Arrow 3x01

Arrow 3x01

Arrow startet mit der Episode The Calm in die dritte Staffel. Das Arrow-Team kommt insgesamt noch viel selbstsicherer und eingespielter rüber, so dass man sich gewisse Dinge, die sich schon angedeutet haben, traut. Allerdings kommt nach der Ruhe direkt ein gewaltiger Sturm.

Szenenfoto aus der Episode „The Calm“ der US-Serie „Arrow“ / (c) The CW
Szenenfoto aus der Episode „The Calm“ der US-Serie „Arrow“ / (c) The CW

Es geht endlich weiter mit der US-Serie Arrow, die mit der Episode The Calm in ihre dritte Staffel startet. Der große Feind Slade Wilson (Manu Bennett) befindet sich bekanntlich tief unten auf der ehemaligen Exilinsel in Gefangenschaft und das Team Arrow konnte den eigenen Ruf in der Stadt mächtig aufpolieren.

Wie eine gut geölte Maschine

Das Team rund um Oliver Queen (Stephen Amell), John Diggle (David Ramsey), Felicity (Emily Bett Rickards) und Roy Harper (Colton Haynes) läuft echt rund. Runder könnte es gar nicht laufen, also muss bald etwas schiefgehen. Beispielsweise wird zum Episodenbegginn eine illegale Ladung voller RPGs abgefangen und der Polizei rund um Detective Quentin Lance (Paul Blackthorne) übergeben. Auch der Satz „You have failed this city!“, der vor allem in der ersten Staffel eine Rolle spielte, wird erneut aus der Mottenkiste gekramt.

Auffällig ist Folgendes: Roys Mirakuru-Amoklauf wird mit keinem Wort erwähnt, dafür ist er aber nun ein vollwertiges Mitglied des Teams - inklusive eigenen Kostüms und roten Bogens. Ein wenig übernimmt er im Verlauf dieser Episode Diggles Rolle als zusätzliche Muskelkraft, denn Diggle wird Vater, will sich aber trotzdem mit den beiden Bogenschützen direkt ins Getümmel schmeißen, was in einem heftigen Wortgefecht endet. Hier muss Oliver ein Machtwort sprechen, denn als werdender Vater trägt Diggle eine besondere Verantwortung und wie sich herausstellt, behält Oliver Recht. Hätte er nicht darauf gepocht, dann hätte Diggle die Geburt seiner eigenen Tochter verpassen können.

Oliver selbst ist deutlich lockerer drauf. Das liegt daran, dass es seinem Team gelungen ist, die Kriminalitätsrate auf ein extrem niedriges Niveau zu drücken und aktuell kaum noch Verbrecher auf den Straßen Starling Citys rumlaufen. Auch die Polizei, vertreten durch den frisch beförderten Quentin Lance, schwört in einer öffentlichen Verkündung, Arrow nicht mehr als Feindbild zu sehen und sanktioniert seine Aktionen sogar. Das soll aber dennoch kein Persilschein für alle Vigilanten sein. Auch bei Quentin Lance wird zunächst etwas ignoriert, was im Staffelfinale noch eine Rolle spielte: sein Zusammenbruch. Er wirkt recht vital und scheint gut drauf. Noch viel mehr als zuvor unterstützt er Oliver als Arrow und ist nun sein direkter Draht bei der Polizei. Doch die Autoren machen bei einer späteren Situation deutlich, dass er nach wie vor seine Gebrechen hat.

Die Ruhe hält nicht lang

Ein neuer Vertigo namens Werner Zytle (Peter Stormare) hat die Stadt und das Team rund um den Bogenschützen in sein Visier genommen. Wie schon sein verstorbener Doppelgänger bedient sich der neue Count Vertigo der gefährlichen Droge, die das Opfer mit seiner schlimmsten Angst konfrontiert. Im Fall von Oliver Queen ist das tatsächlich er selbst. Beziehungsweise das Ablegen jeglicher Masken, Zweitidentitäten und Schutzmauern. Er fürchtet, was passiert, wenn er sich anderen öffnet, denn dann werden diese in Mitleidenschaft gezogen.

