht die Situation mit Vater Quentin (Paul Blackthorne), der lehnt jedoch ab, weil die Hilfegruppe nicht umsonst ihren Namen trägt. Sobald sich die Polizei einmischt, wird eine der Daseinsberechtigungen genommen und man läuft Gefahr die Institution zu gefährden.

Durch die Zusammenarbeit mit Team Arrow und inspiriert durch die eigene Schwester setzt sich Laurel eine Sturmhaube auf, besorgt sich einen Baseballschläger und konfrontiert den Frauenschläger. Das läuft aber deutlich schlechter, als sie es sich vorgestellt hat. Sie muss nun nämlich selbst Prügel einstecken - und das nicht zu knapp. An dieser Stelle war ich sogar ein bisschen überrascht, dass die Autoren Laurel so hart angehen. Allerdings ist es für den Weg, auf den sie sie schicken, nur folgerichtig. Von nichts kommt nichts und wenn man unvorbereitet ist, dann kann man auch im Krankenhaus landen.

Allerdings muss man hier auch sagen, dass bei Betrachtung der gesamten Serie die Darstellung von Laurel nicht immer ganz konsequent ist. In der ersten Staffel wurde sie zeitweise als sich durchaus wehrende Frau gezeigt, die auch Einbrecher gut selbst abwehren kann - hier wird sie nun wieder recht schnell überwältigt. In dieser dritten Staffel gehen die Autoren aber klar in die Richtung, dass Laurel an sich arbeiten will, wie ihr Aufsuchen von Ted Grant (J. R. Ramirez) und dessen Boxschule beweist. Grant deckt zu Beginn der Folge einen Verdächtigen mit dem Argument, dass selbst gute Menschen mal in Schlamassel geraten können. Die Situation trifft später auf Laurel selbst zu, die zwar gute Absichten hat, aber dennoch Unrechtes tut und die Quittung dafür bekommt.

Laurel bekommt nämlich von den beiden wichtigen Männern in ihrem Leben keine Rückendeckung. Quentin verlangt bei seinem Besuch an ihrem Krankenbett, dass sie ihm verspricht, dass sie nicht dem Vorbild von Arrow und Canary folgt - was sie dann auch tut. Doch der Drang nach Adrenalin, der für sie die anderen Süchte ersetzt, ist zu stark. Also versucht sie, bei Oliver Training zu erhalten, doch auch er blockt ab. Hier ist das Vermächtnis von Sara der Grund. Er will nicht, dass Laurel Ähnliches zustößt. Doch durch seine Abweisung, die wir nun schon bei mehreren Frauen in seinem Leben, darunter Sara und Helena, gesehen haben, droht er nun indirekt wieder einmal dafür zu sorgen, dass genau das eintrifft, was er verhindern will. Mit Ted Grant scheint Laurel dann denjenigen gefunden zu haben, der ihr geben kann, was sie will - ähnlich wie bei Thea und Malcolm.

Felicity und Ray Palmer

Bei Felicity und Ray ist das Resultat ebenfalls ähnlich. Ray gibt Felicity das, was sie nach Slade Wilsons Auftauchen verloren hat: Respekt, Eigenverantwortung, einen Assistenten und unglaubliche Ressourcen, mit denen sie einiges erreichen könnte. Dazu außerdem die Abteilung applied science, die Palmer als wichtigen Teil seiner Strategie für Starling City nennt.

Felicity lässt bei ihrer Arbeit für ihn zu, dass er einen Einblick in ihren sonstigen Alltag erfährt. Er hört zwar die Telefonate mit Diggle und Laurel sowie Felicitys Antworten, tut aber so, als würde ihn das wenig tangieren. Stattdessen braucht er sie, um die Geheimnisse auf dem kaputten Datenträger zu retten, was Felicity natürlich irgendwie schafft. Allerdings hinterfragt sie hier nicht, was genau er sucht, sondern liefert einfach. Allerdings kann man das damit erklären, dass sie andere Dinge im Kopf hat. Sie fragt nämlich kurz nach Arbeitsantritt nach Urlaub, um einen Freund, der vom Blitz getroffen wurde, zu besuchen. Gemeint ist natürlich Barry Allen (Grant Gustin) aka The Flash und damit steht schon wieder das nächste Crossover beider The CW-Serien ins Haus.

