Arrow 1x12

Der Vertigo-Plot geht in der gleichnamigen Episode der US-Serie Arrow unvermittelt weiter. Nach ihrem Krankenhausaufenthalt und der Vorladung durch die Polizei muss sich Thea Queen (Willa Holland) vor Gericht verantworten. Während ihr Anwalt hofft, dass aufgrund ihres Alters lediglich eine Verwarnung ausgesprochen wird, sieht der Richter das offenbar anders und will am Mitglied der stadtbekannten Queen-Familie ein Exempel statuieren.
Das kann Oliver (Stephen Amell) natürlich nicht so hinnehmen und bemüht sich, die Verantwortlichen hinter der Droge „Vertigo“ auszumachen. Doch überraschenderweise macht er dies diesmal nicht als „The Hood“, sondern für einen Großteil der Episode als Oliver Queen.
Zunächst besucht er seine alte Bekannte und Flamme McKenna Hall (Janina Gavankar), die für die Sitte arbeitet. Diese gibt ihm weitere Hinweise zu dem Mann namens „The Count“ (Seth Gabel), der die Droge in den Umlauf bringt und den Markt kontrolliert. Eine Festnahme könnte wohl Thea verschonen, aber das ist einfacher gesagt als getan. Im weiteren Handlungsverlauf versucht Ollie eine Mischung aus konventionellen und unkonventionellen Methoden. Einer seiner nächsten Schritte bringt ihn einerseits zu Laurel (Katie Cassidy), die versuchen möchte, Thea zu helfen (dazu kommen wir später) und andererseits zu den in der Autowerkstatt beheimateten russischen Zeitgenossen, die wir bereits aus der Episode Lone Gunman kennen. Bevor das Gespräch beginnt, bittet Oliver Diggle (David Ramsey), ihm zu Vertrauen, egal, was sich abspielen wird.
Ollie glaubt, dass die Russen ein Treffen mit „The Count“ arrangieren können. Er bietet dessen Polizeiakte für ein Gespräch an, während sein Gegenüber dafür einen Gefallen einfordert. Zufällig befindet sich jemand im Raum, der beseitigt werden muss und Ollie zögert kaum, ihn zur Strecke zu bringen. Doch der Schein trügt: Schnell stellt sich heraus, dass Oliver diesen Schläfergriff auf der Insel gelernt hat und man damit täuschend echt jemanden tot aussehen lassen kann. Mit einem kurzen Griff an den Halsberich kann die Lähmung rückgängig gemacht werden.
Diggle kann sich also die Standpauke sparen, während Ollie den „Toten“ aus der Stadt bringen und ihm eine neue Identität verschaffen will. Es kommt auch bald zum Treffen zwischen Oliver und Diggle sowie dem Count und seinen Männern auf der anderen Seite. Der psychotische Count brüstet sich damit, wie viele Menschen bereits umgekommen sind, um die „perfekte Wirkung“ der Droge zu erlangen und gleichzeitig lacht er über die Informationen, die das Starling City Police Department über ihn gesammelt hat. Doch ganz so inkompetent sind die Beamten dann doch nicht: Sie unterbrechen die Übergabe, so dass der Schurke die Flucht antreten muss. Bei der Verfolgung gelingt es dem Count, Oliver eine gewaltige Dosis seiner Droge Vertigo zu verpassen. Zum Glück ist Diggle in der Nähe, der seinen Schützling in die Arrow-Cave bringt.
Drogenrausch als Ausrede für oben-ohne-Szene

Den Umstand, dass Ollie auf Drogen ist, nutzen die Autoren der Serie prompt, um einen shirtlosen Helden zu präsentieren, aber irgendwie müssen ja auch die weiblichen Fans auf ihre Kosten kommen... Immerhin bringt der unfreiwillige Drogentrip auch ein paar Kanülen der gefährlichen Droge, die in hoher Dosis so aggressiv macht, dass Handschellen notwendig werden, um das Drogenopfer ruhigzustellen, wie Oliver bald an eigenem Leib erfahren muss.