Dennoch geht Ollie in dieser Folge das Risiko ein und wagt etwas, das nun schon längere Zeit aufgebaut wurde: Er fragt Felicity, ob sie mit ihm auf ein Dinnerdate geht. Die romantische Spannung zwischen den beiden erreichte im zweiten Staffelfinale ihren Höhepunkt, als Oliver ihr „Ich liebe dich“ sagte. Ob es sich dabei, wie er anschließend relativiert, tatsächlich nur um eine Finte handelte, um Slade ein Schnippchen zu schlagen, blieb offen. Nun steht allerdings offiziell fest, dass Oliver romantische Gefühle für Felicity hat.

Beim Date selbst öffnet er sich Felicity und gesteht ihr, dass sie noch lange nicht alles über ihn weiß. Dazu gehört die Tatsache, dass er die fünf Jahre fernab von Starling City nicht nur auf der Insel verbracht hatte, sondern auch beispielsweise in Hong Kong. Ähnlich waren die Autoren schon am Anfang der zweiten Staffel vorgegangen, als sie die Geschichte rund um den Untergang der „Queen's Gambit“ rekontextualisiert hatten und nachfolgend Sara wieder auf der Bildfläche auftauchte. Darüber hinaus wird nun also angedeutet, dass Olivers Gefühle für Felicity schon etwa seit dem ersten Treffen mehr oder wenig unterschwellig brodelten.

Insgesamt dreht sich Olivers Figur zumindest in ihrer Beziehung zu Felicity im Kreis. Oder droht es zumindest zu machen. Felicity hat nämlich genug von „vielleicht“ und „möglicherweise“ und „irgendwann“ und will eine klare Ansage. Diese kommt dann auch überraschend schnell in Form eines heftigen Kusses. Entwickelt sich da nun etwas Ernstes zwischen den beiden?

Der Kampf gegen das Zweifeln an sich selbst

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;The Calm%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;Arrow%26ldquo; © The CW
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Der Kampf gegen Vertigo, der mithilfe Detective Lances und des gesamten Teams ausgetragen wird, kann natürlich gewonnen werden - und das ohne tödliche Gewalt, denn Oliver hat einen neuen Trickpfeil, der auch Fesselpfeil genannt werden könnte. Der neue Vertigo-Darsteller macht seine Sache besser als Seth Gabel, der in der Rolle leider zum brutalen overacting verpflichtet war. Stormare ist zwar mehr oder minder auch Kanonenfutter, kommt aber kompetenter und gefährlicher rüber. Seine Figur ist ein überraschend fähiger Nahkämpfer und seine Drogenmischung, die er wieselflink auf seine Gegner schnippt, sorgt dafür, dass sich Oliver den Kampf gegen sich selbst einbildet, was ein sehenswerter Moment in dieser Episode ist.

Ray Palmer

Als neuer Spieler erscheint in dieser Episode außerdem Ray Palmer (Brandon Routh) auf der Bildfläche. Der smarte Erfinder und Geschäftsmann konkurriert mit Oliver um dessen ehemalige Firma „Queens Consolidated“. Während Oliver bei seinem Pitch vor dem Aufsichtsrat auf der Familienschiene fährt, überzeugt Palmer durch ein stimmiges Konzept, Charme, Finesse und durch Finanzdaten, die er sich mit Felicitys Hilfe erschleicht.

Man kriegt schon in dieser ersten Episode das Gefühl, dass Oliver sich in dieser Staffel die Aufmerksamkeit von Felicity verdienen muss. Palmer flirtet recht heftig mit ihr, wenngleich es zunächst allerdings so aussieht, als wolle er sie geschäftlich einbinden und für sich arbeiten lassen. Vielleicht wäre das gar nicht so eine schlechte Alternative, denn man muss sich fragen, woher das Geld kommt, um die Mission aufrechtzuerhalten. Felicity arbeitet in einem Elektroladen, der an die US-Kette „Best Buy“ erinnert (oder, wer Chuck-Referenzen vorzieht, „Buy More“), die Firma ist bekanntlich nicht in Ollies Hand, Roy hat ohnehin kein Geld und Diggle sollte sich eher Sorgen darum machen, wie er seinen Nachwuchs großzieht, anstatt sein Leben zu riskieren.