Im Endeffekt scheint die musikalische Untermalung und der Inhalt der von Felicity zutage geförderten Informationen nahezulegen, dass Palmer doch Dreck am Stecken hat. Das O.M.A.C.-Projekt - ein weiterer Wink für die Comicfreunde - beinhaltet fortschrittliche Waffentechnologie. Falsche Fährte oder doch ein Hinweis auf finstere Absichten? Wir werden es sehen. Vielleicht ist es aber auch noch eine Vorbereitung auf eine mögliche Verwandlung der Figur.

Nach der Reise

Diggle wurde schon das Öfteren als Kritiker von ARGUS gezeigt, Lylas salopper Satz zu ihrer Loyalität zu Amanda Waller scheint ihn aber dennoch zu verfolgen („I do whatever Amanda Waller asks. Remember?“ - „Ich tue, was Amanda Waller verlangt. Weißt du noch?“). Warum hinterfragt niemand ihre Methoden? Besonders, da sie so bereitwillig bereit ist, Familie und Angehörige als Druckmittel zu nehmen und Informationen dazu schnell - wie der Fall Shaw zeigt - in die falschen Hände gelangen könnten.

Im Fall des Frauenschlägers sorgt im Endeffekt doch ein anonymer Tipp für dessen Verhaftung, da Quentin überrascht fragt, warum er auf der Wache ist, muss wohl Laurel oder vielleicht das Opfer selbst doch aktiv geworden sein.

Oliver fragt unterdessen, ob Roy meint, Veränderungen an Thea bemerkt zu haben. Ausschlag dafür gibt ihr plötzlicher Sinneswandel, aber auch der über ihre Hand gegossene Kaffee am Flughafen, wo sie keine Miene verzieht. Ihr großer Bruder wittert also eine Fährte. Doch Roy merkt nichts. Bevor darüber aber weiter nachgedacht werden kann, erscheint Nyssa al Ghul (Katrina Law) mit gezogenem Bogen in der Arrow-Cave und will wissen, wo Sara ist. Ein weiterer potentieller Mörder wird hier wohl also ausgeschlossen, denn sonst wäre sie mit Sicherheit nicht so aufgebracht. Nyssa hätte man verdächtigen können, weil Sara den Täter auf dem Dach kannte. War es doch Ra's persönlich?

Fazit

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Corto Maltese%26ldquo; © The CW
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In dieser Folge emanzipieren sich einige der weiblichen Figuren ein Stück weit von ihren üblichen männlichen Bezugspersonen und schauen sich nach neuen Helfern um. Ob sich das auf längere Sicht als richtige Entscheidung herausstellt, muss sich zeigen. Alle drei Frauenstorys sind jedenfalls interessanter als der ARGUS-Handlungsbogen, der diesmal schwächelte. Laurel wird immer mehr in Richtung Canary-Nachfolgerin manövriert und Felicity erhält neue Freiheiten und Respekt, aber denkt nicht über die Konsequenzen ihres Handelns nach. Thea hat sich eine Auszeit genommen, kehrt nun aber verändert in die alte Heimat zurück. Die Frage ist nun, was sie dort machen wird. Auch bei ihr stellt sich nämlich die Frage nach ihrem Broterwerb, nun da das Verdant ja nicht mehr offen ist.

Obwohl die Geschichten rund um die Damen nett waren, fällt diese Episode im Vergleich zu den bisherigen der Staffel ab. Es fehlen große Highlights oder Spannungsmomente (abseits der letzten paar Minuten) und der Ausflug nach Corto Maltese hätte insgesamt besser und kurzweiliger sein können.

Videovorschau auf die Arrow-Episode The Magician:

Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 23. Oktober 2014

Arrow 3x03 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 3
(Arrow 3x03)
Deutscher Titel der Episode
Mit harten Bandagen
Titel der Episode im Original
Corto Maltese
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 22. Oktober 2014 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 19. März 2015
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Samstag, 18. Juli 2015
Regisseur
Stephen Surjik

Schauspieler in der Episode Arrow 3x03

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