Wenn es ein Rätsel gibt, das Oliver nicht selbst knacken kann, ist Felicity Smoak (Emily Bett Rickards) bei Arrow bekanntlich nicht weit. Diesmal besucht Ollie sie direkt mit Diggle und dem Vertigo-Rest aus den Kanülen im Schlepptau. Angeblich versucht ein „Freund“ von Herrn Queen einen neuen Energydrink zu testen und Ollie möchte wissen, wo die Zutaten hergestellt werden. Diggle bemerkt anschließend treffend: „Your BS stories are getting worse.“ Wie wir bald erfahren, ist nun endlich Schluss mit der Gutgläubigkeit, auch wenn Felicity wieder mal gekonnt Ergebnisse liefert (dazu aber auch später mehr).
Wie fast alles Negative in der The CW-Serie wird auch Vertigo in den Glades, genauer gesagt in den „East Glades“ hergestellt und erst nach einer halben Stunde ist Oliver in dieser Episode zum zweiten Mal als „Arrow“ unterwegs. Und dann fackelt er auch nicht lange: Erst setzt der Vigilant ein paar seiner Lakaien außer Gefecht und dann lässt er den Count seine eigene Medizin schmecken und verpasst ihm eine Überdosis Vertigo. Doch wieder einmal ist Officer Lance (Paul Blackthorne) zur Stelle und hält Ollie eine Moralpredigt. In seinen Augen ist er kein Held, sondern ein Killer. Daraufhin überlässt er den Drogenbaron der Polizei und flüchtet.
Die Implikationen von Olivers Handeln sind allerdings durchaus interessant: Denn in Vertigos abschließender Szene sehen wir einen völlig fertigen Count, der laut Aussage des medizinischen Personals Hirn- und Nervenschäden davonträgt, was Officer Lance wohl in seiner Sicht auf Arrow bekräftigen sollte. Außerdem legt dies nahe, dass Ollie hier vielleicht einen Superschurken geschaffen hat, denn Comicleser wissen, dass Drogenüberdosen durchaus der Beginn einer langen kriminellen Karriere werden können...
Gleichzeitig lässt man sich die Tür offen für ein Comeback des Schurken, dem der aus Fringe bekannte Seth Gabel wohl versucht hat, durch massives Overacting wie eine Joker- oder Two-Face-Variante darzustellen. Gabels Talent wird leider etwas verschenkt, aber das Comeback dürfte in dem Fall ohnehin unvermeidlich sein.
Was ist nur mit Thea los?
Das sprunghafte Verhalten von Thea hat in den letzten paar Episoden den Zuschauern Rätsel aufgegeben. In Vertigo wird deutlich, dass dies der Versuch der Autoren ist, ihrer Figur ein wenig Tiefe zu verleihen. Nach wie vor hält sie ihre Mutter Moira (Susanna Thompson) für eine Betrügerin - an Theas leiblichem Vater Robert und an ihrem Stiefvater Walter. Um ihre Mutter zu verletzen, ist sie offenbar bereit, eine Haftstrafe anzutreten - da macht sich das junge Alter und eine verlängerte Trotzphase bemerkbar. Das ist wohl auch der Grund, warum sie Laurels Hilfsangebot zunächst abschlägt.
Vielleicht nicht unbedingt das rationalste Verhalten, aber immerhin sorgt das dafür, dass die Figur sich in eine Richtung entwickelt, in der sie sich nützlich machen kann. Denn erst, als Oliver mit ihr aufrichtig ist und Thea mitteilt, dass der gemeinsame Vater nicht unfehlbar und eben gerade derjenige mit Affären und Geheimnissen ist, kommt sie zur Einsicht, nimmt Laurels Angebot an und verträgt sich (fürs Erste) mit ihrer Mutter.
Nun, da Thea in Laurels Kanzlei beschäftigt ist, ermöglichen sich neue Richtungen für die Figur. Sie könnte etwa durch Akteneinsicht mehr zu diversen Kriminalfällen bekommen oder über die Machenschaften ihrer Mutter erfahren. Potential wäre genügend da. Diese Maßnahme sollte die Figur auf jeden Fall etwas nützlicher machen und prominenter in den Mittelpunkt rücken.