Wie sich herausstellt, verliert Oliver gegen Palmer, was vielleicht gar nicht so schlecht ist, wie er selbst anmerkt. Zuletzt hatte er sich nämlich schon kaum um die Firma kümmern können. Das führte in Staffel zwei sogar im Endeffekt dazu, dass sie in Isabel Rochevs (Summer Glau) Fänge geriet. Außerdem kommt aus Felicitys Mund wiederholt die Aussage, dass Oliver dringend Nachhilfe in puncto Betriebswirtschaft braucht. Ein geschickter Weg, um Oliver von der Firma fernzuhalten, Palmer einzuführen und diese Handlungskomponente wahrscheinlich aus einem anderen Blickwinkel zu zeigen.

Palmer als Figur ist für Comicfans sicherlich dadurch interessant, weil mit ihr ein weiterer potentieller Superheld zur Serie stoßen könnte. Doch bisher sind die Andeutungen eher spärlich und auf technische Innovationen beschränkt. Mit einer Ausnahme: sein Vorschlag für die Stadt. Ein Relaunch als Star City, wie die Heimat von „Green Arrow“ in den Comics heißt.

Apropos Comic: Nett ist der kurze Einschub, als Barry Allen (Grant Gustin) kurz bei Oliver durchruft, was einen direkten Bezug auf die The Flash-Folge City of Heroes darstellt.

Thea (Willa Holland) meldet sich in dieser Episode lediglich per Handynachricht zu Wort, woraus man wohl schließen kann, dass Oliver keine Ahnung hat, mit wem sie wirklich verschwunden ist. Hier gibt es bald also einiges an Konfliktpotential.

Hong Kong

Die Flashbacks finden nun, wie bereits angekündigt, in Hong Kong statt, wohin Amanda Waller (Cynthia Addai-Robinson) Ollie nach dem Untergang des Frachters gebracht hat. Doch dort will Oliver partout nicht bleiben. In den fünf Monaten, die er dort unfreiwillig verbringt, hat er schon neun Fluchtversuche unternommen. Doch er wird immer wieder von einem Mann namens Maseo Yamashiro (Karl Yune) gefangen und überwältigt. Schließlich wacht er in dessen Wohnung auf, wo auch seine Frau Tatsu Yamashiro (Rila Fukushima) zugegen ist.

Alsbald erfährt Oliver, dass seine ständigen Fluchtversuche Tatsu das Leben zur Hölle machen, denn seine Familie, das schließt sein kleines Kind ein, wird von Waller Schaden angedroht, wenn Tatsa nicht seine Aufgabe erledigt. Yamashiro jedenfalls warnt Oliver davor, dass ihm seine Familie sehr am Herzen liegt und Oliver ihn nicht weiter herausfordern solle. Auch spricht er über das Annehmen eines zweiten Namens respektive Persönlichkeit. Entsteht hier Olivers Alter Ego?

Die Flashbacksequenzen sind recht kryptisch und nichtssagend und gehören für mich erneut zu den schwächeren Parts der Episode. Allerdings muss der neue Status Quo auch erst einmal ordentlich eingeführt werden, ehe ich zu hart mit diesen Szenen ins Gericht gehe. In dieser Folge jedenfalls haben sie mir nichts gegeben.

Canary is back?

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Viel spannender ist da schon der Umstand, dass Sara Lance (Caity Lotz) direkt im Auftakt wieder zurückkehrt und Oliver beim Kampf gegen Vertigo und seine Schergen aushilft. Der Auftritt ist unerwartet, verfolgt aber einen Zweck, wie sich spätestens am Ende der Episode herausstellt. Sie sucht nämlich das Gespräch mit Oliver und regt ebenfalls an, dass er sich nicht hinter Masken verstecken, sondern auch ein Privatleben zulassen sollte. Dann trifft sie kurz auf Laurel (Katie Cassidy), die sie bittet, dass sie dem gemeinsamen Vater nichts von ihrer Stippvisite erzählen soll.