Inselhandlung: Welcome to Fight Club
Die Inselhandlung dreht sich diesmal um den angeblichen Verrat von Yao Fei (Byron Mann), der sich im Cliffhanger der vorangegangenen Folge als maskierter Söldner, der mit Deathstroke und Edward Fyers zusammenarbeitet, entpuppt hatte.
Ollie möchte den Verrat nicht wahrhaben, denn schließlich ist er nur für seinen Mentor auf die heikle Mission gegangen. Während Deathstroke jemandem im Kampfzirkel windelweich prügelt, ist Oliver im Duell mit Yao Fei der nächste.
Auch Fei wischt mit seinem Kontrahenten den Boden und es scheint vor den Augen der Beobachter so, als hätte Fei Oliver getötet. Zur Absicherung soll er eine Felsklippe hinabgestürzt werden und, um sicherzugehen, dass er tatsächlich tot ist, ertrinken. Doch Fei spielt ein doppeltes Spiel, denn, als Oliver im Wasser landet, erwacht er wieder zu Leben. Sein Lehrmeister hat lediglich den Betäubungsgriff angewandt, den Oliver auch in der Episode nutzt, und ihm außerdem noch ein Stück von einer Landkarte mit auf den Weg gegeben.
Felicity trumpft auf
Wie der Rezensent schon an anderer Stelle angemerkt hat, nämlich in dem Review zu Year's End, stellt sich Felicitiy als das Zünglein an der Waage für das Geheimnis um die große fortlaufende Handlung der Serie heraus. Denn, obwohl Oliver immer mit hanebüchenen Legitimationen für Recherchen zu ihr kommt, hat sie diese bislang stets einfach als solche hingenommen. Nun merkt sie aber, dass wohl mehr hinter der Sache steckt und fragt, ob sie Oliver vertrauen könne.
Mit der von Walter zu ihr gebrachten Version der Liste, die dieser im gemeinsamen Haus gefunden hat und die eigentlich Moira gehört, tritt Felicity an Oliver heran und öffnet ihm so die Augen, dass seine Mutter tatsächlich etwas verbirgt und wohl direkt mit Walters Verschwinden zusammenhängt. Des Weiteren ist sie somit maßgeblich für Olivers Handeln in seiner Zweitidentität verantwortlich. Auch wenn die Folge bis dahin bereits eine ordentlich Qualität aufweisen konnte, gelingt es wieder einmal, einen schönen - und irgendwie auch überfälligen - Cliffhanger einzubauen, der die Vorfreude auf die nächste Arrow-Episode steigert.
Wie wird Oliver vorgehen? Sucht er, ähnlich wie Walter, das Gespräch mit Moira oder stellt er erst einmal selbst Recherchen an? Klug wäre wohl, Felicity genauestens zu befragen, ehe er sich auf Dummheiten einlässt. Dass nun Felicity endlich direkt mit Oliver zusammenarbeitet und vielleicht sogar Teil des Teams in der Arrow-Cave werden könnte, ist da ein schöner möglicher Bonus.
Fazit

Eine Episode, in der eher Oliver Queen und dessen Familie im Zentrum steht, ist eine willkommene Abwechslung zur sonstigen Vorgehensweise. Dazu wird die übergreifende Handlung schön vorangetrieben, so dass man sich auf die Offenbarungen der nächsten Woche freut.
Aus dem Bösewicht hätte mehr herausgeholt werden können, dafür wurden einige lose Handlungsstränge verknüpft (Thea vs. Moira), andere wieder aufgerissen (Arrow vs. Officer Lance) und ein paar völlig neue gewoben (Thea als „Praktikantin“, Felicity als offizielle Helferin). Alles in allem eine weitere gute Arrow-Episode.
Videovorschau auf die Episode Betrayal der US-Serie Arrow: Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 1. Februar 2013(Arrow 1x12)
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