Vater Lance macht Laurel in der Episode Sorgen, denn bereits zuvor (im Staffelfinale) wäre er fast gestorben und sie war bereits danach gefragt worden, was bei einer lebensgefährlichen Verletzung mit ihm geschehen solle. Trotz der Anweisung, dass er auf Außeneinsätze verzichten solle, hilft er Arrow wann immer er kann.

Doch es ist nicht ihr Vater, der gefährlich lebt, sondern die Schwester, die Teil der League of Assassins ist und in dieser Episode mit brachialem Gewalteinsatz getötet wird. Aus dem Off hört man eine mysteriöse Stimme, die auf einem Dach mehrfach mit Pfeilen auf sie schießt, so dass sie vom Dach stürzt, sich überschlägt, auf die Mülltonne knallt und auf dem Boden genau vor den Füßen ihrer Schwester landet. Nun könnte man daran zweifeln, ob die Figur tatsächlich tot ist, oder sich wundern, ob das vielleicht nur eine inszenierte Finte sein könnte. Doch die Art und Weise, wie der leblose Körper aufschlägt und die Tatsache, dass ihre Augen offen sind, als Laurel zu ihr eilt, stehen im TV oft für das endgültige Ableben einer Figur. Das ist radikal. Das öffnet Storymöglichkeiten. Das wird Dynamiken ändern.

Wer könnte der Mörder sein? Malcolm Merlyn (John Barrowman) vielleicht? Oder ein Attentäter? Eine Figur, die wir noch gar nicht gesehen haben? Ra's al Ghul persönlich? Wir werden es sicher erfahren.

Überraschend ist vor allem die Heftigkeit der Abschlussszene. Allerdings erscheint sie auch so heftig, weil die Episode davor vergleichsweise optimistisch, hell und witzig präsentiert worden war. Das bedeutet nicht, dass es keine dramatischen Momente gibt: der Zusammenbruch von Lance, die Attacke auf Felicity, Olivers Kampf mit Vertigo, der Streit mit Diggle - das alles sind emotionale Szenen. Doch der vermeintliche Mord an Sara setzt ein Ausrufezeichen unter eine Episode, die trotz ihrer Qualität doch irgendwie leicht dahinplätscherte und im Vergleich eher als nett denn spannend zu bewerten ist. Doch wir stehen ja ohnehin erst wieder am Anfang.

Fazit

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;The Calm%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;Arrow%26ldquo; © The CW
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Die Veränderungen des Arrow-Teams sind in dieser Episode durchaus faszinierend. Der Status der Helden liegt irgendwo zwischen „heile Welt“ und „Scherbenhaufen“. Der Erfolg der letzten Monate hat sie zu selbstsicher gemacht und obwohl man gut mit den veränderten Verhältnissen - besonders aus finanzieller Sicht - umgegangen ist, holt die harte Wirklichkeit sie nun teilweise wieder ein. Saras Tod wird einiges verändern. Zuallererst wohl Laurel und Quentin, aber auch Oliver und den Rest des Teams.

Ob Oliver sich nach dem Tod einer weiteren Freundin auf Felicity einlassen wird, scheint nun ebenfalls fraglich. Wahrscheinlicher ist eher, dass er vielleicht wieder die Schotten dichtmacht und sich emotional einschließt. Aber so richtig Glück mit den Frauen hat er ja ohnehin selten.

Passt Diggle noch ins Team, nun da er frischgebackener Vater ist? Wird Oliver Felicity schonen? Wohin führt Laurels Reise? Wer ist der mysteriöse Mörder? Es sind viele Fragen offen, die nun beantwortet werden können.

Videovorschau auf die Arrow-Episode Sara (3x02):

Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 9. Oktober 2014

Arrow 3x01 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 1
(Arrow 3x01)
Deutscher Titel der Episode
Ruhe vor dem Sturm
Titel der Episode im Original
The Calm
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 8. Oktober 2014 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 5. März 2015
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Samstag, 4. Juli 2015
Regisseur
Glen Winter

Schauspieler in der Episode Arrow 3x01

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